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Die neue Welt · 1938-01-04 · Heft 715 (4.1.1938) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 715 (4.1.1938)
Date
1938-01-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seit« 4 oib neue vnsut Nr. T15 vom L Jänner 193$ AUS ALLER WELT | „Befleckt mit der Verfolgung dieses großen Volkes" Aus London: In einem Leitartikel schreibt! „News Chronicle": „Lansbury ist von der schrecklichen Not der Juden in den Ländern, die er besuchte, tief beeindruckt worden. In bewegten Worten forderte er, daß etwas getan werde, damit die Lage dieser Juden nicht hoffnungslos werden soll. Die Geschichte ist befleckt mit Verfolgungen dieses großen Volkes, das zum Geistesgut der Welt in so hohemMaße beigetragen hat. In der letzten Zeit sind diese Verfolgungen verschärft worden. Zu den ökonomischen Motiven der Verfolgung sind grausame Rassentheorien hinzugekommen. Philanthropische Hilfsmittel, schließt das Blatt, taugen nichts mehr. Was nötig ist, sind konstruktive Maßnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft derjenigen Länder, in denen Juden Verfolgungen ausgesetzt sind. Handelsbarrieren, die innerhalb dieser Länder oder rund um sie errichtet wurden, müssen niedergerissen werden. Hand in Hand damit müßte wieder ein Aus Wanderungsstrom nach Ländern einsetzen, wo der Existenzkampf weniger heftig ist als in den erwähnten Ländern." Anti-Nazi-Gesetze im amerikanischen Kongreß beantragt Aus Washington (J. T. A.): Im amerikanischen Kongreß sind drei Gesetzesanträge eingebracht worden, die darauf abzielen, den Hitlerismus und andere Rassenhaß-Bewegungen in den Vereinigten Staaten zu verbieten. Die drei Anträge sehen drastische Mittel zur Ausrottung jeder Bewegung vor, die zu religiöser und rassischer Diskriminierung hetzt und diktatorische Losungen verficht. Der Vorsitzende der Auswanderungskommission des Kongresses, Kongreßmitglied Samuel D i c k s t e i n, beantragte ein Gesetz, laut welchem Personen, die für ein diktatorisches Regime eintreten, nicht eingebürgert werden dürfen. Kongreßmitglied J. V i v e r beantragte ein Gesetz, das die Deportierung von Ausländern und in Amerika eingebürgerten Personen vorsieht, die sich der Rassen- oder Religionshetze schuldig machen, und ein zweites Gesetz, das Geld- und Gefängnisstrafen für in Amerika geborene Bürger bestimmt, die religiösen oder Rassenhaß predigen. Sämtliche drei' Anträge wurden der Einwanderungskommission des Kongresses zugewiesen. Intervention beim jugoslawischen Justiznünister gegen die antisemitische Hetzpropaganda. Aus Belgrad: Der Präsident des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Jugoslawien, Dr. Friedrich Pops, und Generalsekretär S. Spitzer, führten bei,Justizminister Milan Simonovic Beschwerde über die Hetzpropaganda, die in letzer Zeit gegen die jüdische Bevölkerung betrieben wird, und ersuchten den Minister, Schritte gegen jene Kreise zu unternehmen, die das friedliche Zusammenleben der Bürger des Landes zu stören versuchen. Der Minister versprach, alle Maßnahmen zu ergreifen, damit diesem Treiben ein Ende gesetzt werde und sich eine ähnliche Hetzkampagne in Zukunft nicht wiederhole. # In Jugoslawien, wo es bis vor einigen Jahren keine antisemitische Bewegung gab, erscheinen jetzt mehrere, unter dem moralischen und materiellen Einfluß des deutschen Propagandaministerium stehende antijüdische Zeitungen in deutscher und serbischer Sprache. Danziger Flüchtlinge Aus Warschau: In Warschau ist wiederum eine Gruppe Danziger Juden eingetroffen, durchwegs Kaufleute, Kleinhändler, Handwerker und Handelsangestellte, die sich gezwungen sahen, aus Danzig zu flüchten. Die Flüchtlinge berichten über die Schikanen, denen sie seitens der Danziger Behörden ausgesetzt waren. Man verlangte von ihnen große Summen an Steuern und drohte mit der Schließung ihrer Geschäfte, falls sie der Aufforderung zur-Zahlung derselben nicht nachkommen. Da sie keine Existenzmöglichkeit mehr sahen, hätten sie es vorgezogen, Danzig ao schnell als möglich zu verlassen. Die ungarländische Orthodoxie bleibt außerhalb der Aguda Aus Budapest: Unter dem Vorsitz des Präsidenten der orthodoxen Landeskanzlei, Samuel Kahan- Frankl, hielt das orthodoxe Zentralkomitee eine Sitzung ab, an der zahlreiche geistliche und weltliche Mitglieder aus Hauptstadt und Provinz teilnahmen. Nach eingehender Debatte entschied man sich für den bisherigen Standpunkt der ungarländischen Orthodoxie, wonach diese sich nur im Prinzip und universell der Agud&s Jlsroei anschließt, den Beitritt von Gemeinden und Einzelpersonen, sowie dieBildungvonLokalgruppen aber mißbilligt. Iwria-Bank zahlt 35 Prozent Aus Prag (J. T. A.): In dem am 17. Dezember in Berlin abgehaltenen Termin im Vergleichsver» fahren der Iwria-Bank (Jüdische Volksbank) e. G. m. b. H. hat das Gericht den von der Iwria-Bank e. G. m. b. H. gemachten Vergleicbsvorachlag, die Gläubiger mit 35 Prozent zu befriedigen, bestätigt. Für die Auszahlung der vorgesehenen Quoten hat bekanntlich, die VERBAND DER JUDENSTAATSZIONISTEN, SEKTION PRATER Donnerstag. d«n 6, tänn*r, halb * Uhr abends im M«lm, II, Crtefsuane 5 VORTRAG Referent: Dr. J. Paul D i o m a n l Thema: Engländer und Juden in Polästina Gäste willkommen I Jüdische Gemeinde zu Berlin die selbstschuldnerische Bürgschaft übernommen. Die Annahme des Vergleiches durch die Gläubiger erfolgte mit überwiegender Mehrheit. Die Forderungen bis zu 250 Reichsmark werden voll ausbezahlt. Die t/Säubemnq" schreitet fort Der Berliner Polizeipräsident hat für das jüdische Modenhaus Kersten & Tuteur den Räumungsverkauf aufgehoben. Ein Sonderausverkauf bei „A r isierung" jüdischer Firmen wird in Zukunft nicht mehr gestattet werden. Streichers „Stürmer" hatte kürzlich unflätige Angriffe gegen die große Seifenfirma Arthur Wasservogel gerichtet, die Filialen in allen Teüen des Reiches besitzt. Nunmehr meldet der „Stürmer", daß die Firma ...irisiert" worden ist. Der „Stürmer" schreibt: „Die Inhaber der jüdischen Firma Arthur Wacservogel sind der Jude Max Brat und die Jüdinnen Margarete Hirschfeld und Margarete Simonis. Die genannten Juden scheiden nunmehr aus. Am 27. Dezember 1937 geht die Firma Wasservogel in deutschen Besitz über. Die zukünftigen Inhaber sind die deutschen Kaufleute Kurt Spielhagen und Walter Bemman. Am 27. Dezember 1937 erhalten sämtliche jüdischen Angestellten die Kündigung und scheiden sofort aus." Er meldet ferner, daß auch die Firma „Betten- Lustig", die von ihm in der unflätigsten Weise beschimpft wurde, arisch geworden ist. Die jüdischen Inhaber, Gustav und Erwin Lustig, schieden aus. Die Firma steht vom 25. November 1937 ab unter der Leitung der Ab Freitag den 7. Jänner, sehen Sie den großen Jiddischen Film DER PURIMSPIELER" Im Augartenkino! Ii deutschen Kaufleute Jöring und Bartmann. Sämtliche jüdischen Angestellten und „Judengenossen" wurden gekündigt und schieden sofort aus.- Das Cafe' „Wien" und der „Zigeuner kell er" in Berlin, Kurfürstendamm, sind in ariachen Besitz übergegangen. Auf Anordnung des. Reichswirtschaftsministers Göring muß die anti jüdische Säuberungsaktion in der deutschen Wirtschaft bis März 1938 beendet sein. Eine Anzahl von F i 1mg esellsc haften wurde bereits angewiesen, ihre noch'in jüdischem Besitz im Ausland befindlichen Zweigstellen, soweit dies noch nicht geschehen ist, in arische Hände überzuleiten. Der verschärfte antisemitische Kurs richtet sich auch gegen den jüdischen Hausbeaitz. Sämtliche Staatsbeamten, Angehörige der Wehrmacht und Angestellten öffentlicher Behörden, die in Häusern von Juden wohnen, müssen umziehen. Die Uebersiedlung wird vom Staat bezahlt. [Weiter wird bekannt, daß die Behörden Verordnungen vorbereiten, denen zufolge Juden der Eintritt in Ministerien und sonstige Gebäude öffentlicher Behörden nur bei Vorladung gestattet wird. Anzeichen solcher Art sind bereits in einigen Berliner behördlichen Lokalen zu sehen. Berthold Feiwel gestorben Der zionistische Politiker und Schriftsteller DoktorBertholdFeiwel, Mitglied des Direktoriums des Keren Hajessod und des Jewish Colonial Trust, ist im Alter von 62 Jahren in Jerusalem verstorben. Berthold Feiwel gehörte zur ersten Garde Theodor Herzls. Er wurde 1875 in Pohrlitz (Mähren) geboren, wandte sich schon als Student bei Herzls Auftreten der zionistischen Bewegung zu, der er Zeit seines Lebens gedient hat. Am ersten Zionistenkongreß in Basel nahm er als einer der jüngsten Delegierten teil. Er arbeitete an der von Robert Stricker und Max Hickel herausgegebenen „Jüdischen Volksstimme" in Brünn mit. Von Herzl in die Redaktion des zionistischen Zentralprgans „Die Welt" nach Wien berufen, wurde Feiwel später deren Chefredakteur. Auf dem V. Zionistenkongreß im Jahre 1901 gehörte er der von Chaim Weizmann geführten „Demokratischen Fraktion" an, die in Opposition zu Herzl trat. 1002 gründete er zusammen mit Martin Buber, E. M. Lilien und Davis Trietsch in Berlin den „Jüdischen Verlag" und wurde als Herausgeber des „Jüdischen Almanachs", der Gedichtsammlung „Junge Harfen", der Jugendzeitschrift „Jung Israel", sowie als Uebersetzer jiddischer Dichtungen bekannt. Die Uebersetzung 4er Gedichte des New»Yovker jiddischen Arbeiterdichters Moritz Rosenfeld ins Deutsche besorgte er. Nach Verkündung der Balfour- Deklaration wurde Feiwel Mitglied der Zionistischen Exekutive und Geschäftsftihrender Direktor des Keren va^miim ws im \........^rj*^ Vorbereitung des XXI« Ziormtenkoitgresses lu> 1938 Aus Tel-Aviv: In Tel-Aviv fand eine Sitzung des zentralen Schekelkomitees für Palästina statt, in der beschlossen wurde, den Beginn der Schckelkampagne für den nächsten Zionistenkongreß für Jänner J938 proklamieren. Die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency David Ben Ourion und Jizchak GrUnbaum erklärten in ihren Ansprachen, der nächste Zionlsten< Kongreß werde voraussichtlich im Jahre 1938 stattfinden; er werde über die Frage der Errichtung des jüdischen Staates in Palästina die Entscheidung zu treffen haben. Gegen Hämorrhoiden und Lebcranschwcllung wird das natürliche „Franz-Josef'-Bitterwasser, insbesondere von starken Essern, die eine sitzende Lebensweise führen und oft hartleibig sind, in Tagesgaben von einem Glas, in etwas angewärmtem Zustande getrunken. Fragen Sie Ihren Arzt! Werbcvorstollungen der „Jüdischen Kün stierspiele". Dienstag, den 4. d. M., und Donnerstag, den 6. d. M. (Nachmittag), geht als Werbevorstellung die nationale Revue „Hallo, hier Radio Jerusalem!" mit Sevilla Pastor in Szene. Donnerstag, den 4. d. M., als Abendvorstellung „Die Ncschüme für mein Volk". Baal Brit: England und Israel. Verlag R. Löwit, Wien-Jerusalem. Die krisenhafte Entwicklung der Weltlage und des Palästina-Problems macht diese Schrift zu einer politischen Notwendigkeit ersten Ranges. In klarer, überzeugender Form werden die wesentlichen Fragen der zionistischen England- und Araber-Politik behandelt. „Rassisches und Klassisches", die nächste Aufführung dieser erfolgreichen Revue von Bobby Weiser und Vicky Schlesinger, findet Sonntag, den 16. d. M„ um 8 Uhr abends im neurenovierten Festsaal des Hotel-Restaurants Stephanie, II., Taborstraße 12 statt. Karten von S 1.— bis S 2.— im Heim der Judenstaatszionisten, II., Praterstraßc 30, täglich abends von Tf bis 10 Uhr sowie bei den Funktionären. „Der Purimspieler" kommt! Das Augartenkino, das den ersten jiddischen Film „Jidl mit'n Fidl" herausbrachte, bringt ab Freitag, 7. Jänner, den zweiten großen jiddischen Film „Der Purimspieler" in Ur- und Allemauffuhrung heraus. Die Musik zu diesem Film schrieb der bekannte Komponist Nikolaus Brodsky. „Der Purimspieler" beschäftigt das beste jiddische Schauspielerensemble, u. a.. Zymgut Turkow, Miriam Kressin, Haymie Jacobson sowie die von der Schwarte-Truppe in Wien bekannten Eni Liton und Eisig Samberg. KINO*PROGRAMME i CHWEDEN Jeanette Mc. Donald, Allan Jones, Warren Williams Beginn: Vnk, Vi6, V*8, %10Uhr.T«|. A-A9-0-60 /Tarantella' Regie: Robert Z. Leonard •1 Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen Bis Donnerstag den 6. Jänner 1938 fl ugarten- Kino II, Untere Augarten straBe 28 Telephon A-40«5-98 Beginn: "/.4, V,6, ^fi, «MO Uhr RmMr^-priwat (Kavalier um Mitternacht) Eine Klinstiersatire m. Leslie Howard, Bette Davis, Olivia de Hsvi Hand SCHIPFMANN II, TABORSTR. 48 Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaurat Robert Stricker. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kolb. — Pruck: Druckerei und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, alte men, JX.., 'JMversitätsstrttäe S*& ___

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