Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1938-01-28 · Heft 722 (28.1.1938) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 722 (28.1.1938)
Date
1938-01-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2712340-2712348--6976-2720799
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 722 vom 28. Jänner 1Ö38, Sfmottsbrot nod) immer unerreicht ol§ ©gfuttböeit«- unb Äraft* brot. 9ktd) an ben fo wichtigen ftöfjtfcttyen. @ef|f bequem: ©tmon§urot.Sd}mttenöätfd)en in Stanniol, ftrüdjtenbrot: Aufbauunb $arm«töeguldtot. #u baben in ftemfoftbanblungen unb itt »ielen SBätftreien. »SimonSbrotfabrif SBien-Äflgron55. $ögl. hofftet).* daran glauben, daß dieser Zynismus zusammenbrechen muß. so glauben wir als Juden, daß unser Volk diese entsetzliche Prüfung überstehen wird. Wir glauben fest daran, daß die Zeit kommen muß, da Italiener und Serben die Episode Gajda-Stojadinowitach als dunkeln Fluch, in ihrer Geschichte werten werden. r. st. Die Blaüi'em'sdte Presse Einschwenken ins antisemitische Lager. Bald nach dem Abschluß des Freundschaftspaktes zwischen Italien und Hitler-Deutschland machten sich in der italienischen Presse, welche bis dahin die Judenfrage wenig und nur in freundlichem Sinne zu behandeln pflegte, antisemitische Anzeichen bemerkbar. Zuerst nur im „Regime Fascista" des früheren Generalsekretära der faschistischen Partei, Roberto Farinacci, und in der offenbar von Berlin soutenierten römischen Zeitung „II Te ve r e". Vorstellungen bei der italienischen Regierung wurden dahin beantwortet, daß es sich hier um vereinzelte Ausfälle „unverantwortlicher" und „bedeutungsloser" Einzelgänger handle. Nun hat sich aber das Bild verschoben. Die größten Zeitungen und ausgesprochenen Regierungsblätter begannen in einer Art zu schreiben, die unverhüllt antisemitisch ist. Und nun, nachdem in Rumänien eine wild antisemitische Regierung ans Ruder kam und sich der Achse Rom—Berlin anschloß, sind die größten Blätter Italiens ganz * ins antisemitische Lager eingeschwenkt und bringen Verleumdungen und Blutlügen. Das große Turiner Blatt „La Stampa" befaßt sieb im Leitartikel mit den „Protokollen der Weisen von Ziön" und schreibt, diese geben einen wahren Ausdruck des jüdischen Charakters und der jüdischen Mentalität. Der Leser der „Protokolle" sei in der Lage, den jüdischen Siegeszug über die Welt zu verfolgen und die von den Juden angewandten feinen Methoden zu bewundern. Die jüdische Vorherrschaft in den demokratischen Ländern, schließt „La Stampa", sei eine feststehende Tatsache. , Aus Rom: Das von dem früheren Generalsekretär der faschistischen Partei und bekannten Antisemiten Roberto Farinacci in Cremona herausgegebene „Regime Fascista" fordert in einem ,,G e g e n o f f e n s r v e" betitelten Leitartikel die Einführung eines Numerus clausus für Juden im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben Italiens. Aus Rom: „Tevere" stellt fest, daß Demokratie und Judentu.jn ein- und dasselbe seien, daß die .Juden sich noch immer hinter der sogenannten Demokratie * verschanzten und öaß sie allein es seien, welche den autoritären Staaten einen Krieg bis aufs pjusim tsteieiu - SetHtnetittf. Messer angesagt hätten. Die fünf Millionen Juden wären so ah den wirren Zustände n in Europa, an der ständigen Kriegsgefahr schuld, und sie allein seien es, welche die „wenigen Idioten am Narrenseil führten, welche heute noch an die Demokratie glauben". Es gäbe in Wirklichkeit keine Demokratie, sondern nur einen Paravent, hinter welchem sich das arrogante Judentum verteidige. In Amerika, in England, Frankreich und in der Tschechoslowakei hätten ausschließlich die Juden die. Hebel in Händen, und darin liege die große Gefahr für die Menschheit. „Die Demokratien säen, aber die Juden ernten." Und so dürfe man sagen, daß am Tage, da die Demokratien über die nationalen Staaten siegen würden, die Herrschaft des Judentums über die Welt gesichert v/äre, als vollzogene und unwiderrufliche Tatsache. Aus Rom: Das Regierungsorgan „Giornale d'Italia", „Voce d'Italia" und „Messaggerp" bringen wohlwollend einbegleitete Erklärungen der rumänischen Minister G o g a und C ü z ä über die Judenpolitik. Es gibt, sagt Cu za, nur zwei Möglichkeiten: Ausw e i s u ng der Juden in gesetzlicher Form oder gewaltsame Vertreibung durch einen Volksaufstand. Genf sei eine vom Judentum zur Beherrschung der Völker geschaffene Institution. Er persönlich betrachte die Genfer Einrichtung als eine Leiche, die noch ihrer feierlichen Bestattung harre. G o g a erläutert zunächst den Sinn der Parole „Rumänien den Rumänen!": Seine Regierung wolle die Grundlagen des staatlichen Lebens gegen die jüdischen Eindringlinge verteidigen. Die deutsche Minderheit werde die Möglichkeit zu ihrer kulturellen Entwicklung haben. Er wolle auch den .Versöhnungsversuch zwischen Rumänien und Ungarn wieder aufnehmen. Niemals aber werde er zugeben, daß die aus allen Teilen Europas eingewanderten und nichtassimilierten Juden als Rumänen anerkannt würden. Er fürchte keine Drohungen Genfs, sondern werde sich unter Umständen selbst an den Völkerbund wenden, damit dieser den Rücktransport der Juden in die Länder veranlasse, aus denen sie gekommen seien. Aus Rom: „Giornale d'Italia", das offizielle Organ der italienischen Regierung, veröffentlicht Berichte seines gegenwärtig in Bukarest weilenden Direktors Virginio G a y d a. „Das neue Regime in Rumänien", schreibt Gayda, „setzt als ersten Punkt der nationalen Einigung den Antisemitismus auf die Tagesordnung. Das jüdische Problem in Rumänien ist ernst und seine Wirkungen sind tief: Die seit langem in Rumänien ansässigen Juden zählen nicht viel mehr als eine halbe Million Seelen, aber ihr Einfluß auf den Gebieten von Handel, Industrie und Finanzen und auch in der Presse ist so groß, als würden sie die Hälfte der Bevölkerung bilden. So Ist es zu erklären, daß die ersten Maßnahmen der Regierung Goga den Juden gelten." Dann versucht Gayda, unter Beibringung der von den Antisemiten gelieferten falschen Ziffern, eine Rechtfertigung der antisemitischen Maßnahmen der Regierung Goga. Es liegt dies im Sinne der itäilefilscheh Politikf dje die Regierung Goga- Cuza an die Achse Berlin—Rom zü binden hofft. Virginio Gayda, der als der Wortführer der italienischen Regierung gilt, hatte gleich nach seiner Ankunft in Bukarest Unterredungen mit Goga und A. C. Cuza, die ihm einen ehrenvollen Empfang bereiteten. Gegen die jftdisdieit Komponisten Aus Rom wird gemeldet: Die Agencia Stefani. die offizielle italienische Telegraphen-Agentur, teilt mit: Der italienische Rundfunk wird in Hinkunft Werke jüdischer Komponisten nicht mehr senden. Auf lugoslawien Aus Belgrad (J. T. A.): Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Rumänien veröffentlicht das Organ des jugoslawischen Innenministers Dr. Korosec, „Slovenac", einen Artikel, in welchem die Lage der Juden in Rumänien und die Demarchen einiger Großmächte zugunsten der jüdischen Bevölkerung Rumäniens eingehend erörtert werden. Warum, so wird in dem Artikel u. a. gefragt, hat keines der „humanitären Völker" es für notwendig gefunden, zugunsten der unter der Diktatur In Rußland Leidenden zu intervenieren? Warum nur für Juden? Der Artikel hat Aufsehen hervorgerufen, als er im Organ des Innenministers erschienen ist und darum als halboffizielle Enunziation angesehen wird. Die vom Goebbels-Fonds subventionierte antisemitische Zeitung „Balkan" entfaltet in der letzten Zeit eine lebhafte Kampagne gegen die jüdische Bevölkerung Jugo- EISEN¬ SELCHWAREN [MAI TKGLICH FRISCH IN ALLEN FILIALEN slawiens. Das Blatt ruft dazu auf, hinsichtlich der Behandlung der Juden dem B e ispiel Deutschlands, Polens und Rumäniens zu folgen. Es werden Namen von jüdischen Firmen veröffentlicht, die „christliche Beamte und Angestellte auf die schrecklichste Weise ausbeuten", sowie die Namen jüdischer Aerzte, diein staatlichen und städtischen Krankenkassen beschäftigt sind und deren unverzügliche Eliminierung gefordert wird. Anm.de r;B e d,;Als Minis.te^räsident, S t o j adin o w i t s c h vor zwei Wochen, in Berlin einen Staatsbesuch abstattete, befand sich der Chefredakteur Savkowitsch des antisemitischen Hetzblattes „Balkan" in seiner engeren Begleitung. Zur Frage des Jüdischen Jungvolkes Jüdische Turner und Sportler Der „Jüdische Turn- und Sportverband Oesterreichs" schreibt uns: Wir beehren uns mitzuteilen, daß wir Herrn Staatsrat Georg Graf Thurn-Valsassina, Bundesjugendführer des österreichischen Jungvolkes, die nachstehende Resolution unserer am 19. d. M. stattgefundenen Verbandsleitungssitzung zur Kenntnis gebracht haben: „Der Jüdische Turn- und Sportverband Oesterreichs begrüßt die vom Bundes-Jugendführer des österreichischen Jungvolkes angekündigte Zusammenfassung der jüdischen Jugend Oesterreichs auf der Basis der Gleichberechtigung innerhalb des organisatorischen Aufbaues der österreichischen Staatsjugend, wodurch ihre sittlich-religiöse und vaterländische Erziehung gewährleistet wird." Kundgebung der Kultusgemeinde Baden Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Baden hat auf Antrag des Herrn Hermann Glück in der Ausschußsitzung vom 17. Jänner einstimmig folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Der Kultusvorstand begrüßt die Regelung der Jungvolkfrage Im Sinne der Ausführungen des Bundesjugendführers Grafen Thurn-Valsassina, wonach ein jüdischer Jugendverband auf der Grundlage der vollen Gleichberechtigung mit dem österreichischen Jungvolk geschaffen werden soll. 2. Der Kultusvorstand spricht dem Rat der Stadt Wien, Herrn Dr. Jakob Ehrlich, den Dank und die Anerkennung für sein offenes und mutiges Eintreten für die Rechte und Interessen der Judenschaft Oesterreichs aus. Kundgebung der zionistischen Mandatare der Kultu&gemelnde Innsbruck. Die zionistischen Mandatare der Israelitischen Kultusgemeinde Innsbruck sprechen dem Rat der Stadt Wien, Herrn Dr, Jakob E h r 11 c h, für sein offenes und entschiedenes Eintreten für die Rechte und Interessen der Judenschaft Oesterreichs den wärmsten Dank und begeisterte Zustimmung aus. Sie bitten Ihn, auch weiterhin in diesem Sinne die Interessen der österreichlachen Judenschaft zu vertreten. Zur rumänischen ludenlraqe Aus Bukarest: Die Zionistische Organisation Altrumäniens hielt unter dem Vorsitz von Dr. S. Singer ihre Jahreskonferenz irt Bukarest ab. Die Redner erklärten, daß das adäquate Ziel jüdischer Auswanderer aus Rumänien nicht Mexiko, nicht Madagaskar oder andere überseeische Territorien seien, sondern einzig und allein P a 1 & a t i na könne auswandernden Juden eine Heimat werden. Es wurde beschlossen, eine Abordnung an die englische Regierung zu entsenden, die bei Außenminister Eden und bei Kolonienminister OrmSby-Gore vorsprechen und das Ersuchen stellen solle, die AnBiedlung von 4Ö.Ö00 rumänischen Juden in Palästina im Laufe der nächsten zwei Jahre zu gestatten. Aus Jerusalem: Auf Einladung des W a a cl Leumi (Jüdischer Nationalrat) fand eine Konferenz von. Führern des Jischuw statt, in der gegen die Verfolgung der Juden in Rumänien, Polen und Deutschland protestiert und erklärt wurde, es gebe keinen anderen Zufluchtsort für verfolgte Juden als ihr Heimatland Palästina. In einer Resolution. Wurde Großbritannien aufgefordert, eine jüdische Masseneinwanderung in Palästina zu ermöglichen. Die gesamte zionistische Bewegung wurde in einer zweiten Resolution aufgerufen, die gewählte politische Repräsentanz zu unterstützen. Im Bukarester Justizpalast sind mehrere jüdische Anwälte überfallen worden. Advokat B e i n c r, ein einarmiger Kriegsinvallde, und Advokat A r o n, mehrfach dekorierter Frontoffizier, sowie eine Reihe anderer jüdischer Anwälte wurden schwer verletzt. Das Unterricliisministerium hat angeordnet, daft die Rabbiner den Religionsunterricht nicht mehr in den Schulen, Sondern nur außerhalb, in eigens dazu bestimmten Räumen oder in der Wohnung, erteilen dürfen. Reuter meldet aus Bukarest, es sei zu erwarten, daß das Verbot des Schächtens in Bukarest ähnliche Maßnahmen im gesamten übrigen Rumänien nach sich ziehen werde. Aus Jassy ist die Nachricht eingetroffen, daß dort 160 jüdische Rechtsanwälte aus der Advokatenkammer ausgeschlossen wurden. Auch in Bukarest hat unerwarteterweise die Uebörprüfung der Anwälteregister begonnen. Dreizehn jüdische Anwälte wurden bis jetzt eliminiert. Auf Grund einer Verordnung des Arbeitsministeriums werden jetzt alle jüdischen Aerzte aus den So- < zialversicherungskassen ausgeschlossen. Laut Verordnung des Kultusministeriums werden den Rabbinern nichtrumänischer Staatsangehörigkeit die Pässe nicht mehr verlängert, Sie müssen daher das Land verlassen. „Tzara Noastra", das Organ der Regierung, teilt mit, daß die im diplomatischen und Konsulardienst beschäftigten Juden entlassen werden. Gegenwärtig gibt, es nur drei Juden, die als rumänische Handelsattaches tätig sind: Helphant in Portugal, Pom in Rom und Bercovici für Syrien und Palästina. Migräne und Nervenreizbarkeit als Folge von. Störungen im Vorgange der Magen- und Darmverdauung werden oft durch den Genuß einer kleinen Menge natürlichen „Fr an z-Josef" - Bitterwassers rasch beseitigt. Fragen Sie Ihren Arzt. Roosevelt und die Ostjudenfrage Aus Genf: Die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses empfing am Dienstag, 25. Jänner, in Genf die Vertreter der Weltpresse. Das englische Mitglied der Exekutive, Rev. M. L. Perlzweig, machte den Presse-; Vertretern die folgende wichtige Mitteilung: Präsident Roosevelt hat den Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses Dr. Stephen S. Wise empfangen. Wise informierte den Präsidenten Roosevelt über die Jugendverfolgungsaktion der neuen r'umänischen Regierung. Präsident Roosevelt eranächtlgte Stephen Wise, der Oeffentlichkeit mitzuteilen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten mit Empörung von der furchtbaren Verfolgung, welcher das Judentum ausgesetzt ist, Kenntnis genommen habe. Er bedauere zutiefst die neue Welle der politischen und wirtschaftlichen Unterdrückung der Juden in den verschiedenen Ländern Mittel- und Osteuropas sowie in anderen Teilen der Welt und werde der bedrängten Lage des Judentums, insbesondere in Rumänien, seine Aufmerksamkeit zuwenden. Verb« der Judenstaatsxi onisten Oesterreichs Judenstaatsjugend. Dienstag, den 1. Februar, halb 9 Uhr abends, im Zentralheim, II., Praterstraße 80, Vortrag Dr. Arthur Reiniger; Wie schützt man sich vor Erkältung. — Hygiene der Luftwege. — Donnerstag, den 3. Februar, Diskussionsabend: Aktuelle Fragen. Sektion Prater, II., Erlafstraße 5. Sanistag, den 29. d., 8 Uhr abends, Akademie u. Tanz. Entree S 1.—-. Gäste willkommen. — Donnerstag, den 3. Februar, Vortrag Dr. Oskar Rosenfeld: Der ewige Jude. Qrith Hakaneim. Zweite Jahresfeier des Gdud Bamaalüh. Samstag, den 29. d., 8,10 abends, im Helm, XVIII., Semperstraße 19. Reichhaltiges Programm. 2tyWU$ iüduscUec Mtu&ilc Beolis Abende mit prominenten Mitwirkenden. Ab 2. Februar jeden Mittwooh, 20 Uhr. Jüdische Kulturstelle,, Wien l, Kai 3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.