Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 714 (31.12.1937)
- Date
- 1937-12-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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»3*1 Nr. CU vom 31. Dfezember 1937 DIB NEUE WELT Seite 5 Arabische Politik und Teilungsplan (politische Korrespondenz" — Zentralbttro der Judenstaatspartei) Tci-Aviv, 20. Dezember 1937. Emir Abdullah von Transjordanien ist für die Teilung Palästinas, well er hofft, den im Plane vorgesehenen „arabischen" Staat von England zugesprochen 2rti erhalt««. Alle anderen arabischen Regierungen (Syrien, Irak, Saudi-Arabien, Aegypten) sind gegen die Teilung. Allerdings dockt sich ihre Politik nicht mit der panarabischen der palästinensischen Terroristen, welche die Bildung eines arabischen Großreiches anstreben, sondern sie wollen ihre Selbständigkeit erhalten und Palästina oder Teile von Palästina für sich haben. Immer deutlicher ist zu erkennen, daß es keine panarabische Bewegung, sondern höchstens eine augenblickliche, unter fremdem Einfluß gebildete gemeinsame Front gegen England und den Zionismus gibt, die aber auch sehr brüchig ist. * Obwohl der englische Kolonialminister im Parlament wiederholt erklärt hat, daß die Versuche einer Intervention seitens arabischer Staaten und Regierungsmänner in der PaJästina- Angelcgenheit keinen Einfluß auf die Beschlüsse der englischen Regierung haben, führen Persönlichkeiten der proarabischen Richtung ihre Politik der Einmischung fort. Der gewesene Außenminister des Irak, Nuri Said Pascha, und Jemal Alma Def i sind wieder auf der politischen Bühne erschienen. Sie bemühen sich, Bagdad zum Zentrum der panarabischert Bewegung zu machen. Sie versenden Memoranden an verschiedene politische Organisationen, in denen sie folgende Forderungen aufstellen: Die Verfolgung der palästinensischen Terroristen ist einzustellen. Die Palästina- Frage ist im Geiste der Forderungen der palästinensischen Araber zu lösen. Nuri Said Pascha erklärte unlängst in Bassara, daß das Schicksal Palästinas mit dem aller arabischen Länder verbunden sei und daß die arabischen Regierungen jetzt die nötigen Maßnahmen ergreifen, um Palästina aus der schweren Lage zu befreien. Das Komitee für Palästina in Bagdad, das bis jetzt wenig Aktivität zeigte, da die Regierung sich weigerte, seine .Statuten anzuerkennen, ist jetzt legalisiert worden. Es hatte mdie Absicht, die panarabischen Beschlüsse der Konferenz in Biodan zu realisieren. Es fiel durch. Darauf Ubernahm es eine andere Aufgabe: Die BANKGESCHÄFT O f .OFF EN B ER G E R Wien I, Freyung 1 Telephon: U - 27 - 2 - 11, U-28-2-55 Durchführung sämtlicher Bank- und Börsetransaktionen Propaganda zugunsten Iraks, dem das Recht zugesprochen werden soll, an der Lösung der Palästina- Frage aktiv teilzunehmen. Im letzten Memorandum an den Völkerbund hat die Regierung Iraks erklärt, daß Palästina für immer rein arabisch bleiben müsse, da es in Zukunft für Irak der Zugang zum Mittelländischen Meer sei. Die Irak-Regierung, so heißt es in diesem Memorandum, sei stets lebhaft an der palästinensischen Frage interessiert gewesen, und zwar aus rassischen, politischen, religiösen und strategischen Gründen. Doch beschränkt sich die Irak-Regierung nicht nur auf die obengenannten Motive für Ihre Einmischung in die palästinensischen Angelegenheiten, sondern stützt sich ebenso auf Erwägungen ökonomischer Natur. Die Sabotageakte in der Potroleumgegend Palästinas und Transjordaniena bringen der Irak-Petroleumgesollschaft und damit auch der Staatskasse erheblichen Schaden. . Es wäre falsch, anzunehmen, daß die Einmischung Iraks in palästinensische Angelegenheiten im Zeichen des Panarabismus steht. Es handelt sich nur um wirtschaftliche Motive. Als Illustration hierzu mag die Stellung Iraks zu Syrien in seinem Streit mit der Türkei dienen. Der Präsident des irakischen Parlaments hat in soinem interview in einer ägyptischen Zeitung erklärt, daß die Irak-Regderung Syrien bei den Ereignissen in Alexandrette keine Hilfe erweisen konnte, da gerade damals der Außenminister der Türkei Rushtl Aras zwischen der Türkei und Irak vermittelte und den Versuch machte, die Grenzstreitigkeiten dieser Mächte zu schlichten. Daher mußte Irak sich jeglicher Demonstrationen zugunsten des arabischen Syrien enthalten. I b n Saud, der mächtigste arabische Herrscher, entwickelt keine aktive politische Tätigkeit in bezug auf Palästina. Die vor kurzem unter seinem Vorsitz in Mekka abgehaltene Konferenz der Religionsgelehrten stellte an ihn die Forderung, er möge Maßnahmen zugunsten der palästinensischen Araber unternehmen. Ibn Saud erstattete darauf der Konferenz lediglich einen Bericht und versprach nichts. Ein Mitglied des syrischen Parlaments wandte sich vor kurzem an den Außenminister Ibn Sauds mit dem Ersuchen, in Mekka eine Konferenz für die Erörterung der palästinensischen Frage einberufen zu dürfen, Die Antwort der Regierung fiel negativ aus. Die Initiatoren der panarabischen Konferenz versuchen jetzt, durch Verbindungen persönlicher Natur Ibn Saud positiv zu beeinflussen. Gleichzeitig haben sich die panarabischen Agitatoren an andere Regierungen gewandt, mit dem Ersuchen, eine propalästinensische Konferenz abhalten zu dürfen. Bis heute hat keine arabische Regierung diese Erlaubnis gewährt. Djemal Mardia, Premierminister Syriens, hat kategorisch erklärt, daß, bis das Abkommen zwischen Syrien und Frankreich nicht ratifiziert werden würde, die Regierung sich außerstande sehe, eine solche Erlaubnis zu geben. Die libanesische Regierung Ist ebenfalls dagegen. An die ägyptische Regierung konnten sich die panarabischen Agitatoren nicht wenden, da sie gegen den „Wafd" (größte ägyptische Partei) sind. Hierzu kommt noch der arabisch-nationalistische Ueberfall auf Nacham Pascha. Ebenso ist die Regierung Iraks gegen den Vorschlag, doch sind die Motive hierfür unbekannt. * Wie man aus alldem ersieht, gibt es eine „elementare" panarabiBChe Bewegung lediglich im Munde der arabisch-palästinensischen Terroristen. Und nur noch in der Phantasie jener Zionisten, die aus Furcht vor dem „allgewaltigen Panarabismus", der morgen ganz Palästina verschlucken könnte, der Zerreißung Palästinas und der Errichtung des Zwergjüdenstaates zustimmen. Weil es ja „keinen anderen Ausweg" vor dem (nicht existierenden) „Panarabismus" gibt. Weizmann und seine Freunde leben heute politisch von dieser Furcht vor einem Phantom. Die Politik der diri§tlidien Kirchen in Palästina Die christliche Bevölkerung Palästinas ist vom Jahre 1922 bis zum Jahre 1937 von 73.000 auf 109.000 angewachsen; das bedeutet eine Zunahme von nahezu 50 Prozent! Die Mitglieder der orthodoxen Kirche, die fast ausschließlich aus arabisch sprechenden Menschen bestehen, machen 44 Prozent aus; ungefähr 39 Prozent gehören der römisch-katholischen Kirche an und setzen sich im gleichen Verhältnis aus „Lateinern" und „Uniierten" zusammen. Die „Uniierten" sind Gruppen orientalischer Christen, die sich in den letzten Jahrhunderten der römischen Kirche angeschlossen haben, ihre eigenen Liturgien und viele ihrer alten Bräuche aber beibehalten haben. Die Anhänger der Apostolischen- Katholiken und der Orthodoxen Armenier (gewöhnlich' öregoriaher genannt) zählen drei oder vier Tausend, von' denen mehr als die Hälfte in Jerusalem leben. Ihr Vorhandensein ist in Palästina seit frühen Zeiten bekannt. Die Anglikanische Kirche hat drei- oder viertausend Mitglieder, ihre Anfänge gehen auf.1825 zurück. Durch die englische Eroberung des Landes wuchs die. Anglikanische Gemeinde stark an. Kleinere Gemeinden, mit einigen hundert Mitgliedern, sind die Jakobiteh, die offiziell den Syrischen Orthodoxen angehören, die Abessini er, die Kopten, die Presbyterianer .und Lutheraner. Außerdem gibt es noch eine große Anzahl kleinerer Sekten. Zur Zeit der türkischen Herrschaft hatten einige dieser Gruppen ihren Vorrang behauptet und ihre Macht gefestigt. Die Griechisch-Orthodoxen und die armenische Gemeinde zum Beispiel hatten einen beträchtlichen Grad von Selbständigkeit erreicht und die britischen Behörden vermieden sorgfältig einen Zusammenstoß mit deren innerer Organisation, mit ihren religiösen und sozialen Einrichtungen oder ihrer Tätigkeit im allgemeinen. Die Der große Bucherfolg: JOSlF KASTEIN JEREMIAS Der Bericht vom Schicksal einer Idee In edlem Ctanxleinenband S 12.60 Josef Kasteins Geschichte des Propheten Jcrocoias ist eine Geschichte der Propheten und der Prophetie schlechthin, die Geschichte eines göttlichen Auftrags und des schöpferischen Menschen, der ihn verkündet. Es ist darüber hinaus die Geschichte des jüdischen Landes und des jüdischen Volkes, nicht nur zu jener Zeit, sondern mit dem Gültigkeitsanspruch für den heutigen Tag und alle Ewigkeit. Dieses Buch über einen Propheten wird selbst zur Prophetie, verkündet, um einen jeden aufzurütteln, der im wegiosen Grauen der Gegenwart Sinn und Zukunft zu erfragen sucht. Verlangen Sie Prospekte Uber die historischen Wetke von Josef Kastein! Durch jede gute Buchhandlung oder direkt vom Verlag R. Löwit, Wien I, Meischmarkt 1 Schwäche dieser Sekten liegt in deren Abhängigkeit von fremden Ländern und in der Notwendigkeit der Kapitalien, die für religiöse und soziale Tätigkeit nötig sind. Die Führer kommen daher immer wieder in die Versuchung, den polltischen Interessen ihrer Geldgeber zu dienen. Viele Geistliche würden Palästina gerne als Heilige Stätte sehen, obwohl ihre Gemeinden an der Entwicklung des Landes natürlich stark interessiert sind. Sie leben größtenteils in den Städten und sind gebildeter als die Moslems. Sie beschäftigen sich sowohl mit Innenala auch mit Außenhandel. Während eine Anzahl von Christen, auch die Armenier, die Einwanderung der Juden begrüßen, weil sie Reichtum und Wohlstand ins Land bringt, ist die Mehrzahl auf die jüdischen Erfolge eifersüchtig *und betrachten die Juden als Geschäftskonkurrenten. Diese Kreise stehen den britischen Ansichten, ein Jüdisches Nationalheim zu errichten, feindlich gegenüber — um so mehr, als die Juden durch Einwanderung die zweitgrößte Gemeinschaft und die Christen auf den dritten Platz zurückgedrängt wurden. Es ist bezeichnend, daß weder der lateinische noch der griechische Patriarch ihre Meinung der Königlichen Kommission gegenüber äußerten. Hingegen hatte die Aussage' des Erzbischofs Hajjar einen Appell an die arabisch sprechenden Mitglieder der Griechischen und I JUdenstaatsjygend i Sonntag, den 16. Jänner 1938, .8 Uhr abends, im s neurenovierteri Festsaäle des Hotel Restaurant 1 Stephanie, Ii, taborsträße t2, Aufführung der 1 erfolgreichen Revue I »Rassisches und Klassisches** | -von BOBBY WEISER und VICKY SCHLESINGER I ' 1 'i i, Karten von S 1.— bis S 2,— Orthodoxen Kirche zum Gegenstand, die sich seit 60 Jahren mit dem Patriarchen und der Synode im Streit befinden. Der Erzbischof forderte sie auf, sich der Uniierten Kirche anzuschließen. Jakoub Effendi Farraj, ein Mitglied des Arabischen Streikkomitees, war der Leiter der Bewegung zur Arabisierung der Griechisch- Orthodoxen Kirche in Palästina. Er ist auch der Leiter der Organisation einer Christlich-Arabischen. Allianz gegen die Juden. Daß einige palästinensische Christen, deren Zahl allerdings rapid abnimmt, bereit sind, dieses gefährliche Spiel trotz des fanatischen Hasses des Moslems gegen die Christen zu spielen, beweist ihren Mangel an Voraussicht und Klugheit. Die Christen machen zwar bloß S Prozent der palästinensischen Bevölkerung aus, aber sie könnten eine entscheidende Rolle bei der Befriedung spielen. Die Anglikanische Kirche und die englische Verwaltung versuchen, neutral zu bleiben. Es wäre schade, wenn die Verwaltung ihre neutrale Stellung nur als schwaches Echo der englischen öffentlichen Meinung benutzte und nicht dazu, der Vermittler zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu sein und insbesondere, um den Gehässigkeiten und Lügen entgegenzutreten, die unter dem Namen „Religion" in Palästina so häufig verbreitet werden. Der Hafen König Salomos Aus Jerusalem (J. T. A.): Der Archäologe an der Hebräischen Universität, Dr. Sukenik. hat bei seinen letzten Ausgrabungen nördlich von Tel- Aviv einen langen, steinernen Kai und verschiedene Hafengebäude aufgefunden, deren Alter auf 3000 Jahre geschätzt wird. Man nimmt an, daß die Gebäude ein Teil des Hafens sind, über den zur Zeit König Salomos die Libanon-Zedern zum Bau des Tempels eingeführt wurden. Nach II. Chron., Kap. 2, 15, sollen die Zedern über Joppa (Jaffa) verschifft worden sein; da aber Jaffa eine felsige Küste hat, hält man es für wahrscheinlich, daß die Hölzer nach der Mündung des Jarkonrlusses gebracht und von dort nach Jerusalem geschafft wurden. Der jetzt entdeckte Hafen befindet sich sehr nahe dem neuen Tel-Aviver Hafen; zahlreiche Töpfe und Keramiken aus der Regierungszeit Salomos sind in dieser Gegend gefunden worden. UQ tsmam