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Die neue Welt · 1938-01-18 · Heft 719 (18.1.1938) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 719 (18.1.1938)
Date
1938-01-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 719 vom 18. Jänner 1938 DtE NEUE WELT Seite 3 Zum Urteil über Großmanh Das Urteil des zionistischen Ehrengerichtes in Jerusalem, welches den Führer der Judenstaatszionisten Meir Großmann, für zwei Jahre aller Funktionen in der Zionistischen Weltorganisation beraubt und ihm auch die Möglichkeit genommen hat, auf dem nächsten Zictnistenkongreß zu erscheinen, hat in Kreisen der Judenstaatler und aller gerecht denkenden Zionisten Entrüstung hervorgerufen. Wir werden auf die politischen Hintergründe dieses in der Geschichte des Zionismus einzig dastehenden Urteils zurückkommen. Heute begnügen wir uns mit folgender Meldung der offiziellen zionistischen Korrespondenz „Palcor": „Jerusalem, 14. Jänner. Auf der Sitzung des kleinen A. C. stellte der Vorsitzende der Exekutive, Ben Gurion, die Frage, ob irgend ein Mitglied gegen die Politik der Exekutive Einwände zu erheben habe. Es erhob sich kein Widerspruch und die Sitzung wurde daraufhin geschlossen." Die Sitzung fand nach Verkündigung des Großmann-Urteils, also ohne Beisein der Judenstaatler, statt Ein Zweck des Urteils scheint damit klar... * Erklärung der ludenstaaffszionisteri Oesterreichs Ein Ehrengericht der Zionistischen Weltorganisation (ZL O.) hat unseren Führer, den Vorsitzenden der Weltleitung der Judenstaatspartei Meir Großmann, für zwei Jahre seiner Funktionen in der Z. O. und der Wählbarkeit zum Zionistenkongreß beraubt. Es hat damit ihn und die von ihm geführte einzige Oppositionspartei in der Z. O. mundtot zu machen versucht. Die Verhandlung und Urtcilsbildung erfolgte — über Auftrag der Zionistischen. Exekutive — unter Au sschluß der Oeffentlichkeit und in Abwesenheit des Angeklagten, der es über Beschluß seiner Partei abgelehnt hatte, sich und seine Partei hinter geschlossenen türen von einer Feme politisch abwürgen zulassen. Wir stellen fest, daß hier unter dem Deckmantel einer Gerichtskomödie seitens des Präsidenten Weizmann und der Zionistischen Exekutive ein roher Gewaltstreich verübt wurde, welcher die E i n f Ü h r u ri g der Diktatur i n d e r Z. 0., die Ausstoßung aller unabhängigen Elemente bedeutet. Präsident Weizmann hat hinter dem Rücken des Zionistenkongresses und des jüdischen Volkes unter Mißbrauch seiner hohen Stellung der Zerreißung des jüdischen Nationalheims zugestimmt und die englische Regierung der Zustimmung des nicht befragten jüdischen Volkes versichert. Meir Großmann hat dieses unqualifizierbare Treiben enthüllt. Statt Weizmann vor das Gericht des Volkes zu laden,, hat, man den zionistischen Patrioten Großmann vor ei« kommandiertes Tribunal gestellt und meuchlerisch seiner Rechte beraubt. Wir Judenstaatszionisten Oesterreichs drücken der Zionistischen Exekutive, welche die innere Freiheit der von Theodor Herzl gegründeten Organisation unabhängiger jüdischer Menschen durch ein Gewaltregime ersetzt und dadurch die Organisation schändet, unsere Empörung aus. Das in der Geschiehte des- Zionismus ohne Beispiel dastehende Urteil verachten wir. Unseren lieben und verehrten Führer Meir Großmann versichern wir unerschütterlicher Treue und Dankbarkeit. Wir sind stolz darauf, ihm zu folgen. Verband der Judehstaätsziohisteri" Oesterreichs; * Die ludenstaaispartei in Großbritannien veröffentlicht folgende Erklärung zum Großmann-Urteil: Die Jüdische Telegraphen-Agentur berichtet, daß das zionistische Ehrengericht den Vorsitzenden der JUdenstaatspartei, Herrn Meir Qroßmann, verurteilt und ihm seine.zionistischen Ehrenämter und auoh das Recht, zum~.K.ongreßdelegierten gewählt zu werden, für zwei Jahre entzogen hat. Ohne im Besitze des offiziellen Teiles des Urteils zu sein, itiuß schon jetzt er* klärt werden, daß das Urteil einen unerhörten U e b e r g r ff f der jetzigen Majorität der demokratischen zionistischen Bewegung darstellt. Es ist unerhört, den Oppositionsführer nicht nur seiner zionistischen Aemter, sondern auoh des passiven Wahlrechtes zum Kongreß, zum Parlament der Bewegung, zu nehmen. Eti .bedeutet .faktisch den " Raub de» Wahlrechtes aller on>positio^ u e 11 e n Z1 o n i s t o n, denen die Möglichkeit genommen wird, ihren begabtesten Wortführer, den Mann, zu dem sie volles Vertrauen haben, zu wählen. Es ist der Versuch einer Diktatur, um die Opposition mundtot zu machen und alle aus der Organisation zu entfernen, welche sich weigern, nur Ja- Sager und der heutigen Majorität gefügig zu seih; dio Verdrängiuiff aller, welch© eine, eigene Ueber- SdilußMgerungeii Von Dr. N. Vardf, Tel-Aviv Die palästinensische Judenheit beginnt die ersten Schlußfolgerungen, betreffend die anhaltende Terrorwelle, zu ziehen. Es wird Vor allem darauf hingewiesen, daß der Charakter deä jetzigen Terrors dich von demjenigen des Vorjahrs Wesentlich unterscheidet. Während man im Vor jähr von einer Massenbeteiligung der arabischen Bevölkerung an Terrorakten und Ueberfällen sprechen konnte, ist jetzt die Situation eine ganz ändere". Erstens habeh die arabischen Massenüberfälle auf jüdische S i e d 1 ü ng e n fast aufgehört, zweitens wurde man gewahr, daß die Üeberfälle von einer beschränkten Zähl organisierter und militärisch trainierter Kräfte verübt werden. Dies ist darauf zurückzuführen, daß im vorigen Jahr die Haltung der Administration bei den Arabern den Eindruck erweckte, daß die Schuldigen keine ernstlichenFolgen seitens der Regierung zu fürchten hätten. Dieser Eindruck trug dazu bei, däß weite Schichten der arabischen Bevölkerung den Bänden zuströmten. Dieses Öild erfuhr eine Veränderung. Wenn die Regierung noch nicht zu den letzten Mitteln gegriffen hat, so zeigte sie doch, daß" sie keine Ausdehnung der Unruhen wünsche. Dies genügte keineswegs, um dem Terror ein Ende zu bereiten, es war aber ausreichend, um weite Massen der arabischen Zivilbevölkerung von der Beteiligung am Terror zurückzuhalten. Und ohne Massenbeteiligung der Zivilbevölkerung wurde es den Aufständischen schwer, Kolonien zu überfallen Und das System des permanenten Massenterrors in dem bisherigen Umfang zu pflegen. Der Abfluß von Freiwilligen zwang die Terroristen zu einer gründlichen Reorganisation ihrer Kräfte. Es wurden aus den benachbarten arabischen Ländern — Syrien, Irak, Transjordanien und Aegypten — professionelle Terroriste'n hiehergebracht, die eine entsprechende Ausbildung erfahren hatten und gegen ein f e s t e s Entgelt in den Dienst der hiesigen Banden traten. Somit ist es zu erklären, daß fast alle von der Polizei erfaßten Terroristen keine palästinensischen^ sondern ausländische Araber sind. Es handelt sich also darum, daß die Banden heutzutage kleiner an Zahl, aber stärker an Org an isation und Disziplin sind als zuvor. Diese Sachlage schafft eine Situation, welche letzten Endes die innere Ruhe der benachbarten Staaten bedroht. Denn weriri Palästina zum Trainingsplatz der arabischen Terroristen geworden ist, so wird es niemanden Wunder nehmen dürfen, wenn diese Terroristen späterhin ihre in Palästina gesammelten Erfährungen in den benachbarten Ländern verwerten werden. Ein Zeichen dieser Entwicklung ist der Morctanschlag auf den ägyptischen Premierminister' Nahas Pascha, verübt von einem aus Palästina zurückgekehrten und hier ausgebildeten Terroristen. Auch Syrien dürfte demnächst die Folgen der palästinensischen Ereignisse am eigenen Leibe verspüren. Die palästinensischen Unruhen bedeuten eine eminente Gefahr nicht nur für die benachbarten Regierungenj sondern auch für die europäischen Staaten, die im Nahen Osten Interessen zü wahren haben. Ein Erohlem an sich ist die von den palästinehsischenTBehörden zur Unterdrückung des Terrors angewandte Kampfmethode. Wir lesen im Laufe der letzten Wochen über eine anhaltende Säuberungsaktion im Norden des Landes, welche von den britischen Truppen durchgeführt wird. Es darf nicht geleugnet werden, daß diese Aktion — die erste, die als ernst bezeichnet werden kann — positive Resultate gezeitigt hat. Etwa 60 Terroristen sind getötet worden und der Rest der Banden wurde in die Defensive gedrängt. Das alles bedeutet aber noch nicht, daß der Terror seinem Ende entgegengetrieben wird. Die arabischen Banden sind viel beweglicher als die fremden britischen Truppen und kennen die Topographie des Landes viel besser als die Engländer. Dieser Umstand macht die Verfolgung der Banden zu einem schweren strategischen Problem. Es ist z. B. bekannt geworden, daß die in Operation befindlichen Truppen nicht einmal verläßliche Landkarten haben und infolgedessen einen Großteil ihrer Energie im Herumirren verbrauchen müssen. Sind sie einmal auf die Spur einer Bande gelangt, müssen sie zum Schluß das rätselhafte Verschwinden derselben in unbekannter Richtung feststellen. Am nächsten Tag erfährt man, daß die gestern um Acco gelagerte Bande eine Reihe von Angriffen auf den Jaffa-Jerusalem-Weg verübt hat... Manche möchten daraus die Schlußfolgerung ziehen, daß es am besten wäre, an Stelle von Engländern arabische Polizisten zü mobilisieren. Diese arabische Truppe, so wird behauptet, werde sich in der Topographie des Landes ebenso gut auskennen wie die Aufständischen und dürfte einen ebenbürtigen Gegner abgeben. Und falls die Regierung der arabischen Truppe ernstlichen Schutz angedeihen lassen und sie mit der ganzen Staatsautorität ausstatten wird, wird sie auch ihre Pflicht zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllen. Dies ist aber ein T r u g s c h l u ß. Die Ereignisse der letzten zwei Jahre haben zur Genüge gezeigt, daß die Loyalität der arabischen. Staatsbeamten manches zu wünschen übriglasse. Im englischen Unterhaus war davon bereits mehreremal die Rede. Die arabische Illoyalität erstreckt sich nicht nur auf die Z i v i 1 b e a m t e n, sondern auch — vielleicht ganz besonders — auf die Polizeikräfte. Auch, der sogenannte pflichttreue Teil der arabischen Polizisten ist keineswegs verläßlich. Immer ist bei ihnen eine gewisse Scheu zu merken, wenn sie gegen arabische Aufständische zu operieren haben. Diese Scheu ist begreiflich und kann durch Maßnahmen administrativer Natur nicht aus der Welt geschafft werden. Es bleibt somit nur das Mittel der jüdischen Mobilmachung übrig. Es gibt im Lande Tausende von jungen Juden, die mit dem Lande so verwachsen sind, daß sie vollkommen in der Lage wären, die Militär- und Polizeifunktionen zur Beruhigung des Landes zu übernehmen. In dieaem Fall würde auch, kein Problem der Pflichttreue und der Loyalität äüftäücheri. Man könnte sich auf jedes einzelne Mitglied der jüdischen Schutztruppe unbedingt Verlässen. Eine jüdische bewaffnete Macht würde den Engländern Opfer und Mühe ersparen und dem Land die Rühe wiedergeben. Das ist vielleicht die zentrale Schlußfolgerung aus den blutigen Ereignissen. Wird sie aber bei den maßgebenden englischen Kreisen durchdringen? BÜCHER jeder Art (auch alt) im Antiquariat Hermann TUCH*lER, ECk6 TabOrStroBe 52. Tel. R-41-4-20 zeugung haben und den Mut haben, für diese Ueberzeugung ku kämpfen. In den kommenden zwei Jahren wird das Schicksal Palästinas und der zionistischen Bewegung entschieden \Verdeh. Auf den1 letzten Kongreß war Meir Großmann der unerschütterliche Wortführer der einzigen konsequenten Opposition gegen das jetzige zionistische Regime und nun —"in der Zeit, da die Abschaffung des Mandats und der.Balfour-Deklaratlon droht — will die Majorität die Opposition ihres besten Führers berauben. Per Kämpf für die Erhaltung des Mandats und gegen "die Teilung Palästinas muß weiter fortgeführt und der Versuch, die Opposition gewaltsam zu unterdrücken, mit allen Mitteln bekämpft werden. Wir hoffen, daß sich auch unter jenen Zionisten, die unseren politischen Standpunkt nicht teil e.n, viele finden werden, welche das Recht der Minorität achten und den Versuch, die Opposition brutal zu vergewaltigen, mit Abscheu zurückweisen werden. Das Zentralkomitee der Judenstaatspartei in Großbritannien sendet Meir Großmann seine brüderlichen Grüße und gelobt ihm, dem Manne edelsten Charakters und höchsten zionistischen Patriotismus, unverbrüchliche Treue. Das Zentralkomitee der Juden«taatspartei in Großbritannien. Verband der iudenttaats^ioniitcn Oesterreichs Samstag, den 12. Februar 1938, in sämtlichen Festsälen des Hottl Metropole, I, Morzinplatz TANZ Erstklassige Jazz Akademie prominenter Künstler; Sara Coldstein, die weltberühmte Sängerin; Oskar Weitxner, der iöjährige Violinvirtuose, und andere hervorragende Künstler Karten ä S 2.50 (an der Kassa erhöhte Preise) / Saaleröffnung 8 Uhr Vorverkauf: Im Zentralhelm, II. Praterstraße 30, Tel. R-45-1-60-Ü, bei Frau Paula Stricker, Telephon U-21-7-78; ferner in allen Sektiorei

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