Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 716 (7.1.1938)
- Date
- 1938-01-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen freiiftq, den 7+ Jfiititcr 1418 lVersimSbibUo Nf* 716 V* b* Zeitung vom Verleger versende! Journal expMife par 1'fedlteur" DIE NEUE «ELT REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S JU40, vierteljährig » 4.—» ganzjährig a 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Ke 6.—. vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—a Schwei« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. VerwaUang: IX,Universitätsstr.8,7et.A-20-2-78 - Erscheint Dienstas» u. Preitav Zwergjudenstaat und Teilungsplan gefallen Aus London wird gemeldet: Ein Brief des Kolonienministers Ormsby-Gore an den Oberkommissär in Palästina, der den Aufgabenkreis der demnächst nach Palästina gehenden Kommission genauer umreißt, ist in Form eines Weißbuches veröffentlich worden. Das Dokument macht es eindeutig klar, daß sich die britische Regierung in keiner Weise gebunden fühlt, den Empfehlungen des P eel-Berichte s zu folgen. Ganz besonders wird hervorgehoben, daß die Regierung nicht den Vorschlag der Palästina- Kommission annimmt, der von einer zwangsweisen Umsiedlung von Arabern aus jüdischen Gebieten und umgekehrt spricht. Die Formulierungen des Weißbuches sind nach Auffassung von Sachverständigen so.dehnbar, daß sie der Regierung die Freiheit lassen, einen vollständig revidierten Plan der Mandatskommission des Völkerbundes später vorzulegen. Zwar heißt es, daß der Charakter der neuen Kommission .technisch und nicht politisch ist, gleichzeitig-wird aber der Eventualität Rechnung getragen, daß die Kommis-;. ~^i©x^xtt»£~c^ ß er-, et a n d e sehen kann, p r a k tische V ö=r s c M äg e-; du? Dur clif üh'ruhg' des Drei;teilungsplanes zu mac hen. In diesem Zusammenhang iwird sogar ausdrücklich der Möglichkeit Rechnung getragen, "daß die neue Kommission einen Alternat i v y o r s c h 1 a g ausarbeiten wird. Man rechnet damit, daß die neue Kommission Ende März nach Palästina, aufbrechen, und sich dort eine Reihe von Monaten aufhalten wird. Ueber ihre Zusammensetzung ist im Augenblick noch nichts gekannt. #...... . Der ursprüngliche Plan;; z w e i Kommissionen nach Palästina zu entsenden — eine fi n a n z i e 11 e, sowie eine weitere Kommission, die die Grenze n 4er drei Territorien gemäß dem Peel-Plan festlegen würde — ist fallengelassen' worden.' Die Funktion der neuen Kommission wird die eines technischen Ausschusses sein. Sie wird die mit einer Teilung zusammenhängenden wirtschaftlichen und finanziellen Fragen zu prüfen und über das Ergebnis der diesbezüglichen Studien Bericht zu erstatten haben. Der Kommission ist' die Weisung erteilt worden, den von der Peel-Kommission vorgeschlagenen Teilungsplan zwar in Betracht zu ziehen, s i c h a b e r v ö 11 i g f r e i z u f ü h 1 e n, Abänderungen dieses Planes einschließlich aller eventuellen Veränderungen in bezug auf die im Peel-Bericht in Aussicht genommene Grenzziehung vorzuschlagen. Weiter heißt es in dem Brief Ormsby-Gores: „Sollte als Ergebnis der Studien der neuen Üntersuchungskommission, deren Ausarbeitung zweifellos viele Monate in Anspruch, nehmen wird, seitens der britischen Regierung ein Teilungsplan für gerecht und durchführbar erachtet werden, wird dieser dem Völkerbund zur Begutachtung vorgelegt werden müssen. Falls der Völkerbundrat den Plan annimmt, wird es eine weitere Zeitspanne dauern, ehe man zu Schlußfolgerungen kommt und die entsprechenden administrativen Aenderungen vorgenommen werden können. Es ist auch möglich, daß. die britische Regierung im Licht der Empfehlungen dieser neuen Kommission s i c h g e- »ötigt sehen wird, die Vorschläge der.ständigen Mandatskommission des Völkerbundes einer genauen Prüfung zu unterziehen, in denen angeregt wurde, daß das arabische und das jüdische Gebiet vorübergehend unter einem kantonalen oder separaten Mandats System weite rverwaltet werden mögen. Daraus ist ersichtlich, daß während einer ganz beträchtlichen Zeit in fter Zukunft alle Schritte nur studienmäßigen Charakter/tragen werden." *• » Man fällt in den Rücken! Eine jüdische Bosheit und ihr antisemitisches Echo In der vor zwei Wochen abgeführten Budgetdebatte im Wiener Gemeinderat nahm der Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich, die Gelegenheit wahr, namens der Wiener Judenschaft gegen die immer rücksichtsloser betriebene Verdrängung der Juden aus dem Wirtschaftsleben Stellung zu nehmen. Er wies darauf hin, daß die jüdische Jugend, vor allem die jüdischen Jungärzte, von allen Stellen ausgeschaltet und in Verzweiflung getrieben wird, daß jüdische Kaufleute und Gewerbetreibende von Lieferungen ausgeschlossen werden, daß unter Patronanz eines hohen Gemeindefunktionärs die antijüdische Boykottbewegung ihr Wesen treibt und dergleichen mehr. Daß die mutige Rede auf antisemitischer Seite Aergernis erregte, ist wohl selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist, daß sie in weitesten jüdischen Kreisen mit Genugtuung und mit Dank für Dr. Ehrlich aufgenommen wurde, der in vorbildlicher Weise seine Pflicht als jüdischer Mandatar erfüllte. Nur auf e in e r. jüdischen Seite löste die Rede Dr. Ehrlichs eine unerwartete Reaktion aus. , Die „Union österreichischer, Juden'1,, zog in ihrem Blatte in heftigster Weise, gegen jüdischen Rat der Stadt; Wien los und 's pra ch' i h m da s R e c h t a b, im Namen der Wiener und österreichischen Juden zu reden, weil er zur „jüdischnationalen zionistischen Partei" gehört! Man muß sich an den Kopf greifen! Wenn Dr. Ehrlich in seiner Rede zionistische, jüdischnationale Postulate vorgebracht hätte, wäre es begreiflich, wenn die Leute von der „nichtnationälen" und „nichtzionistischen" Union erklärt hätten, daß er diese Forderurigen nicht in ihrem Namen zu erheben befugt sei. Aber Doktor Ehrlich hat ja vom Leid und Unrecht gesprochen, das allen Juden angetan wird, von der Boykotthetze, von der zur Verzweiflung getriebenen jüdischen Jugend, vom rücksfchtslos verfolgten jüdischen Kaufmann und Gewerbetreibenden. Er hat das getan, wozu jeder anständige Jude, vor allem aber ein jüdischer Mandatar verpflichtet ist. Und dafür wird er erbärmlich und tückisch angefallen, dafür wird er beschuldigt, unter falscher Legitimation gehandelt zu haben* Man wird sich der Tragweite dieser an Verrücktheit grenzenden Bosheit so recht bewußt, wenn man das Echo hört, welches sie in a h tis e m i tis c h en Kreisen ausgelöst hat. Vom „Wiener Montagblatt", welches den Kampf gegen Juden zu seiner Spezialität gemacht hat, wird der Vorfall aufgegriffen. Einer Kritik an der in den Ohren der Antisemiten „mißtönenden" Rede Dr. Ehrlichs schließt das Blatt folgendes an: „Immerhin konnte man meinen, daß der genannte Rat der Stadt Wien im Namen und im Interesse des von ihm vertretenen Bevölkerungsteiles gesprochen habe. Nun aber wird man durch die jüdische Zeitschrift ,Die Wahrheit* eines Besseren belehrt. Dieses Organ sagt nämlich klipp und, klar, wenn Dr. Ehrlich ,als Vertreter der österreichischen — Wiener Judenschaft' gesprochen habe, dann müsse die Feststellung erfolgen, ,daß diese Eigenschaft des Redners nicht gegeben ist, weil Dr. Ehrlich bekanntlich zu den Führern der jüdischnationalen zionistischen Partei gehört, die schon mit Rücksicht darauf, daß sie atis iniärid&rn und Ausländern besteht, absolut nicht das Recht f ür sich in Anspruch nehmen kann und darf, die österreichisch-Wiener jüdische Gemeinschaft zu vertreten'. Da hat man's also. Und nun weiß man ungefähr auch, wie es um die Logik in diesen Kreisen bestellt ist. Da beschweren sie sich über vermeintliche Zurücksetzung und ,Verf o 1 g u n g', über ,zerscherbte jüdische Ehre' und weiß der Himmel über was noch alles. Werden aber ihre Vertreter sogar in die gesetz- Fußschmerzen, Müdigkeit j*\v können von beginnendem Senkfuß kommen; wirkliche ■ JS^Sv Abnilfe> unsere moderne .Pedifrif-Einlage fertig oder nach Gipsmodell, leicht, elastisch, schmerzlös zu tragen. Taborstr. 22 R-42-5-40 Bflndnoen-mTk o i n s ch geband-en K:ö^p.ersc haften berufen, :dann.äihd siewieder nicht zufrieden. Denn so klein und bescheiden und harmlos ihre Gemeinschaft nach ihren wiederholten .Versicherungen auch sein soll, ist sie doch in eine Menge Parteien und Gruppen und Grüppchen gespalten, die einander wütend und erbarmungslos bekämpfen und sich gegenseitig das Recht streitig machen, im Namen der ganzen Gemeinschaft zu sprechen. Angesichts dieser Kompetenzstreitigkeiten und dieser Herzensergüsse in den genannten Kreisen, denen es eben niemand rechtmachen kann, weder im eigenen Lager noch außerhalb seiner, fühlt man sich zu der naheliegenden Frage gedrängt: Muß es denn unbedingt so sein, daß man den Vertretern dieser Kreise Gelegenheit gibt, solche Reden zu halten? Wenn's ihnen selber nicht recht ist, dann könnte ihnen doch leicht geholfen werden ..." Die Genugtuung und der Hohn, welchen das antisemitische Blatt hier Ausdruck gibt, sind nur allzu smm rasiert besser, rasa . er. lusiert glatter, Swing ist die Klinge £ür Sie! Daher kauft jedermann, der Vorteile schätzen kann: ',; _ nur noch die Swing begreiflich. Eine Gemeinschaft, in der sich so etwas ereignen kann, muß ja die Achtung der Außenwelt einbüßen. Es ist auch begreiflich, wenn das Blatt die Gelegenheit benützen will, um die Wiener Juden ihrer einzigen Vertretung im Stadtparlament zu berauben. Die antijüdische Strömung in Oesterreich ist wahrlich stark genug und der Schaden, welcher sie der Judenschaft zufügt, ist riesengroß. Aber der „Union" und ihrer „Wahrheit" scheint das nicht genug. Die antijüdische Strömung muß verstärkt werden, indem man einem, der jüdischen Sache rückhaltlos dienenden Manne in den Rücken fällt, wenn er unter schweren Bedingungen seine Pflicht als jüdischer Mandatar erfüllt. KOHLE KOKS au*un«#» ANTHRACIT BUCHENHOLZ BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5-40 Inhaber Dr. Richard Bäsch Zweimal täglich lllivstallim* nuch all«n Btilrkcn