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Die neue Welt · 1937-12-31 · Heft 714 (31.12.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 714 (31.12.1937)
Date
1937-12-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Nr. 714 vom 31. Dezember 193t —............^ ■ •■- - . --_;. .» ■-! i . - ■ i i m -v >Hl - - ■ -«mm RUNDSCHAU Seite 4 fende Gottlose" versuchen, jeglichen religiösen Einfluß auszuschalten oder im Keime tu ersticken. In diesem Judenstaat haben die Juden — genau wie in den übrigen Republiken und autonomen Staaten der Sowjetunion — keinerlei Freiheit, ihrer eigenen Kultur und Religion gemäß »i leben. Öo wurde beispielsweise vor einigen Monaten ein jüdisefte« Ehepaar zu neun Monaten Gefängnis und 2000 Rubel Geldbuße verurteilt, weil es seinen jüngsten Sohn rituell hatte beschneiden lassen ... * So ist seitens der ..Reichspost", die lange Zeit hindurch das Judentum in Rußland als Stütze des bolschewistischen Regimes betrachtet hat. die Legende, welche so viel Unheil gestiftet hat, einwandfrei widerlegt worden. Bemerkungen D e itakisdte Regieruns bittet Lange Zeit hindurch wurden die arabischen Terroristen von ihren Stammesgenossen unterstützt und ihre Aktionen mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Es sah aus, als würde die ganze arabische Bevölkerung den Terror gutheißen und sich von ihm auch eine wirtschaftliche Verbesserung auf Kosten der Juden versprechen. Das Oberste Arabische Komitee und das Große Streikkomitee, diese zwei mächtigen, über riesige Geldmittel verfügenden Organisationen, dirigierten alle Gewalttaten und Sabotageakte fast ein ganzes Jahr hindurch, den Engländern gegenüber darauf hinweisend, daß die empörte arabische Volksseele nicht beruhigt werden könne, solange die Mandatsmacht die — Zionisten bevorzuge. Ctiff§ Bottum & «r Sünerlichos Familiencafö. In- und ausländische Zeltungen. Saoariarter Raum fü< aesch ossene Gesellschaften. Herabgesetzte Prei o. Mokka 45 Groschen, Melange 50 Groschen. Es geschah, was immer und überall geschieht: Zuerst kamen die J u d e n dran, dann die anderen, in unserem Fall: die Araber. Die Mordlust und Zer- ' storungswut der arabischen Banditen machte auch vor den eigenen Stammesbrüdern nicht halt. Wir lesen: „Eine bewaffnete Araberbande drang in das Dorf Taijiba bei Tulkarem und erschoß einen arabischen Ghaffir ..." „Ein arabischer Polizei-Inspektor, Saad Arabi, wurde auf dem arabischen Marktplatz in Haifa erschossen ..." „Im Araberviertel von Haifa wurde am 11. Dezember Scheich Mohamed al Hatib erschossen . . ." „Am 20. Dezember schössen Araber auf das Haus des Hebroner Mufti . . Schließlich noch eise Pikanterie: Offizielle Kreise des Irak unterstützten mit Sympathie und Geld die arabischen Aufständischen, die sich den Teufel darum scherten, wer unter ihren Gewalttaten leidet. Und plötzlich bittet, wie die arabische Presse mitteilt, die irakische Regierung die palästinensischen Araber, in Zukunft die Oelleitung nicht mehr zu beschädigen, da hiedurch die Wirtschaft Iraks leide ... QüdKdie Vertreter brotlos ♦ ♦ Viele deutsche Arbeitgebervereinigungen, hauptsächlich Verbände von Exportindustriellen, haben beschlossen, sich im Ausland nicht mehr durch Juden vertreten zu lassen. Jüdische Vertreter, die jahrelang für deutsche Häuser erfolgreich gearbeitet haben, verlieren jetzt plötzlich ihr Brot und gleichzeitig auch die Möglichkeit, anderswo unterzukommen, da der Weltwirtscbaftsverkehr infolge der politischen Spannungen und Kriegskonflikte ohnehin stark eingeschränkt ist. Das Amsterdamer „Algemeen Handelsblad" schreibt zu der Ausstoßung der jüdischen Vertreter: „Es ist ein sehr törichter Beschluß, denn der deutsche Export hierher ist von den guten Agenten aufgebaut worden, und es ist äußerst unwahrscheinlich, daß man alle holländischen Juden ohne Schaden durch „Arier" ersetzen kann. . . . Wir möchten allerdings gern einmal die Reaktion in deutschen Blättern sehen, wenn eine protestantische oder römisch-katholische Vereinigung von Arbeitgebern in Holland den Beschluß faßte, alle ihre Agenten in Deutschland zu entlassen, die sich nicht offen zur römisch-katholischen oder zur Bekenntniskirche bekennen. Sollte sich zeigen, daß diese deutschen Vereinigungen auf Befehl irgend einer offiziellen Instanz gehandelt haben, dann erhebt sich die Frage, ob unsere Regierung sich nicht, mit der deutschen in Verbindung setzen soll, um sie freundschaftlich und korrekt daran zu erinnern, daß, wenn wir auch keinen Einfluß auf die Art der Behandlung deutscher Juden üben können, für die deutsche Regierung ein holländischer Jude ein H o 11 ä n d e r zu sein und daß seine „R a s s e" nichts zur Sache hat, so daß die deutsche Regierung die betreffende Instanz veranlassen kann, ihren Befehl zu widerrufen." Die moralische Entrüstung des großen holländischen Blattes und seine Forderung wirken um so erhebender, als bisher derlei antijüdische Akte der reiehsdeutschen Firmen in allen Ländern widerspruchslos hingenommen wurden, auch in Oesterreich, wo ein großer Teil des deutschen Importgeschäftes von jüdischen Vertretern besorgt wurde. Auf eigenes fti§iko In Hitler-Deutschland abgefangen Aus Warschau (J. T. A.): Der Sohn des bekannten Warschauer Kaufmanns Jakob Rosen studiert seit mehreren Jahren an der Universität Toulouse (Frankreich). Vor kurzem teilte er seinen Eltern mit, daß er auf Urlaub nach Hause komme. Als der Termin seiner gemeldeten Ankunft vorüberging, ohne daß er nach Hause kam, begannen die besorgten Eltern Nachforschungen anzustellen. Sie erfuhren, daß ihr Sohn in Berlin auf dem Bahnhof aus dem Zug heraus verhaftet worden sei. Während der Fahrt auf deutschem Gebiet hatte sich zwischen üim und einem deutschen Passagier ein Gespräch entwickelt. Als der Zug in Berlin einlief, rief der Passagier, der, wie sich jetzt herausstellte, ein Gestapo-Agent war, Polizei heran und ließ den jüdischen Studenten verhaften. Der Agent sagte aus, der» Student habe im Verlauf des Gesprächs mit ihm abfällige Aeußerungen über das Hitler-Regime gemacht. Die Eltern des Verhafteten sind jetzt bemüht, auf dem Wege über das Außenministerium seine Freilassung zu erwirken. * Aus Straß bürg (J. T. A.): Ein junger Straßburger, der Sohn reicher jüdischer Kaüfleüte, reiste in der vergangenen Woche nach Söhnenberg, einem Zentrum der deutschen Spielzeugindustrie, um für das Geschäft seines Vaters einzukauf en« In einem Tanz 1 öka 1 machte er die Bekanntschaft eines jungen blonden.Mädchens, das sich auch bald bereit erklärte, den jungen Franzosen in sein Hotel zu begleiten. Kaum hatte das Paar die Tür des Hotelzimmers hinter sich geschlossen, als Polizeibeamte erschienen und den jungen Mann aus Straßburg wegen versuchter „Rassenschände" verhafteten. Trotz einer Intervention des französischen Konsuls in Leipzig befüidet er sich noch im Gefängnis. Die Straßburger Zeitungen nehmen den Vorfall zum Anlaß, um vor Unvorsichtigkeiten bei Deutschland-Reisen zu warnen, •>:• Erschütternd ist die Würdelosigkeit dieser jungen Juden, .nieb. tj. i.h. r S c h i c k s a 1. Sie sind. ohne zwingende Notwendigkeit nach Deutschland gefahren, haben dort Geschäfte gemacht, geplaudert und getanzt. Ein Jude, der Julius Streichers Gastlichkeit in Anspruch nimmt, tut' es auf eigenes Risiko und verliert das Anrecht auf Anteilnahme. Wir bitten füruneere alten u. afbe tsunfühigen BUNDIN um Spenden. Für die blinden Musiklehrer, Klavier» ■ stinimer, Korbü. Sesselflechferwwie MiaDß^hiß^Otu Bürstenmacher bitten wir um Arbeit TWEywEClEW» det jiidisdm Bünden Wien II, Rembrandisiraße 18 — Telephon A - 47 - 2 - 77 Poslsparkassen-Konio A-133.213 Zeitgemäß ♦ ■ ♦ Die „Linzer Tageszeitung" bringt folgende „Kundmachung" der bekannten Herlango-Gesellschaft, welche in vielen Filialen in Wien und der österreichischen Provinz Handel mit Bedarfsartikeln für Photographie betreibt: „Die Firma Herlango Photo-Gesellschaft m. b. H. legt Wert darauf, festzustellen, daß die in einem kürzÜch verbreiteten ' anonymen Flugblatt . aufgestellte Behauptung.unwahr ist. Wahr ist folgendes: Die genannten .Gesellschaf ter der Firma Herlang o, und zwar die Herren Prof. Ferdinand Hrdliczka und Kommerzialrat R. A. G o 1 dmann und ihre Vorfahren sind Arier. Den als dritten Inhaber genannten Herrn Langer, der ein biederer Wiener HandwerÜlpr und Arier war, deckt schon seit über dreißig Jahren der kühle Rasen des Wiener christlichen Zentralfriedhofes. Es sei noch festgestellt, daß der einzige geschäftsführende Gesellschafter der Firma Herlango, Herr Direktor Manfred Kühn, mmmwHHmmuw 5CHWAR2 'JM'^'d oder m ij BRAUN- ->T VARHGE^V B^J FÜTTERT- .m W M Jm GROSSEN» '-JffifeAgA FÜR DAMEN '. V' Sßliiffituut^ («•TABOft Strasse 48 ebenso wie das Personal der Linzer Zweigniederlassung Arier sind." * Man beachte den geistreichen Witz vom „biederen Handwerker und Arier", den der „kühle Rasen des christlichen Friedhofes deckt". Jetzt wissen wenigstens die nazistischen Käufer, wie es um „Herlango" bestellt ist. Und die jüdischen wissen es auch . . . Boykott und Selbsthilfe Ueber die große antijüdische Boykottbewegung, welche vor den Weihnachtsfeiertagen in Polen einsetzte, schreibt der Korrespondent der „Jüdischen Rundschau*' unter anderem: Am schlimmsten war die Situation in den kleinen Städtchen, wo man die Juden zu den Markten überhaupt nicht zugelassen hat oder sie dort an abgesonderten „Ghettostellen" isolierte. Von den mittleren bekannten Städten litt die jüdische Bevölkerung am meisten in Czenstochau und Ka 1 isz. Dagegen war zum Beispiel in Lodz von einer organisierten Boykottbewegung vor Weihnachten gar keine Rede. In Warschau waren manche Stadtteile mehrere Tage von Wachtposten insbesondere der Hochschuljugend besetzt. Die Regierung war streng darauf bedacht, daß es zu keinen Unruhen kommt. Manche Wachtposten wurden von der Polizei davongejagt. Caß Afäathc4 Aber nicht daran scheiterte diesmal die Boykott^ bewegung. Viel bemerkenswerter ist, daß man in den letzten Tagen immer mehr christliche Kunden beobachten konnte, welche sich nicht terrorisieren ließen, die Boykottposten zurückstießen und sogar demonstrativ in j ü d i 8 c h e Geschäfte eintraten und dort Einkäufe machten. In den-:jüdischen Handelszentren Warschaus sah man viele polnische Arbeiter und Angehörige anderer Stände, welche laut ihrer Zufriedenheit Ausdruck gaben, daß sie in jüdischen Läden güt bedient werden und dort billig einkaufen. Man hörte oft Vergleiche der Preis« und Waren bei jüdischen lind ntcS^ti^ffscIien''^attflauten, '"zu^ünstefr der erstereh. -In detn Organ t der polnischen Militär k reise „piolska Z bropia" wird heute sehr deutlich darüber geschrieben, daß die Waren beim polnischen Kaufmann teurer und schlechter sind. Man soll natürlich diese Gegenbewegung in Warschau und In einzelnen anderen Orten nicht überschätzen. Sie ist aber sehr symptomatisch und läßt für die schwergeprüfte jüdische Bevölkerung einen Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten offen. Inzwischen haben die jüdischen Gewerbetreibenden schwere Verluste erlitten, und dies verschärft die wirtschaftliche Krise, in der sie leben. Mancherorts haben die Juden zu bezeichnenden Selbsthilfen! aßnahmen gegriffen. So hat zum Beispiel die jüdische Bevölkerung in dem Städtchen Rawa Mazowiecka. dessen Bürgermeister sich an die Spitze der Boykottbewegung 'stellte, beschlossen, zum Zeichen des Protestes den Strombezug vom städtischen Elektrizitätswerk zu kündigen. Dieser Entschluß machte. Eindruck, nicht nur in diesem Orte. In Czenstochau beschlossen die dortigen Juden, während der Dauer der Boykottaktion keine Theater-, Kinovorstellungen und öffentliche Lokale zu besuchen. Die polnischen Juden greifen also zu Abwehrmaßnahmen und fühlen instinktiv, daß sie in Polen eine große, kompakte Millionenmasse darstellen, die nicht zu bagatellisieren ist. Das Madagaskar-Projekt Aus Warschau; Der „Illustrowany Kurje.r Codzienny" veröffentlichte ein Interview mit Major L e p e c k i, dem Leiter der polnischen Madagaskar- Expedition, der erklärte, daß nur der nördliche Teil von Madagaskar als Kolonisationsgebiet für Emigranten in Präge käme. Es könnten 5000 bis 7000 bäuerliche Familien, d. h. 25.000 bis 35.000 Personen in dieser Gegend angesiedelt werden. Wenn man annimmt, daß außerdem 10.000 bis 15.000 Familien aus dar städtischen Bevölkerung Polena hinzukommen, so ergebe sich, daß dort Raum für 50.000 bis 70.000 Personen wäre. Die Kosten der Anaiedlung einer Familie betragen nach Ansicht von Major Lepecki etwa 30.000 Francs (etwas über 200 Pfund). — Die Expedition bestand aus Polen und Juden, eines der Mitglieder war der jüdische Agronom Dyk. Zwei Juden — Boxmeister von Litauen Aus Kaunas: Bei der Austragung der jüngsten litauischen Boxmeisterschaftskämpfe haben die beiden Juden J o 1 k - Kowno und S e g a l - Memel die ersten Plätze besetzt und somit den Titel „Staatsjuelster1* errungen.

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