Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 722 (28.1.1938)
- Date
- 1938-01-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf . 722 vom 20. J5aa#r im. DIE KEUE WELT Seite 5 Palästina-Redaktion „Die Neue Well ••■ Tel-Aviv, Dizengoffstraße Nr. 6 Mi Die xiomstisdie G* P, II* Zum Urteil über Meir Großmann Von Dr. H. Rosenblum (Tel-Aviv) Auf welche Weise konnten Kamenew und Sinowje»w, die sich in der sibirischen Verbättnung unter der Aufsicht der Staatspolizei, der G. P. U., befanden, „Hochverrat" begehen? Wie konnte es geschehen, daß der ehemalige Minister.der weißgardistischen Regierung, Herr Wischinsky, die'obigen Begründer Sowjetrußlands. der „Untreue gegenüber dem Kommunismus" beschuldigen konnte? Welche sind die Gründe, die die Häupter der Roten Armee, Tuchatschewsky,, Gamarnik, Jakir u. a., veranlassen konnten, Geheimnisse ihres eigenen Generalstabs der deutschen Armeeleitung auszuliefern? Wieso konnte Stalin, der sämtliche Freunde und Mitarbeiter Lenins vernichten ließ, das kommunistische Ruder in seinen Händen behalten? Es ist zu bezweifeln, ob diese und ähnliche Fragen jemals eine Antwort erhalten werden, denn •8 ist gar nicht so leicht zu erfahren, was in der Tiefe 4es G.-P.-Uv»Kellers vorgeht. Sowjetrußland ist kein Rechtsstaat und ist aller Grundelemente desselben, wie Presse^, Versammlungs- und Meinungsfreiheit, bar. Aua dem Polizeistaat Sowjetrußland wird infolgedessen nur dasjenige berichtet, was dem Diktator genehm, und alles unterdrückt, was ihm unerwünscht ist. Auf welche Weise konnte die Judenstaatspartei für den vom Präsidenten der Zionistischen Organisation begangenen Verrat gemaßregelt werden? Wie konnte es geschehen, daß drei politische Gegner und Widersacher der Judenataatspartei sich als berufen erklärten, die Judenstaatspartei unter Ausschluß der Oeffentlichkeit zu „richten"? Welches sind die Gründe, die den zionistischen Kongreßanwalt Dr. Barth veranlaßt haben, nach drei Monaten des Schweigens plötzlich die Anklage einzureichen? Wieso konnte Dr. Weizmann, der die besten Repräsentanten des politischen Zionismus zu vernichten und die Bewegung der größten Krise entgegenzuführen wußte, das Ruder der Zionistischen Organisation in-seinen Händen behalten? Auch diese Fragen werden nicht so bald beantwortet werden. Denn — und das muß einmal mit aller Klarheit ausgesprochen werden — auch die Zionistische Organisation hat alle Merkmale einer auf Rechtsgrundlagen beruhenden Bewegung verloren und ist .zum.System der politischen Inquisit i o n übergegangen. Heute bedarf das berühmte Wort Herzls über den „Judenstaat unterwegs" einer gewissen Abänderung: Die Zionistische Organisation ist nicht>einfach „der Judenstaat", sondern der „jüdische Polizeistaat unterwegs". Die Organisation wird von einem gut ausgebauten und dem „Führer" untergeordneten Apparat vollkommen beherrscht. An erster Stelle marschiert die zionistische Presse, die alles „Unerwünschte" und „Unzeitgemäße" tendenziös beleuchtet oder ganz totschweigt. Wenn einer sich trotzdem Gehör zu verschaffen weiß, treten ihm die zionistischen Wirtschaftsinstitutionen entgegen, die ihn durch wirtschaftlchen Druck unschädlch zu machen wissen. Falls auch die Wirtschaftsiiistitutionen versagen, so treten die zionistischen Großbanken auf die Bühne. Und wenn all dies nicht wirkt, treten die höchsten Gerichtsinstitutionen (wenn nötig, in geschlossener Sitzung) in Erscheinung, um den Widerspenstigen zu zermalmen... Brandeis, de Haas, Nordau, Jabotinsky, Stricker, Soioweitschik, Sokolow und viele andere könnten davon manches erzählen. Auch Grünbaum, Rabbi Fischmann, Rottenstreich und viele andere, die. im ungleichen Kampfe erlegen sind und ihre einstmalige Opposition in Anbiederung verwandelt haben, könnten davon ein Liedchen singen. Und da dieses Knebelungssystem sich als „fruchtbar" erwiesen hat, wird es von der zionistischen G. P. U. mit Nachdruck angewandt. Die gerichtliche Maßregelung der Judenstaatspartei ist ein Ausdruck dieses Systems, wahrscheinlich nicht der letzte. * Was tun? Es ist nicht wahr, daß es nur zwei Auswege gibt: loyale Unterordnung unter die von der zionistischen G. P. U. postulierten Gesetze oder Austritt aus der Zionistischen Organisation aus freien Stücken. Es gibt einen dritten Weg, der den Erfordernissen des zionistischen Interesses und zionistischen Gewissens entspricht, und das ist: Rücksichtsloser Kampf gegen den Polizeistaat in Verband der Juflgnstaatszlonlsta Sektion Pratcr Samstag, den 29. ds., halb 9 Uhr abends, im Heim, II, Erlafatraße 5 AKADEMIE UND TANZ Reichhaltiges Programm — Erstklassige Jazz — Entree S 1.— und außerhalb der Zionistischen Organisation, ungeachtet der Zahl der Opfer. Dieser dritte Weg ist vielleicht der allerschWerste, weil er von der Partei revolutionäres Pathos und viel Opferwilligkeit fordert. Er stellt aber vielleicht die einzige Möglichkeit dar, die noch übriggebliebenen Positionen in der Zionistischen Organisaton zum Wohle des Zonismus auszunützen und die jüdische Öffentliche Meinung (inwiefern sie noch existiert) auf die Tätigkeit und Wirkung des Polizeisystems innerhalb des Zionismus aufmerksam zu machen. Wenn man aber sagt, man müsse der zionistischen Bürokratie auch außerhalb der Zionistischen Organisation den Kampf ansagen, so d.arf dies, meines Erachtens, kein bloßes Wortspiel sein. Es ist klar, daß die außerhalb der Zionistischen Organisation stehenden Revisionisten unsere natürlichen Verbündeten in diesem Kampfe sind. Wir haben mit den Revisionisten manche Meinungsverschiedenheit in der Vergangenheit gehabt, die noch heute nicht ganz geschlichtet sind. Es wäre aber andererseits unvernünftig, zu leugnen, daß unsere Meinungsverschiedenheiten heute nicht mehr so akut sind, wie sie im Jahre 1933 waren. Im Laufe dieser fünf Jahre hat sich die politische Situation in Palästina und im Zionismus vonGrund aufverändert. Probleme, die damals im Brennpunkt des öffentlichen Interesses standen, haben heute an Wichtigkeit verloren,' und umgekehrt, Fragen, die damals kaum existierten, nehmen heute den ersten Platz in der zionistischen Publizistik ein. Die Zionistische Organisation verzichtete auf den weiteren Kampf um die Aufrechterhaltung des Palästina-Mandats und gab ihre Zustimmung zur Teilung des Landes in einer in der jüdischen Geschichte noch nie dagewesenen Weise. Auch innerhalb der Zionistischen Organisation vollziehen sich wichtige Aenderungen, die dem Gesicht des Kongresses eine noch schärfere k 1 a s s e n k ä m p f erische Prägung als bisher verleihen werden: die linken Poale Zion unter Führung von Srubawel Du Sä&tMtUai* pAtäittutas> SOEBEN IST ERSCHIENEN: Das geliebte Land ~ VON CHAJIM BLOCH Schöner Ganzleinen-Geschenkband S I0.5O Jeder, ob jung oder alt, sollte „Das geliebte Land" zur Hand nehmen; er wird es nur mit tiefer Ergriffenheit fortlegen, um immer wieder darnach zu greifen. Es Ist das schönste Palästina-Buch der letzten zwei Jahre. Durch jede gute Buchhandlung oder direkt vom Verlag R. Lftwi t, Wien I, Fleischmarkt 1 nung gezollt und betont, daß „die Juden die besten Abnehmer japanischer Waren" seien. , 27.352 Dunam gingen in jüdischen Besitz über. Aus Jerusalem: Im November 1937 sind von Juden 2172 Dünam Boden erworben worden. In den ersten elf Monaten 1937 hat sich der jüdische Bodenbesitz um insgesamt 27.352 Dunam vergrößert, für die ein Preis von 371.935 Pfund bezahlt wurde. Eine anonyme 5000-Pfund-Spende für den Keren Kajemeth. Aus Jerusalem: Das Hauptdirektorium .des Jüdischen Nationalfonds teilt mit, daß es von einer unge.- nanrit bleiben wollenden* Person eine Spende von 500O Pfund erhalten hat. Verbandshaus der jüdischen Ingenieure und Architekten in Tel-Aviv. Aus Tel-Aviv: In Tel-Aviv fand die feierliche Eröffnung eines Hauses des Verbandes jüdischer Ingenieure und Architekten Palästinas statt. Der Feier wohnten Vertreter der Regierung und der Stadtverwaltung bei. Der High Commissioner sandte ein Begrüßungsschreiben. BÜCHER jeder Art (aubh ait) im Anfiquarlat Hermann TUCHNER, |CK6 TüuÖntraBß 52. Tel. R-41-4-20 und Abramowitsch, welche jahrzehntelang außerhalb der Zionistischen Organisation, standen und mit der Kommunistischen Internationale kokettieren, faßten neulich einen Beschluß'auf-B' e i t r i 11 zur Zionistischen Organisation. Andererseits führt die Zionistische Arbeiterpartei Verhandlungen mit den antizionistischen Arbeit ergewerksch af ten' Amerikas um Beschickung des Zionistenkongresses. Das Erscheinen dieser beiden Gruppen am nächsten Kongreß wird der Organisation eine Richtung geben, die das Ben-Gurion-Regime noch als ideales Regime erscheinen lassen wird... Es ist unter diesen Umständen klar, daß die wahre zionistische Opposition sich nicht an die Taktik des Jahres 1933 klammern kann. Es müssen Wege und Mittel gefunden werden, um die Kooperation aller wahrhaft zionistischen Kräfte, mögen diese inner- oder außerhalb der Zionistischen Organisation stehen, anzubahnen, um die in den Dienst des zionistischen Kampfes zu stellen. Nur eine derartige Kooperation und eine Sammlung aller treuen Judenstaatszionisten kann in absehbarer Zeit jene Kraft werden, die imstande wäre, dem sozialistischen Polizeistaat in der Zionistischen Organisation und den von ihm politisch und wirtschaftlich geknebelten bürgerlichen Parteien mit Erfolg entgegenzutreten. Nur dieser umfassende Kampf wird als effektive Antwort auf das Jerusalemer Urteil der zionistischen G. P. U. gelten können. Nur diese Antwort wird die begeisterte Zustimmung aller politischen Zionisten finden. 8400 Arbeitslose in Tel-Aviv. Aus Jerusalem: Die jüdische Presse meldet mit wachsender Besorgnis über die Arbeitsverhältnisse in Tel- Aviv. Die Zahl der eingetragenen Arbeitslosen in dieser Stadt beträgt mehr als 2200. während weitere 1200 Arbeitslose darüber hinaus nicht eingetragen sein dürften und etwa 3000 keine ganztägige Beschäftigung haben. Der städtische Erziehungsausschuß versorgt 3000 Kinder mit freien Mittagamahlzeiten, da die Eltern dieser Kinder außerstande sind, für sie zu sorgen. Trotz dieser ungünstigen Verhältnisse wird das im Laufe des Jahres 1937 in Palästina investierte jüdische Kapital auf etwa 6 Millionen Pfund geschätzt. Japanische Handelsdelegation in Palästina. Aus Jerusalem: Die gegenwärtig in Tel-Aviv weilende japanische Handelsdelegation teilt in einer Erklärung an die palästinensische Presse mit, daß sie mit Repräsentanten jüdischer Firmen in Palästina Verhandlungen zwecks Hebung des palästinensischen. Exports nach Japan führt. In.der Erklärung wird dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina vollste Anorken- Freundschaftsvertrag Transjordanien-Saudi-Arabien. Aus Jerusalem: „Havas" meldet aus Amman: . Die Regierungen von Transjordanien und Saudi-Arabien haben einen neuen Vertrag über gute nachbarliche Beziehungen unterzeichnet, der am 21. Februar in Kraft treten wird. Der Vertrag enthält auch eine Klausel über freundschaftliche Regelung von Differenzen, die zwischen den Grenzstämmen der beiden Länder entstehen könnten. Letzte Pälä§(inaffNadhridfiten Phantastische Pläne. Palcor meldet aus Jerusalem: Der Bagdader Korrespondent der christlich-arabischen Zeitung „F e 1 e s t i n" macht Mitteilung über seine Begegnung, die er mit dem Außenminister von Irak hatte. Der Korrespondent fragte den Minister über die Nachrichten, welche kürzlich bezüglich des Planes einer Vereinigung Palästinas und Transjordaniens mit Irak und bezüglich der Ansiedlung von 2 Millionen Juden in den arabischen Ländern erschienen sind. Betreffs dieser Fragen soll der gewesene Außenminister des Irak, Nouri Saud, nach London gefahren sein. Der irakische Außenminister erklärte, daß das Palästina-Problem in der Weise gelöst werden müsse, daß der Friede und die Existenz der Araber im Lande gesichert' seien. Die erwähnten Nachrichten stimmten nicht mit der nationa 1 en Po 1 it-ik des Iraks überein. Die neue Palästina-Kommission. Aus London meldet die J. T. A.: Aus offiziellen Quellen erfährt die J. T. A., daß in allernächster Zeit die Zusammensetzung der neuen Palästina-Kommission bekanntgegeben werden wird, welche die Aufgabe hat, das Palästina-Problem entsprechend den Richtlinien des Berichtes der Königlichen Kommission zu studieren. Die Mitglieder der neuen Kommission sind bereits ernannt. Im Einklang mit dem letzten Weißbuch der britischen Regierung soll die Kommission den Charakter einer technisch-beratenden Körperschaft haben. Zur Zeit werden im Kolonialamt Beratungen mit den neuen Kommissionsmitgliedern darüber abgehalten, ob die Kommission sofort nach Palästina abreisen oder vorher noch informative Studien in London selbst betreiben soll. Es wird offiziell bestätigt, daß der neuen Kommission kein einziges Mitglied der seinerzeitigen Königlichen Kommission angehört. Hüte Heu*. JflacUUelllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHillllllllllllllllllliiK HENRIETTE ROSENFELD-KLEIN Wien l, KJfirmtnerstraße