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Die neue Welt · 1938-01-07 · Heft 716 (7.1.1938) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 716 (7.1.1938)
Date
1938-01-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 die mm WELT »fr. 716 vom 7. Jänner 1Ö3S SIEGM. KORNMEHL aROSSFLBISCHHAUERU fentrale: IX., Berggasse (9, Tel. A» 17-3-09 u. A- 1^9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rahbiaate der Isr. Kultusgemeinde Wien Autoiuitollung korteiiiHftt »X.. a«rsfl«Bsa is ✓ XVIII» wahrlAftutr. tl >»«............<.....................»MMMMIHMM Bemerkungen Wird die noch freiheitlich gesinnte, Rechtsgrundlagen noch anerkennende Welt den Versuch der neuen rumänischen Regierung, den Ktiltürgesetzen ein Schnippchen zu schlagen, widerspruchslos hinnehmen? Diese Frage entstand im Augenblick, als klar wurde, daß das Kabinett Göga-Cuza ein Regime ä la Ü a k e nkreuz etablieren wolle. Die Versprechungen der frischgebackenen Minister, die außenpolitischen Verpflichtungen intakt 2u lassen, konnten im Zusammenhang mit den innenpolitischen Absichten nicht ernstgenommen werden. Da Präsident Roosevelt in der letzten Zeit mehrmals zu verstehen gab, daß die Vereinigten Staaten Vertragsbrüche nicht ruhig hinnehmen und angriffslüsterne Staaten nicht gewähren lassen würden, konnte man wieder Hoffnung schöpfen. Ja, es schien, als sei die Demokratie ein wenig offensiv geworden — nach Jahren tiefster Eingeschüchtertheit und augenscheinlicher Schwäche. Und nun meldet sich auch — nach dem ewigen Frankreich, die Stimme Englands. England, der traditionelle Hüter der bürgerlichen Freiheit und der besorgte Wächter des Völkerbundes, hat die gegenwärtigen Machthaber des rumänischen Königreiches wissen lassen, daß es an der unbedingten Treue gegenüber den Minderheitsverpflichtungen Rumäniens interessiert sei. Das geschah unmittelbar nach den angekündigten Verordnungen, die gegen die jüdischen Staatsbürger gerichtet sind. Wie man hört, bremst Herr Goga bereits, aber, wir werden jeden Schritt der sogenannten nationalchristlichen Regierung verfolgen müssen, die offiziell erklärt, daß ihre Mäßnahmen nichts mit dem reichsdeutschen Rassismus zu tun haben. Daß die rumänische Regierung die Rassenfrage nicht aufrollen, bzw. zur Richtschnur ihrer Handlungen machen wird, , wollen wir gerne glauben. Denn eine Prüfung auf Rassenreinheit und Rassenherkunft im nationalsozialistischem Sinne würde nicht zugunsten des rumänischen Stammbaumes ausfallen. Aber hinter dem Schlagwort „Rumänien den' Rumänen" verbirgt sich nichts anderes als die Absicht, die Juden und noch andere „schwache" Minderheiten zu entrechten. Die Westmächte haben Rumänien gewarnt. Eine Warnung, die auch für andere Staaten gilt, welche das rumänische Beispiel nachahmen wollen. ■5* In einem Interview, daß dieser Tage erschien, sprach sich der österreichische: Bundeskanzler Doktor Schuschnigg über die österreichische Politik aus, bzw. über das Verhältnis Oesterreichs , zu Deutschland. Noch präziser als in. den bisherigen offiziellen Erklärungen kam der Wüle der österreichischen Staatsführung zum Ausdruck, unbedingt;die.politische und geistige Unabhängigkeit Oesterreichs zu wahren, in einer Weise, daß diese Wahrung als bewußte Distanzierung vom Hakenkreuzlertum vor der Weltöffentlichkeit sichtbar werde. Das Betonen solcher Haltung kann sich sehr weit und tief auswirken. „Ich lese täglich Goethe", sagte Kanzler Schuschnigg dem Interviewer und deutete damit an, aus welchem Nährboden er die kulturellen ünd künstlerischen Kräfte seiner Existenz als Staatsmann und Mensch beziehe. Für uns wird die Diskrepanz zwischen österreichischem Humanismus und deutschem Nationalsozialismus sichtbar, die Kluft zwischen Goethe und Karl May. Für uns wird die Tatsache sichtbar, daß der Nationalsozialismus das Judentum nicht deshalb verfolgt, weil er es für „volksfremd" hält, sondern weil er seinen barbarischen Trieben frönen will und hier, im Judenpunkt nämlich, nicht allzu viel Widerstand zu befürchten braucht. Das Hakenkreuz geht gegen alles, was edel, hilfreich und gut ist, also auch gegen Goethe, den Kanzler Schuschnigg täglich liest. * Noch eine Erklärung zum Hakenkreuzlertum: eine halboffizielle, aber darum nicht minder autoritative! Die amtliche „Wiener Zeitung" stellt bezüglich der Versuche der illegalen Nationalsozialisten, eine sogenannte „Nationale Opposition" im Rahmen der Vaterländischen Front" zu bilden, korrigierend fest: „Der illegale österreichische Nationalsozialismus treibt nach wie vor im Inland und im Ausland »eine hemmungslose, durch und durch undeutsche Propaganda." Er ist also Staatsfeind und man darf ihm keine Konsequenzen machen. Das ist der Sinn der Feststellung. Keine Konzession! Auch nicht auf dem Gebiet der Judenfrage. Das wollen wir Siier festhalten. o. f. Was in Hliler»Deutsdiland vorgeht Wirtschaftlicher Vernichtungskampf — Auswandern, aber nicht nach Palästina Wir erhalten folgenden Situationsbericht: Das Jahr 1933 war in Deutschland das Jahr der turbulenten Angriffe auf die Juden und der antijüdischen Gesetzgebung. 1934 war ein Jahr des Aufatmens und auch des Trugschlusses, es würde irgendein Ausgleich möglich sein. 1935 ist charakterisiert durch das Auftreten der „kochenden Volksseele" als Vorbereitung der Nürnberger Gesetze. 1936 war das Olympiajahr. in dem die Juden in Rücksicht auf die Olympiade einigermaßen in Ruhe gelassen wurden. 1937 brachte im ersten Halbjahr neue und gefährliche Einschränkungen. Im kerbst 1937 nun trat der vielleicht schlimmste und entscheidende Wendepunkt in der Judenpolitik ein: die planmäßige wirtschaftliche Vernichtung des deutschen Judentums. Adolf Hitler selbst hat nach der Verkündung der Nürnberger Gesetze erklärt, die Judengesetzgebung sei im wesentlichen abgeschlossen, das Judentum sei in seine Schranken zurückgewiesen, und man würde nunmehr ein Verhältnis zu diesem Judentum zu finden wissen. Früher schon hatten nationalsozialistische Führer erklärt, es sei nicht beabsichtigt, das Judentum wirtschaftlich zu treffen. Seit dem ..^tfa. Nen: San Remo9 Penslone Fell <orso dmtV impftro 184. unter Aufsloht et* Hamburger Verdne«. Direktion: Dr. m*d. Al*x MiWdr* Bestehen des Vier jahreplanes zeigt sich klar, daß diese Zusagen nicht ernstgemeint waren und daß man mit allen Mitteln darauf hinarbeitet, das Judentum wirtschaftlich zugrunde zu richten, so daß nun das Ende der jüdischen wirtschaftlichen Existenz, d. h. des Judentums überhaupt, in bedenkliche Nähe rücken dürfte. Reichsminister Goering hat Ende November in einer Besprechung im Reichswirtschaftsministerium angekündigt,, die Ausschaltung der N.ichtarier aus der Wirtschaft werde im Zuge des Vierjahreplan es erfolgen. Welche Wirkung auf die Auswanderung diese erbarmungslose Politik haben wird, ist noch nicht zu übersehen. Es fügt sich in' dieses Bild, daß selbst die ausländischen Juden, sowie diejenigen deutschen Juden, die i n s Ä u s i a n\d^ gewandert sind, von dem Vernichtungswillen des Dritten Reiches getroffen -; werden sollen. In einer großen Rede/auf der Tagung der Auslanddeutschen in Stuttgart Ende August hat ' laut dem „Schwarzen Korps", dem Organ der Reichsführung der SS., Goering selbst erklärt, es sei u n e rix ä g l i e h, daß deutsche Firmen im Ausland jüdische Vertreter beschäf tigeh. Der^Kampf gegen die Juden in. der Wirtschaft wird durch mehrere Momente bestimmt: a) Schacht hat das Reichsministerium endgültig verlassen; er war derjenige, der den Mut hatte, wirtschaftlichen Maßnahmen gegen die Juden entgegenzutreten, weil er darin Gefahren für die deutsche Wirtschaft sah. b) Seit einigen Monaten reißen die radikal-antisemitischen Häupter in Deutschland mehr und mehr die Leitung der Judenpolitik an sich; die infernalischen Judenhasser Streicher, Ley, Rosenberg und' Goebbels sind heute auf diesem Gebiete bestimmend, ihr Einfluß wächst täglich, c) Es machen sich Tendenzen deutlich bemerkbar, angesichts der Möglichkeit eines kommenden Krieges die Juden vorher völlig aus der Wirtschaft zu vertreiben. Das Ziel dieser Vernichtungspolitik ist einmal, die Juden zu Parias zu degradieren, zum anderen, sie so schnell wie möglich zur Auswanderung zu zwingen. Dabei ist interessant, daß sich in jüngster Zeit in der Partei Tendenzen bemerkbar machen, nicht mehr die Auswanderung nach Palästina zu ermutigen. Man rechnet ersichtlich mit einem jüdischen Staat und möchte Ihn nicht stark wissen, .weil man'die politischen Rückwirkungen durch einen solchen Judenstaat fürchtet; andererseits möchte man den Arabern gegenüber ein Entgegenkommen durch Restriktion der jüdischen Auswanderung aus Deutschland nach Palästina zeigen. Cafe Buchsbnurn ftflrgertlches Familiencafe. In- und ausländische Zeitungen. Separierter Raum für geschlossene Qeiellschaften. Herab* gesetzte Preise. Mokka 48 8roachtn, Melange 50 Broschen. Es ist sicher, daß den mittleren und unteren Stellen der Partei weitgehende Vollmachten gegeben wurden, die wirtschaftliche Vernichtung der Juden in ihrem Bereiche auf jede geeignete Weise zu erzwingen; es ergibt sich dabei daa folgende Bild: Man verhaftet jüdische Geschäfts- oder Betrlebsihhaber unter irgendeinem Vorwand, wenn diese ihren Betrieb freiwillig nicht abtreten. Durch wochenlange Schutzhaft wird der betreffende Jude mürbe gemächt. So sind z. B. die drei Inhaber einer großen Weberei in Mitteldeutschland, die 1Ö00 Arbeiter beschäftigt, schon leit Monaten in Haft. Bisher ist es noch nicht gelungen, Sie zum Verkauf ihres bedeutenden Unternehmens zu veranlassen. Daher dauert die Haft fort. Die Deutsche Arbeitsfront, einer der wesentlichen Träger dieser Vemichtungspolitik, kommt in den jüdischen Betrieb mit „Anregungen". Es wäre besser, wenn der Inhaber verkaufe. Es seien in seinem Betriebe illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllilllllllllllllllllllli 1 Verband dir JudeostaatsztQDistea / Judenstaatiluoend iiiiiiiiiniü § Sonntag, den 16. Jänner 1938, 8 Uhr abends, im i neurenovierten Festsaale des Hotel Restaurant I Stephanie, II, Taborsttaße 1«, Aufführung der i erfolgreichen Revue §§ „Rassisches und Klassisches" ] von BOBBY WEISER und VICKY SCHLESINGER § im n-'ii Karten von S 1.— bis $ 2.— | illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllH angeblich Mißstände vorhanden; man würde ihm die Eigenschaft als „BetriebsfUhrer" aberkennen, eine Maßnahme, die den Betrieb lahmlegt. Und so ist der jüdische Inhaber derartigen Schikanen unterworfen, daß er schließlich sein Unternehmen abtritt. Der staatliche Bcwirtschaftungszwang Niemand kann ohne staatliche Kontrolle und Mithilfe wirtschaften. Der Staat verfügt über die Rohprodukte. Gilt es, einen jüdischen Fabrikanten zugrunde zu richten, so wird z. B. die Wollieferung an diesen Fabrikanten unter irgendwelchen Vorwänden eingestellt oder so gekürzt, daß der Betrieb schnell festläuft. Diese Waffen sind noch nicht alle in dem Kampf verwendet, es wird aber gerade jetzt mit ihnen gedroht, und vereinzelt werden sie jetzt schon benützt. BALL JÜDISCHER MEDIZINER 15. Jänner 1938 SCHWARZENBERG- KASINO „ Wissenschaftliche" Behandlung der Iudehlr«tge Aus Zürich wird. uns geschrieben^ „Die vom .Institut zum S t u d i u m der Judenfrage' in Berlin herausgegebenen .Mitteilungen über' die Judenfrage' (Nr. 1&) befassen sich mit den Juden in der Schweiz. In einem Artikel ,D er Antisemitismus in der Schweiz" versucht der Verfasser Dr, . K. nach einer »historischen1* Einleitung und der Erwähnung der .Verdienste' von Dr. Tobler, Dr. Henne und Major Leonhardt, die zum CaßAhketUaf. I, Hoher Markt - Lichtenste g Nr. 4 erstenmal ,den Antisemitismus zum grundsätzlichen politischen Programm' gestalteten, Gründe für den .schweizerischen Antisemitismus" anzuführen. Wörtlich heißt es dann: /Einen besonderen Auftrieb bekam schließlich der Antisemitismus durch die verschiedenen;B a n k a f f ä r e n, in welchen Juden eine unrühmliche Rolle spielten. Besonders die Volksbaakaffäre, welche dem Schweizer Volk über 1Ö0 Millionen Franken kostete, rief eine nachhaltige Empörung im ganzen Lande hervor ...' Namen werden keine genannt! Tatsache aber ist, daß in keine der schweizerischen Bankaffären, auch nicht bei der Volksbankaffäre, auch nur ein Jude verwickelt war. — So wird mit krassen Unwahrheiten, die in verbrecherischer Weise einen .wissenschaftlichen' Anstrich bekommen und \tnter der Flagge eines .Instituts zum Studium der Judenfrage4 in der Welt gesetzt werden, die öffentliche Meinung systematisch vergiftet. Und von diesen und ähnlichen .wissenschaftlichen' Stellen des Dritten Reiches beziehen die schweizerischen frontistischen .Volkserneuerer' nicht nur ihre geistigen, sondern auch — wie die jüngsten Enthüllungen zeigten — namhafte finanzielle Subventionen." f» Der ungarische Episkopat gegen Rassenhaß Aus Budapest: Der ungarische Episkopat veröffentlichte anläßlich des Beginns des Jahres 1938, des St. Stephans-Jahres, einen Hirtenbrief, in welchem es u. a. heißt, die heutige Generation müsse sich die uralten Vermächtnisse sozialer Gesetzgebung und Toleranz vor Augen halten; diese sollen als Schild gegen Heidentum, gegen Rassen- und Blu tan be t ung dienen,

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