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Die neue Welt · 1938-01-21 · Heft 720 (21.1.1938) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 720 (21.1.1938)
Date
1938-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Wti Aüdtm <mL IM KAMPF GEGEN DIE #IPPE Nr. 720 vom 21. Jänner 1Ö38 die mm W8L* Sie appellieren an Hitler! Ein Zeichen der nicht mehrzu ertragenden Not der Juden in Deutschland ist es, daß ihre oberste Repräsentanz, die Reichsvertretung, zum erstenmal seit Bestehen des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland, einen Appell an die Reichsregierung gerichtet hat, den Juden nicht jede Möglichkeit zur Aufrechterhaltung einer wirtschaftlichen Existenzbasis zu nehmen. Bereits in der ersten Zeit des Bestehens des nationalsozialistischen Regimes haben verantwortliche jüdische Persönlichkeiten in Deutschland den Versuch unternommen, mit den obersten Stellen des Reiches in Fühlung zu treten und diese zu veranlassen, einen Weg zu suchen, wie das jüdische Problem in Deutschland allmählich und unter Vermeidung äußerer und innerer Katastrophen einer erträglichen Lösung zugeführt werden könne. Alle diese Versuche scheiterten an dem persönlichen "Willen des Führers Adolf Hitler, dessen Haltung in der Judenfrage nie eine andere war, als die einer unerbittlichen Negation. Heute nun richtet die oberste Repräsentanz der Juden in Deutschland offiziell und in aller Oeffentlichkeit einen Appell an die Regierung des Dritten Reiches, es nicht zum letzten kommen zu lassen und wenigstens der älteren Generation die Möglichkeit zu lassen, ihre Tage in. Deutschland beschließen zu können. In dieser Resolution heißt es: „Seit Jahren steht die A u s w a n d e r u n g, die Schaffung von Einrichtungen, die ihr und ihrer, Vorbereitung mittelbar oder unmittelbar dienen, im Vordergrund des Sorgens und Handelns der Reichsvertretung. Die Reichsvertretung sieht es als ihre Pflicht an, auch dem Verlangen nach Beschleunigungder Auswanderung Rechnung zu tragen. Sie sieht sich aber genötigt, vor übertriebenen Erwartungen zu warnen. Die Möglichkeiten der Auswanderung hängen'nicht nur von ihrem Willen und der Reichsregierung, daß der Verringerung der Erwerbsmöglichkeit für die Judenheit in Deutschland Kinhalt getan werde. Wir hoffen ferner* daß die Möglichkeit des persönlichen Verkehrs zwischen den Ausgewanderten und ihren Angehörigen, die in Deutschland zurückbleiben müssen, nicht unterbunden wird." # Daß sich die Juden an Hitler mit der Bitte um Einsicht und Erbarmen wenden, bedeutet, daß wohl das Höchste an Verzweiflung und das Tiefste an Demütigung erreicht ist. Wie trostlos ist es doch um diese Juden bestellt, daß sie auch noch diesen Schritt wagen! Ja: Wagen! Denn es wird niemanden in Verwunderung geraten lassen, wenn aus Deutschland die Meldung kommen wird, daß die Unterzeichner dieser Bitte an die Hitler-Regierung wegen „Unverschämtheit" und „Verbreitung von Greuelmärchen" in Haft genommen wurden. Aus HitleraDeiitsdllaiid . Die Große Strafkammer des Hamburger Landgerichtes verurteilte den früheren Regierungsrat Oswald Lassally wegen „Rassensciian.de" zu drei Jahren Gefän g n i s. Der Verurteilte war früher bei der Hamburgischen Polizeibehörde als Regierungsrat tätig, aber auf Grund der Judengesetzgebung entlassen worden. Er hatte noch zwei Jahre nach dem Erlaß des „Blutschutzges'etzes" sein Verlöbnis aufrechterhalten. Es wurde in dem Urteil keine Zuchthausstrafe ausgesprochen, weil Lassally Kriegsteilnehmer mit hohen Ordensauszei chnungen und auch noch nach dem Kriege Offizier in einem Wehrregiment in München gewesen war. Regierungsrat Lassally war bereits in der Weimarer Republik — ähnlich wie der Berliner Polizei-Vizepräsident Weiß — Gegenstand einer rücksichtslosen Verfolgungsaktion seitens der Deutschnationalen und Nationalsozia? BUCHER jeder Art (auch alt) im Antiquäriaf Hermann TUCH N ER, Etile ToMaSe SZ. Tel. R-41-4-20 Arbeit der Wanderungsorganisation ab, sondern vor allem von der Bereitwiligkeit der anderen Länder, ihre Tore für die Juden aus Deutschland, ebenso wie auch für die aus Osteuropa, offenzuhalten. Darauf hat aber die Reichsvertretung keinen bestimmenden Einfluß. Sie kann nicht Wunder tun. * Die Reichsvertretung richtet in dieser Stunde einen Appell an die P a 1 ä s t i n a - R e g i e r u n g, den Juden in Deutschland, vor allem den ausgebildeten jungen Juden, die sich für den Aufbau Palästinas einsetzen wollen, den Weg dorthin nicht zu verlegen. Sie richtet ihren Appell an die überseeischen Länder, insbesondere an die mit dünn besiedelten Gebieten, durch Gestaltung und Handhabung der Einwanderungsbestimmungen eine größere Zahl nützlicher Einwanderer aufzunehmen. Aber die Fortsetzung geordneter Auswanderung — und nur diese hält die Einwanderungstore auf die Dauer offen — ist nur möglich, wenn die wirtschaftliche Existenzfähigkeit der Juden in Deutschland nicht noch weiter geschmälert wird» Nachdem die Juden aus dem staair liehen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben und aus allen führenden wirtschaftlichen Stellungen ausgeschaltet sind, bitten wir deshalb die Itfaämk piMkski} spricht über das Thema: Der Kampf um den w jüdischen Staat" am Montag, den 24. Jänner 1938, 8 Uhr abends, im Großen Musikvereinssaal, l, Bös^ndorferstraße 12. Karton vuu S 1.— bis S 6.— erhältlich in den Vor Verkaufsstellen: Sekretariat der Neu-Z, O., II, Aspernbrückengasse 2, Tel. R-45-1-89-U; Musikverein, I, Bösendorferstraße 12, Telephon U-47-0-80; Ring der Alten Herren, I, Kohlmarkt 8, Tel. U-23-4-37; Jüdische Kulturstelle, I, Franz-Josefs-Kai 3, Telephon R-28-2-36; M. Rath, II, Taborstraße 20 a, Tel. R-45-305; Kartenzentrale Oskar Groriner, I, Graben 28, Tel. U-22-4-45, und Richard Länyi, I, Kärntnerstraße 44, Tel. B-26-3-33 listen, die ihm Parteilichkeit im Amte vorwarfen. Er ging aus diesem Kampf glänzend rehabilitiert hervor. ,. *. . Nach 1 4 des1 Blut Schutzgesetzes in Deutschland ist Juden das Hissen der Reichs- und Nationalflagge und das Zeigen der Reichsfarben verboten. Jetzt hat ein Gerichtsurteil entschieden, daß der Verkauf von Fahnen und Symbolen der N. S. D. A. P. durch Juden ebenso strafbar ist, wenn'auch das Gesetz den Verkauf I, Hoher MarktüchtenstegNr.4 CaßAkkethßQ nicht ausdrücklich erwähnt. Der Richter ging davon aus, daß ein Hissen und Zeigen der Flaggen durch Juden „eine die Ehre der Bewegung verletzende Handlung" ist; eine gröbere Herabwürdigung dieser Symbole geschehe, wenn sie von Juden als Handelsobjekt benützt werden. . * „Daily Telegraph and Morning Post" berichtet aus München, daß die Nationalsoziaiistische Partei jetzt die Inkraftsetzung schärferer Maßnahmen gegen die Juden in Deutschland vorbereitet. Diese werden sich gegen die bisher von gewissen antijüdischen Maßnahmen ausgenommenen Frontkämpfer sowie gegen die Witwen und W a i s e n der im Kriege gefallenen. Juden richten. Die bisher bevorzugte Behandlung der jüdischen Frontsoldaten war, wie man vermutet, einem Versprechen Hitlers an den verstorbenen Feldmarschall von Hindenburg zuzuschreiben. * Auf Grund einer Verordnung des deutschen Reichspropagandaministers ist es verboten, Musik jüdischer Komponisten und von Juden ausgeführte Musik auf Sehallplatten aufzunehmen. Das Verbot tritt für Neuaufnahmen sofort in Kraft. Bereits hergestellte jüdische Schallplatten müssen bis 31. März 1938 vernichtet werden, Der Nürnberger Stadtrat hat angeordnet, daß „im Interesse der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung" in Nürnberg sämtlichen Juden die Benützung der öffentlichen Wannen- und Brausebäder verboten sei. Das Betreten der städtischen Schwimmbäder war ihnen bekanntlich schon 1933 untersagt worden. Em würdiger Ktrchentürst Aus Bukarest: Im „Frontul", dem Organ Vaida Voevods, stellt der Patriarch der griechischorthodoxen Kirche in Rumänien, Miron C h r is t e a, die Behauptung auf, daß während des Krieges und nach dem Kriege Rumänien von Juden aus verschiedenen Teilen Mittel- und Osteuropas „überflutet" wurde, und daß diese Einwanderer „unsere Existenz als Rumänen und als Christen zu gefährden beginnen". Die Juden, heißt ,es weiter, haben sich „durch K a r r u p t i o n in den Besitz der Reichtümer unseres Landes gesetzt". Der Patriarch schließt: „Es ist nicht Antisemitismus, sondern eine nationale und patriotische Pflicht, wenn wir uns gegen die Juden zur Wehr setzen." Schächten in Bukarest verboten Bukarest, 18. Jänner. (J. T. A.) Der Oberbürgermeister von Bukarest hat angeordnet, daß in den städtischen Schlachthäusern das Schächten von Vieh nach jüdischem Ritus nicht mehr vorgenommen werden soll. Die Anordnung des Oberbürgermeisters stützt sich auf keinerlei Gesetz. /' Kwuzah „Robert Stricker Brief aus Palästina In Kürze wird die feierliche Eröffnung der neugegründeten Kwuzah „Robert Stricker" in H e r z 1 i a h stattfinden und damit ein neues Kapitel konstruktiver Aufbauarbeit in national-chaluzischem Sinne für die Judenstaatsb ew egung beginnen. Jahrelangem Bemühen seitens der. Funktionäre der Bewegung ist es zu danken, daß jetzt auf Boden des K. K. L. in der schönen und fruchtbaren Sharonebene eine kleine Gruppe aus dem Brith Hakan a i m ein Stück Erde besetzt hat, um sie zu bebauen, sie zu beleben und sich gleichzeitig für weitere und größere Pionierarbeit zu schulen. Diese Kwuzah wird in der Judenstaatspartei eine wichtige Stellung einnehmen, wird sie ja dazu berufen sein, unserer Jugend eine bestimmte Erziehungsform zu geben, und selbst ein Reservoir der besten Aufbauelemente in ideologischem sowie ökonomischen Sinne zu werden! Erfahrungen, durch Experimente und Fehlschläge, haben uns neue Wege der Bewirtschaftung einer Kwuzah gelehrt, und wir können jezt mit einem gesunden und den Erfordernissen entsprechenden Plan hervortreten. Es wird dies eine Mischung von Kollektiv- und Kooperativ-System sein, in dem jedes Mitglied, je nach Fleiß und Begabung, seinen Anteil an der Förderung der Gemeinschaft hat, gleichzeitig werden aber auch die Interessen der Kwuzah in Betracht gezogen. Einen breiten Raum wird die kulturelle Arbeit einnehmen, und es haben sich hiefür hervorragende Mitglieder der Weltexekutive der Judenstaatspartei zur Verfügung gestellt. Die Kwuzah besitzt 20 Dunam fruchtbaren Bodens und wird in den nächsten Tagen mit dem Bau eines Wohn- und Wirtschaftsgebäudes begonnen. Mit der Erreichung dieser ersten Etappe beginnt unser Streben nach der zweiten und gleichzeitigen Schlußetappe, es ist die „Hitjaschwut" (Ansiedlung auf K.-K.-L.-Boden). Nach den Lehrjahren soll jedem Mitglied der Kwuzah auch dieses ermöglicht werden, und sie sollen sich so als nützliche Glieder im Jischuw einführen. Günstige Aussichten zur Erreichung dieser Ziele sind vorhanden, doch ist vorerst noch intensivste Arbeit zu leisten. Die Kwuzah rechnet es sich als hohe Ehre an, den Namen jenes zionistischen Führers, der mit aufrechtem unbeugsamen Willen den Kampf für Judentum und Zionismus führt und als einer der Schöpfer der Renaissance Herzischer Gedankengänge güt, zu führen. All den Tugenden Robert Strickers nachzueifern, wird die vornehmste Aufgabe der Kwuzah sein, um so zu einer Säule judenstaatlerischen Kampfes im Sinne Herzls „Ein Volk Israel zu beiden Seiten des Jordans" zu werden. Gustav Sperling (TeUAviv). Schön eingerichtetes Gassenzimmer (Klavier- und Telephonbenützung) an alleinstehende, distinguierte, jüd.- rituelle Dame billig abzugeben. Auch Familienanschluß, Offerte unter „Zentrale Lage" a. d. Exp.

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