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Die neue Welt · 1938-01-11 · Heft 717 (11.1.1938) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 717 (11.1.1938)
Date
1938-01-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groichdn McntfUMj/ den II. Jinner 1938 12« Jahrgang •fr* 717 V«b« b« Zeitung vom Verleger versendet »Journal exp6di6 par l'editear" DIE NEUE 187 Titl. Universitätsbibliothek REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig ö 4.—. ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1J50. vierteljährig Zloty 4.5^ Tschechoslowakei monaOicb Ko 6.-. vierteljährig Kc 18.-; Jugoslawien monatlich Dinar Ä*,1jährig Dtear 40.-1T Bumänien monaülch Lei 50.-. vierteljährig Lei 150.-; Dentschlaad monatlich Mark 1.-. vierteljährig Mark 3.-TBnlekrien monatlich Lewa 30—, vierteljährig Lewa 80.-; t Italien monatlich Lire 5.-. vierteljährig Lire 14.-; Schwei* und dfe übrigen Länder monaülch Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeicbn»te Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: /X Universitätsstr. 8, leLA-20-2~78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Eine anständige Losung Jüdischer Dachverband im österreichischen „Jungvolk" Um sich einen ausreichenden Einfluß auf die Erziehung der Jugend außerhalb der Schule zu sichern, hat die österreichische Regierung die alle Jugendlichen . umfassende Organisation „Oesterreichisches Jungvolk" gegründet, welche der „Vaterländischen Front" untersteht und deren Führer von der Frontführung, d. h. vom Bundeskanzler bestellt werden. Das „Jungvolk" ist keine Zwangsorganisation im Sinne des Wortes, denn keine Jugendorganisation und kein Jugendlicher wird zum Beitritt gezwungen. Aber wer dem „Jungvolk", welches die Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahre umfaßt, nicht angehört hat, findet nach Erreichung des 18. Lebensjahres keine Aufnahme in die „Vaterländische Front". Aus der Nichtzulassung zur „Vaterländischen Front" ergeben sich jedoch schwerwiegende Konsequenzen. Wer der „Front" nicht angehört, kann z. B. nicht Hochschüler werden, öffentliche Stellen und Würden bleiben ihm verschlossen, er wird bei Vergebung von Konzessionen und Lieferungen nicht berücksichtigt u. a. m. Von diesem Standpunkt aus besehen, erscheint der Beitritt zum „Jungvolk" als Verpflichtung, deren Nichterfüllung den Verlust wichtiger Kechte nach sich zieht; und der Ausschuß vom „Jungvolk" als ■ Diskrimierung des Betroffenen, dem wichtige Rechte, die allen anderen Staatsbürgern zustehen, vorenthalten werden. Nun ergab sich ein unerträglicheri für die österreichische Judenschaft und vor allem für die jüdische Jugend höchst gefährlicher Zustand. Wenn sich ein jüdischer Jugendlicher beim „Jungvolk" anmeldete, wurde ihm die A u f n ä h m e v e r w e i g e r t. Zur Begründung der Ablehnung wurde darauf hingewiesen, daß die Erziehung im „Jungvolk" auf ausschließlich deut sc lieh r i's 11 i c h e r Grundlage beruhe und daher auf die jüdische Jugend nicht angewendet werden könne. Hiedürch wurde die Österreichische Judenschaft in: arge und begreifliche Erregung versetzt. Die Jugend erschien nicht nur in wichtigen materiellen Rechten bedroht, sondern auch in dem moralischen: Rechte, als gleichberechtigter Bürger am Aufbau und an der Entwicklung Oesterreichs mitzuarbeiten. ■ . Während sich aber ein Teil der österreichischen' judenschaft mit dem Protest gegen diese Beeinträchtigung der jüdischen Jugend begnügte, verband ein anderer Teil der Judenschaft mit dem Protest positive Vorschläge für eine gedeihliche Lösung des Problems. Die Vertretung der nationalen, ihres Volkstums bewußten Judenschaft, welcher der weitaus überwiegende Teil der organisierten jüdischen Jugend zuzuzählen ist, trat an die zuständigen Stellen des. „Jungvolkes" und der „Vaterländischen Front" in diesem Sinne heran und hat jetzt einen befriedigenden Erfolg zu verzeichnen. Der Bundesjugendführer Graf Thurn-Valsassina hat — wie uns berichtet wurde, mit Zustimmung des Frontführers Bundeskanzler Schüschttigg — öffentlich bekanntgegeben, daß innerhalb des „Jungvolkes" ein Dach verband der jüdischen Jugend geschaffen wird. In diesem Dachverband wird die jüdische Jugend durch jüdische Führer betreut werden. Mit dem Eintritt in den Dachyerband sind dem jüdischen Jugendlichen alle; Rechte gegeben, die mit der Zugehörigkeit zum „Jungvolk" verbunden sind.; Diese Lösung der Frage ist von der Judenschaft ,im allgemeinen und der jüdischen Jugend im besonderen als anständige Lösung mit Genugtuung begrüßt worden. Nur bei einem Teile hat sie Bestürzung und Protest ausgelöst. Der derzeitige Führer, der sich „nichtzionistisch" und „nichtnational" nennenden Wiener Juden, Regierungsrat Dr. Oppenheim von der „Union", hat in vehementer Weise gegen den Plan eines jüdischen Dachverbandes Stellung genommen. Er qualifiziert ihn als Bruch der österreichischen Verfassung und Verletzung des Prinzips der Gleichberechtigung aller Bürger, kündigt dem, Projekt Kampf an und -gibt der Hoffnung Ausdruck, es noch zu Falle zu bringen. Er bemüht. eich Keine Palästina-Entscheidung ohne Völkerbund ,Eventuelle Errichtung unabhängiger Staaten' Aus London wird berichtet: Das Schreiben der englischen Regierung, d. h. des Kolonienministers Ormsby-Gore an den Oberkommissär Sir Artur W a u c h o p e, das das heue Weißbuch betreffs der britischen Palästina-Politik begleitet, wurde soeben veröffentlicht. Es ist in Form einer vom 23. Dezember 1937 datierten Depesche gekleidet und läßt in großen Zügen die nächsten Absichten der Regierung im Zusammenhang mit dem Teilungsplan und der baldigst zu entsendenden Kommission erkennen. In dem Brief Ormsby-Gorcs heißt es zunächst: . Keane Verpflidltung zur Billigung des Teilungsplans Ich halte es für notwendig, festzustellen, daß die Regierung Sr. Majestät die, im dritten Teil des Berichtes der Kgl. Kommission enthaltenen Empfehlungen nur mit gewissen Folgerungen im Prinzip angenommen hat; dadurch soll, wenn möglich, die Ungewißheit zerstreut werden, die in gewissen Kreisen hinsichtlich des von Sr. Majestät Regierung geplanten Kurses zu bestehen scheint. /. Im Statement öf vpolicy hat Sr. Majestät Regierung ihre allgemeine Zustimmung zu den Argumenten und Schlußfolgerungen der Kgl! Kommission zum Ausdruck gebracht, sowie ihre Ansicht, daß eine Dreiteilung des Landes, die beste und aussichtsreichste Lösung des Problems sei. Angesichts der Aufmerksamkeit, die die Oeffentlichkeit der Kritik gewisser Charakteristika des im dritten Teü des Berichtes der Kgl. Kommission skizzierten Teüungsplanes gewidmet hat, möchte ich es klär machen, daß Sr..Majestät Regierung sich in keiner Weise zur Billigung dieses Planes verpflichtet hat; im besonderen hat sie den Vorschlag der Kommission betreffend den zwangsweisen Transf er der Araber aus dem jüdischen in das arabische Territorium nicht angenommen. Neue Kommission angekündigt Wie Sie wissen, ist kundgetan worden, daß . eine weitere spezielle Körperschaft bestimmt werden wird, sich nach Palästina zu begeben und, nach Beratung mit den lokalen Gemeinden, Sr. Majestät Regierung Vorschläge für einen ins einzelne gehenden Teilungsplan zu unterbreiten; und daß es die Aufgabe dieser Körperschaft sein wird, zur passenden Zeit hinsichtlich der provisorischen Grenzen des geplanten arabischen und des jüdischen Gebietes sowie des neuen britischen Mandatstemtoriums ihre Ratschläge zu erteilen; schließlich die finanziellen und andere Untersuchungen durchzuführen, wofür die Kgl. Kommission die Einsetzung einer Finanzkonunission emp-. fohlen hatte. Die Funktionen dieser neuen Körperschaft werden die einer technischen Kommission sein; das heißt, sie werden sich darauf beschränken, Tatsachen zu ermitteln und die praktischen Möglichkeiten, eines Teilungsplanes im einzelnen zu erwägen. Die Kompetenzen dieser Kommission werden sein: - Den im dritten Teil des Berichtes der- Kgl. Kommission skizzierten Teilungsplan in Betracht zu ziehen, jedoch mit voller Freiheit zu Abänderungen dieses Planes, einschließlich eventueller Veränderungen der Gebiete, die — laut den Empfehlungen der Peel-Kommission — unter britischen* Mandat verbleiben sollen; ferner — alle von den Gemeinden in Palästina, und Transjordanien erhobenen Vorstellungen in Betracht ziehend — . 1. Grenzen für das geplante arabische und jüdische Territorium, sowie für die dauernd oder zeitweilig unter britischem Mandat verbleibenden Enklaven zu empfehlen, die eine ziemliche Aussicht auf die eventuelle dabei um den Nachweis, daß, vom erzieherischen Standpunkt gesehen, de,utsch-christlich und jüdisch keine Verschiedenheit bedingen. Die Stellung Dr. Oppenheims entspricht der Denkart der jüdischen Assimüanten, welche sich .und der.Welt einzureden trachten, daß es — vom Besuch verschiedener Gotteshäuser abgesehen — keinerlei Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden gibt, und einzig und allein auf das Fehlen dieses Unterschiedes ihren Anspruch auf' staatsbürgerliche Gleichberechtigung gründen. Diese Politik hat überall und vielfach unter entsetzlichen Begleiterscheinungen (Deutschland, Rumänien, Polen) Schiffbruch erlitten. Sie dürfte auch im Falle des „Oesterreichischen Jungvolkes" keinen Erfolg erzielen. ' " Die national orientierte Judenschaft denkt anders. Sie behauptet nicht, daß deutsch-christlich und jüdisch dasselbe sind. Sie wird nie den durch Glaubensbekenntnis und Volkstum gegebenen Unterschied zwischen jüdisch und nichtjüdisch ableugnen. Sie bekennt sich zur jüdischen Eigenart, aber sie betont mit aller Kraft, daß die jüdische Eigenart sittlich und menschlich zumindest so gut gegründet ist wie die Eigenart anderer. Sie verweist mit allem Nachdruck darauf, daß die jüdische Eigenart niemanden daran behindert, ein durchaus staatstreuer Bürger zu •seih, ja, daß diese Eigenart den Juden verpflichtet, dem Wohle des Landes, in welchem er lebt, in voller Hingebung zu dienen. Daher kann die jüdische Eigenart unter keiner Bedingung als Grund dienen, den jüdischen Bürger in seinen Rechten zu beschränken. In den Erklärungen des Bundesjugendführers kommt zum Ausdruck, daß durcH; die Anerkennung jüdischer .Eigenart die Anerkennung der Gleichberechtigung der jüdischen Bürger in Oesterreich nicht geschmälert ■werden darf, daß die Anerkennung der jüdischen Eigenart keine Diskrimierung beinhaltet. Daher; begrüßt die volksbewußte Judenschaft die vom Bundesjugendführer angekündigte Lösung der jüdischen Jugendfrage im „Jungvolk" als anständige Lösung. Eine Kundgebung Der dem Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs angeschlossene Jugendbund „Brith Hakanaim" (Barak), übermittelt folgende Resolution: „Der jüdische Jugendbund Brith Hakanaim Oesterreichs stimmt der vom Bundesjugendführer, Herrn Staatsrat Georg Graf Thurn-Valsassina, abgegebenen Erklärung, eine jüdische Sektion innerhalb des „Oesterreichischen Jungvolkes" zu schaffen, zu. Er erblickt in diesem Vorschlag eine geeignete Basis für ein gedeihliches Zusammenarbeiten der christlichen und jüdischen Jugend Oesterreichs. Der Brith Hakanaim nimmt mit Genugtuung die Erklärung des Bundesjugendführers zur Kenntnis, die Lösung der Jugendfrage nach dem Grundsatz der Gleichberechtigung durchzuführen, und dankt dem Bundesjugendführer dafür, daß durch seine Initiative der: erste Schritt zur Lösung des immer dringender gewordenen Problems der jüdischen Jugend Oesterreichs getan worden ist." Judenstaatsiugend_ Dienstag, den 11. Jänner 1938, halb 9 Uhr abends im Verbandsheim, II, Praterstraße 30 VORTRAG Referent: David NEBENZAHL Thema: Verteidigung jüdischer Rechte - Oie Lage In Rumänien Gäste willkommen!

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