Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 718 (14.1.1938)
- Date
- 1938-01-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Frei'fag/ den 14* Jänner 1938 12* Jahrgang DIE NEUE Hr. 718 V* b«b» Zeitung vom Verleger versendet „Journal exn&ll* par I'editeur'4 REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig s 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—,viertel, jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 60.—, vierteljahrig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa Sß.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.-^ Schwelt und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franc3 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX,Universitätsstr.8,7et.A-20-2-78 - Erscheint Dienstagu.Freitag In höchster Verwirrung — ohne Führung H „QUEENMAR Y", 81.000 t. 1 . „AQUITANIA".......19. Jänner „BERENGARIA" ..... .26. Jänner M „QUEEN MARY*4......2. Februar 1 „AQUITANIA14.......9. Februar 1 CUNARD WHITE STAR LIMITED | WIEN I, KÄRNTNERRING 4, TEL. U-42-0-43, U-46-2-48 |?ii||||ll!iillllllllllllllll!llllllllllllllllllllll!llll||||||||||||||||||||||||||||||||||||||IH Oroßmanit verurteilt Unmittelbar vor Blattschiaß wird uns aus Jerusalem gemeldet: Das Kongreßgericht hat Montag, den 10. Jänner, das Urteil gegen den Vorsitzenden der Judenstaatspartei Meir Größmä'nn veröffentlicht, wonach :dieser zur '"Suspendierung von allen seinen zionistischen Aemtern einschließlich des Rechtes einer Kandidatur zum Zionistenkongreß für zwei Jahre verurteilt wurde. Meir Großmann war bekanntlich .vom .Kongreßgericht •. durch den Kongreßanwalt Dr. Barth wegen Veröffentlichung des Protokolls einer vertraulichen Aussprache zwischen Dr. Weizmann und Ormsby-Gore, welche im Juli 1937 vor dem Kongreß stattfand, angeklagt. In der Urteilsbegründung wird darauf hingewiesen, daß Meir Großmann durch seine Handlungsweise der zionistischen Sache großen Schaden zugefügt hat und deswegen harte Strafe verdiene. Aus J e r u s a 1 e m wird uns weiters gemeldet: Als Protest gegen das Urteü des Kongreßgerichtes hat das Zentralkomitee der Judenstaatspartei in Palästina beschlossen, sich an der Sitzung des Kleinen Aktionskomitees, welche Dienstag, den 11. Jänner, hier begonnen hat, nicht zu beteiligen. * Hinter geschlossenen Türen und in Abwesenheit des Angeklagten und seines Verteidigers wurde hier „verhandelt" und ein Urteil gefällt, das in der Geschichte des Zionismus ohne Beispiel dasteht. Unter Ausschluß der Oeffentlichkcit versuchen „Richter", deren Unabhängigkeit von Anfang an bestritten wurde, den Führer der einzigen Oppositionspartei in der zionistischen Weltorganisation und mit ihm die Partei selbst ausderzionistischen Organisation hinauszudrängen. Großmann hatte den Präsidenten der Weltorganisation, Weizmann, beschuldigt, die Zionistische Organisation und mit ihr das jüdische Volk durch Preisgabe des jüdischen Palästina in schnöder, gewissenloser Weise hintergangen zu haben. Er hat seine Behauptung durch Vorlage von Dokumenten unbestrittener Echtheit bewiesen. Dafür wurde nicht Weizmann, sondern Großmann vor ein kommandiertes Gericht gestellt! Und dieses hat einen der edelsten und aufopferungsvollsten Männer, welche die zionistische Bewegung jemals besessen hat, aus der Zionistischen Organisation hinausgedrängt. Leute, Welche Herzl auf Schritt und Tritt verleugnet haben, wollen die wahren Herzl-Zionisten aus der Herzl- Organisation verjagen. Wir werden auf das schändliche Urteil und die Art, wie es zustande kam, und mi seine Folgen selbstverständlich, zurückkommen. Vor einigen Wochen hat sich der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Professor Weizmann, von London nach Palästina begeben und dort auf sein Landgut in der Kolonie Rechoboth zurückgezogen. Er hat seither kein politisches Lebenszeichen von sich gegeben, denn einige Begrüßungsschreiben an innerzionistische Tagungen, in welchen vornehmlich zu Geldsammlungen aufgefordert wird, und Meldungen der Parteikorrespondenz, daß der Präsident intime Freunde zu sich laden und mit ihnen die Lage intim erörtern will, können wohl nicht als Zeichen politischer Regsamkeit gewertet werden. Und gewiß nicht in einer Zeit, da das Schicksal des Zionismus auf dem Spiele steht. Eine solche Zeit ist da. In London, wo man gerade jetzt daran ist, über Sein oder Nichtsein des jüdischen Palästina zu entscheiden, herrscht größte Verwirrung, sowohl in Regierungskreisen als auch in den Parteien und der Presse. Palästina-Projekte tauchen auf und' verschwinden und die Gefahr einer durch Zufall oder Verlegenheit bestimmten Lösung, die unermeßlichen Schaden bringen kann, ist akut. Ein Chaos von Stimmen, englischer, arabischer, fremder, feindlicher. Nur die zionistische Stimme ist nicht hörbar. Weizmann ist in Rechoboth /und "Seine Adjudanten halten Reden — in Jerusalem. ■* Was geht vor? Auf dem Züricher Kongreß im August 1937 verkündete Präsident Weizmann, vom Kolonienminister Ormsby-Gory autorisiert, daß England das Mandat über Palästina nicht weiter tragen will. Es betrachtet die Balfour-Deklaration als unerfüllbar und das Mandat ist tot. Ganz tot, endgültig tot. Palästina wird geteilt und die Juden bekommen ein Fünftel als „Judenstaat". Das hat die Peel - Kommission erklärt und d a s hat die englische Regierung akzeptiert. Im Oktober 1937 geht eine Kommission nach Palästina, um die Sache zu finalisieren, im Frühjahr 1938 werden die Grenzen gezogen sein und im Sommer 1938 steht der Zwergjudenstaat fix und fertig da. Der Beschluß ist unumstößlich und der Zionistenkongreß kann vernünftigerweise nichts anderes tun, als — annehmen. Man muß ja und amen sagen. Alles andere wäre gefährlicher Unsinn. Jetzt sind wir im Jänner 1938 und alles, was Weizmann vor fünf Monaten im Auftrage seines Gönners Ormsby-Gore, dem Kongreß als unumstößliche Wahrheit und Gewißheit verkündete, hat sich als Blendwerk erwiesen. Nicht das Mandat ist tot, sondern der Teilungsplan und der Plan vom Zwergjudenstaat' sind tot. Was England jetzt will, ist nicht klar. Aber klar ist, daß es die Preisgabe des Mandates und die Teilung nach dem Rezepte Ormsby-Gores nicht will. Wohl wird eine Kommission nach Palästina geschickt werden. Aber nicht, um den Peel-Vorschlag zu verwirklichen, sondern um ihn zu begraben. In der bereits herausgegebenen Instruktion wird der Kommission eingeschärft, daß die englische Regierung sich absolut nicht an den Teilungsplan gebunden hat und daß daher auch die Kommission nicht an ihn gebunden ist. Sie „kann auch" den Peel-Plan in Berücksichtigung ziehen... Was das bedeutet, ist ersichtlich — das Ende des Peel-Planes. # Nun tauchen ne^e Projekte auf. Ein Plan wird von den offenen Feinden des Zionismus und unbedingi ten Araberfreunden vorgelegt. Er ist eindeutig unSi stammt von der politischen Gruppe um Lord Halifax und Lord Winterton. Das sind dieselben Leute, die in intimer Beziehung zu Hitler-* Deutschland stehen und ihm zuliebe Frankreich und Mitteleuropa preisgeben wollen. Sie fordern Preisgabe der Balfour-Deklaration, Liquidierung des Jüdi-t sehen Nationalheimes und Einrichtung Palästinas lediglich nach arabischem Bedürfnis. Dann gibt es Projekte, die von jüdischer Seite lanciert werden und darum nicht weniger gefährlich für den Zionismus sind, als der Vorschlag von Lord Halifax und Genossen. Herbert Samuel, der frühere palästinensische Hochkommissär unseligen Andenkens und seinerzeitige Gönner des blutigen Mufti, schlägt vor, die jüdische Einwanderung zu drosseln und den Arabern zu garantieren, daß die Zahl der Juden, inPalästina nie mehr als dreißig; Prozent betragen solSDi'e^ e w ige jüdische Minderheit. Dann ist Herr Leonhard Stein, langjähriger politischer Sekretär Weizmanns und derzeit Mitglied der Politischen Kommission der Zionistischen Exekutive, mit einem Antrag hervorgetreten, welcher den Peel-Plan akzeptiert und verschlechtert! Teilung Palästinas ohne Judenstäat! Man soll den Juden den Großteil Pärästmas wegnehmen, aber der ihnen verbleibende Rest soll nicht Judenstaat werden, sondern unter britischer Verwaltung^Weiben. So, glaubt Herr Stein, könnten die Araber beruhigt ' und das wehrlose jüdische Stückchen Palästina geschützt werden. Andere wieder plädieren für eine Kantonisierung Palästinas, d. h. Einteilung des Landes in Bezirke jüdischen und arabischen Charakters, wobei die letzteren der jüdischen Einwanderung und dem jüdischen Bodenerwerb für immer verschlossen bleiben sollen. Und schließlich ist die englisch-zionistische Föderation mit dem Antrag herausgerückt, das Palästina-Mandat aufzugeben und Palästina zu einem Bestandteil des britischen Imperiums (Dominium oder Kronkolonie) zu machen. Irgend ein Wort über die zionistische Gestaltung dieses Dominiums oder dieser Kolonie wird nicht gesagt. Man merkt dem Vorschlage dieser dem Präsidenten Weizmann unbedingt ergebenen Gruppe an, daß in diesen Kreisen keine feste Meinung, sondern nur blinde Furcht vor der Zukunft vorhanden ist. Von größter Bedeutung ist die in leitenden militärischen Kreisen herrschende Stimmung. Dort hat sich die Ansicht von der überragenden strategischen Wichtigkeit Palästinas für die britischen Interessen im Orient durchgerungen. In diesen Kreisen hat daher der Peel-Plan auf Zerreißung Palästinas nur Ablehnung gefunden. Schließlich sei noch die Gruppe der unentwegten Anhänger der Balfour-Deklaration, das heißt, der zionistischen Losung, erwähnt. Wedgewood, Churchill, Amery und Genossen kämpfen im Parlament und in der Presse für Aufrechterhaltung des Mandats, energische Unterdrückung der arabischen Revolte und Fortführung der jüdischen Kolonisation im größtmöglichen Ausmaß. * Viele Projekte und jedes findet da und .dort Zustimmung. Dieser Umstand und die in der Regierung KOHLE KOKS iimTnim AM1HRACII BUCHENHOLZ BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5-40 Inhaber Dr. Richard Bäsch ä«F" Zweimal täglich Ellzustellung nach allen Bezirken *a*a