Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1938-01-07 · Heft 716 (7.1.1938) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 716 (7.1.1938)
Date
1938-01-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712340-2712342--6937-2720754
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 716 vdm 7. Jänner DIE NEUE WEtA Seite 5 Eine bewaffnete jüdische Macht Von Dr. H. Hosenblum (tel-Aviv) Die lange Reihe von Neubesetzungen in der Palästina-Regierung wurde diese Woche durch die Ernennung des Generalmajors Highning an Stelle de« zurücktretenden General Vivle ergänzt. Inzwischen erfahren die Unruhen im Lande eine immer größere Ausdehnung. Täglich berichten die Zeitungen von Ueberfällen mit mehreren Toten und Verwundeten. Weder die Polizei, noch die im Lande wirkenden englischen Truppen, noch die militärischen Gerichte sind imstande, die Terrorbanden oder nur einen Teil derselben zu fassen und auf die Anklagebank zu bringen. Auch die glänzende Biographie von Mr. T i g a r t, der hier vor zwei Wochen zum Kampfe gegen den Terror eintraf, machte keinen besonderen Eindruck auf die Banden, die ihre Tätigkeit ruhig fortführen. Die Tätigkeit des neu eingesetzten Generalmajors Etighning, dessen ausgezeichnete militärische Karriere so sehr von „Great Britain" gerühmt wird, dürfte dieselbe Wirkung wie diejenige seiner Vorgänger erzielen. Die Ursache dieses Mißerfolges ist nicht bei den Arabern, sondern bei den Engländern zu suchen. Es wäre falsch, zu glauben, daß die Engländer außerstande seien, die wenigen arabischen Terrorbanden, welche auf Rechnung fremder Regierungen in Jerusalem und Haifa ihr Unwesen treiben, zur Vernunft zu bringen. Wenn man die Tatsachen studiert, so muß man zur Ueberzeugung gelangen, daß es gewisse außenpolitische Ursachen gibt, welche die Palästina-Regierung und das Kolonialamt vor einer effektiven und entschlossenen Einmischung in die palästinensischen Pogromverhältnisse zurückhalten. Dies gibt auch das halboffizielle „Great-Britain and the Near East" in seiner am 9. Dezember erschienenen Ausgabe offen zu. Die Zeitung schreibt, daß es sich hier keineswegs um eine Zu- oder Abneigung der englischen Politik gegenüber dem Zionismus handle. Man dürfe, führt die Zeitung weiter aus, den Zionismus keineswegs als eine Bewegung auffassen, die in einem luftleeren Raum arbeitet. Das zionistische Problem sei eng mit dem Gesamtproblem der imperialen Politik verbünden. Der Schlüssel zur englischen Politik in Palästina müsse in den Verhältnissen, welche zwischen England und den arabischen Staaten herrschen, gesucht werden. Ohne Kooperation der arabischen Staaten ^sei es unmög^ich.^ie Mrtschaftlichen; Und strategischen Probleme*' des rheuen Palästina einer befriedigenden Lösung entgegenzuführen. Es ist somit klar, daß es sich nicht so sehr um die arabischen Banden P a 1 ä s t i n a sals um manche Einflüsse und Berechnungen außer palästinensischer Natur handelt. Diese Einflüsse sind es, die den militärischen und zivilen Behörden des Landes die Rolle von Marionetten auferlegt haben: sie müssen der Außenwelt eine Aktivität und Entschlossenheit vorspiegeln, um tatsächlich Passivität zu üben. Es ist keine beneidenswerte Rolle, die hier die Generäle, Majore, Inspektoren und Gerichte zu spielen haben. Wenn die mit soviel Pomp eingesetzten Kriegsgerichte inmitten einer Flut von Mordüberfällen nur ein ein* zlges Todesurteil fällen dürfen, um sich im übrigen auf leichte Kerkerstrafen zu beschränken, so ist dies vom Standpunkt der Militärgerichte selbst etwas komisch. Was aber für die Militär- und Zivübehörden des Landes nur komisch ist, wird für den Jischuw und den Zionismus zur Tragödie. Der Zionismus kann sich nicht damit einverstanden erklären, ein Opfer der englischen Orientpolitik zu werden. Natürlch können wir nicht das Recht Englands, seine Interessen in der ihm eigenen Weise wahrzunehmen, in Frage stellen. Wenn dies aber soweit geht, daß man aus Gründen politischer Strategie sich eineinhalb Jahre nicht entschließen kann, dem Blutvergießen in Palästina ein Ende zu setzen, so müssen die zionistische Bewegung und das jüdische Volk dagegen ihre Stimme erheben; Unsererseits kann unmöglich eine Politik, die uns nicht einmal elementare Lebenssicherheit gewährleisten will, ruhig hingenommen werden. Wir können uns mit England über alle möglichen Fragen in Verhandlungen einlassen und dem englischen Standpunkt im weitesten Maße Rechnung tragen. Wenn es sich aber um Kaltstellung des Terrorismus handelt, gibt es kein Handeln und Nachgeben. Die Beruhigung des Landes muß sofort eintreten, wenn man eine politische und nationale Katastrophe vermeiden will. Und wenn man uns heutzutage englischerseits offiziell sagt, das Land „lasse sich nur schwer beruhigen", so muß die zionistische Antwort sein: Wir Zionisten sind bereit, die Beruhigung in kurzer Zeit und mit minimalem Energieverbrauch herbeizuführen, wenn man uns dazu Gelegenheit bieten wird. Zwanzig Jahre zionistischer Kolonisation und insbesondere die Erfahrung der letzten zwei Jahre zeigen mit einer erstaunlichen Deutlichkeit, daß es nicht weitergeht, fremde Bajonette für jüdischen Schutz in Anspruch zu nehmen. Es ist nicht nur unmoralisch, sondern auch — und das ist vielleich das Ausschlagebende — nutzlös. Die fremden Bajonette haben sich als sehr zweifelhafter Schutz erwiesen, obwohl sie einer Großmacht angehören. Ihre Wirkung hat sich viel kleiner erwiesen, als diejenige der jüdischen Legionsreste aus dem Jahre 1918-1910. Die psychologische Wirkung der jüdischen Legionäre auf die arabischen Progromhetzer war unvergleichlich stärker, als diejenige der b r i t i s c h e n Truppen, denn im ersten Fall war es den Arabern klar, daß die jüdischen Truppen es mit der Beruhigung des Landes ernst meinen. Und diese Klarheit macht den Unterschied aus und ist von entscheidender Bedeutung. Eine jüdische bewaffnete Macht von 20.000 bis 25.000 Mann könnte in kürzester Zeit aufgestellt und entsprechend trainiert, werden. Ein derartiges Heer Wik Mittut ml IM KAMPF GEGEN DIE GRIPPE m\- per/hel H€*tSdN#£ MCISSr 0-K HEUE WAFFE. VORBEUGEND - HEUEND - STÄRKEND WnuMhtHWtln QiitMMm mtf Prospekte dvrck: „PEftlHEL" Heilsannen Ges. m. b. H. Wien XVIII, Schopenhauer^. 47, Tel. B-45-3-36 würde seine Aufgabe nicht als „vorübergehenden Dienst in einer entfernten Kolonie", sondern als militärischen und nationalen Hauptberuf auffassen. Es könnte mit Hilfe englischer militärischer Berater die wichtigsten strategischen Punkte des Landes besetzen und die Bevölkerung davon überzeugen, daß die Wahrung der Ordnung von nun ab für sie das beste wäre, Ich glaube, daß das Land in diesem Fall sofort und unblutig beruhigt würde. Die zionistischen Institutionen würden zweifelsohne bei Aufstellung eines jüdisqhen Heeres ihre finanzielle Unterstützung nicht versagen. Allerdings wäre eine derartige Unterstützung eine viel produktivere A u s g a b e als der an einen „Araberstaat" zu entrichtende Tribut, der ja in dem famosen Teilungsplan vorgesehen ist. Ein jüdisches Heer würde andererseits England von der unangenehmen Pflicht, gegen die Araber vorgehen zu müssen, befreien. Eine solche Lösung würde nicht nur für die zionistische Bewegung und das Land Palästina (aus dem bereits 3000 wohlhabende Araber zu flüchten gedenken), sondern auch für England den besten Ausweg bedeuten. Die jüdische bewaffnete Macht muß heute Gegenstand der Hauptforderung des Zionismus sein. Sie ist der S c h 1 ü s s e 1 zur Lösung . unseres schwierigsten Probleme. Der große Repräsenfafions B A Li des Klub „Erez Israel" findet dieses Jahr IM HOTEL METROPOLE in sämtlichen Festsälen am. 22» Jänner 1938 statt. Ballorchesfer „Elite Kiddles", Juxbasar, Akademie, Barkapelle Kleidung der Damen: Balltoilette / Abendkleid Kleidung der Herren: Frack, Smoking / Abendanzug Karten im Vorverkauf beim Veranstalter: Klub „Erez Israel", II, Praterstraße 13, Tel. U-42-407. 4i Das Geschenk des Juden zu allen festlichen Gelegenheiten ist die Mitgliedschaft zum „Jüdischen BtuUduß Jährlich: Vier literarisch wertvolle, kulturell gewichtige und künstlerisch bedeutsame Werke jüdischer Schriftsteller. Monatlich: Die wertvolle jüdische Zeitschrift „Jüdische Revue". Sie haben damit eine kulturelle Gemeinschaft und geistige Beziehungen zur ganzen Welt. Verlangst) Sie sofort kostonlose Zusendung von Drucksachen:;,Der jüdische Buchclub" Wien I, Fleischmarkt 1 - Telephon R-2M-25 Paläsfuia>WJtisdiaft und Teilungsplan Ueber die ökonomische Wirkung der durch den. Teilungsplan hervorgerufenen politischen Krise schreibt Ernst Davis (Jerusalem) in der Prager „Medina Iwrith": „Und schließlich stockt die Unternehmungslust auf dem Grundstückmarkt, der neben dem Bauen bisher die Hauptattraktion für anlagesuchendes Kapital war, und auch in allen übrigen Gebieten der Wirtschaft über das durch die Zweifel an der Rentabilität bedingte Maß hinaus, die in Depressionszeiten natürlich immer groß sind, wegen der völligen Unsicherheit über die nächste politische Zukunft. Solange man nicht weiß, ob die Teilung des Landes verhindert wird oder nicht, und, falls sie durchgeführt wird, wo die Grenzen des jüdischen Staates laufen werden, wünschen die wenigsten, Grundbesitz zu erwerben. Denn keiner hat Lust, ein Stück Land etwa in einem künftigen arabischen Königreich oder einem britischen Mandatsgebiet zu besitzen, nach dem die jüdische Einwanderung dort ausgeschlossen ist, und mit ihr die einzige Triebkraft, die in dieser Weltgegend für einen, wirtschaftlichen Aufschwung arbeitet. Der traurige Zustand Syriens, des Libanons und gar erst Transjordaniens sind ein lehrreiches Beispiel für die ökonomische Zukunft des neuen arabischen Staates* Ebensowenig wird ein vorsichtiger Mann ein neues Industrieunternehmen in Tel -Aviv eröffnen, das bei einer Teilung ja zweifellos jüdisch bleiben wird, wenn er nicht weiß, ob es ihm in ein, zwei Jahren noch möglich sein wird, sagen wir, Jerusalem und Haifa zu beliefern, oder ob ihn Zollmauern von beiden Städten trennen werden.'Dazu kommt die psychische Depression, die gerade durch diese politische Unsicherheit verursacht wird. Die Juden, die ja entgegen der landläufigen Meinung nicht nur aus wirtschaftlichem Zwang, sondern nicht zuletzt um der Idee ihrer politischen Restauration in ihrem alten Lande willen hierherkamen, sehen sich mit einem Male in allem Ernste vor der Frage, ob ihr ganzes Streben und Mühen plötzlich durch einen Schlag Englands vereitelt werden soll. In einer solchen Stimmung ist man wenig schaffensfreudig." SKI- Montage - Reparaturen Ausrüstung' :: Bekleidung Schuhe :: Kantenmontage PKK IV, Wiedner Hauptstraße 8, Tel. (-30-0-36; IX, Liechtensteinstraße 27. Tel. A-16-5-65 Verband der Judensiaatss zionisten Oesterreichs Sektion XIV/XV, Schanzstraße 33. Mittwoch, den 13. Jänner, halb 9 Uhr abends, im Heim Vortrag Dr. Felix Klug: Die Lage im Zionismus». Judenstaats jugend. Samstag, den 8. Jänner, 8 Uhr abends, im Heim, IL, Praterstraße 80. Klubabend. Akademie und Tanz. Kleiner Regiebeitrag:. — Dienstag, den 11. Jänner, halb 9 Uhr abends, Vortrag David Nebenzahl: Verteidigung jüdischer Rechte. ~- Die Lage in Rumänien. Der Verband der Judenstaatszionisten gratuliert seinen Mitgliedern Herrn und Frau Oberkantor Josef Feuer zur Geburt eines Mädchens aufs herzlichste. „Rassisches und Klassische s", die nächste Aufführung dieser erfolgreichen Revue von Bobby Weiser und Vicky Schlesinger, findet Sonntag, den 16. d. M., um 8 Uhr abends, im renovierten Festsaal des Hotel-Restaurants Stephanie, IL, Taborstraße 13, statt. Karten von S l.-~ bis S 3.— im Helm der Judestaatszionisten, IL, Praterstraße 30, täglich abends von 7 bis 10 Uhr sowie bei den Funktionären. Die Bezirksgruppe Oberes Murtal der Judenstaatszionisten Oesterreichs gratuliert ihren geschätzten Mitgliedern Frl. Sldonie Koppel, Leaben, und Oskar Gruber, Judenburg, anläßlich ihrer Vermählung am Sonntag, den 9. d. M., welche im Tempel in Judenburg um 1 Uhr mittag« stattfindet, herzlichst. Anläßlich des Dahinscheidens unseres geschätzten Funktionärs Herrn Karl Zucker spricht die Beztrksorganisation „Oberes Murtal" der Judenstaatszionisten Oesterreichs der schwer betroffenen Gattin und den Kindern ihr innigstes Beileid aus. Jüdische Künstlerspiele Sevilla Pastor setzt ihr erfolgreiches Gastspiel in den „Jüdischen Künstlerspielen", II., Praterstraße 34, fort. Samstag, den 8. d. M., geht „Motke fin Slabotke", Sonntag, den 9. d. M., „Die kleine Gancwte", als Sonntagnachmittagsvorstellung die populäre chassidische Operett« „Jankele" bei ermäßigten Preisen in Szene.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.