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Die neue Welt · 1937-12-31 · Heft 714 (31.12.1937) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 714 (31.12.1937)
Date
1937-12-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 714 vom 31. B^ember 193? Dffi NEUE WELT Seit« T AUS ALLER WELT beredtem die Wissenschaft ihrer Wahlländer' Aus London: Der Direktor des National Institute fdr Medical Research, Sir Henry D a 1 e, der im Vorjahr zusammen mit dem jüdischen Professor Otto L ö w i aus Qtvl dün Nobelpreis für'Medizin erhalten hat, hielt als Gast auf einem Bankett der Londoner Jewish Hospital Medical Society eine Ansprache, in der er die Leistungen der Juden auf dem Gebiet der Wissenschaft und den jüdischen Patriotismus würdigte. Ec ist unmöglich, sagte Sir Henry Dale, zu einer jüdi* sehen Versammlung zu sprechen, ohne zu erwähnen, daß daß jüdische Volk in gewissen Ländern grausamen Verfolgungen und Beleidigungen ausgesetzt Ist,. Rechtsraub, Vergewaltigung, öffentliche Aechtung um! Stellung außerhalb des Gesetzes sind für das jüdische Volk In seiner langen und tragisch-heroischen Geschichte keine neuen Erfahrungen. Das einzig Neue an all dem ist, daß diese Verfolgungen in Ländern stattfinden, die behaupten, sich über die Barbarei des Mittelalters erhoben zu haben. Sir Henry sprach dann Über seine Verbindungen zu Juden, die hervorragendes auf dfem Gebiet der Wissenschaft geleistet haben: zu Paul Ehrlich und Karl Weigert, die beide ihrem Stamme treu geblieben seien; zu Rudolf Magnus, der längst vergessen hatte, daß er ein Jude sei, und ein fanatischer Deutscher wurde. In den allerletzten Jahren habe er viele aus Deutschland vertriebene jüdische Gelehrte getroffen, deren Stolz es ihnen verbot, Uber Deutschland schlecht zu sprechen. Ich glaube, sagte Sir Henry Dale zum Schluß, daß die Vertriebenen die geistigen Schätze ihrer Wahlländer, insbesondere Englands, bereichern werden. Oraf Serenyl wegen antisemitischer Hetze verurteilt Aus, Budapest: Der Großgrundbesitzer Graf Nikolaus Serenyi wurde vom Budapester Strafgerichtshof wegen eines Artikels in einer ungarischen nationalsozialistischen Zeitschrift, in dem er scharfe Kritik an <Je.m ungarländischen Judentum geübt hatte, des Vergehens der Aufreizung gegen die jüdische Konfession schuldig erkannt und zu einem Monat Gefängnis bedingt verurteilt. Der Schriftleiter der Zeitschrift erhielt zwef;xWbchen Gefängnis. In einem anderen Prozeß wurde ein Privatbeamter gleichfalls wegen Aufreizung gegen die jüdische Konfession im Wege der Presse zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen „Blut und Boden" Aus Prag: Senator' Prälat Dr. Hilgen reine r, der frühere Rektor der Prager Deutschen Universität, der Konrad Hentern den Weg bereiten half und eine Zeitlang mit dem Rassenantisemitismus sympathisiert hat, hielt am Sonntag, den 12. Dezember, in einer Prager Versammlung der Deutschen Christ- I i c h s o zi a I e n Volkspartei, deren nationalen Flügel er repräsentiert, einen Vortrag über das Thema „Katholisch und völkisch". Er wies auf die heute im Deutschen Reich gepredigte Umwandlung des Begriffes „völkisch" In ,,antichristlich" hin und erklärte, In dem Gedanken von „Blut und Boden" liege krasser Materialismus. Rasscnreinc Philatelie Aus P r a g: Im Juni 1938 wird in Prag eine Weltausstellung für Philatelie ei'öffnet. Es wurde eine vorbereitende ..Dachorganisation" gegründet, deren Ausschuß auch ein Judo, Emil Adle r, angehört. Gegen die Zugehörigkeit Adlers zum Ausschuß erhob der „Deutsche Philatelisten-Verband" mit dem Sitz in Warnsdorf Einspruch, er forderte, daß sein Obmann, Taschke, an Stelle des „Nich tariers" Emil Adler in den Ausschuß der den Namen ,,Praga 1938" führenden Ausstellung eintreten solle, damit die „Deutsche Philatelie" in der Tschechoslowakei gegenüber dem Ausland „lichtig" vertreten werde. Herrn Taschke aus Warnsdorf, der das Wort „Sammler-Kameraden" geprägt hat, ist nun tatsächlich der Posten des Herrn Adler eingeräumt worden. George Backer, Ritter der Ehrenlegion Aus Paris (J. T. A.): Die französische Regierung hat den Präsidenten der Jüdischen Telegraphen-Agentur, George Bäcker, der zur jungen Führerschaft der amerikanischen Judenschaft gehört, zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. George Backer, der im allgemeinen amerikanischen Sozialwerk führend tätig ist, leistet, auch Hervorragendes auf dem Gebiete des jüdischen soziaten Aufbaues, insbesondere im Rahmen des American Joint Distribution Committee und des Verbandes ORT. : Denkschrift Uber die antisemitischen Ausschreitungen anläßlich des Zionistenkongresses Aus Zürich: Die drei jüdischen Kultusgemeinden von Zürich überreichten dem Regierungsrat des Kantons Zürich eine Denkschrift über die a n t i s e m i t iarchan Ausschreitungen anläßlich des Zionistenkongresses im August 1937. Der Denkschrift wurde ein äußerst umfangreiches Aktenmaterial beigeschlossen, aus dem hervorgeht, daß in den Augustwochen in Wort und Schrift systematisch gegen das Judentum gehetzt wurde und daß diese Hetze in der Oeffentlich- Heit, in Ca£6s und auf den Straßen antisemitische Terrorakte im Gefolge hatte. Die Denkschrift kommt zu dem Schluss«!, es falle in den Kompetenzbereich der kantonalen gesetzgebenden und vollziehenden Behörden, hier endlich einzugreifen und die Rechtsstellung der j ü d ischen Bevölkerung wirksam und umfassend gegen j Willkür- und Terrorakte sowie gegen die seit Jahren i betriebene Verleumdungskampagne der frontistischen Gegner des Judentums zu schützen. Die Finanzgebarung der Palästina-Regierung Aus Jerusalem: In der ersten Hälfte des laufenden Finanzjahres beliefen sich die Einnahmen der Palästina-Regierung auf 2,375.325 Pfund, die A u sgaben auf 2,283.739 Pfund. Es ergibt sich somit ein Ueber schuß Von zirka 92.000 Pfund. Der gesamte Ueberschuß der Palästina-Regierung beträgt gegenwärtig 4,927.075 Pfund. Dr. Kaiman Friedinann Öberrabbincr von Florenz Aus Florenz: Das seit August 1935 vakante Amt eines O b e r r a b.b i n e r s von Florenz ist durch Beschluß der Jüdischen Gemeinde Florenz dem bisherigen Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Perugia, Dr. Kaiman Friedmann, übertragen worden. Dr. Friedmann hat eine Reihe wissenschaftlicher Arbelten über die Geschichte der Juden in Italien und Kirenaika verfaßt. Isaac Ochberg gestorben -Aus London (J. T. A.): Der bekannte Philanthrop und südafrikanische Zionistenführer Isaak Ochberg ist auf der Ueberfahrt von London nach Südafrika plötzlich gestorben. Ochberg hat testamentarisch die Summe von 25.000 Pfund zur Schaffung eines Fonds für die An- Siedlung von Juden in Palästina hinterlassen. Außerdem hinterließ er 10.000 Pfund zur Gewährung von S't i p e n d i e n an Studenten der Hebräischen Universität und 10.000 Pfund für allgemeine jüdische wohltätige Zwecke. Streicher und der Kronprinz Aus Berlin: Zwischen Julius Streicher und dem ehemaligen deutschen Kronprinzen ist ein schwerer Konflikt ausgebrochen. In Bernstadt befindet sich gegenüber dem kx'onprinzlichen Schloß ein Schuhhaua, das einem jüdischen Kaufmann gehört. Ein Amtsträger der Partei verlangte nun die Erlaubnis, am Schloß einen „Stilrmerkasteji" anbringen zu dürfen, damit die Bevölkerung vom Einkauf in dem jüdischen Schuhgeschäft a b g e h a 11 c n werde. Der Leiter der kronprinzlichen Güterverwaltung in Oels, ein Herr v. Müller, lehnte den Wunsch mit, der Begründung ab,, der „Stürmerkasten" könnte die Efeupflanzungen an der Mauer beschädigen. Auf.das erneute Drängen, erklärte die kronprinzliehe Verwaltung, die Judenfrage gejie's'ie nichts an. Der „Stürmer" schreibt in seiner letzten Nummer: „Nun wissen •wir, wie man d o r t ü b e r, d e n Juden denk t. Die Judenfrage wird aber auch dann noch das größte Problem der Welt sein, wenn es eine kronprinzliche Verwaltung nicht mehr geben und ihr Name gänzlich vergessen sein wird." Streichers Radie Aus Prag (J, T. A.): Julius. Streicher hat in Nürnberg als Rache dafür, daß ihn angeblich eine jüdischrumänische Zeitung eine „s ad istische Bestie und Henker der Juden" genannt hat, einen Aufruf zum totalen Boykott jüdischer Geschäfte in Nürnberg und ganz Franken erlassen. Die Boykottaktion ist — wie aus Nürnberg telegraphiert wird — nun in vollem Gange und ist durch einen alle Grenzen überschreitenden Terror gekennzeichnet. Durch die ganze Stadt bewegen sich Demonstrationszüge mit antisemitischen Transparenten, und im Sprechchor ertönen Schimpf- und Drohrufe gegen „Juden und Judengenossen". In mehrere jüdische Läden drangen die „Stürmer"-Leute ein und vertrieben die Kundschaft. Das gleiche geschieht in ganz Franken. Die Terroraktion ist für eine volle Woche angesetzt. Das Ziel ist, die jüdischen Läden vom Weihnachts¬ und Neujahrsgeschäft vollkommen auszuschließen. Die „Pflidil" des Hinaus« gejagten Aus Berlin: Ein jüdischer Facharzt, der das Dritte Reich verlassen will, hatte beim Finanzamt beantragt, von der R e i c h s f 1 u c h t s t e u e r befreit zu werden. Er machte geltend, die Auswanderung eines Juden müsse „grundsätzlich als im deutschen Interesse liegend" betrachtet weiden, und durch seine Auswanderung schaffe er „Arbeitsmöglichkeiten für ein bis zwei arische Aerzte". Der Antrag wurde abgelehnt und der Reichsfinanzhof hat die Ablehnung jetzt durch höchstrichterliche Entscheidung bestätigt. Die Zeitschrift der Akademie für Deutsches Recht gibt diesen Spruch bekannt und erläutert ihn folgendermaßen: •UMMf-ttHKftSqWtf SCHWARZ 'S-ü$j SÜpf' ■ OOER 6 RAUN- ... VMJtMQE-^ WIM FÜTTERT« AUE "-^ GRÖSSEN. '** FQt OÄMIK „Wenn jemand in das Ausland geht, so besteht hieran nur dann ein deutaches Interesse, wenn der Auswanderer im Ausland eine Tätigkeit entwickelt, die im deutschen Interesse, das heißt im Sinne nationalsozialistischer Politik und nationalsozialistischer Wirtschaftsführung liegt, oder, um die Worte des Reichsfinanzhofs zu gebrauchen, daß der Auswandernde, im Auslande die deutschen Belange fördern werde. Es muß im übrigen auch für selbstverständlich gehalten werden, daß der auswandernde Nichtarier im Ausland seine Pflichten gegenüber- Deutschland erfüllen und nichts tun wird, was den deutschen Interessen widerspricht. Ein Facharzt, der auswandern will, und glaubt, hiedurch Arbeitsplätze für arische Aerzte freizumachen und zugleich dem Verband der Krankenkasse die Zahlung einer Pension zu ersparen, wandert nicht im deutschen Interesse aus, weil hiedurch niemals die deutschen Belange im Ausland gefördert werden würden." Für Schichtung von Geflügel Aus Prag (J. T. A.): Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth hatten sich sechs Juden, Schächter und Geflügelhändler, wegen rituellen Schächtens von Geflügel zu verantworten. Das Gericht verurteilte Ansbacher und Steinharter zu je n e u n Monaten Gefängnis, Oppenheimer zu acht Monaten. Frau Wolf zu fünf Monaten, Samfeld und Fleischmann zu je drei Monaten Gefängnis. i^A&OCSSt ASSE 4& . Josef Kasteln: „Jorcmii s." Der Bericht vom Schicksal einer Idee. Verlag R. L ü w i t, WI cn - Jcrus.al ea Dieser Bericht Uber den Propheten Jeremias ist mehr als der treue Bericht über Leben und Absicht eines gewaltigen Lehrers, er ist Symbol Tür die Sinngebung des Volkes zu aller Zeit, er ist die Verheißung der Gnade, daß dem Volk in seiner größten Bedrängnis immer noch der Lehrer erstanden sei, der es zu seineu Lebensmotiven und damit zu seiner Unsterblichkeit als Volk und Nation führt. Josef Kastein eignet mancher Zug des Lehrers, den er in diesem Jeremias-Buch beruft: unabänderliche Treue und heiße Liebe zum Volk, hoher Schwung der Rede in Gleichnissen reiner Wirklichkeit und schließlich Er* fülltheit mit all dem, was zu verkünden er ausersehen ist. Ein Buch, wie es in solch erbarmungsloser Schärfe des Urteils, in solcher Besorgnis um Gegenwart und Zukunft des Volkes nur heute geschaffen werden konnte, gültig aber über die Zelten hin als Zeugnis eines geistigen Auftrages und des schöpferischen Menschen, der ihn verkündet. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes.) , O esterr eic'h: Der Pfarrer von Kirchfeld. Frankreich: La grande illusion. Am e r i k a: Das Leben Emile Zolas. — Hundert Männer um ein Mädel — Skandal auf der Rennbahn — Im siebenten Himmel — 1918, der Friede brach aus — Der anonyme Kavalier — Geldrausch — Aus der Werkstatt der G-Men — Broadway Meiody 1938 — Das Sklavenschiff — Der große Gambini — Caf6 Metropole — Engel -— Zigeunex-prinzessin — Flammende Nächte — Mädel aus Paris — Das blonde Gespenst Feuer über Irland — Ein Star ist geboren — Romeo, privat*— Olympiade der Unterwelt — König wider Willen — Die gezeichnete Frau — Hafenspelunke — Ritter ohne Furcht und Tadel — Unter vier Augen — Guter Kamerad — Helene Willfür -~ Mister Moto, der Schatten voll Schanghai — Ali Baba geht in die Stadt — Der König? und das. Girl — Silly Micky Melodie 1938 — Banditen voa Kain-Tu-Kei. Filme unter Arierparagraplt Daphne und der Diplomat — Der Katzensteg — Die reuigen Sünder — Fanny Elßler — Gabriele sucht Abenteuer — Das große Abenteuer — Serenade* — Fledermaus — Meine Freundin Barbara — 2X2 i» Himmelbett — Musik für dich — Abenteuer in Warschau — Der Berg ruft — Der Liebling der Matrosen — Streit um den Knaben Jo — Die Landstreicher — Brillanten. Ein Girl als Erzieherin v Ob es dazu geeignet ist? Noch dazu, wenn es sich um einen jungen, etwas zu sehr blasierten Herrn, nicht hur allerbester, sondern aus allerhöchster Familie handelt? — Wenn man dem Lustspiel „Der König und das Girl" glauben darf, dann kann niemand für diese Mission geeigneter sein als eben ein Girl aus den Pariser „Folies Bergeres". Zur Durchführung dieses Beweises spielt Fernand Gravet einen sehr netten, aber nicht immer s.ehr liebenswürdigen jungen König im Pariser Exil, Joah Blondell die reizende Erzieherin und E. E. Horton den. Hofmarschall. Premiere heute im Burg- und Imperial- Kino. KINO.PROGRAMME i CHWEDEN Ritter ohne Beginn: Vi4, Vi*, 'AloUhr. Tel. A-W-0.40 Furcht und Tadel Stan Laurel, Oliver Mardy Heute 7,12 Uhr nachts große Silvester*Vorstellung. Keinerlei Preiserhöhung Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen ^ugarten Kino H II, Untere Augarten straße 28 Telephon A-40-5-9» Beginn: 3/,4, V.,6, ' ,8 V,10 Uhr Samstag, 1. bis Mittwoch, 5. Jännir Romeo — privat (Kavalier um Mitternacht) Eine Künstlersatire m. Leslie Howard, Bette Davis, Olivia de Havilland Freitag, 31. Dez., zwei grott« Vorstellungen um 9 und 11 Uhr Kreuz-Kino w I, Wollaeile 17 Telephon R-24-2.1,6 Voritcllungtrt; *, %i, Vit, Vi10 Banditen von Kain*Tu>Kei

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