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Die neue Welt · 1938-01-28 · Heft 722 (28.1.1938) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 722 (28.1.1938)
Date
1938-01-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 722 vom 28. Jänner 1938. ' schauung. daß eine normale Ration, gibt sie den Juden volle Freiheit, machtlos in ihren Händen ist, gegen sie den Kampf ums Leben verliert und geschlagen und versklavt wird. Wirtschaftlich wie moralisch. Ist dies die stolze Lehre einer stolzen Nation? Das verstehe ich nicht. Die tschechische Nation hat es nicht notwendig, die Juden mit solch mystischen Befürchtungen zu betrachten. Sie war niemals östlich-passiv und faul, sondern hat sich von Anbeginn ihrer Befreiung mit Lust in die westliche Aktivität eingeschaltet. Der Tscheche schaut ruhig auf den Prozentsatz des jüdischen Anteiles an Arbeit und Gewinn, weil er darin vorläufig nichts Auffälliges sieht. Aber eben dieser Prozentsatz ist Gegenstand eines gewissen stillen Uebereinkommens zwischen den Juden und der tschechischen Nation und wir erachten es für unsere Pflicht, darauf hinzuweisen, daß es auch unserer Meinung nach unheilvolle Folgen für die Entwicklung der Judenfrage bei uns hätte, wenn dieser Prozentsatz überschritten würde." Eine Rede Weixmanns Aus Jerusalem: In Jerusalem fand in Anwesenheit des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Prof. Chaim Weizmann, und von Vertretern sämtlicher jüdischer Städte, Kolonien und Gemeinden des Landes eine Plenarsitzung des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) statt. Prof. Weizmann erklärte, er begebe sich in kurzem, nach London, um dort die bestmöglichen Bedingungen für den im Falle der Teilung zu schaffenden jüdischen Staat zu erwirken. Er werde der Mandatarmacht klarmachen, daß es keine Lösung der Palästina-toage ohne die Zustimmung des jüdischen Volkes gibt. Mrs. Dugdale, die Nichte Lord Balfours, die der Sitzung gleichfalls beiwohnte, sagte, sie glaube unerschütterlich daran, daß das Palästina-Problem schließlich doch im Sinne der Behebung der brennenden jüdischen Nöte gelöst werden wird. Der Vorsitzende des Waad Leumi, Jizchak Ben Zwi, führte aus: Der Jischuw ist gegen jede Lösung, die nicht die Schaffung eines eigenen Staates im eigenen Lande vorsieht. Die kritische Lage in Rumänien und in anderen Ländern erfordert gebieterisch eine möglichst schnelle Lösung der Palästina-Frage. Der Waad Leumi und die Jewish Agency tun alles, was in ihrer Macht steht, um zu helfen, die Ruhe im Lande, wiederherzustellen und der wirtschaftlichen Depression Herr zu werden» die nur ein Resultat der politischen- Unsicherheit ist. An der-darauffolgenden Generaldebatte nahmen M. M. Ussischkin, Suprasky, Mosche Smilanski, David Remez, Weinstein, Prof. David Jellin u. a. teil. ., * . .... , . Wenn Professor Weizmann. nur deshalb nach London fahren will,-um. dort, gute Bedingungen für die Teüung Palästinas durchzusetzen,. dann kann er sich die. Reise ersparen. Der Teüungsplan, welchen er im August 1937 als unumstößl i oh erklärte, ist bereits begraben. Wenn er um seinetwillen irgendwohin fährt, dann jagt er einem Phantom nach. Der,verantwortliche Führer der zionistischen Bewegung könnte in dieser schweren Zeit nützlichere Arbeit verrichten. Es ist sehr schön von Weizmann, daß er eine Lösung der Palästina-Frage ohne Zustimmung des jüdischen Volkes für unmöglich erklärt. Der Respekt, den er jetzt — im Jänner 1938 — dem Willen des jüdischen Volkes erweist, '" könnte erhebend wirken, wenn nicht die Erinnerung an den Juli 1937 da wäre. Im Juli 1937 hat Weizmann das von ihm jetzt so tief respektierte jüdische Volk schnöde hintergangen, hat hinter dessen Rücken dem englischen Kolonialminister Orrasby-Gore die Zustimmung zur Zerreißung Palästinas gegeben. Weizmanns Respekt vor dem Willen des jüdischen Volkes hat sich reichlich spät eingestellt. Aufruf zur Einigkeit In einem Appell des Pariser Komitees zur Verteidigung der Rechte der Juden in Mittel- und Osteuropa an die zentralen jüdischen Organisationen in Europa und Amerika sowie an führende Persönlichkeiten der katholischen und protestantischen Kirchen und an humanitäre Organisationen, sich zu einem gemeinsamen Kampf für die bedrohte Jüdische Minderheit und für die anderen nationalen Minderheiten in Rumänien und in anderen Ländern Osteuropas zusammenzuschließen, heißt es: Die antisemitische Propaganda in Rumänien, Polen und anderen Ländern wird von Deutschland her geführt und gefördert. Wir müssen alle unsere Kräfte konzentrieren, daß die demokratischen Kreise, die christlichen Kirchen, die großen jüdischen Gesellschaften lind die philanthropischen Komitees ihre edlen Bestrebungen vereinigen, um die grauenvolle Pest des Antisemitismus wirksam zu bekämpfen. Wir wissen sehr wohl, daß in normalen Zeiten es innerhalb des Judentums zwischen den einzelnen Gruppierungen wesentliche Meinungsverschiedenheiten gibt. Einige Teile des Judentums, hauptsächlich jene, die in den Ländern der liberalen und toleranten westlichen Zivilisation leben, sind Uberzeugt, daß sie sich vollkommen assimiliert haben. Sie betrachten «ich als rein religiöse israelitische Gemeinschaften und bestreiten das Vorhandensein einer jüdischen Nationalität oder des'jüdischen Volkes. Andere Gruppen sprechen im Namen jener; ansehnlichen Milfweuin des CUaiefi-foal- Qumhatüm* ° w veranstaltet am Samstag, den 29. Jänner *938, um 8 Uhr im Hotel „Metropol'-, T-Morzinplatz 4, einen Qeseästkaftsa&ekd Mitwirkend: Sarah Goldstein, Li Ii an Harme 1, Bobby Weiser, Igo Mann, Walter Engel, Geschwister Krieslowicz Jazzorchester: Fux witty vexers jüdischen Massen in Osteuropa und Amerika, die sich ihre eigene Sprache erhalten haben und mit dem Zionismus und der Renaissance der hebräischen Sprache zutiefst verbunden sind. Diese Gruppen betrachten sich als die Repräsentanten des jüdischen Volkes und wünschen, daß die Rechte derJuden als nationale Minderheit ebenso anerkannt werden wie die Rechte der anderen nationalen Minderheiten in den Staaten Osteuropas. Während die letzteren geneigt sind, sich zu gemeinsamer Tätigkeit in internationalem Maßstab zusammenzuschließen, wollen die assimilierten Teile den Rahmen ihrer Vaterländer nicht verlassen. Die Epoche aber, in der wir leben, läßt eine innere Uneinigkeit unter den Juden nicht zu. Um eine ehrliche und würdige Basis für die Zusammenarbeit der nationalen und der assimilierten Juden zu schaffen, müssen wir der Wirklichkeit Rechnung tragen. Die nationalen Juden dürfen nicht jüdische nationale Minderheiten dort suchen, wo die Juden lediglich religiöse Gemeinschaften bilden; anderseits dürfen die assimilierten Juden nicht die Existenz nationaler jüdischer Minderheiten bestreiten. Auf Grund dieses freien und loyalen Uebereinkommens werden alle Teile des Judentums imstande sein, mit den demokratischen Faktoren, den christlichen Kirchen und humanitären Gesellschaften gemeinsam gegen die Welle der Verfolgungen und die antisemitische Hetze erfolgreich anzukämpfen." Zum Schluß wird in dem von dem Senator und früheren Minister Justin Godart, sowie anderen hervorragenden Persönlichkeiten unterzeichneten Aufruf die Schaffung eines Vereinigten Komitees zur Verteidigung der verfolgten Juden vorgeschlagen, und zu diesem Zwecke die Einberufung einer Konferenz in Paris im Frühjahr angekündigt. Iü<Ji«dier Weltkongreß In der Petition des Jüdischen Weltkongresses wird hervorgehoben, daß eine vorbereitende Kommission für die Ausbürgerung und vermutlich auch Ausweisung der Juden bereits zu arbeiten begonnen habe. Die von dem rumänischen Ministerpräsidenten Goga angegebene Zahl von 500.000 jüdischen Einwanderern wird mit dem Einwand zurückgewiesen, daß laut der rumänischen Volkszählung von 1936 es in Rumänien 756.000 Juden, d. h. 4,2 Prozent der Oesamtbevölkerung, gegeben habe, woraus sich im Vergleich zu der jüdischen Bevölkerungsziffer von 1910, nämlich 851.000, ein Rückgang und nicht ein Zuwachs ergebe. Außerdem gehe aus dem Bericht des Nansen-Amtes aus dem Jahre 1936 hervor, daß die Zahl der Einwanderer aus Rußland, Juden und Nichtjuden, insgesamt lediglich 11.000 betragen habe und daß daher von einer Masseneinwanderung von Juden in Rumänien keinesfalls die Rede sein könne. Die Juden Rumäniens, auf die sich die angekündigten und zum Teil bereits durchgeführten Maßnahmen der neuen rumänischen Regierung beziehen, seien entweder Staatsbürger des alten Vorkriegsrumänien oder aber Einwohner der von Rumänien annektierten Gebiete, die durch die Annexion die rumänische Staatsbürgerschaft und kraft der Verträge alle Staatsbürgerrechte erworben hätten. Das amerikanische Judentum für Palästina Aus Washington wird gemeldet: Die große Palästina-Konferenz des amerikanischen Judentums unter Teilnahme von 1500 Delegierten ist soeben geschlossen worden. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Frage, auf welche Weise die Bestrebungen für den Palästina-Aufbau seitens des amerikanischen Judentums gefördert werden können. Die Konferenz wurde im Namen der amerikanischen Regierung vom Innenminister I c k e s begrüßt, der erklärte, daß die Hoffnungen des jüdischen Volkes, sein Nationalheim aufzubauen, mit dem Siege der Demokratie und des Friedensgedankens in der Welt verknüpft seien. Minister Ickes übergab der Konferenz auch eine Begrüßung des Präsidenten Roosevelt, worin es heißt, daß der Präsident mit ständiger Sympathie die Bestrebungen des jüdischen Volkes zur Wiedererrichtung ihres Nationalheimes in Palästina verfolge. Die Palästina-Konferenz beschloß, im Jahre 1038 lür den Aufbau Palästinas 4,5 Millionen Dollar zu sammeln. Alis Ungarn Die Kinder Jes Kultuspräsidenteii Die Tochter des seinerzeitigen Präsidenten der ungarischen Isrealitischen Landeskanzlei, Baron Adolf Kohner, Katharine, verehelichte Lukäcs, hat ihren Uebertritt zur katholischen Kirche angemeldet, während die Söhne des Barons, Alfred, Georg und Stefan Kohner, zum reformierten, bzw. zum evangelischen Glauben übergetreten sind. Ihre Großmutter, Frau Auguste Kohner, war die Präsidentin des jüdischen Knab.enwaiscnhauses. Die ältere Generation der Kohnerschen Familie spielte im kulturellen und sozialen Leben der Juden eine führende Rolle, aber auch die jetzj; Getauften figurierten noch als Proteki toren des jüdischen Studentenballcs, der in diesen Tagens tattfinden soll. „Egyenlöseg" erinnert daran, daß die Pester Kultusgemeinde beim Zusammenbruch des Bankhauses Kohner das größte Entgegenkommen bekundete. Oeffentliche jüdische Gelder waren damals in Mitleidenschaft gezogen. # Verurteilte Rassenschützer In der rassenschützlerischen Zeitschrift „Gyözunk" hatten Karl Machay und Otto Schoner jun. zwei Artikel veröffentlicht, in denen sie heftige Angriffe gegen die Juden richteten. Der Gerichtshof verurteilte beide sowie den Herausgeber des Blattes wegen konfessioneller Aufreizung zu einem Monat, bzw. vierzehn Tagen Arrest. Organisator von antisemitischen Exzessen in Ungarn — ein Deutscher. Aus Budapest (J. T. A.): Im Verlaufe der polizeilichen Untersuchung gegen eine Bande von Huligans, die bereits mehrfach jüdische Ausflügler in den Wäldern von Buda überfallen und verprügelt hat, ist festgestellt worden, daß einer der Führer und Organisatoren der Bande, die zu den „Sturmabteilungen" der ungarischen Nationalsozialistischen Partei gehören soll, ein deutscher Staatsbürger namens Walter Rockebauer ist. CoKBuchsbiiuiniüK1;! Bürgerliches Familiencafö. In- und ausländische Zeitungen. Separierter Raum für geschlossene Gesellschaften. Herabgesetzte Preise. Mokka 45 Groschen, Melange 50 Groschen. Aus HitlersDeutidiland Der konfiszierte „Stürmer". Die Mittwpchnummer von Julius Streichers „Stürmer" wurde wegen einer scharfen Kritik an' der Reichs-; stelle für Devisenbewirtschaftung verboten. „Stürmer" hatte geschrieben: „Die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung gibt also den Juden Devisen, damit sie in der Schweiz lernen, wie man am besten schmuggeln, schieben und Steuern hinterziehen kann. Mit ihrer Hilfft lernen die Juden in der Schweiz, wie man durch Rassen- Schändung deutsche Frauen und Mädchen verderben und das deutsche Volk vernichten kann." Es wurde aber auch eine zweite Ausgabe, des „Stürmer" verboten, die Sondernummer „Rassenschande", in welcher die Einführung der Todesstrafo für Juden, die sich eines „rassenschänderischen" Aktes schuldig machen, gefordert wird. Die Nummer enthält nicht allein schmutzige Beschreibungen von „Rassenschande" und dazu gehörige ekelerregende Bilder, sondern auch eine direkte Auf forderung zu Pogromen. Die Sondernummer wurde in 500.000 Exemplaren ausgedruckt und befand sich bereits in aller Hände, als die Beschlagnahme erfolgte. Der Londoner „Sunday Express" ist im Besitz einer der Sondernummern und veröffentlicht den Kopf In Faksimile. Das Blatt meldet, daß Streicher, Himmler und Baidur von Schlrach im Namen zahlreicher Führer der nationalsozialistischen Bewegung das Verbot der Devisen ausgäbe für Juden und die Einführung der Todesstrafe für Rasseuschänder seit langem fordern, daß aber das Auswärtige, Amt in der Wilhelrastraße sich gegen selche Maßnahmen sträubte. Daraufhin beschloß Streicher, auf eigene Faust etwas zu unternehmen, und gab die Sondernummer heraus. Der Jugendführer. Der „Stürmer" Nr, 3 vom Jänner 1988 veröffentlicht eine Zuschrift des Reichsjugendführers mit folgendem Wortlaut: „Es ist das historische Verdienst des „Stürmers", die breiten Massen unsere» Volkes in volkstümlicher Form über die jüdische Weltgefahr aufgeklärt zu haben. Der „Stürmer" hat recht, wenn er diese Aufklärungsarbeit nicht im Tone des ästhetischen Salons leistet. Da das Judentum dem deutschen Volke gegenüber keine Rücksicht hat walton lassen, haben auch wir unsererseits keine Veranlassung, unseren schlimmsten Feind rücksichtsvoll zu schonen. Denn was wir heute versäumen, muß die Jugend von morgen bitter büßen. Hell Hitler! Baldurvon Schrirac h." Eine ganze Familie. Die Zeitschrift „Deutsche Freiheit" meldet aus Hamburg: „Der Vernlchtungsfeldzug gegen die Juden wird hier mit allen Mitteln fortgesetzt. Der Inhaber der Reederfirma Bernstein ist für Jahre ins Zuchthaus gesperrt und das Geschäft vernichtet worden. Jetzt wurde eine ganze Familie Bloch wogen sogenannter Rassenschande und Kuppelei" ins Zuchthaus gesetzt. Den Eltern wurde vorgeworfen, nicht verhindert zu haben, daß ihre drei Töchter Beziehungen *u arischen Männern unterhielten. Da Hie diesen „Ariern" sogar Zutritt in die Wohnung gestatteten, verurteilte man sie wegen Kuppelei. Sohn und Onkel sollen Ihrerseits „Verhältnisse mit arischen Frauen" gehabt haben. So wanderten sie alle, Vater, Mutter, Töchter, Sohn und Onkel, ins Zuchthaus." Warnung. Die Direktion des Chajesrealgymnasiums warnt vor einer Betrügerin, die in Häusera für eine angebliche Ausspeisungsaktion der Schule sammelt^ Eine solche Aktion besteht nicht«

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