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Die neue Welt · 1938-01-07 · Heft 716 (7.1.1938) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 716 (7.1.1938)
Date
1938-01-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit» X DIU NEUE W^LT Nr. 716 vom 7> Jänner 1938 "••OK LUMAG FAHRRAD* FABRIK ►Kind«rwaoenv«rfc«tttt vn, »iubaugmt 2! ■ m, tmtmi 34 X, lixtntiurgtrttriS« «2 XX» JtfWtfrtN 41 rahrratffabrik: Vit, Burggmt HO Bequeme Tellaahiung: Kataloge gtätis: KINDERWAGEN' FABRIK Wn » JA- Ocsterreidi'jüdfsdtes Jungvolk Auf der letzten Tagung des „Oesterreichischen Jungvolkes" erklärte der Bundesjugendführer, Staats* rat Georg Graf Thurn-Valsassina, zum Schlüsse seiner Rede; ., . , .. „Wenn wir unsere Jugend c h rI st Ii c h, d e u t s c h und sozial gerecht erziehen, kann es jüdischen Eltern unmöglich recht sein, ihre Kinder ins Oesterreichische Jungvolk zu schicken. Man hat mir darauf von führender jüdischer Seite eingewendet: Beim Militär stehe der Jude ebenfall» neben dem Christen bei der Feldmesse und mache die katholischen Zeremonien mit. Das Oesterreichische Jungvolk beschränkt sich aber keinesfalls auf die Feldmesse als Mittel für die religiös-sittliche Erziehung. Unsere ganze Erziehung steht im Zeichen dieses Leitgedankens. Wir wollen daher einen Jugendverband schaffen, wo die J u g e h d j ü d i s c h e n Glaubens mit ihren berufenen Führern, auf deren Ernennung uns ein maßgebender £in> fluß zustehen muß, unter sich ist. Dies bedeutet keinesfalls eine Verletzung unserer Verfassung, sondern ist die allein mögliche Lösung der Jugendfrage für die Jugend mosaischer Religion. So wird es auch der jüdischen Jugend möglich sein, in die Vaterländische Front zu kommen." Der Bundesjugendführer hat damit eine Frage berührt, deren Lösung immer dringender wurde. Die gesamte österreichische Jugend (Knaben und Mädchen bis zum 18. Lebensjahre) ist im „Oesterreichischen Jungvolk" vereinigt. Der Beitritt zum „Jungvolk" ist insofern Pflicht, als die Aufnahme in die „Vater- Für Weekend und Reisen die besten Würste tind Konserven von ländische Front" von der Zugehörigkeit zum „Jungvolk" abhängig ist. Ein junger Mensch kann nach dem erreichten 18. Lebensjahre nur dann in die „Front" aufgenommen werden,, wenn er vom „Jungvolk" kommt. Die Zugehörigkeit zur „Vaterländischen Front" ist, hinwiederum Vorbedingung für die Aufnahme an Hochschulen, Zulassung zu öffentlichen Stellen usw. Nun wurde seit längerer Zeit den jüdischen Jugendlichen, welche sich zum „Jungvolk" meldeten, die Aufnahme verweigert, Und zwar mit der Begründüng, daß die Erziehung im „Jungvolk" eine rein christlich-deutsche sei und daher die Zugehörigkeit von jüdischen Jugendlichen zu vielen und vielfach unlöslichen Konflikten führen müsse. Dadurch war für die jüdische Jugend ein unleidlicher und gefährlicher Zustand gegeben. Der Ausschluß von der alle österreichischen Jugendlichen umfassenden Organisation nahm den Charakter einer Zurücksetzung an und bedrohte die jüdischen Jugendlichen mit dem Entzug wichtiger, allen Staatsbürgern zukommender Rechte. pjttsiot* BtksUm-SmiHemf Von verantwortlicher jüdischer Seite wurde auf diesen für die jüdische Jugend einfach unhaltbaren Zustand an. maßgebenden Stellen, d. h. bei der Führung des „Jungvolkes" und der : „Vaterländischen Front", wiederholt und dringlich hingewiesen und Abhilfe gefordert. Die Rede des Bundesjugendführers kündigt eine Lösung an. Sie soll, wie wir unterrichtet wurden, darin bestehen, daß innerhalb des „Oesterreichischen Jungvolkes" ein alle jüdischen Jugendlichen, bzw. alle jungjüdischen Organisationen umfassender jüdischer Dach verband gegründet wird. In diesem Dachverband, dem die gleichen Rechte wie allen anderen Teilen des „Jungvolkes" zuerkannt werden, soll die jüdische Jugend von jüdischen Führern österreichisch und jüdisch erzogen werden. „■ . Nach der Rede des Buhde&jugendführers zu schließen, dürfte die den jüdischen Dachverband betreffende Verordnung, demnächst arjassen werden. Unter der Voraussetzung, daß' dem^ Grundsätze der, Gleichberechtigung in voller Weise Rechnung getragen wird, ist die angekündigte Lösung, d. h. die Zusammenfassung der österreichisch-jüdischen Jugend «n+£r jüdischer Führung, zu begrüßen« Die rumänische Regierung wird gewarnt Boykoffbeweguiig angekündigt Aus New York wird berichtet: Der Vorsitzende der Internationalen Atttinaal-Liga, Advokat S. Unter* nxyer, sandte all den Ministerpräsidenten Octavian Goga ein Telegramm, worin es heißt: Falls die angekündigten unmenschlichen Antisemitischen Maßnahmen in Rumänien in die Tat umgesetzt werden, wird der in den Vereinigten Staaten von Amerika durchgeführte Afttlnazl-Boykott auch auf Rumänien ausgedehnt werden. Urttermeyer erklärte weiter, alle amerikanischen Antihäzi- Ligen und ihre Zweigorganisationen in England und in anderen Ländern hätten ihre Bereitschaft kühdgetan, sich einer Boykottbewegung gegen Rumänien anzuschließen, falls die angekündigte antisemitische Gesetzgebung wirklich in Kraft treten sollte. ,,Grundlose Verfolgung" Aus. London wird gemeldet: „Manchester Guardian" warnt in einem Leitartikel Octavian G o g a nachdrücklichst vor einem Weitertreiben seiner antisemitischen Politik, deren mögliche Folgen nicht abzusehen sind. Die Zeltung schreibt: „Der brutale Angriff gegen ein Volk, welches seit Generationen in Rumänien lebt, alarmiert alle Menschen von Herz und Kultur. Sollte die Kampagne gegen die Juden in Rumänien fortgeführt werden, so bleibt nur au hoffen, daß der Völkerbundrat auf seiner noch in diesem Monat abzuhaltenden Tagung ein energische^ Vorgehen beschließen wird. Herr Goga, sehließt .Manchester Guardian', hat es für angebracht gehalten, die britische Oeffentlichkeit zu bitten, ,auf diesen» Teil der Welt mit freundschaftlichen Gefühlen, zu blicken'. Die Freundschaft unseres Landes aber wird nicht leicht Regierungen gewährt, die* durch grundlose Verfolgung ihrer schwächeren Untertanen die Humanität schänden. WELTURAUFFÜHRUNG des neuesten Werkes des Meisterregisseurs V. TOURJANSKY D U N JA (Die Geliebte des Gardeoffiziers) Nach d. Novelle der .Postmeister' Mit HARRY BAUR, Jeanine Crispin und Georges Rlgaud Gartenbau-, Kärntner-, Busch-, Haydn- und Kolosseum-Kino , Ein Excalilor-Film Im Star-FlIm-VcrUih . Kampfansage gegen die rumänische Regierung //Korruption und Unmoral" Aus Cluj (Klausenburg) wird gemeldet: In der Neujahrsnummer der „Patria", des offiziellen. Organs der Nationalen Bauernpartei, nennt der Parteivorsitzende Julius Mäniu die neue Regierung eine „Abenteurer-Regierung" und kündigt ihr schärfsten Kampf an. Maniu schreibt: „Unser Sieg hätte die Nationale Bauernpartei ans Ruder bringen müssen, damit wir die politische Korruption, den Mangel an Ernst, die öffentliche, Unmoral und die Verfolgungen vertreiben ,und-an Ihrer, SteUe allen Söhnen des Landes, ohne Unterschied .der Rasse und der R e 1 i gl o n, bedien und Gedeihen sichern sollten. Statt dessen brachte das Neujahr dem Lande eine Regierung, die die Verfassung unseres Volkes und die bürgerlichen Ehrenrechte verhöhnt: Für uns beginnt daher das neue Jahr im Zeichen des Kampfes." Die Hallung Frankreichs Aus Paris wird gemeldet: Dem J. T. A.-Vertreter wird aus autoritativer Quelle mitgeteilt, die französische Regierung habe beschlossen, die rumänische Regierung davon zu ver- BANKGESCHÄFT Dr. OFF EN B ERG ER Wien I, Freyung 1 Tel ephon : U - 27... 2 - 11, U - 28 - 2 - 55 Durchführet n g " s ämtlichir Bank» und Böriairanisktionen ständigen, daß sie im Völkerbund jede Aktion gegen geplante Ausnahmegesetze gegen die Juden seitens Rumäniens, die eine Verletzung der von Rumänien eingegangenen Minderheitenverpflichtungen darstellen würde, unterstützen werde. Politik oder Rasse? Der französische Gesandte in Bukarest, T h i e r r i, ist vom Quai d'Orsay .von seinem Posten abberufen worden und wird eine andere Gesandtschaft übernehmen. Offiziell wird erklärt, daß der Wechsel direkt nichts mit der politischen Veränderung in Rumänien zu tun habe. Prager Zeitungen wissen aus Paris zu melden, daß der Grund, dafür, daß Gesandter Thierri Bukarest verläßt, darin zu suchen sei, daß die Gemahlin des französischen Diplomaten J ü d i n uit. ' Spende des Königs Aus Anlaß der Feiertage hat König Carol den jüdischen Gemeinden in Bukarest und in Jassy Geldgeschenke zur Verteilung unter arme jüdische Kinder überwiesen. Bestürzung unter den luden Aus Bukarest meldet Havas, daß die Bestürzung unter der jüdischen Bevölkerung Rumäniens wegen der antijüdischen Maßnahmen der neuen Regierung sehr groß sei.; Pariser Zeitungen meiden aus Bukarest, daß die Vörgärige bei den Juden Rumäniens eine Panik her! vorgerufen haben. Am Freitag abends waren alle Synagogen in Bukarest und In anderen Städten überfüllt von Andächtigen, es wurden Gebet» gesprochen, die nur in Zeiten großer Gefahren für das Judentum in den Gottesdienst eingefügt werden. Das jüdische Geschäft liege darnieder, da die jüdischen Firmen Aufträge nicht mehr vergeben können- und solche auch nicht bekommen. Stimmen der Weltpresse Prager Zeitungen melden aus London, daß die rumänischen Vorgänge dort ein starkes Echo wecken. Vor allem wird die "Frage diskutiert, was mit den vielen tausenden Juden ^geschehen : solL die, der Staats-« bürgerrechte fürt.verlustig erklärt werden jdürften. Eine Emigration k01*1*"* für sie nicht in Frage, da die Grenzen längst gesperrt sind. In der Londoner City wird darauf hingewiesen, daß Rumänien, welches so sehr von fremdem Kapital abhängig ist, Gefahr läuft, durch, eine allzu radikale Innenpolitik das Vertrauen der Kredit-, geber zu verlieren. Aus New York melden die gleichen Zeitungen," daß in Amerika, welches im Jahre 1937 Waren im Werte, von 4,5 Millionen Dollar aus Rumänien importiert hat, sich bereits ein Komitee gebildet habe, das in einem Telegramm an den Ministerpräsidenten Goga bei Durchführung der Ausnahmedekrete einen Boykott der rumänischen Waren ankündigt. Die italienische Presse begrüßt im allgemeinen die neue rumänische Regierung recht freundlich und widmet ihren antijüdischen Maßnahmen-einen breiten Raum. Die faschistisch-antisemitischen. Zeitungen „H Tevere" und „Regime Faszista" sprechen ihre Genugtuung über die Ausnahmegesetze Gogas aus, Sdlutz der Minderheiten Aus Budapest wird berichtet: Der englische Abgeordnete Proctor erklärte dem Korrespondenten des „Pesti Hirlap", daß die Organisierung einer parlamentarischen Kommission zum Schütz der Minderheiten in vollem Gange sei. Die französische Kammer und der französische Senat hätten der Schaffung dieser Institution bereits zugestimmt/ welche' in kurzer Zeit in London zusammentreten werde. Bei heftigem Hautjucken und Nesselausschlag, bei Ekzemen und Furunkulose sind in jedem Falle Magen und Darm durch öfteren Gebrauch des rein natürlichen „Franz-Josef"-Bitterwassers gründlich zu entleeren. Fragen Sie Ihren Arzt. Robu und Cuza Aus Bukarest: „Curentul" meldet, daß der Präfekt von Czernowitz, der bekannte Judenfeind Robu, die folgende, die Minderheiten in Rumänien betreffende Erklärung abgegeben hat: „Die national-ohristldche Regierung teilt die Minderheiten in zwei Kategorien ein, zwischen welchen sie einen scharfen Strich zieht: Erstens die produktiven, christlichen Minderheiten, denen wir unseren guten Willen zeigen, unter der Bedingung, daß sie sich assimilieren und mit der Mehrheitsnation loyal zusammarbeiten; zweitens die parasitäre jüdische Minderheit, die nicht assimiliert werden kann und eine Zusammenarbeit mit uns ablehnt. Für diese Jüdische Minderheit gibt es nur eine Lösung: Eli mini er ung." Professor A. C. Cuza, der oberste Präsident der National-Chrlstlichen Partei und Staatsminister im neuen rumänischen Kabinett, hat der „Porunca Vremii" dl«

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