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Die neue Welt · 1938-01-14 · Heft 718 (14.1.1938) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 718 (14.1.1938)
Date
1938-01-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 718 vom 14. Jänner 193S DIE NEUE WELT Seite S lieber jüdischen Konservativismus Von Dr. H. Bosenblum, Tel-Aviv Dr. Weizmann ist jetzt in Palästina eingetroffen. Man sollte glauben, daß das Wiedererscheinen dieses Mannes, welcher soviel zum Niedergang des Zionismus beigetragen hat und jetzt auf die Zerstückelung des Landes hinarbeitet, in Palästina gemischte Gefühle wachrufen würde. Doch nein. Man hörte kein einziges Wort, das als Mißbilligung seiner Politik gedeutet werden könnte (wenn man vom Aufruf der Judenstaatspartel absieht). Ein Teil der hebräischen Presse hüllte sich in Schweigen, der andere stimmte eine Öde auf den „Führer" an, dessen gesegnete Hände uns die Teilung bringen würden. Und da zeichnete sich ganz besonders Herr M. S m i 1 a n s k i aus, ein Orangen-Plantator und Journalist. Er veröffentlichte im „Haaretz" einen honigtriefenden Artikel über Weizmann, in dem er sich zu der Aeußeruhg versteigt, man könnte sich den Zionismus nicht ohne Dr. Weizmann vorstellen... Smilanski ist ein T y p u s der heutigen jüdischen Geistesverfassung. Er ist zweifelsohne ein gescheiter und braver Mann, der auch die Verhältnisse in Palästina sehr gut kennt. Und was seine schriftstellerischen Fähigkeiten anbetrifft, so glaube ich ohne Uebertreibung sagen zu können, daß er der beste Journalist des modernen Palästina ist, allen anderen Journalisten des Landes turmhoch überlegen. Und es ist geradezu SKI Ausrüstung :: Bekleidung Schuhe :: Kantenmontage Jetzt Ini/enlurverkauf IV, Wiedner Hauptstraße 8, Tel. A-30-0-36; IX, UechtensteinstraBe 27, Tel. A-16-5-65 PICK charakteristisch, daß auch dieser Mann sich nicht von dem Zwange jüdisch-politischer Mentalität be-. freien kann. Es ist eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß das jüdisch-politische Leben vom Konservativismus getragen wird. Es ist sehr schwer, vielfach unmöglich, dem Juden die klarsten Tatsachen beizubringen, weil er an politische Ueberlieferungen allzu sehr gebunden ist. Es gibt Wege und Mittel, die deutsche öffentliche Meinung zu beeinflussen. Das zeigte uns Hitler, der auch die Ursachen seines Erfolges bekanntgab : „Um in Deutschland zu Einfluß zu gelangen, mußte man sich großer Lügen bedienen, denn die kleinen und mittleren sind bereits von den gegnerischen Parteien vergriffen." Er brächte es zustande, 12,000.000 Stimmen in Deutschland zu sammeln, bevor er ans Ruder gelangte. Auch ist es ihm gelungen, in Memel, der Tschechoslowakei, Amerika, Danzig und anderen Ländern Sympathien für seine Partei zu gewinnen, und zwar in einem Maße, wie niemandem vor ihm. Das bedeutet, daß es einen Weg gab, das deutsche Volk in einem bestimmten Sinne zu beeinflussen, und daß es Hitler war, der diesen Weg gefunden hat. Auch die englische öffentliche Meinung ist politischer Beeinflussung zugänglich. Nach der letzten Landeskonferenz der britischen Arbeiterpartei in Bornemouth spricht die gesamte englische Presse VQm Aufstieg dieser Partei und von ihrem eventuellen Sieg bei den kommenden Parlamentswahlen. Die Ursache dieses Aufstieges sei darin zu suchen, daß die Arbeiterpartei mit ihrer Tradition gebrochen und die Bewaffnung Großbritanniens in ihr Programm aufgenommen hat. Dieser Schritt wird der Par- „B u n d i s t e n" betrachten, aus dem einzigen Grunde, weil sie vor dreißig Jahren und mehr in Wilno und Warschau dem russischen „Bund" angehörten. Der russische Z a r, gegen den die Tätigkeit des Bundes in der Hauptsache gerichtet gewesen ist, schläft längst den ewigen Schlaf; in Ost- und Mitteleuropa sind inzwischen neue Staaten entstanden, von denen jeder seine besonderen Probleme zu lösen hat; auf der politischen Bühne sind Hitler, Stalin und Mussolini erschienen; in Palästina und ringsum sind neue Kräfte in Erscheinung getreten; in den Vereinigten Staaten selbst, wo die ausgewanderten Bundisten heutzutage leben, gibt es kein einziges Problem, das den alten Problemen des russischen Imperiums ähnlich wäre. Und trotz alldem sind die Leute in Amerika auch heute „treue Bundisten", wie sie es in Wilna und Lechewe in ihrer Kindheit gewesen sind. Und kein Roosevelt, Balfour, Hitler und Trotzki werden imstande sein, sie jemals ihres Bundismus zu entwöhnen. Derselbe Grundsatz herrscht auch im Zionismus. Im Jahre 1918 bis 1919 war Dr. Weizmann für die Aufrechterhaltungund Stärkung der Jüdischen Legion in Palästina aus besten Kräften tätig — und fand hierfür Verständnis bei seinen Anhängern; später überließ er die Legion ihrem Schicksal — und fand hiefür Verständnis bei seinen Anhängern; er spottete der jüdischen „Papiermesse r", als er von den Trägern des Legionsgedankens sprach — und fand hiefür Verständnis bei seinen Anhängern; daraufhin forderte er die Bewaffnung des palästinensischen Jischuw — und fand hiefür wieder Verständnis bei seinen Anhängern; er forderte von der Friedenskonferenz die Errichtung eines Judenstaates in Palästina — und fand hiefür Verständnis bei seinen Anhängern; er zog sich von der Forderung nach einem Judenstaat zurück — und fand hierfür wieder Versändnis bei seinen Anhängern; er stellte die Forderung nach einem bi-natiom liiliiiiiiiiiiiiiililllilliiiliiilllliliiilliiiiiillllliiliiliiiiiiiiiiil Heu& MadäU lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll HENRIETTE ROSENFELD-KLEIN Wien I, Kärntiterstraße ai i nalen Staat in einem ungeteilten Palästina auf — und fand, hierfür Verständnis bei seinen Anhängern; er ging zu der Forderung nach einem geteilten Palästina über — und fand hierfür wieder Verständnis-bei seinen Anhängern... Dieser Konservativismus ist durchaus geeignet, als Kuriosum in die Geschichte menschlicher Denkweise einzugehen. Die Juden wollen von keinem Programm etwas hören. Sie werden von der Gewohnheit geleitet, die sie jahrzehntelang an eine Richtung und insbesondere an einen Führer bindet. Wenn du mit einem Programm kommst, werden dir die Juden bestenfalls den Dienst erweisen, dein neues Programm in die Hände des alten Führers zu legen. Es war Lenin, der diesen Dienst mit jenem verglich, den der Strick dem Gehenkten erweist. BUCHER jeder Art (auch alt) im Antiquariat Hermann TUCHNER, ECKe TabOrStraßß 52. Tel. R-41-4-20 tei, so glaubt man in England, Zehntausende neuer Wähler zuführen. Es ist eben ein demokratisches Land, das gewöhnt ist, seine politischen Sympathien und Antipathien nach dem jeweiligen Programm der Parteien zu richten. Diese Mentalität geht so weit, daß auch eine Partei ohne Führer, wie es die heutige Arbeiterpartei ist, Millionen Stimmen auf ihre Liste sammelt. Denn in England geht das Programm vor dem Führer und nicht nach ihm. Erscheint eine Partei mit einem vernünftigen Programm auf der politischen Bühne, so gibt man ihr gewöhnlich die Chance, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Ein vernünftiges Programm ist das beste Mittel zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung Englands. Anders — bei den Juden. Hier wirkt weder eine Lüge noch ein Programm. Der einzige Grundsatz, der in unserer Mitte Geltung hat, ist — Gewohnheit. Der Jude gehört einer Partei oder einer Gruppe einzig und allein darum an, weil er daran gewöhnt ist. Vor zwanzig oder dreißig Jahren ist er einer bestimmten Richtung beigetreten, und dieser Umstand genügt vollkommen, um ihn an diese Gruppe bis ans Ende seiner Tage zu binden. In den Vereinigten Staaten gibt es heutzutage große jüdische Schichten, die sich noch immer als Schiffe unter palästinensischer Flagge Das Tschechoslowakische Preßbüro meldet aus New York: In New York wurde eine große Reedereigesellschaft gegründet, die den Verkehr zwischen den, Vereinigten Staaten und der Levante besorgen wird. Die Gesellschaft hat vier Schiffe mit großem Rauminhalt erworben, die unter kanadischer F1 a g1 g e fahren werden. Gleichzeitig wurde eine Schwestergesellschaft in Haifa gegründet, die den Verkehr zwischen der Levante und Europa besorgen wird. Auch diese Reedereigesellschaft wird vier Schiffe zur Verfügung haben, allerdings von geringerer Tonnage. Sie werden unter palästinensischer Flagge fahren. Die neuen Sohiffahrtsgesellschaften sind für den Waren- und Personenverkehr zwischen den Häfen im Norden Europas und im Mittelmeer und den amerikanischen Häfen von Wichtigkeit. Zum erstenmal Juden vor dem Militärgericht Aus Jerusalem: Zum erstenmal werden sich zwei Juden, Abraham Aziz Jacob und Eliahu Brunn, wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor dem Militärgericht in Jerusalem zu verantworten haben. Vor sechs Wochen hatte sich, als Brunn seinen Revolver reinigte, dieser durch einen unglücklichen Zufall selbst entladen und eine Kugel war Jacob in den Leib gedrungen. Werdet und werbet Mitglieder des Jüdischen Buchclub Wien I, Fleischmarkt Nr. 1 Der Jüdische Buchclub, der eine kulturelle Institution ersten Ranges ist, bietet seinen Mitgliedern für den vierteljährlichen Beitrag von nur 5 8.— 1. Jedes Quartal ein von ersten Autoren geschriebenes und von Künstlerhand ausgestattetes jüdisches Buch. 2. Die Jüdische Revue als Kontaktzeitschrift allmonatlich ohne weitere Mehrkosten ins Haus zugestellt. 3. Eine Reihe von kulturellen Vorträgen. 4. Das Recht. Bände auch außerhalb des Quartals zum ermäßigten Mitgliedspreis zu beziehen. 5. Die Möglichkeit, an Stelle der Quartalsbändc ein anderes, gleichwertiges Werk zu wählen. Verlangen Sie sofort Werbenummer unserer Zeitschrift und unseren Prospekt! Der Jüdische Bucltclub Wien lf Fleischmarkt 1 Telephon R-21-4-25 Ein englischer Gelehrter ermordet Aus Jerusalem wird gemeldet: Der bekannte britische Archäologe Starkey, der die Ausgrabungsarbeiten der biblischen Stadt Lachisch (des heutigen Duweir) leitete, ist am 10. d., als er sich im Auto auf einer Fahrt nach Jerusalem befand, um an der Eröffnung des palästinensischen archäologischen Museums teilzunehmen, gegen 5 Uhr nachmittags bei Beth Jibrin in der Nähe von Hebron von fünf bewaffneten Arabern angehalten worden. Die Banditen zwangen ihn, aus dem Wagen zu steigen und erschossen ihn. Der bekannte Gelehrte, der fließend arabisch sprach, befand sich bereits seit mehreren Jahren im Auftrag des Britischen Museums in Palästina. # In einer verborgenen Höhle in der Nähe des Dorfes Majdelkrüm wurde eine arabische Bombenwerk stätte ausgehoben. Die Polizei fand 124 in Kisten des Regierungsdepartements für öffentliche Arbeiten verpackte Büchsen Dynamit. Sieben syrische Araber, die in Majdelkrüm angetroffen wurden, wurden als verdächtig verhaftet. Ungarn Auf dem Schwabenberg bei Budapest, dem Ziel der Skifahrer, überfielen am Sonntag etwa fünfzig Leute unter Schmährufen auf die Juden jüdische Sportler mit Gummiknüppeln und mißhandelten sie. Es kam zu einer Schlägerei, in deren Verlauf etwa 50 Personen verletzt wurden, unter ihnen vier so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. 13 Personen wurden verhaftet. Es handelt sich größtenteils um jüngere Leute, die bereits mehrmals wegen ähnlicher Voi-fälle vorbestraft und Anhänger der Pfeil kreuzler- Partei sind. Die antisemitische Organisation ..Nationale Fron t", die eine radikale gesetzliche Regelung der Judenfrage, die Deklarierung der Juden als rassische Minderheit und die Schließung der jüdischen Geschäfte am Sabbat und an den jüdischen Feiertagen fordert, hat ein Verzeichnis der ungarisch-rassischen Kaufleuten gehörenden Geschäfte herausgegeben. Das Titelblatt zeigt die Karikatur eines Juden, der in der einen Hand einer Frau ein paar Strümpfe entgegenstreckt, während er die andere, stark vergrößerte Hand zum Empfang der Geldmünze entgegenhält. Ueber der Abbildung steht die Aufschrift: „Du bist ein Vaterlandsverräter, wenn du dein Geld zum Feinde trägst!" Die Liste enthält übrig-ens eine Reihe von Kaufleuten, die ohne ihre Zustimmung in das Verzeichnis aufgenommen wurden und nun deswegen gegen die „Nationale Front" Klage erhoben haben. Polen Der Rektor der Universität Lemberg, Professor Kulczynski, hat seine Demission gegeben, die vom Universitätssenat angenommen wurde. Der Rücktritt des Rektors erfolgte wegen der andauernden Exzesse der nationalistischen Studentenschaft, die die Einführung von Ghettobänken für die jüdischen Hochschüler verlangte. Der Rektor weigerte sich, diese Verfügung zu treffen. Unmittelbar nach dem Rücktritt von Professor Kulczynski ordnete sein Nachfolger die Separierung der arischen Studenten von den jüdischen an, denen die Bänke auf der linken Seite der Hörsäle zugewiesen wurden. Wie aus Wilna mitgeteilt wird, sind die jüdischen Journalisten aus den Journalistenvereinigungen in Wilna, Posen und Pommerellen ausgeschlossen worden. Die Vereinigungen dieser drei Städte haben ferner beschlossen, dahin zu wirken, daß sämtliche jüdische Journalisten aus dem allpolnischen Journalistenverband ausgeschlossen werden.

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