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Die neue Welt · 1938-01-14 · Heft 718 (14.1.1938) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 718 (14.1.1938)
Date
1938-01-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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( Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 718 vom 14. Jänner 1938 Arbeitende Menschen Winsen, daß zu erfolgreicher Arbeit bester Kräf tezustand, ruhige Nerven, gute Stimmung notwendig sind. Zur Kräftigung des Körpers, zurBehebungvon MÄttigkeitsgefühl gibt es ein zuverlässiges Mittel: DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Bestes Einreibemittel, hervorragend zur Mund-, Zahn- und Rachenpflege und zu mannigfachen anderen Zwecken In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana" und nehmen Sie nur „Diana". Minderwertige Nachahmungen sind energisch aurückzuweisen Äwrschende Unentschlossenheit sind einerseits gefährlich. Andererseits bieten sie aber einer festen, zielbewußten zionistischen Politik die Möglichkeit, sich mit Hilfe der gutgesinnten und sehr einflußreichen Gruppe Churchill-Wedgewood und mit Benützung der in militärischen Kreisen herrschenden Stimmung für Aufrechterhaltung des Status in Palästina durchzusetzen. Aber von einer zielbewußten und beharrlichen zionistischen Politik ist in London nichts zu merken! Sie ist nicht da! Im Augenblick höchster Verwirrung und Ungewißheit manifestieren sich die Schwäche und Unfähigkeit der zionistischen Leitung. Weizmann sitzt auf seinem Landgut in Rechoboth und schweigt. Und seine Unterführer halten in Tel-Aviv und Jerusalem Vorträge über die begrabene Teüung Palästinas und den begrabenen Zwergjudenstaat. Robert Stricker. Stimmen zum ,Weißbudi' Aus London: Der Misrachi-Verband für Großbritannien und Ir 1 and hat an den Ministerpräsidenten Neville Chamberlaih und •' andas Kolonienministerium folgende Erklärung gerichtet.: „Die Exekutive des Misrachi-Verbandes für Großbritannien und Irland, der die religiösen zionistischen Massen in . diesen Ländern vertritt," .möchte Sr.. Majestät Regierung ihre tiefe Besorgnis über das jetzt umlaufende Gerücht aussprechen, dlfß geplant ./ist',~'t.die Lä$;e in Palä- Vettsick ttksUin-Smmem^ stina dadurch zu kristallisieren, daß den Juden der Status einer dauernden Minderheit auferlegt wird. Wir hoffen zuversichtiicnV' äaBT, 'diese;','<Serüchte der Grundlage entbehren. Dies würde nur das Unrecht verschärfen, das dem jüdischen Volke t in. zahlreichen Teilen der Welt.angetan wird,, wo sein-Glaube schweren Bedrückungen ausgesetzt ist und wo die Juden die Zielscheibe vom Staate ermutigter Akte des Huliganismus sind. Wir erlauben uns, Sr. Majestät Regierung loyal und respektvoll darauf aufmerksam zu machen, daß eine wahre und gerechte Lösung des Problems der Zukunft Palästinas die Errichtung eines Staates wäre — in engem Bündnis mit dem britischen Imperium oder als Teil desselben — wie ihn jene Staatsmänner ins Auge gefaßt hätten, die die berühmte Balfour-Deklaration verkündet haben. Indem der Misrachi-Verband als Teil der Misrachi- Weltorganisation gegen jeden Vorschlag einer Teilung ist, wünscht er festzustellen, daß er sich mit allen Zionisten in der Opposition dagegen verbindet, daß den Juden der Status einer dauernden Minderheit in Palästina auferlegt wird, und daß er mit allen Zionisten für die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina eintritt." Aus London: Die Neu-Zionistische Organisation hat eine Erklärung zu dem neuen Weißbuch über die englische Palästina-Politik veröffentlicht, in welcher es u. a. heißt: „Die Nessiut (Weltleitung) der Neu-Zionistischen Organisation stellt mit Genugtuung fest, daß das Weißbuch einen entschlossenen Schritt in der Richtung zur unvermeidlichen Liquidierung des Teilungsplanes darstellt. Pie der künftigen Kommission erteilten Kompetenzen enthalten für sie klar die Andeutung, zu erklären, daß ein brauchbarer Teilungsplan nicht erdacht werden kann, was offensichtlich die wahre Absicht der Regierung bei der Abgrenzung der Kompetenzen war. Die Bemühungen der alten Zionistischen Organisation, den untergehenden Teilungsplan zu retten — die übrigens zu absoluter1 Erfolglosigkeit verurteilt sind — könnten mit Gleichgültigkeit aufgenommen werden, würden sie nicht eine beträchtliche moralische Gefahr enthalten, nämlich die Gefahr, die Welt könnte überzeugt werden, daß Juden bereit sind, auf den Anspruch auf ganz Palästina zu beiden Seiten des Jordans zu verzichte n." Aus New York: Die Zionistische Frauen-Organisation Amerikas „H a d a h s a h" hat eine Erklärung veröffentlicht, in der das nque Weißbuch der englischen Regierung begrüßt und gesagt wird, die von der neuen technischen Kommission durchzuführenden Untersuchungsärbeiten werden ergeben, d & fi Teilung undurchführbar ist, und zu neuen Empfehlungen führen. Aus Jerusalem: Die arabischen Zeitungen äußern Unzufriedenheit darüber, daß das neue Weißbuch den Vorschlag der Schaffung «ines jüdischen Staate s in Palästina wiederholt. „Falastin", Organ der Nashashibi-Partei, erklärt, die beste Lösung des Palästina^ Problems wäre ein Abkommenzwischen Juden und Arabern auf der Basis des Status »einer jüdisch e.n M i nd e r h e i t in Palästina. Aus London: Die /Exekutive der Labo.ur Party, der Generalrat des Gewerkschaftskongresses und die Exekutive der Labour-Fraktion im Parlament nahmen in einer gemeinsamen Sitzung, die sich mit der Lage in Palästina und der Palästina-Politik der englischen Regierung befaßte, eine Resolution an, in der Bedauerndarüber ausgedrückt < wird,, daß die Regierung noch .immer keine Entscheidung über eine Frage von so lebenswichtiger Bedeutung, wie es die Palästina-Frage ist, getroffen hat. Die Unentschlossen- EISEN- SELCHWAREN [MAL TXQLICH FRISCH '========='" ALLEN FILIALEN (Simonsbrot heit der Regierung, heißt es, sei eine Prämie für jene, die in Palästina Unruhe und Terror hervorrufen. Die Regierung wird aufgefordert, dem Parlament so bald wie möglich eine eindeutige Erklärung über ihre künftige Politik in Palästina zu Unterbreiten. Aus London: „Manchester Guardian" übt scharf Kritik an dem Umstand, daß. die. Durchführung des Teilungsplanes und die Schaffung eines jüdischen; Staates weiter hinausgeschoben werden, und äußert die Befürchtung, daß die Regierung? von. dem Plan der Schaffung eines jüdischen Staates und von dem ganzen Teilungsplan abrücke. Das Blatfc greift die Regierung an, daß sie im Gegensatz zu .der Erklärung des Außenministers Eden auf der letzten Tagung des. Völkerbundsrates, wonach die Beschränkung; der jüdischen Einwanderung nur eine vorübergehende sei, diese zu einem p o l i t i s c h e n S y s t e m gemacht habe. „Daily Herald" schreibt, es sei Aufgabe derjenigen, die gegen Teilung sind, eine andere Lösung vorzuschlagen, die,' wenn auch nicht besser,' sä''doch mindestens so gut sein müsse wie der Teilungsplän. Man fallt in den Rüdken Wir haben in der Vorwoche unter obigem Titel über den Vorstoß der „Union österreichischer Juden" gegen den Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich berichtet. Dr. Ehrlich hat im Laufe der Budgetdebatte der Wiener Bürgerschaft Gelegenheit genommen, gegen die Behandlung der Wiener Judenschäft durch manche behördlichen Stellen, gegen ihren Ausschluß von öffentlichen Stellen und Lieferungen, vor allem aber gegen die unter Patronanz eines Vizebürgermeisters betriebene, vom „Oesterreichischen Gewerb e b u n d" eingeleitete Boykottbewegung gegen jüdische Kaufleutfe und Gewerbetreibende zu protestieren und Abhilfe zu verlangen. Während alle Wiener'-Juden, besonders aber die betroffenen Kaufleute, Gewerbetreibenden, Aerzte BANKGESCHÄFT Dr. OFF EN BERG ER Wien I, Freyung 1 Tel ephon : U - 27 - 2 - \1, U - 28 - 2 - 55 Durchführung sämtlicher Bank* und Börsetrantaktionen usw., Herrn Dr. Ehrlich Dank , für sein im Interesse aller Juden erfolgtes Eintreten zollten, nahm die „Union" ausgerechnet diese Gelegenheit war, um Herrn Dr. Ehrlich in den Rücken z u f a 11 e n. In ihrem Blatte erklärt sie, daß Doktor Ehrlich nicht berechtigt war, vor der Wiener Bürgerschaftim Namen der Wieher Juden zu sprechen. Warum? Weil er Jüdischnationaler und' Zionist ist! Bei allen anständigen' Judeh hat dieses Vorgehen der '„Union" helle Empörung ausgelöst, auf antisemitischer Seite helle Freude. Mit Bezug auf die Rede Dr. Ehrlichs und auf den gegen ihn gerichteten Angriff der sich „Vertreterin jüdischer Interessen" nennenden „Union" schreiben das Blatt des christlich-antisemitischen Gewerbebundes und das Leibblatt vieler Hakenkreuz-Antisemiten „Wiener Neueste Nachrichten" triumphierend an leitender Stelle: „Das Lamento eine» jüdischen Mandatar» (der im übrigen von »einen eigenen Glaubensgenossen nachträglich desavouiert wurde), das Wutgeheul einer gewissen I noch immer unerreicht ald @efunbf)eit$* unb Ätaft« 1 brüt. Üietd) an .bert fo imdjtigeti SKäfjrjalaen. ©ef)t I bequem; @imon3brot=(3d)mtteiipätfchcn in (Stanniol. I StÜd)tenbrot: Slufbau* unb $ütm«8teau!ator. #u I faben in ^etnfoft^attbluitgen unb in btelen SBädfeteiiit, V^itttongbrotfabrif SÖien-Äagran 55. £ägl. $oftoerf.( ■\ Presse, Interventionen in- und ausländischer Steffen, Drohungen, Verleumdungen und anonyme Briefe werden die verantwortliche Führung des Oester« reichischen Gewerbebundes nicht einschüchtern können usw. . . Die „Union" hat also einen herrlichen Erfolg zu verzeichnen. Die Hakenkreuzler und „christlichen" Antisemiten wissen ihr Dank. Warum soll man sich vor den Reden des Juden Dr. Ehrlich fürchten? Seine „eigenen Glaubensgenossen" desavouieren ihn ja ... Eine jüdische Antwort Mit dem Tauchen um Abdmck wurde uns folgende Zuschrift übermittelt: „D e r R i n,g d e r A11 - H c r r c k - V c r b ä n d « der zionistischen Verbindungen, die größte Organisation jüdischer Akademiker Oesterreichs, hat nachstehende zwei Resolutionen zum Beschluß erhoben: „Die am 10. Jänner 1938 zum Generalkonvent einberufene Vollversammlung der Mitglieder des Rings der Alt-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen spricht dem Bb. Dr. Jakob Ehrlich, Rat der Stadt Wien, für sein mutiges und würdevolles Eintreten für die Rechte der Wiener Judenschaft wärmstenDank und begeisterte Zustimmung aus und gibt der Empörung Ausdruck, daß Verfechter der überholten Assimila- Ätleu:SnnRemo,PensloneFßlice cama <t«ll> lmn*rii 1S4. Untar Aufsieht des nt^D Cors« tfelP lmp«ro 184. Untsr Aufsicht des Hamburger Veraines. Direktion: Dr. m«d. AUx Schwarz tlonsldee diesem berufenen Vertreter der Wiener Judenschaft, zum Schaden der jüdischen Bevölkerung, in den Rücken gefallen sind." „Die am 10. Jänner 1938 zum Generalkonvent einberufene Vollversammlung der Mitglieder des Rings der Alt-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen begrüßt die vom Bundesjugendführer des österreichischen Jungvolkes angekündigte Zusammenfassung der jüdischen Jugend Öestcrfeichs in einem g-1 ei c h b efe cht igten Verband innerhalb der gesamtstaatlichen Jugendorganisation." * In einer Versammlung aller Bezirksführer des Bundes jüdischer Frontsoldaten sprach der: Für geistige Arbeiter, Neurastheniker und kranke Frauen ist ein Glas natürliches „Franz-Josef'-Bitterwasser, vor dem Frühstück genommen, ein rasch und angenehm wirkendes Magen- und Darmreinigungsmittel von hervorragendem Wert! Fragen Sie Ihren Arzt. Bundesführer von Fried mann dem als Gast anwesenden Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich den Dank für sein mannhaftes und würdiges Eintreten im Interesse der bedrohten Judenschaft aus. Die Versammlung brachte Dr. Ehrlich stürmische Ovationen dar. Wie uns mitgeteilt wird, hat die „V e r e i n i g u n g jüdischer Aerzte" dem Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich für sein neuerliches mannhaftes Eintreten für die jüdischen Aerzte ihren tiefgefühlten Dank zum Ausdruck gebracht. Die „Vereinigung der jüdischen Aerzte" hofft, daß der Appell, an dje .leitenden Kreise, von Erfolg begleitet sein wird. Jedenfalls hat das Auftreten Dr. Ehrlichs die durch materielle und geistige. Not bedrückten jüdischen Aerzte aufgerichtet. Diese moralische Unterstützung ist nicht hoch genug einzuschätzen. Sie wird von der gesamten jüdischen Aerzteschaf t gewürdigt und mit herzlichstem Dank quittiert. Otto Warburg Im Alter von fast 80 Jahren ist Prof. Otto W a rbu t g in Berlin gestorben. Der große Naturwissenschafter, der eine Reihe bedeutender Werke schuf („Kulturpflanzen der Weltwirtschaft", „Die Pflanzenwelt") lehrte an der Berliner Universität, wo er seit 1892 ordentlicher Professor war. Schon frühzeitig war Prof. Warburg mit dem Zionismus verbunden. Herzf forderte ihn als den Kolonialfachmann zur Mitarbeit auf. Bei allen Unternehmungen des praktischen Zionismus Spielte Warburg eine führende Rolle, Im Jahre 1911 wurde er Vorsitzender des Engeren Aktionskomitees (so hieß damals die Zionistische Exekutive), nach dem Krieg wurde er Leiter des Botanischen Instituts der Universtät Jerusalem, nahm Anteil an der Gründung der Palestine Land Development Company, des Bezalel, und stand in allen kolonisatorischen Fragen der zionistischen Organisation beratend zur Seite. In der zionistischen Geschichte nimmt Prof Warb u r g, den man einmal den „Gentleman der zionistischen. Bewegung" nannte, einen Ehrenplatz ein.

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