Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 716 (7.1.1938)
- Date
- 1938-01-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 716 vom 1 Jänaer 1938 Seite 7 Al§ Landarbeiter in Kfar Geladi Von Jehuda f. Brief eines Studenten in Palästina, der nach der Matura auf ein Jahr zu landwirtschaftlicher Arbelt nach Kfar Geladi ging. Kfar Geladi ist mir sehr sympathisch. Die Menschen hier sind überaus interessant. Meine erste Arbeit bestand darin, daß ich beim Düngen half. Wir arbeiteten damals 2% bis 3 km von Kfar Geladi entfernt. Die Beziehungen zu den Arabern sind hier vortrefflich. Unsere Kwuzah wurde zur Zeit der gefährlichsten Unruhen im Jahre 1936 niemals von den Arabern angegriffen. Tagtäglich sind einige Araber unsere Mittagsgäste und zweimal wöchentlich kommt der arabische Lehrer der umliegenden Dörfer, er heißt Salim, und unterrichtet die jüdischen Jungen unserer Kolonie In der arabischen Sprache. Salim bringt immer einige arabische Kinder mit — Vorzugsschüler —, die den ganzen Tag bei uns verbringen, mit uns essen und auch bei uns schlafen. In unserer Nähe gibt es ein arabisches Dorf, das Abel heißt. Dort arbeiten auch Leute aus unserer Kwuzah seit einem Monat. Es wurden dort Schätze trockenen alten Düngers entdeckt. Dieser Dünger stinkt nicht, Aussehen und Geruch wie Erde. Der Arbeiter, der mit mir arbeitete, sagte viele, viele Male während des Tages: „Das ist wirklich kein Dünger! Das ist reines Gold!" Um yj6 Uhr früh läutet die Glocke, wir drehen uns noch einmal um, schlafen noch einige Minuten, dann ziehen wir uns an, waschen uns, essen, gähnen und ziehen hinaus zur Arbeit. Um 10 oder 11 Uhr essen wir auf dem Feld das zweite Frühstück, um 12 oder 1 Uhr ist Mittagsmahlzeit, um 4 oder 5 machen wir Feierabend. Man trinkt Tee, duscht sich. Um 1 Uhr Abendessen, um 9 oder 10 Uhr, keineswegs aber später als ^11, schnarchen wir in den Betten. * Nachmittags arbeitete ich beim Tiefpflügen. Ist das. eine interessante Arbeit! Zwei Traktoren werden einem großen, schweren Pflug vorgespannt. Auf dem Pflug sitzen zwei Arbeiter und lenken ihn. Auf dem harten Sitz werden die beiden durcheinandergeschüttelt, daß es keine Freude ist. Wenn der Pflug an einen Stein stößt, fliegen sie in die Luft und können Gott danken, wenn ihnen nichts Besonderes passiert. Sie müssen sich gut am Steuer anhalten und aufpassen, daß der Pflug genau in der Spur läuft, sie müssen den ganzen Tag den dröhnenden Lärm der Maschinen anhören. Einer auf. dem. Pfluge war inh Nach <1roi «tundon A rh^it Uonnto ich .ihn .schon allein lenken. Wer kann sich mit mir vergleichen? Gestern und heute arbeitete ich wieder . beim Düngen. Das . ist eine schmutzige Arbeit, keine Sache für Stubenhocker und Muttersöhnchen. Aber ich freue mich, daß ich den ganzen Tag mit der Jugend von Abel arabisch reden kann. Ich bin bei ihnen schon ein populärer Mann, habe einen Freund namens Muhammed, der 14 oder 15 Jahre alt ist. Er kann ein wenig Englisch mit arabischem Akzent und übersetzt mir, was ich in der arabi- Judenstaatsiugend__ Dienstag, den 11. Jänner 1938, halb 9 Uhr abends im Verbandsheim, II, Praterstraße 30 VORTRAG Referent: David NEBINIAHL Thema: Verteidigung jüdischer Rechte — Die Lage In Rumänien Gäste willkommen! sehen Sprache noch nicht verstehe. Ich kenne-schon alle Beziehungen im Dorfe und die Streitigkeiten zwischen den Kindern. Sehr interessante Typen gibt es. Es gibt hier einen christlichen Geistlichen mit einer zarten Seele und einem riesenhaften Körper. Die Hälfte des Dorfes ist christlich, die andere Hälfte mohammedanisch. Hört, was ich noch weiß: ich weiß, daß Daud dem Raib versprochen hat, daß er ihn bei nächster Gelegenheit erschlagen wird und daß Raib den Daud ein wenig mit Steinen bewarf ... und noch viel mehr weiß ich. Während ich arbeite, stehen immer gro^e und kleine arabische Kinder um uns herum. Da ist ein kleines, vielleichtzehn jähriges-Mädchen, das erzählte seiner Freundin, daß es große Lust hätte, sich mit Jehuda zu verheiraten! Zum Unglück hörte Muhammed, der hinter ihr stand, alles und erzählte es mir weiter. Jetzt erst schließt sich der Kreis. Das kleine Arabermädchen hörte, was mir Muhammed erzählte und errötete so sehr, daß man die Röte sogar durch die dicke Schmutzschichte ihres Gesichts bemerkte.; Mit meinem Wohnraum hatte ich. kleine Unannehmlichkeiten. In der kurzen Zeit meines Hierseins mußte ich bereits dreimal das Zimmer wechseln. Hoffentlich kann ich jetzt hier bleiben. Ich wohne in einem winzigen Raum unter dem Dach. Das einzige Fenster ist an der Decke. Trotzdem hat dieses Zimmerchen einen großen Vorteil: wir schlafen hier zu zweit. In einem gewöhnlichen Raum müssen vier bis fünf Arbeiter schlafen, in meluem Zimmerchen sind aber Gott sei Dank nur zwei Betten unterzubringen. Wir sind übrigens fabelhaft ausgestattet, es gibt hier s einen kleinen Tisch, einen Sessel, Nagel an den Wänden und an ihnen hängen Schuhe, Kleider und Waschzeug. Die Bücher haben wir iß den Betten verstaut. tat das nicht wunderbar? * Gestern kam ich von der Arbeit müde nach Hause und nahm mir vor, einige Zeilen zu schreiben. Aber es war unmöglich. Es kam so ein Quatscher herein, redete und redete-mit Münd und Händen und als er endlich den Raum verließ, schlief ich schon. Ihr wollt Neuigkeiten i Meine Gedanken bewegen sich um unsere Schottermaschine, um den Straßenbau, üm das Ausheben von Gräben, um das Jäten von Unkraut usw. Auch die Erkenntnis, daß das Fahren mit dem Schubkarren nicht so arg ist, erfüllt mich mit großer Freude. Mir kommt es vor, als Würde ich immer kräftiger und widerstandsfähiger, Die Arbeit drückt mich nicht. Auch nach ganztägiger Arbeit mit Schaufel und Hacke ist mein Rücken nicht zerbrochen. Er tut nur weh. Welcher Fortschritt! ... Gleich nach der Arbeit laufe ich zur Dusohe. Das Wetter spielt da keine Rolle. Kalt oder warm, Regen oder Sonnenschein, ich muß unter die Dusche. Der Duschraum ist klein, das Gedränge groß, Körper berührt Körper. Es ist mir Öfter passiert, daß ich eingeseift war, ohne selbst etwas dazu zu tun. Nachher gibt es Geschrei und Zanken. Wer hat meine Socken angezogen, wer meine Hosen? Irgendjemand jammert, er sei nioht sicker, ob jener Fuß auf der Bank auch wirklich ihm gehöre! Trotzdem ist die Freude über die Erfrischung groß. Hier finden wir Zeit zu debattieren,; über Welt und Leben, über Liebe und über Bosheiten. Hier berät man Dinge der Wirtschaft, hier entwickelt man seine musikalischen oder dramatischen Talente. Ja, gibt es im Leben der Menschen überhaupt eine angenehmere Stunde, als die der Dusche? Spenglermeister mit Gewerbes che! n sucht Bc, > s c h ä f t i g u n g, evtl. Kompagnon Adresse in der Administration des Blattes; 10.500 Juden sind 1937 in Palästina eingewandert Aus Jerusalem: Aus^ provisorischen Feststellungen geht hervor,, daß,,1m Jahre 1937 in Palästina |L p,$ .0 0...J. u.d en,,., unter Alme^ßOSS- K a pitaliste n, 2823 Arbeiter und 3316 ,a*if Grund von V e r- \v a n d t e n a n f o r d e r.u n ge n, {.eingewandert sind. Keren Kajemeth pflanzte 1937, eine halbe Million Bäume Aus Jerusalem:-. Der Jüdische Nationalfonds hat im Jahre 1937 in Palästina 500.000 Bäume gepflanzt. Diese Zahl schließt 70.000 Bäume ein, die an .Stelle der während der Unruhen vernichteten Bäume gepflanzt worden sind. — Das Direktorium des K. K. L. hat beschlossen, sämtliche Eingänge aus der. Wald-Kampagne, die am, Tag der Baumblüte (15..Sch\vatj in diesem Jahre, in der ganzen Welt durchgeführt werden wird, zur Pflanzung eines Waldes in Ki r j a t An a w i m zum Andenken an die fünf ,dur ch. arabische Mö r d e rhand gefallenen .Opfer zu verwenden^ Einnahmen und Reserven der Palästina-Regierung Aus Jerusalem: -Im Monat Oktober 1937 betrugen die Einnahmen der, Palästina-Regierung 412.714, die Ausgaben 46Ö.050 Pfund. Am 31. Oktober beliefen sich die ' Re gi eru ngs r e ser v en auf 4,873.788 Pfund. . . Zweieinhalb Millionen Zigaretten täglich I ... - Aus Jerusalem: Im Monat August haben 'die palästinensischen Ziga?rettenFabriken 57.000 Kilogramm Tabak verarbeitet; ..in den ersten acht Monaten 1937 wurden insgesamt 523.234 Kilogramm, gegen 529.683 Kilpgramm. im gleichen' .Zeitraum des Vorjahrs; verarbeitet. Eingeführt; wurden 52.883 Kilogramm Tabak. Von Jänner bjs August 1987 wurden 600 Millionen Zigaretten, das heißt, durchschnittlich zweieinhalb M i 11 i o ne n t ägTl c hj konsumiert. HaftharahfEdce Wir bitten für unsere alten u. arbeitsunfähigen BLINDEN um Spenden. ' Für die blinden MuBiklehrer, Klavier- Stimmer, Korb-u. Sesselflechtersowie Büretanmacher bitten wir. um Arbelt etßiu WßWwWMW ötee ßäisämBünden Wien Ii; RembrandtttraBe 18 — Telephon A.47.2.77 PosUparkass«n.Konto A-133.213 Keine polnisch-französische Vereinbarung Uber Madagaskar Aus Paris: An den amtlichen französischen Stellen erklärt man die Meldung des Londoner „E v e n i n g 31andard", daß zwischen der polnischen und der französischen Regierung eine Vereinbarung über die Oeffnung der Tore Madagaskars für eine jüdische Einwanderung aus Polen getroffen worden sei, für „völlig unbegründet", ": . ■ ~ ■ - " AI fbal „Fürchte Dich nicht, mein Knecht Jakob« verzage nicht, Israel. Denn ich will Dich retten aus fernen Landern und Deine Nach« kommen aus Ihrem Exil. Jakob wird zurückkehren, in Ruhe und Sorglosigkeit, und niemand wird ihn schrecken. Du aber, fürchte Dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht Gott, denn ich bin hei Dir.» (Jirmijahu XLVI. 27—28.) * ■ Im fernen Osten der alten Welt, in Babylon, war Nebukadnezar zur Macht gelangt. Er hatte seinen Staat hoch aufgerüstet, um «einen Eroberungslüsten frönen zu können. Die babylonische Kriegerwellc brach sich bis nach Kackemisch am oberen Euphrat Bahn, wo Nebukadnezar der Großmacht Aegypten eine gewaltige Niederlage bereitete (604). Ueberau sah man ägyptisch« Flüchtlinge. Angesehene Fürsten mußten die „Klei Goba" (die Wandergeräte): ergreifen und ins . Exil gehen. Die Nachrichten darüber versetzten Juda in Schrecken. Wenn schon Großmächte dem eroberungssüchtigen Babel nicht Widerstand leisten können, um wieviel weniger werden Juda in Erez Israel und die zerstreutem Stämme in Babylon auf ihre Erhaltung hoffen können! Dieser- Stimmung trat der Prophet Jirmijahu warnend und tröstend entgegen. Im Namen Gottes rief er dem Volke zu: „AI Jim',', — fürchte Dich nicht! Dr. I. Z. K . Jüdisches Kulturfheafer I., Franz-Josefs-Kai 3, Telephon R-28-2-36. Täglich 20 Uhr (Sonn- und Feiertags auch als Nachmittagsvorstellung um 15.30 Uhr) das Schauspiel. „Uriel Acosta" von Karl Gutzkow. Regie: Fritz Links. Montag, 10. Janner, spricht Dr. Tulo Nussenblatt über den „Dichter Theodor Henzl". Alice Koch (Jüdisches Kulturtheater) rezitiert. Der Vortragsabend findet in der Jüdischen Külturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3, statt, Beginn 20.30 Uhr. Ronacher Im Jänner. Unter dem Titel „Chauf* feur, ins Ronacher" läuft im Rahmen einer berauschend schönen Bühnenschau ein ganz außerordent« v liches Varieteprogramm. Man weiß nicht, soll man zuerst , die; ganz grandiose Nummer „Rim acs Rumba- Orchester" nennen oder die Palme der GhineSentrup pe geben, die von einer geradezu kautschukbaften Gelenkigkeit ist. Der Jongleur Freddy Zay zeigt am hohen Dreirad eine Reihe artistischer Kunststücke. Die eingeflochtenen Revueszenen zeigen Szöke SzakalL Fritz Steiner, Ciaire F u cha-K a u f man n, Herta Mayen. Ein Programm der Spitzenleistungen, e. kr. Filme der Woche Frankreich: La grande. Illusion — Dunja. Amerika: Ein Star ist geboren — Romeo. privat — Olympiade der Unterwelt — König wider Willen — Die gezeichnete Frau — Hafenspelunke — Ritter ohne Furcht und Tadel — Unter vier Augen — Guter Kamerad — Helene Willfür — Mister Moto, der Schatten von Schanghai — Ali Baba geht in die Stadt — Der König und das Girl — Silly: Mieky Melodie 1938 — Bänditen von Kain-Tu-Kei — Der Liebesreporter — In gefährlicher' Mission. Filme unter Arierparagraph Daphno und der Diplomat — Der Katzensteg — Die reuigen Sünder — Fanny Elßler — Gabriele sucht Abenteuer — Das große Abenteuer ~ Serenade — Pledermaüs — Meine Freundin Barbara — 2x2 im Himmelbett —' Musik für dich — Abenteuer in Warschau — Der Berg ruft — Der Liebling der Matrosen — Streit um den Knaben »To — Die Landstreicher — Brillanten — Gasparone — Tango Notturno. Freitag: „Der Purimspieler" im Augarteu-Kino Kommenden Freitag bringt das Augarten-Kino m Ur- und Alleinäufführung den größten jiddischen Film „Der Purimspieier" heraus. „Der Purlmspieler", der Überall, wo er zu sehen war, die größte Begeisterung hervorgerufen hat, dürfte auch in Wien die, Sensation der Saison werden. Hervorragende Alk teure auf dem jiddischen Theatergebiet wurden hier beschäftigt. Wir nennen aus der Auslese einige Namen, wie Zygmunt Turkow, Miriam Kressin, Hayanie Jacobson, Eni Liton, Samberg und Bozsik. Dieser Mini spielt vorwiegend im jüdischen Vol'ksmilleu des Ostens. Heut« Welturaufführung „Dunja" Wien, wo sich der künstlerische französische Film in der letzten Zeit viele Freunde erwerben konnte, wurde dazu ausersehen, die Welturaufführung des neuesten Werkes des Meisterregisseurs V. Tourjansky zu veranstalten. Die Welturaufführung des Films „Dunja" („Die Geliebte dea GardepffiziersM), dessen Hauptrollen von Harry Baur, Jeanine Crispin und Georges Rigaud gespielt werden, findet heute im Gartenbau-, Kärnter-, Buoch-, Haydn- und Kolosseum-Kino statt. Bei der heutigen Featpremiere, die um 9 Uhr abends im Busch- Kino stattfindet, wirkt das russische Nationaltheater unter Leitung Sascha Suchotins mit. RestaütatU Bitte Besuenomm iei m Kuene ^3 REICHHALTIG ■ MINÜSvonS 1.90 aufwtirtt tCBWÜtHAlth b K A t H,Hammer.Pur9Stal|.Gasse 3 (iridis! SalxliMi) TiU4i-l-25