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Die neue Welt · 1938-01-28 · Heft 722 (28.1.1938) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 722 (28.1.1938)
Date
1938-01-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 722 vom 28. Jänner 1938. DIE NEUE WELT Seite t Nacji 450 Jahren Die jüdische Gemeinde von Oporto in Portug a 1, zum größten Teil aus früheren Marrarien bestehend, die in den letzten Jahren unter der Führung des Kapitäns Barros Basto offiziell zum Judentum zurückgekehrt sind, beging am .16. Jänner 1938 in feierlichem Zeremoniell die Einweihung ihrer neuen Prachtsynagoge, deren Bau durch eine Spende des indischjüdischen Philanthropen Kadoorie ermöglicht Wörden ist. Die Gemeinde hat den Namen „Mekor Chaim" (Quell des Lebens) angenommen. Der Synagogenweihe wohnten Vertretungen jüdischer Gemeinschaften aus verschiedenen Ländern bei. Seit 44.0 Jahren hat es keine Synagoge in Oporto gegeben. Seit der großen Judenaustreibung zu Ende des 15. Jahrhunderts kamen keine Juden hin. Die letzte Synagoge wurde in eine Kirche umgewandelt. Sie ist im erweiterten Umbau der Igreja de S. Bento da Vitöria noch heute deutlich zu erkennen. In einer Seitengasse sieht man das alte Patrizierhaus, in dem U r i e 1 d'A costa geboren wurde und aufgewachsen ist. In Stadt und Vororten findet man noch Spuren alter Synagogen und Judenstraßen. Viele Einwohner tragen jüdische Namen. Hauptmann Arthur Carlos de Barros Basto, dem die Gemeinde erst vor wenigen Wochen anläßlich seines 50. Geburtstages große Ehrungen erwies, hat sich die Wiederbelebung der Gemeinde Oporto zur Aufgabe gemacht. Er wurde am 18. Dezember 1887 in Amarante bei Oporto geboren und wie seine Eltern im katholischen Glauben erzogen. Er trat in die Armee ein und brachte es in jungen Jahren bis zum Hauptmann, führte als solcher eine Kompagnie im Weltkrieg und wurde für Tapferkeit vor dem Feinde wiederholt ausgezeichnet. Als einer der Führer der Jugendbewegung in Portugal gründete er den portugiesischen Bund der Pfadfinder. 1910 hißte er als erster die Fahne der Republik in Oporto. « Aus dem Weltkrieg zurückgekehrt, zog er sich nach Tanger zurück, um seinen Eintritt in das Judentum zu vollziehen. Seine Bekehrung erregte»großes Aufsehen. Der schwedische Oberrabbiner Prof. Marcus Ehrenpreis erzählt in dem Buch „Das Land zwischen Orient und Okzident" Bastos Geschichte. Dem Jüngling fiel es schon im Elternhaus auf, daß , sein Vater sich an Freitagabenden in ein besonderes Zimmer zurückzuziehen pflegte. Sein Gewissen ließ ihm keine Ruhe, bis er hinter das Geheimnis gekommen war, daß sein Vater zu jenen „Neu Christen" gehörte, die in ihrem Innern dem jüdischen Glauben ihrer Väter. treu anhingen und in dem von ihren Ahnen ererbten Ritual ihren Gott verehrten. Der junge Mann folgte nun der Stimme des Blutes, versuchte in die jüdische Lehre einzudringen, lernte Hebräisch, vertiefte sich in die jüdische Tradition. Nach religiöser Vorbereitung in Tanger ließ er sich dort in den Bund Abrahams aufnehmen, legte sich den hebräischen Namen Abraham Israel Ben Rosch bei und heiratete eine Tochter aus angesehener jüdischer Familie. Von jetzt ab widmete er sich der Zurückführung seiner portugiesischen Marranengenossen zum Judentum. Gleich seinem Vater gab es in Portugal Zehntausende von Christen jüdischer Abkunft, die ein Doppelleben führten. Der aus Lodz stammende Ingenieur Samuel Schwarz, der in Lissabon arbeitete, war es, der entdeckt hatte, daß sich große Genieinden von Marranen in Portugal bis auf unsere Tage erhalten haben. Schwarz stellte die Verbindung zwischen diesen Gemeinden und den ausländischen jüdischen Gemeinschaften her. Basto aber organisierte die Wiedervereinigung dieser Gemeinden mit dem Judentum. Er übersetzte Bibel und Gebete aus dem Hebräischen ins Portugiesische, übertrug qie Vorschriften des jüdischen Rituals in die Landessprache und begründete die Zeitschrift „Ha-Lapid" („Die Fackel"), welche Nachrichten über das Judentum in der iWelt sowie Belehrung und Erbauung verbreitet. Am 30. Juni 1935 wurde in Oporto der Grundstein zu der neuen Synagoge gelegt. Die Synagoge ist ein monumentales Gebäude von hoher Schönheit und gewaltigem Ausmaß. Sie liegt in dem schönen neuen Stadtteil Boa Vis ta/und ist weit vom Meere her zu sehen.; Barros ist seine Arbeit nicht leicht gemacht worden. Namentlich in den letzten Jahren hatte er schwere Kämpfe mit Gegnern zu bestehen, die sein Werk zu zerstören suchten. Er hat alle Angriffe siegreich überstanden. Russische Rabbiner eingekerkert. < Aus Warschau: Der Verband der Rabbiner in Polen teilt der J. T. A. mit, es seien ihm von autoritativer Seite Nachrichten zugegangen, daß zahlreiche Rabbiner in Rußland verhaftet wurden, unter ihnen der Kiewer Rabbiner Isaac Twerski, ein Schwiegersohn des „Czechanower Rabbi". Wir bitten für unsere alten u. arbeitsunfähigen BÜNDEN um Spenden, Für die blinden Musiklehrer, Klavier. Stimmer, Korbu. Sessalflechtertowie Bürstenmacher bitten wir um Arbelt tiiiisveteiu 9 wwwwruw wvww det indischen Btikdet* Wien II, Rembrandtstraße 18 - Telephon A-47-2-77 Postsparkassen-Konto A-133.213 AUS ALLER WELT Australien lehnt geschlossene jüdische Ansiedhing ab. Aus.Melbourne (J. T. A.): Die australische Presse befaßt sich eingehend mit telegraphischen Berichten über ein Interview, das der Sekretär der Freiland- Liga, Dr. J. N. S t e i n b e r g, in London einem Mitarbeiter der „Reynolds Newa" betreffend die Möglichkeiten einer jüdischen Masseneinwanderung in die Kimberley-Prov,inz im westlichen Australien gegeben haben soll. Die Blätter nehmen einmütig eine ablehnende Haltung ein. In hiesigen jüdischen'Dreisen bedauert man diese Publikation. Abgesehen von dem Antagonismus, den dieser Plan bereits hervorrief, haben Fachleute festgestellt, daß im nordwestlichen Australien eine größere jüdische Ansiedlung völlig undurchführbar sei. Mitglieder der Regierung erklärten dem J.-T.-A.- Vertreter, sie seien entschieden gegen jeden Plan einer Masseneinwanderung, die auf rassische Absonderu ng abzielt. * Die Lohdöner Zeltschrift „British Australia and New Zealand" behandelt in zwei Aufsätzen die Möglichkeit einer jüdischen Einwanderung in Australien. Das Blatt stellt fest, daß Australien große, unbesiedelte Flächen habe, die besiedelt werden müssen, da sie sonst den Landhunger Japans wecken und so Gefahren heraufbeschwören. Leider sei in den letzten zwanzig Jahren, seitdem Israel Z a n g w i 11 die damalige australische Regierung um die Ermöglichüng einer geschlossenen jüdischen Kolonisation ersucht hat, auf diesem Gebiet nichts geschehen. Mehr als 135.000 Quadratmeilen mit gesundem Klima in der Kimberley-Provlnz warten auf neue Siedler. llestoämt Met "Wl Bestrenommier ie Küche ips REICHHALTIGEM EN Ü $ von S 1.90 aufwärts iCHWIilHA Ivbk liKAU n,Hammer-Purgslall.Gasse 3 (nädist Salltorbrödrc) Tel. MI-0-25 Phantasien eines französischen Antisemiten Aus Prag:' Unter der'••'« Ueberschrift „Vör- •bereitungen für einen Pogrom" Weist Dr. Manfred Georg im „Prager Montagsblatt" auf ein 'vor kurzem in Paris erschienenes Buch von Louis - Ferdinand Coline hin, welches den Titel führt „Bagateil es pour urt mass'aere"; Manfred Georg übersetzt es entsprechend dem Inhalt mit „Vorbereitende Polemik für ein Blutbad'* und schreibt': ,,Der ,-Stürmer* ist ein Bilderbuch für Kinder gegen dieses ungeheuerliche - Pamphlet.*' Frankreichs härtester^Nationalist,: Poiricare/lsr! nach Cehne ebenso von Juden'/äbhängig,'-wie''diie^g%eiiVärtige deutsche Regierung. Die Pariser Weitäusstellürig' 'ist ' "ein Werk' jüdischen Geistes — überhaupt die' gärize moderne Zivilisation ist von Juden zur Unterdrückung aller anderen Menschen erfunden. Roosevelt ist ein fetter Bauchredner, aus'dem die Juden sprechen. Der Feuerkreuzler La Roque ist mit seinen Verschwörungen ebenso 'Judenknecht wie der'Kommunist Cachin. „Wenn ich Diktator wäre", schreibt Coline, „so müßten mit dem Datum der Kriegserklärung sämtliche Juden, jüdischen Mischlinge, mit Juden Verheiratete oder durch Heirat Verwandte oder mit ihnen Sympathisierende inklusive der Familien und Kranken in die Feüerzone, um dort zu einer Infanterie-Einheit zusammengefaßt zu werden. Die Beförderung der in der ersten Linie Dienenden darf nicht über den Rang eines Hauptmannes hinausgehen. Ein Verlassen der ersten Linie ist bei Todesstrafe verboten." Manfred Georg berichtet weiter: Allmählich setzt sich im Leser die Vermutung fest, daß es sich bei Coline vielleicht nur um eine Persiflage der marktgängigen antisemitischen Literatur handeln könnte. Dagegen spricht eines: die völlige Hümorlosigkeit des Autors. ^Die französische Presse hat sich bisher kaum zu dieser Leistung ihres Enfant terrible geäußert. Lediglich „Mariahne" schreibt: „Kranke bemitleidet man, aber man urteilt nicht über sie." Und warum schreibt Celine das alles? Er gesteht das ganz offen ein: man hat in einem Teil "der Zeitungen seine Bücher abfällig besprochen ... In der Hand Unmündiger hat das Buch freilich. Aussicht, die „Protokolle der Weisen von Zion" zu übertreffen. Ein antisemitischer Weltkongreß. „The Times" und „Prager Tagblatt" melden aus München: Das Strelchersche Organ, die „Fränkische Tageszeitung", veröffentlicht ein Intei-view mit dem Minister A. C. C u z a, Ais eine Art .Gegenmaßnahme gegen die unvermeidliche Reaktion auf die antisemitischen Maßnahmen seiner und anderer Regierungen schlägt Cuza vor, es solle ein antisemitischer Weltkongreß einberufen werden, auf welchem R u Im ä n i e n, Deutschland, Italien, Polen und S p a n i e,n vertreten sein sollen und der eine gemeinsame Taktik dieser Länder gegen die Juden festlegen und beschließen soll. Dem Argument, daß Rumänien seine Juden ausweise ohne Rücksicht darauf, was mit ihnen geschehen wird, hält Cuza entgegen: „Solange das internationale Judentum imstande ist, für den Boykp'tt der antisemitischen Nationen Geld aufzubringen, kann es den Juden finanziell nicht so besonders schlecht gehen. Diese enormen Summen sollten dafür verwendet werden, ein Siedlungsgebiet für die Juden zu beschaffen. Ich bin dagegen, daß dieses Land Palästina sein soll. Palästina hat in rassischer Hinsicht niemals den Juden gehört. Man sollte ihnen Madagaskar geben und das Geld, welches sie für den Kampf gegen die „erwachenden Nationen" verwenden, sollte diesem Lande zufließen." Uujmc cht HiähtUckeH QkeUt Im Rahmen des Ringes der Altherrenverbände (I., Kohlmarkt 10) hält Dr. Oskar Roscnfcld Montag, den 7. Februar, um halb 9 Uhr abends eine Conference unter dem Titel „Humor im mährischen Ghetto". KINO.PROGRAMME Kreuz-Kino Der dritte 5rod I, Wollzeile 17 (They won'i forgel) Telephon R-24-2-16 uer preisgekrönte Film, Vont«llunfl«n: J., Vt», Va10 der alle begeistert! KHWEDEK Greta Garbo, Charles Boyer »<■ Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen fl ugartentm"ß^££'m*~ Kino II, Untere Augartenstrafia 28 Telephon A-40-5-88 Beginn: a/t4, .VA VA ' «10 Uhr Empfehlenswerte Firmen RESTAURANTS, CAFfiS et<3. Cafe Atlashof,. I., Franz-Josefs-Kal 1, Tel. R728-2-28. Cafe Augartenhof, II., Untere Augartenstraße 46, Telephon A-44-0-75. ■ ' „„„„',■ Cafe Buchsbaum, IL, Kleine Pfarrgaase 21. Bürgerliches Familiencafe. „ , A , „ _ , . ...Cafe-Restaurant „Do France", L, Schottenring 3, Telephon .. A-16-3-74. Erstklassige Küche. Billige Preise. Saal und Klubzimmer1 zu vergeben. Deutsch, ani Schottenring 13, Delikatessenhandlung und Gaststube. " ■ ' _ Cafe-Restaurant „Espresso", I., Rotenturmstraße 1. Internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. 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