Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 718 (14.1.1938)
- Date
- 1938-01-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2712340-2712344--6950-2720769- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 DIE NEUE WEIA Nr. 718 vom 14. Jänner 1938 allgemeine Ueberprüfung der Staatsbürgerschaft jener Personen durchgeführt werde, die nach dem Krieg — es handle sich um 250.000 Personen — illegal ins Land ge kommen seien. Die Existenz einer antisemitisch eingestellten Regierung könne nicht geleugnet werden, aber der König müsse der öffentlichen Meinung Rechnung tragen. Phantastische Ziffern Aus Paris wird gemeldet: „Paris Soir" veröffentlicht ein Interview des berüchtigten antisemitischen Schriftstellers Bruder Tharaud mit Goga, der erklärte, daß über 500.000 Juden (!) seit 1914 nach Rumänien eingewandert seien und daß er die Frage des Bürgerrechtes dieser Einwanderer auf der kommenden Völkerbundstagung in Genf aufwerfen werde. Er schätze ferner die Zahl der seit 1933 aus Deutschland nach Rumänien geflüchteten Juden auf 30.000. * Diese Zahl wird maßlos übertrieben. Sogar die antisemitische rumänische Presse gibt die Zahl der nach Rumänien aus dem Ausland eingewanderten Juden auf insgesamt 50.000 an. Die Frage der Ausburgerung Aus Bukarest wird gemeldet: Offiziell wird angekündigt, daß die Ueberprüfung der Staatsbürgerschaften alle jene Juden betreffen wird, die nach 1918 und nicht, wie man anfangs annahm, nach 1922 rumänische Bürger geworden sind. Da alle Einbürgerungen in Rumänien praktisch erst nach 1918 vorgenommen wurden, wird von dieser Maßnahme die gesamte jüdische Bevölkerung betroffen, auch diejenigen Juden, die am Weltkrieg teilgenommen haben, samt ihren Famüien. Aus autoritativer Quelle wird mitgeteüt, daß am Ende des ' Krieges in Altrumänien 232.000, in Bessarabien 265.000, in der Bukowina 120.000 und in Transsylvanien 170.000 Juden gelebt haben. Die Zahl der in Rumänien eingewanderten Juden überstieg niemals die Ziffer 50.000. Die Stimmung im Völkerbund Aus Genf berichtet die J. T.-A.: In Völkerbundkreisen glaubt man bestimmt, daß auf der bevorstehenden 100. Tagung des Völkerbundsrates die Frage der Staatsbürgerschaft der rumänischen Juden in den neuen Provinzen, sowie im Altreich Gegenstand einer ernsten Diskussion sein wird. Offiziell steht die Frage der Staatenlosen auf der Tagesordnung dieser Rats- Aus höchst zuverlässiger Quelle erfährt, der J.-T.-A.-Vertreter weiter, daß der Generalsekretär des Völkerbundes, Joseph Avenol, während seines Besuches in London in diesen Tagen in seinen Gesprächen mit den Cafe Buchsbaum ä^j Bürgerliches Familiencafe, in- und ausländische Zeitungen. Separierter Raum für geschlossene Gesellschaften. Herabgesetzte Preise. Mokka 45 Groschen, Melange 50 Groschen. englischen Staatsmännern die juristische Seite der Judenfrage in Rumänien ausführlich erörtern wird. Weiters wird berichtet: In Völkerbundkreisen hat mau Informationen darüber erhalten, daß der rumänische Außenminister Micescu, der auf der am 17. Jänner beginnenden Tagung des Völkerbundsrates die Kleine Entente vertreten wird, beauftragt sei, dem geplanten Widerstand der ^Mitglieder des Völkerbundsrates gegen die antijüdische Gesetzgebung in Rumänien einen äußersten Gegendruck entgegenzusetzen, Micescu wird — so erklärt man in Völkerbundskreisen weiter — seine Position als Berichterstatter über Mandatsfragen und somit auch über die Palästina-Frage im Völkerbundsrat dazu ausnützen, um einen Druck auf die zionistischen Führer dahin auszuüben, daß sie ihre Kritik an den antijüdischen Maßnahmen der rumänischen Regierung mäßigen. Wirtschaftlage folgen der anfijüdisdten Maßnahmen Aus Bukarest wird berichtet: Eine Abordnung in der rumänischen Wirtschaft engagierter englischer . Wirtschaftsführer sprach beim Ministerpräsidenten Goga vor und brachte ihre Befürchtungen betreffend die Zukunft ausländischer Unternehmungen in Rumänien zum Ausdruck. Goga versicherte der Abordnung, daß ausländische Staatsbürger keinen Beschränkungen unterworfen sein werden; im übrigen verwies er auf den bevorstehenden Besuch König Carols in London. Gegen die jüdische Presse Außer den jüdischen, deutschsprachigen Zeitungen wurden nunmehr auch die jiddischen „Czernowitzer Bieter", „Dos jiddische Wort"! „Aufbau" und das hebräische „Darkenu" verboten, so daß durch die Entfernung der Juden aus der rumänischen Presse mehr als 200 jüdische Journalisten ums Brot gekommen sind. Joint will helfen Aus New York wird gemeldet: Das Joint Distribution Committee wird versuchen, für rumänische Juden Aus wand eru n gs möglichke iten zu schaffen. Tradi'fi'onstreu Zu den Kundgebungen der österreichischen Legitimfifen Anläßlich der legitimistischen Massenkundgebungen in Oesterreich und der aus diesem Anlaß erfolgten Angriffe der nationalsozialistischen Presse gegen Legitimismus und Judentum erhielten wir eine Reihe von Zuschriften aus jüdisch-Iegitimistischen Kreisen. Wir Veröffentlichen nachstehend eine Zuschrift, die uns besonders beachtenswert erscheint: Die 50 Veraammlungen der österreichischen Legitimisten, die am 11. Jänner in Oesterreich abgehalten wurden, bilden den demonstrativen Ausdruck einer seit dem Untergang der Habsburger- Monarchie fast unsichtbar bestandenen Bewegung. Während rings um Oesterreich die Frage der Restauration der Habsburger diplomatischen Charakter hatte und ihre Realisierung von der allgemeinen staatspolitischen Situation abhängig war, bildete die Wiedereinsetzung des legitimen Herrscherhauses in Oesterreich selbst für eine aus allen Schichten der Bevölkerung zusammengesetzte Gruppe ein Dogma, an dem nicht zu rütteln war. Fast 20 Jahre hindurch ließ sich diese Gruppe, wie immer auch die Chancen waren, von ihrem Willen nicht abbringen. Man braucht nicht erst auszuführen, daß der legitimistische Gedanke oder die monarchistische Bewegung sich auf die Sentiments des Altösterreichertums stützte, die wertvollen Traditionen zu neuem Leben erweckte und den Antrieb gab zu einer Reihe von ,,Wiedergutmachungen" — immer auf dem Grundsatz fußend, daß Oesterreich nur unter Wahrung seiner geschichtlichen Mission als deutschchristlicher Kulturstaat seine Unabhängigkeit wahren könne. Und eben dieses Moment brachte die legitimistische Bewegung in Gegensatz zu den im großdeutschen Gedanken lebenden Nationalbetonten, beziehungsweise Nationalsozialisten. Seitdem es klargeworden war, daß die Wiedererrichtung der Monarchie die Selbständigkeit Oesterreichs verbürge und damit die Anschlußfrage endgültig aus der Welt schaffe, bemühten sich die österreichischen Nationalsozialisten, die legitimistisch-monarchistische Bewegung zu diskreditieren, ihre Anhänger als eine kleine Schar politischer Desperados zu beschimpfen. Und wie alle anderen Bewegungen und Geistesströmungen, die. ihnen „nicht genehm waren, bezeichneten sie auch den österreichischen Legitimismus als eine — jüdische Erfindung. Die reichsdeutschen nationalsozialistischen Blätter und ihre österreichischen Mitläufer benützten jede Gelegenheit, von „verjudeten Mqnarchistengruppen" zu sprechen, von den Habsburgern, die unter jüdischem (und vatikanischem) Einfluß das Deutschtum verraten, und darum jedes Recht auf respektvolle Beurteilung verwirkt hätten. Die Lächerlichkeit dieser Behauptungen war evident, da sie im Widerspruch mit den geschichtlichen Tatsachen steht, aber was lag den Besudlern des Oesterreichertums diesseits und jenseits der Grenze an ein paar Verleumdungen? Die jüdischen Staatsbürger Oesterreichs haben, seitdem das Resultat des Weltkrieges eine Neuordnung geschaffen und die Habsburger-Monarchie zerstückelt hat, mit dankbarer Sympathie alle Bestrebungen zur Konsolidierung des Staates verfolgt. Es ging ihnen — obwohl sie wertvolle Erinnerungen an das große ruhmreiche Oesterreich zu wahren hatten — um die Ruhe und Wohlfahrt des österreichischen Vaterlandes und sie überließen es selbstverständlich dem Öesterreichertum, sich die ihm gemäße Staatsform zu wählen. Oesterreich hat sein Schicksal. selbst zu bestimmen — das war der politische und moralische Grundsatz des österreichischen Judentums, und wenn Kräfte am Werk sind, die Traditionstreue der Oesterreicher in einer bestimmten Staatsform zu kristallisieren, so werden die Juden Oesterreichs bei diesem Prozeß gewiß nicht abseits stehen. Oesterreich den Oesterreichern! Das ist' das Ideal, das hier jedem jüdischen Staatsbürger vorschwebt, und er wird ihm dienen, ohne sich von irgend welchen Gegnern dieses Ideals irritieren zu lassen. Gleiche Pflichten, gleiche Rechte — das ist die einzige Basis, auf der ein Staatswesen gedeihen kann. Gesund und leicht verdaulich ist das köstliche Wiener Simonsbrot. Unentbehrlich zur Behebung von Darmträgheit und Magenleiden. Bestes Diätbrot. E Der große Reprösentations BALL des Klub „Er^z Israel" findet dieses Jahr IM HOTEL METROPOLE in sämtlichen Festsälen am 22. Jänner 1938 statt. Bailorchester „Elite Kiddies", Juxbasar, Akademie, Barkapelle Kleidung der Damen : Balltoilette / Abendkleid Kleidung der Herren: Frack, Smoking / Abendanzug Karten im Vorverkauf beim Veranstalter: Klub „Erez Israel", II, Praterstraße 13, Tel. U-42-407 das MCHeUnttU QetoUenlc: Standardwerk der jüdischen Literatur DR. B. MURMELSTEIN (jfi&diiditp dßt ludeu ylrlfPfFW^fFW WWwrlr JfrVWfr mit zahlreichen Bildern u. Farbtafeln Prachtleinenband S 15.80 / Lexikonformat Standardwerk der jüdischen Literatur FLAVIUS JOSEPHUf Lebenslauf / Jüdische Altertümer / Geschichte des jüdischen Krieges / Apion v. Alexandrien Ausgewählt and eingeleitet von Dr. B. MURMELSTEIN Illustr. Ausgabe mit Farbtafeln. Lexikonformat Prachtleinenband S 15.80 JOSEF BELF, VERLAG KEA™«, CUatnUcka Ästete - ein Ueäi^ec Zagt Chamischa As s ar — das Neujahr det Bäumet aber nicht das einzige Fest, an dem man der, Gewächse gedenkt: Am Peßach wird, wie es im Talmud heißt, über das Gedeihen der Brotfrüchtc gerichtet. Deshalb wurde auch am zweiten Peßachtag der, Omer dargebracht, damit die Bodenfrüchte des kommen' den Jahres gesegnet werden. Am Schewuoth pflegt man in den Tempeln kleine Bäumchen aufzustellen, damit man sich daran'erinnere, daß an diesem Tage über alle Baumfrüchte Recht gesprochen wird und man für sie bete. Am O h antik a pflückt man in Palästina die „Dam Hamakabim" („Bhit der Makkabäer«) -rdie kleinen, blutroten Blümelein, die dort wachsen, wo das Blut der Makkabäer vergossen wurde. Weil unsere Gesetzeslehrer um die Erhaltung und Mehrimg des Baumbestandes in Palästina bemüht waren, verboten sie die Züchtung von Kleinvieh (B. K. 7, 6); welter bestimmten sie, daß junge Oelbäume, wenn sie bei einer U e b e r s c hw e in m u n g in einem anderen Felde Wurzel gefaßt haben, der andere Besitzer sie nicht mehr ausgraben kann (Schulch. Ar. Glvosch. misohp. 168, 1.) Chamischa Assar kann die Symbolkraft haben, das jüdische Volk zu einem Volke von Baumfreunden zu machen, dazu anzuhalten, die kahlen Gipfelzüge und öden Abhänge der Gebirge Judas und Ephraims wieder mit dem tiefen Grün junger Wälder zu umsäumen. Der, Baum lutt in Palästina eine bestimmte II eili gk'cit. Die sich immer mehr erweiternde Stellung des Chamischa Assar b'ScIvwat in unserem nationalen und religiösen Leben kann als Beweis hiefür gelten. Im Baume (Menorah-Form) hat das jüdische Volk, wie das Volk der Basken, sein Symbol gefunden: Nicht wilde Tiere, nicht wilde Vögel, sondern der Baum — das Symbol des Friedens und der Arbeit. * Heuer unterbleibt in Palästina am Chamischa Assar das Pflanzen von Bäumen durch Schulkinder, denn wir haben ein Schmitta-Jahr statt des Baumpflanzens werden Lehrvorträge über die Bedeutung des Siebenjahres gehalten. Dr. J. Z. K. Die Jüdische Buch-Klub In Wien ist aus der Erkenntnis und der Notwendigkeit heraus entstanden, das jlidsche Buch mehr als früher in den Vordergrund zu stellen und damit den Beweis zu erbringen, daß trotz aller Einengung und Schicksalsnot unsere Schriftsteller weiterschaffen und der soviel geschmähte „jüdische Geist" im Mittelpunkt des Wissens, der Kunst und der Literatur steht. Für S 8.— vierteljährlich erhalten die Mitglieder jeden Monat eine gediegene jüdische Monatsschrift, welche alle brennenden Zeitfragen in freier und nachdrücklicher Weise beleuchtet, außerdem aber jedes Vierteljahr ein wertvolles wissenschaftliches oder erzählendes Werk aus jüdischer Feder. Mitglieder haben übrigens auoli Tauschrecht aus der gehaltreichen Wahlliste. Der Jüdische Buch-Klub ist in seinem einjährigen Bestehen bereits zum Mittelpunkt der jüdischen Buchbestrebungen nicht nur in Oesterreich geworden, sondern auch in anderen Ländern, wo Juden .wohnen und ihre Selbsterhaltungspflicht kennen und erfüllen. Verb« der Juden&taatezionfcfen Oesterreichs „Bassisches und Klassische s." Die nächste Aufführung dieser erfolgreichen Revue von Bobby Weiser und Vicky Sehlosinger, findet Sonntag, den lß. d. M., um 8 Uhr abends, im renovierten Festsaal des Hotel-Restaurants Stephanie, II., Taborstraßü 12, statt. Karten von S 1.— bis S 2.— im Heim der Judenstaatszlonisten, II., Praterstraße 30, täglich abends von 7 bis 10 Uhr sowie bei den Funknären sowie an der Abendkasse Der Verband der Judenstautszionisten und Juden» staatsjugend gratuliert herzlichst ihrer Ch. Betty Unreich (Rlschon le Zlon) zu ihrer Vermählung mit Herrn Ing. Isak Lustig (Neß Zlonah). Judenstaatsjugend. Dienstag, den 18. d., .iAlb « Uhr abends, im Helm, II., Praterstraße 80. Vortrag Dr. Felix Klug: Demokratie, Sozialismus und wir, Gäste willkommen!