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Die neue Welt · 1938-01-04 · Heft 715 (4.1.1938) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 715 (4.1.1938)
Date
1938-01-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 715 vom Jätmet 1Ö38 0OB NEUE WELT Seite * Die Bande bei Naiareth Aus Italien Oberrabbiner Prato „auf unbestimmte Zeit beurlaubt'* In jüdischen Kreisen Roms hat die Nachricht, daß Oberrabbiner Prof. Davide Prato den Vorstand der Jüdischen Gemeinde gebeten hat, ihn auf unbestimmte Zeit zu beurlauben, Aufsehen erregt. Nachdem seinem Wunsche entsprochen wurde, hat sich Prof. Prato auf eine längere Reise nach Aegypten und Palästina begeben. Der überraschende Urlaub Prof. Pratos wird mit den scharfen Meinungsverschiedenheiten erklärt, die zwischen ihm und dem neugewählten Gemeindevorstand entstanden sind. Bekanntlich wurde der Oberrabbiner vor einiger' Zeit in dem antisemitischen „II Tevere" wegen seiner zionistischen Einstellung scharf angegriffen. Diese Angriffe ließen die nichtzionistischen Mitglieder des Vorstandes nicht gleichgültig. Es kam innerhalb des Vorstandes zu scharfen Auseinandersetzungen für und wider den Oberrabbiner. Es bleibt abzuwarten, ob aus diesem „Urlaub auf unbestimmte Zeit" ein endgültiger Abschied von der Gemeinde Rom wird. Virginio Gajda über Italiens Palästina-Politik Die italienische Presse befaßt sich neuerdings eingehend mit der Lage in Palästina, wobei die Beschuldigung, Italien betreibe im Nahen Osten eine antienglische Propaganda, zurückgewiesen wird. Der Sprecher der italienischen Regierung, Virgionio Gayda, greift in einem Leitartikel des „Giornale d'Italia" den Palästina-Teilungsplan an. Das Prinzip der Teilung, schreibt er, ist unvereinbar mit den Grundsätzen des Mandats, mit den nationalen Interessen der ursprünglichen Bewohner des Landes und mit den Grundsätzen des im vorigen Jahre geschlossenen englisch-italienischen Agreements. Zum Schluß dementiert Gayda kategorisch das Vorhandensein eines italienischen anti-englischen Propagandazentrums in Palästina. „La Stampa" greift in einem „Zionistische Extremisten reizen die Araber" überschriebenen Artikel die zionistisch - revisionist sehe Bewegung an, die „mit ihrem brutalen Mangel an Takt eine gefährliche Reaktion unter den Arabern hervorruft, deren religiöse und patriotische Gefühle von den Juden verletzt werden". Der Mailänder „Corrierc de 11 a Sera" veröffentlicht in großer Aufmachung auf der ersten Seite einen langen Artikel seines Jerusaleiner Korrespondenten, in welchem es heißt: Die panarabische Flamme brennt noch; die Araber werden fortfahren, den Kampf für die Verteidigung ihres Landes zu führen. Farinacci fordert Massentaufe Das von dem Antisemiten Roberto Farinacci, früheren Generalsekretär der faschistischen Partei, herausgegebene „Regime Fascista" droht denjenigen italienischen Buchhändlern, die sich weigern,, in ihren Buchläden die vor kurzem erschienene italienische Ausgabe der „Protokolle der Weisen von Zion" zu führen, Repressalien an. Die „Protokolle", schreibt das Blatt, müssen von allen Italienern gelesen werden. Die italienische Presse erweise damit, daß sie die „Protokolle" ausführlich bespricht, nur den Juden einen Dienst, indem diesen die Möglichkeit geboten wird, sich als Faschisten zu deklarieren und in letzter Konsequenz massenhaft zur Taufe zu schreiten, An anderer Stelle berichtet das Blatt ausführlich über die Ausstellung „Der ewige Jude". (J. T. A.) Goebbels sorgt für Ausbildung arabischer Jugeudführer in Deutschland Aus Jerusalem: Dem „Dawar" wird aus arabischer Quelle berichtet, daß sich vor kurzem fünfzehn arabische Jugendführer zwecks Studiums der nationalsozialistischen Ideologie von Palästina nach Deutschland begeben haben. Die Kosten ihres Studienaufenthaltes werden vom deutschen Propagandaministerium getragen. Das Blatt schreibt weiter, daß in der letzten Zeit über den Jaffaer Hafen zahlreiche Propagandaschriften aus Italien eingeführt worden seien. Isak Oppenheim gestorben Am 31. Dezember v. J. ist unser lieber Freunü und Gesinnungsgenosse Isak Oppenheim vor Erreichung seines 70 Lebensjahres nach längerer Krankheit gestorben. Schon in früher Jugend hatte sich der Verstorbene der zionistischen Bewegung angeschlossen und war als treuer Herzl-Zionist im Verband der Judenstaatszionisten tätig. Sein bescheidenes Wesen und seine Selbstlosigkeit haben ihm in eilen zionistischen Kreisen Sympathie verschafft. Isak Oppenheim s. A. hinterläßt als Witwe Frau Charlotte Oppenheim, welche gemeinsam mit ihrem Gatten dem zionistischen Ideal diente und der sich die Teilnahme aller Gesinnungsgenossen und der weiteren jüdischen Kreise zuwendet. Das Andenken des Verstorbenen wird in Ehren gehalten werden. Vladimir Jabotinsky spricht über das Thema: „Der Kampf um den jüdischen Staat" am Montag, den 24. Jänner, um 8 Uhr abends im Großen Musikvereinssaal, I., Bösendorferstraße 12. Karten von S 1.— bis S 6.— im Sekretariat der N. Z. O. II., ASpernibrückengasse 2, Telephon R-45-1-30-U. Leichte Beruhigung Aus Jerusalem wird gemeldet: „United Preß" erfährt von gutinformierter Stelle, daß 300 bewaffnete arabische Terroristen sich bei Nazareth in einer Art „Todesfalle" befinden; sie seien in den Dörfern Darralad. Majdaskrum und Shaab von 1000 Mann britischer Truppen umzingelt und haben keine Aussicht, den Ring zu durchbrechen. Die Lebensmittel der Terroristen reichen höchstens eine Woche lang, dann haben sie nur noch die Wahl zwischen Tod und Ergebung. Nach siebentägiger ununterbrochener Verfolgung terroristischer Banden in Nordpalästina ist schließlich Beruhigung eingetreten. Der größte Teil der Militärabteilungen ist in ihre Garnisonen zurückgekehrt und ließ in einigen Dörfern nur Waffen zurück. Die Ortsbevölkerung arbeitet unter der Leitung von Offizieren an der Wiederherstellung der beschädigten Straßen. Raubmord in Tel-Aviv Die 70jährige Chava Lewis ist in ihrem Hause in Tel-Aviv ermordet aufgefunden worden. Ihr Mann, der 78jährlge Samuel Lewis, der mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus - eingeliefert wurde, starb bald darauf. Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß es sich um einen Raubmord handelt. Zwei verdächtige Araber wurden verhaftet. Ein Jude unter Mordanklage Jedidia Lok, der vor dem Untersuchungsrichter in Jerusalem wegen angeblicher Erschießung von zwei Arabern im Beth-Israel-Viertel von Jerusalem am 14. November sich zu verantworten hatte, wurde dem Kriminalgericht zur Aburteilung überwiesen, nachdem der Richter erklärt hatte, daß er nicht in der Lage sei, die Behauptungen des arabischen Staatsanwalts sowie die Aussagen arabischer Zeugen auf ihre Wahrheit zu prüfen. Neues Todesurteil Aus Jerusalem: Das Militärgericht in Nazareth verurteilte einen Araber wegen unbefugten Waffenbesitzes zum Tode. Der Oberstkommandderende der britischen Truppen in Palästina, Generalmajor Wavell, hat das vor einem Monat über einen Araber wegen Waffenbesitzes verhängte Todesurteil bestätigt, dagegen setzte er die über zwei Araber in Nablus verhängte lebenslänglche Gefängnisstrafe auf je fünf Jahre Gefängnis herab. Fünf weitere Vor einer neuen englischen Palästina* Poetik? Aus London wird berichtet: Das Organ der Labour Party, „Daily Herald", berichtet heute in sensationeller Weise, daß innerhalb des englischen Kabinetts ein scharfer Meinungskampf hinsichtlich des Plans der Teilung Palästinas und der Schaffung von selbständigen Juden- und Araberstaaten ausgebrochen ist. Sir Samuel Hoare, Lord Halifax, Eearl of Winterton und Earl of Zetland sollen auf den Premierminister Neville Chamberlain einen Druck nach der Richtung ausüben, daß die Regierung ihre gesamte bisherige Palästina- Politik aufgibt, den Plan der Teilung Palästinas und der Schaffung eines jüdischen und eines arabischen Staates in diesem Lande fallen läßt und das in der Balfour-Deklaration und im Mandat vorgesehene jüdische Nationalheim in einer Weise statuiert, daß Dar jiddische Film „Der Purimspieler" _ _Sm Au<tg&rteti-Ktno* die Juden eine dauernde Minderheit in einem allarabischen Staate bleiben. Diese Minister weisen darauf hin, daß eine Teilung angesichts der arabischen Gegnerschaft unmöglich durchgeführt werden könne. „Daily Herald" berichtet ferner, daß die erwähnten vier Minister ihre scharfe Unzufriedenheit mit der Politik des Kolonienministers Ormsby-Gore hinsichtlich Palästinas ausgesprochen haben und den Rücktritt Ormsby-Gores, der an dem Teilungsplan festhält, befürworten. „Daily Herald" weiß weiter zu melden, daß sich Hoare, Halifax, Winterton und Zetland auf die Meinung antizioni» tisch er englischer Juden stützen, welche sie als die führenden englischen Juden bezeichnen. Solche Juden seien mit den Ministern privatim zusammengekommen. Die zionistisch gesinnten Juden Englands sollen laut „Daily Herald" die Lage als so ernst ansehen, dae ihre Vertreter in der vergangenen Nacht eine geheime Sitzung abgehalten und Schritte zu einer Gegenaktion beraten haben. Palästina — britisches Dominion Ein zionistischer Vorschlag Aus London berichtet die J. T. A.: Der Vorstand der Britischen Zionistischen Federation hat beschlossen, offiziell mit dem Vorschlag hervorzutreten, daß Palästina in einen Bestandteil desbritischenlmperiums verwandelt werde. Dieser Platt Araber, die am 20. Dezember vom Gericht im Nablus au Gefängnisstrafen in verschiedener Höhe verurteilt worden waren, wurden auf freien Fuß gesetzt. Die Hilfsaktion für die jüdischen Häftlinge üi Akko Anteil der Judenstaatsparte! Aus Jerusalem: Die Haifaer Jüdische Gemeinde wandte sich an alle jüdischen Gemeinden des Landes mit dem Ersuchen, ihr zu helfen, die in Akko inhaftierten über 60 Juten, die hungern müssen, zu betreuen, d* die Haifaer Gemeinde nicht imstande ist, für alle auf Grund der Ausnahmegesetze verhafteten Juden zu sorgen. Die Jüdische Gemeinde in Tel-Aviv besteuerte sich zu diesem Zwecke mit 10 Pfund monatlich, die Stadtgemeinde Tel-Aviv stellte 150 Pfund zur Unterstützung der Familienangehörigen der Inhaftierten zur Verfügung. Eine Reihe jüdischer Kolonien, voran Karkur und Chedera, haben sich selbst besteuert. Die Exekutive der Jundenstaatspartei steuerte 50 Pfund bei. Veterinärarzt Dr. J. Fröhlich wurde aus dem Alckoer Gefängnis entlassen. Vizebürgermeister Auster führt definitiv das Bürgermeisteramt Aus Jerusalem: Der geachäftsführende jüdische Vizebürgermeister von Jerusalem, Dr. Daniel Auster, der seit der Deportierung des Bürgermeisters Dr. Khalidi im Oktober dessen Geschäfte ehrenamtlich führte, ist von der Regierung bevollmächtigt worden, das Amt des Bürgermeisters von nun an entgeltlich zu verwalten. Drei von den vier in der Stadtverwaltung verbliebenen arabischen Stadträten demissionierten. wird hauptsächlich durch Lord Melchett, Lady Reading und Rev. Perlzweig gestützt. Die Initiatoren des Vorschlages geben vom Standpunkt aus, daß die Interessen der Juden und Englands in Palästina prinzipiell identisch sind und daß es darum mit Rücksicht auf die allgemeine politische Konstellation am zweckmäßigsten sei, Palästina dem englischen Imperium einzuverleiben. Rev. Perlzweig wird den Vorschlag der englischen Zionisten auf einem großen Meeting in London der Oeffentlichkeit mitteilen. Das Meeting soll Montag, den 3. d. M., stattfinden. Als Redner sollen unter dem Vorsitz der Lady Reading Prof. Brodetzky, Dr. Nahum Goldmann, Rev. Perlzweig und Rev. Goldbloom auftreten. Der Vorschlag kann natürlich offiziell von England nicht akzeptiert werden, da Palästina Mandatsgebiet ist. Englands unentschlossene Palästina-Politik Aus London: „Palestine", Organ deä britischen Pro-Palästina-Komitees, dem bekanntlich eine Reihe hervorragender Staatsmänner und Parlamentarier angehört, führt aus: Italien hegt dem Zionismus als solchem gegenüber keine Feindschaft; es wendet sich gegen ihn nur insofern, als er sich mit Großbritannien verbündet. Mussolini ist der Gegner eines mit dem britischen Imperium eng verbündeten jüdischen Nationalheims, bzw. eines jüdischen Staates. Er ist der Ansicht, daß ein jüdisches Palästina für England von größter strategischer und politischer Bedeutung wäre« In diesem Zusammenhang erinnert „Palestine" an einen Ausspruch Sir John Hope Simpsons, man könne nicht leugnen, daß eine starke und autonome jüdische Gemeinschaft in Palästina eine große Hilfe für das britische Imperium nicht nur im Mittelmeer, sondern auf der ganzen Welt wäre. Unter diesen Bedingungen sei kaum* anzunehmen, daß Mussolini jetzt, nachdem er den Völkerbund verlassen hat, nicht Mittel und Wege suchen wird, um seine Propagandatätigkeit in Palästina zu intensivieren. Was aber geschieht englischerseits, um dieser Hetze entgegenzuwirken? Warum unterstützt England nicht die Schaffung eines starken jüdischen Palästina? Unter Berufung auf den Peel-Bericht weist „Palestine" darauf hin, daß England seine Entschlossenheit kundgetan habe, so schnell als möglich einen jüdischen Staat zu schaffen. Bald jedoch habe es begonnen, sich von dieser Angelegenheit zu distanzieren. Aus unserer Handlungsweise, heißt es zum Schluß, muß die Welt den Eindruck gewinnen, daß wir nicht ernst sind, daß wir unfähig sind, uns bestimmte Ziele zu stecken, daß wir nicht verstehen, unsere eigenen Interessen wahrzunehmen, und daß wir unserer Ehre und unserem Prestige gegenüber gleichgültig sind, ENGLAND UND ISRAEL Kartoniert S 1.89 Die zionistische Bewegung steht vor grundlegenden Entscheidungen. Die Broschüre „England und Israel" beleuchtet die aktuellen Probleme von neuen Gesichtspunkten und kommt zu Ergebnissen, die für alle, denen das Palästina-Aufbauwerk am Herzen liegt, von höchstem Intet esse sein müssen. Durch jede gute Buchhandlung oder direkt vom VERLAG R. töWIT Wien I, Fleischmarkt 1

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