Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 717 (11.1.1938)
- Date
- 1938-01-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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DIE NEUE WELT Nr. 717 vom 11. Jänner 1938 Errichtung sich selbst verwaltender arabischer und jüdischer Staaten mit entsprechender Sicherheit bieten, den Einschluß möglichst weniger Araber und arahischer Unternehmungen in das jüdische Gebiet, und umgekehrt, notwendig machen; Sr. Majestät Regierung in die Lage versetzen, die Mandatsverpflichtungen zu erfüllen, deren Uebernahme im Bericht der Kgl. Kommission empfohlen ist, einschließlich der in Art. 23 des Mandats enthaltenen Verpflichtungen betreffend die Heiligen Stätten; 2. die mit der Teilung zusammenhängenden wirtschaftlichen und finanziellen Fragen zu prüfen und über das Ergebnis der Studien Bericht zu erstatten. Sollte als Ergebnis der Studien der techraschen Kommission, deren Ausarbeitung zweifellos vieleMonatein Anspruch nehmen wird, Sr. Majestät Regierung einen Teilungsplan für billig und durchführbar erachten, wird dieser dem Völkerbundsrat zur Erwägung unterbreitet werden. Falls der Völkerbundsrat den Plan genehmigt, wird eine weitere Zeitspanne nötig sein, um in den betreffenden Territorien neue Verwaltungssysteme unter Mandat zu errichten und — die nötige Zustimmung vorausgesetzt — über Abkommen ,mit dem Ziele der eventuellen Errichtung unabhängiger Staaten zu verhandeln. Es ist auch möglich, daß Sr. Majestät Regierung im Lichte des Kommissionsberichtes sich genötigt sehen wird, den Vorschlag der Permanenten Mandatskommission zu erwägen, wonach das arabische und das jüdische Gebiet vorübergehend unter einem „kantonalen" System oder unter einem System gesonderter Mandate verwaltet werden sollen. Daraus geht hervor, daß einige Zeit hindurch jede Aktion lediglich untersuchenden Charakter tragen wird. Ich werde mich mit Ihnen hinsichtlich der personellen Zusammensetzung der Kommission und ihrer Arbeitsweise zur entsprechenden Zeit in Verbindung setzen. W. Ormsby-Gore. Einspruch der Z<om'$Ciccjhen Exekut've Aus London wird berichtet: Die Zionistische Exekutive hat eine Erklärung veröffentlicht, in der sie ihrem Bedauern über die Verzögerung und den Schwebezustand, die in dem vom. Kolonienministerium veröffentlichten Palästina-Weißbuch vorgesehen sind, Ausdruck gibt. Die britische Regierung wird dringend ersucht, in Palästina normale Bedingungen wiederherzustellen, vor allem die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit als das Kriterium für jüdische Einwanderung in Palästina gelten zu lassen. Amerikas Zionismen fordern Aus New York wird berichtet: Die Zionistische Organisation Amerikas richtete an Ormsby-Gore ein von Stephen S. Wise unterzeichnetes Telegramm, in welchem sie ihrer Bestürzung über das kürzlich veröffentlichte englische Weißbuch betreffend die Palästina- Politik Englands Ausdruck gibt. Die amerikanischen Juden fordern freie Einwanderungsmöglichkeiten für die Juden nach Palästina, solange keine endgültige Lösung des Palästina-Problems gefunden sei. En9lisdisitalieni§dier Radio«DaaIog Schon seit längerer Zeit sendet die italienische Radiostation Bari Nachrichten und Gesänge in arabischer Sprache, um für das italienische Imperium in den arabischen Ländern Propaganda zu machen und das britische Prestige im Nahen Orient zu schädigen. England verhielt sich bisher zurückhaltend, eine Intervention der britischen Regierung beim italienischen Botschafter in London blieb ohne Erfolg. Schüeßlich entschloß sich London zu einer Gegenaktion und errichtete eine Sendestation, die am 3. Jänner mit der Sendung von Nachrichten in arabischer Sprache begann. Die Sendungen waren im Nahen Osten ausgezeichnet zu hören, obwohl sie eine unbekannte Station zu stören suchte. Der Sender Bari sandte zu gleicher Zeit populäre arabische Gesänge, um die Hörer von der Londoner Sendung abzulenken. „Giornale d'Italia" bemerkt zum Beginn der britischen Rundfunksendung in arabischer Sprache, Großbritannien sollte sich lieber mit' den palästinensischen Arabern verständigen, als zu versuchen, sie mit Füßen zu treten (!). Die Sendestation in Bari habe lediglich präzise Tatsachen (!) berichtet. Großbritannien möge nur eine Palästina-Politik unter Berücksichtigung der Gewohnheiten und Bedürfnisse der Araber betreiben, dann werde die Lage in Palästina wieder in den Normalzustand zurückkehren zur größten Befriedigung nicht nur der britischen, sondern auch der italienischen Regierung. Großbritannien aber wünsche nicht Frieden, da seine militärischen und politischen Pläne in Palästina auch gegen Italien gerichtet sind. Aus dieser Tatsache müsse Italien die Richtlinien für die künftige politische Orientierung ableiten. Der scharfe Ton der italienischen Presse gegen England bezeugt die Nervosität in der Beurteilung der Fragen des Mittelmeeres und des Nahen Orients. Die Entscheidung über das Schicksal Palästinas wird zweifellos die englisch-italienische Politik wesentlich beeinflussen. Der heranwachsenden Jugend reicht man morgens ein Gläschen natürliches „Franz-Josef'-Bitterwasser, das infolge seiner magen-, darm- und blutreinigenden Wirkung bei Mädchen und Knaben recht beachtenswerte Erfolge trzielt. Fragen Sie Ihren Arzt. Weltpolitik der Woche: Ein Lidlistreifen Frankreich und England, die beiden großen! demokratischen Staaten in Europa, sind bezüglich dessen, was sich in Rumänien vorbereitet, aus ihrer Reserve herausgetreten. Der französische Gesandte Thierry hat, ähnlich wie sein britischer Kollege, in j Bukarest die rumänische Regierung darauf auf- I merksam gemacht, daß er dem Vertrag, der die Rechte der Minderheiten verbürgt, die größte i Wichtigkeit beimesse. Es läßt sich aus zahlreichen j Momenten schließen, daß die rumänische Regierung erklären wird, sie werde alle vertraglichen Bestimmungen über die Minderheiten,; die jüdischen und die übrigen nationalen, voll j respektieren.! Der Schritt der englischen und französischen ' Regierung ist ein deutliches Bekunden des Willens, . dem internationalen Recht wieder Geltung zu ver-! schaffen, und darum — nach so vielen moralischen! Niederlagen und Rechtsbeugungen —, nach so langem I Gewährenlassen strafwürdiger Angriffe — ein Lichtj streifen auf dem Horizont des Völkerlebens. Da nun auch im Rahmen der Ratstagung des Völker- : bund es, die am 17. Jänner in Genf bei Anwesenheit von Eden und Delbos das rumänische Minderheitenproblem Gegenstand gründlichen Meinungsaustausches sein wird, ist Hoffnung auf Abwehr der antijüdischen Kampagne in Rumänien vorhanden. Man ist sehr bescheiden geworden und klammert sich an das unscheinbarste Symptom, das daran erinnert, daß das Weltgewissen doch noch einmal lebendig und wirksam wird. Die Neuverteilung der Welt Wer die deutsche, italienische und japanische Presse verfolgt, kann eine Gleichschaltung in einem Punkt feststellen: in der feindseligen Haltung gegen England. Die Hintergründe dieser Haltung gehen wiederum auf einen Punkt zurück: auf den Versuch, England seine Vormachtstellung in der Welt zu nehmen. Aus dem Weltkrieg ging Englands imperiale Macht unversehrt hervor. Nachdem Amerika sich zurückgezogen hatte und die Mächte in dem Zustand, £®ß$ukek®$ I, Hoher Markt- Lichten steg Nr. 4 den sie dem Weltkrieg verdankten, zurückgeblieben waren, entstand allmählich die Meinung, man könne geschichtliche Vorgänge nachahmen. Das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland glaubten, auf die dynamische Kraft ihres Regimes vertrauen zu können, und als in Ostasien Japan wieder an die Verwirklichung seiner chinesischen Hoffnungen ging, fand sich plötzlich ein sogenanntes „Dreieck" zusammen, einig bloß im Wunsch, das einzige Hindernis seiner Weltgeltungsträume: das britische Imperium — beiseitezuschieben. Italien tat den ersten Schritt auf diesem Weg, indem es sich Abessinien einverleibte und seine Aspirationen im Mittelmeer deutlich machte. Japan ist im Begriff, durch Eroberung großer Teile Chinas die Einflußsphären Englands in Fernost einzuschnüren. Nur Deutschland steht vorläufig mit leeren Händen da und verlangt Kolonien, während es gleichzeitig in gehässigster Weise jede demokratische Geste Englands kommentiert. Alle. Enunziätionen dieser drei Staaten haben die Tendenz, die Ansprüche auf Raumgewinn als legitim, gerecht und — dem Weltfrieden dienend hinzustellen. Ja, es ist die groteske Situation entstanden, daß jedesmal, so oft Deutschland oder Italien oder Japan Machtzuwachs auf Kosten anderer Staaten oder unter Bruch von Verträgen verlangen, dies mit einem Hinweis auf die Notwendigkeit der Erhaltung des .Weltfriedens geschieht: Gönnt ihr mir meinen Raub nicht, so besteht die Gefahr kriegerischer Komplikationen! So ungefähr sah und sieht die internationale Lage aus. Wodurch ist es zu dieser Lage gekommen?, fragen Millionen Menschen, die sich nicht mit dem Gedanken abfinden können, daß von nun ab, da ja die Entartung der Moral keine materielle Einbuße mit sich brachte, die Gewalt über das Recht triumphieren solle. Die Antwort ist einfacher als man denkt. Im Augenblick, wo die aggressiven und diktatorischen Staaten den Glauben an Englands Stärke und an die Unfehlbarkeit seiner Politik verloren hatten, griffen ßie an, brüsteten sich mit ihrer Gewalt. Und sie hatten unmittelbaren Erfolg. Die „risikolose" Eroberung Abessiniens durch Italien machte Japan kühn, ließ Deutschland offen die Rückendeckung für Italien verkünden. Es gibt daher nur eine Aufgabe; nur eine Aufgabe für England: den Glauben an seine Macht und an den endgültigen Sieg seiner Politik wiederherzustellen. Dieser Aufgabe unterzieht sich England jetzt. Es rüstet, es gibt der tWelt kund, mit Frankreich und Amerika zusammenzugehen. Neben diesem Prozeß erscheint alles andere minder wichtig. o. r. Vladimir Jabofinsky spricht ühcr das Thema: «Dar Kaift])? äim den jüdischen Staat* am Montag, den 24. Jänner 1938. 8 Uhr abends, im Großen Musikvereinssaal, I.. Bösendorferstraße 12. Karten von S 1.— bis S 6. sind erhältlich in den Vorverkauf sstellcn und im Sekretariat der Neu-Z. O., IT., Aspcrnbrückcngasse 2, Telephon R-45-1-3G-U. Rmmänfen iaa*d Me Welietieinung „Yorltshire Post", das Londoner, dem Außenminister Eden nahestehende Blatt schreibt: „Die Juden genießen nicht einmal die Rechte anderer Minderheiten; Versuche, die Juden zu expatriieren j oder durch wirtschaftliche Druckmaßnahmen von einem. Land ina andere zu jagen, machen aus ihnen jedoch eine Art Nomadenmasse, was im allgemeinen eine beunruhigende Wirkung ausüben muß. Frankreich und England sind durch die Intensivierung des Problems betroffen, da die Juden durch mittelalterliche Zwangsmaßnahmen auf die Wanderschaft getrieben werden. England und Frankreich haben daher ein direktes Interesse daran, daß die Minderheitenrechte geschützt werden. „Osservatorc Romano", das offizielle Organ des Vatikans, befaßt sieh im Leitartikel eingehend mit der Judenpolitik der neuen mmänischen Regierung und führt aus: „Das nationale Christentum Gogas und Cuzas liegt ira Programm des orthodoxen (griechisch-katholischen) Christentums, welches glaubt, daß man das Evangelium mit der Rassenlehre in Einklang bringen kann. Darum bedeutet das Regierungsprogramm „Christus, König, Nation" ein nationalistisch-antisemitisch es Programm." Der Pariser „T e m p s" bemerkt: Die Regierung wird sich bemühen müssen, -px zeigen, daß sie trotz der Schwäche bed den Wahlen, wo sie weniger als 10 Prozent der Stimmen auf sich vereinigte, imstande ist, eine Mehrheit für ihre Politik zu gewinnen. Dies schließt aus, daß man zu Methoden der Gewalt und der Persekutdon Zuflucht nimmt, sowohl was die rassischen als auch die religiösen und sprachlichen Minderheiten anlangt. Die „Essener Nationalzeituug" bringt in großer Aufmachung unter der Ueborschriit „Neue Mobilmachung des Welt Judentums" die folgende Meldung: Internationale jüdische Finanzleuto organisieren einen Fonds von einer halben Milliarde Pfund (!), um im geeigneten Augenblick an den internationalen Börsen einen Run zu inszenieren. Demnächst solle in der Nähe von Genf eine Zusammenkunft maßgebender Vertreter der jüdischen Hochfinanz stattfinden, die über die Einzelheiten der Durchführung des Aktionsplanes beraten sollen. Dieser Vorstoß von Seiten der jüdischen Hochfinanz werde von parallel laufenden Aktionen begleitet sein. Das Blatt schließt, man könne ohne Uebörtreibnng davon sprechen, daß das „Weltjudentum einen regelrechten Generalangriff auf verschiedene Völker vorbereitet". (Diesem im Geist der berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion" gehaltenen provokatorischen Unsinn läßt sich nichts entgegnen.) Der „Völkische Bcobacher", die „Deutsche Allgemeine Zeitung" und der „Deutsche Dienst" ergehen sich in maßlosen Angriffen gegen England, weil dieses bei der rumänischen Regierung zugunsten der Minderheiten! intervenierte. Der „Präger Mittag" führt u. a. aus; „Die Welle der Empörung, die durch Europa ging, veranlagte das neue Regime, sich zu mäßigen, die über Naelit eingetretene, plötzliche Stockung des rumänischen Wirtschaftslebens zwang ihm Zurückhaltung in den angekündigten EntcigMingsmußnahmcn auf und die leise Erinnerung der beiden Botschafter an die seinerzeitigon Minderhcltsversprechungen dämpfte den antisemitischen Eifer wenigstens vorläufig." Mannhafter Diplomat Aus NewYork wird berichtet: Der amerikanische Botschafter D o d d, der als einziger aller in Deutschland akkreditierten ausländischen Diplomaten es abgelehnt hat, dem letzten Nürnberger Parteitag beizuwohnen, und lieber auf seinen Posten verzichtete, als offizieller Zuhörer der dort gehaltenen antisemitischen Reden zu sein, klärte nach seiner Rückkehr aus Deutschland die Gründe auf, warum er Deutschland verlassen hat. William Edward Dodd, der bedeutende Historiker und frühere Professor an der Universität Chikago, sagte: „Wus kann der vortreter der V e r o i n i g t e n Staaten in einem Lande tun, in dem die religiöse Freiheit unterdrückt wird und unkontrollierbare wissenschaftliche Meinungen, sowie Rassenhaß gepflegt werden." Dodd fügte hinzu, daß zahlreiche hervorragende deutsche Persönlichkeiten seine Nichtteilnahme an dem vorjährigen Kongreß der NSDAP, in Nürnberg ge-i billigt haben.