Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 714 (31.12.1937)
- Date
- 1937-12-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 714 vom 31. Dezember 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 < J u denstaatsiugend Dienstag, den 4. Jänner 1938, halb 9 Ühr abends, im Verbandsheim, II, Praterstraße 30 V O R T RA G Referent: Oberbaurat Robert Stricker Thema: Arbeit und Verhältnisse in der Wiener Judengemeinde Gäste willkommen! geringste Interesse daran haben, mühsam aufgebaute jüdische Institutionen sozialer und kultureller Art, welche eine jahrhundertelange Tradition haben, zu zerstören, weil es einer kleinen Gruppe Assimilanten gefällt, die Entscheidung des Ostrauer Bezirksamtes gutheißen werden. Die jüdischen Abgeordneten haben be reits die nötigen Schritte unternommen. Sie haben bereits jenen Erfolg gehabt, der für den Augenblick am nötigsten war. Der Schulunterricht wird nicht unterbrochen werden. Die Verweigerung der aufschiebenden Wirkung des Erlasses ist bereits aufgehoben worden. Der Bezirkshauptmann von Mährisch-Ostrau hat den Auftrag erteilt, der Berufung der Israelitischen Kultus gemeinde gegen den Erlaß des Bezirksamtes im Gegen sätz zu dem ursprünglichen Inhalt des angefochtenen Be scheides aufschiebende Wirkung zu erteilen. Man darf hoffen, daß von dieser ganzen Affäre bald nur das Schamgefühl übrig bleiben wird, daß solche Angriffe gegen das Judentum von jüdischer Seite ausgegangen sind." lüdfedi'diB'Bsftfiüdie Moral „Der sogenannte neue Geist versucht, den Weg der Moral zu verlegen und die richtige gesellschaftliche Orga nisation zu verhindern. Kann er der neue Geist einer neuen Zeit sein? Er könnte nur den Untergang der Menschheit herbeiführen, die nie so sehr der christlichen oder der jüdisch-christlichen, heute so bekämpften, Moral bedurfte wie jetzt." Pater Marie-Andre" Di eux,( Paris 1937). Der unglückselige Teilungsplan „Eine Teilung Palästinas wird weder die Juden noch die Araberfrage lösen und wird nur die herrschende Konfusion vergrößern. Eine vereinigte jüdische Front kann meiner Meinung nach den Teilungsplan su Fall bringen." Abgeordneter MacGovem (London 1937). Das Land t Erez Israel „In der B'rith ist ein konkretes Versprechen enthalten: das Land. Und zwar ausschließlich dieses Land. Jedes andere Land gehört anderen Völkern. Wenn Für Weekend und Reisen die besten Würste und Konserven von die B'rith entfällt, entfällt auch der Anspruch auf das Land. Dann bleibt dem Volke nichts anderes übrig, als zu sterben, denn ' es kann in keinem anderen Lande leben/' Josef Kastein, „Jeremias". Kein Bedürfnis „Das polnische Innenministerium hat die von führenden jüdischen Persönlichkeiten proponierte . Gründung einer ,Liga gegen Verleumdungen des Judentums' mit der Motivierung verboten, daß ein gesellschaftliches Bedürfnis zur Schaffung einer Körperschaft mit solchen Zielen nicht bestehe." )|Nasz przeglad" (Warschau). Investiertes Privatkapital ,ßei einer Konferenz des Hausbesitzerverbandes, die vor einigen Tagen in Tel-Aviv stattfand, wurde festgestellt, daß seit dem Jahre 1925 insgesamt hl Millionen Pfund in jüdische Bauunternehmungen investiert wurden." Palcor-Meldung (Jerusalem 1937). „Hier am Kai liegen ständig drei Dampfer. Jeder von ihnen ladet zwischen 35.000 und 50.000 Kisten. Bei gutem Wetter dauert das Laden eines Dampf &rs etwa eineinhalb Tage, das heißt, in diesem Zeitraum können wir bis zu 150.000 Kisten verladen. In Wirklichkeit sind es oft sehr viel weniger, denn sobald es regnet, muß das Ladegeschäft unterbrochen werden. Die Kisten dürfen nicht naß werden." Der Hafenmeister von Tel-Aviv, 1937. Winterhilfsaktion der Isr« Kultusqemeinde Die Israelitische Kultusgemelnde Wien eröffnete Im Rahmen der von Ihr geführten Winterhilfsaktioii zehn Ausspeisestellen in verschiedenen Bezirken Wiens, In welchen täglich 1500 Personen unentgeltlich ausgespeist werden. Uebordies werden die bedürftigen Mitglieder der Gemeinde mit Lebensmitteln, Kleidungsstücken und Kohle betoilt. Die Durchführung dieser Aktion ist nur dann gewährleistet, wenn die steuerzahlenden Mitglieder der Kultusgemeinde dem an sie ergangenen Aufrufe Folge leisten und den 30prozentigen freiwilligen Zusehlag zur Kultussteuer einzahlen. Es ergeht daher an alle Gemeindemitglleder, die diesem Aufrufe nodh nicht gefolgt sind, die dringende Bitte, den freiwilligen Zuschlag ehestens auf das PostsparkassenUonto Nr, Ä 133.251 einzuzahlen. Scala* „Der süßeste Schwindel der Weit" Reizend die „Pariser Malerin" Hilde Harmath in dunkelblau weißgestreiftem Ensemble mit lichter, weißer Pikeegarnierung, im schwarzen Nachmittagskleid, apart gerafft, und umhüllt von weinrotem Mantel. Die Gegenspielerin, Herta P e 11 e r, eine „französische Komtesse" darstellend, erscheint in apart, gerafftem bischoflila Kleid mit lila Samttoque und Nerzcape und in einem mit Perlen ausgenähten blauen Modell, das von einem mit hohem spanischen Kamm gekrönten Cirespitzenhütchen begleitet ist. Am wirksamsten und schönsten das schwarze Kleid mit lila-schwarzem Hut und ein in bogigen Linien gearbeiteter Silberfuchspaletot, der weich und schmiegsam seine Seidenbasis verrät. Theatertoiletten für Schauspielerinnen zu schaffen, die den Charme und die Eigenart der Künstlerin heben, erfordert Talent. Ida Reich & Bruder besitzen dieses Talent. i i ■ . _ .i i i.i ..... ii i i M......... ,i i Die Kleider der Damen Harmath und Feiler bei der Aufführung in der Scala von: IDA REICH & BRUDER VI, Mariahilferstraße Nr. 39 FEIWAND GRAVET JOAft BlOWbELW- »* BURG-KINO \7WIMPERIAL-UII10 Revisionistische Tagungen in Prag Aus Prag: Wie „medina iwrit" mitteilt, werdet der erste Konvent der Neu-Zionistischen Organisation und die Siebente Weltkonferenz der Union der Zionisten-Revisionisten in Prag abgehalten werden. Die Behörden haben die Genehmigung hiezu bereits erteilt. Die Konferenz wird endgültig am 31. Jänner 1938 mit einer Rede Jabotinskys in der Präger" Lucerna eröffnet werden. Militärische Operation gegen die Terrorbanden Donnerstag, den 23. Dezember kam es zwischen britischer Polizei und Militär und einer sehr starken Terroristenbande zu schweren Kämpfen, die immer noch andauern. In das Operationsgebiet rings um Nazareth wurden unverzüglich größere Militärabteilungen entsandt, die von Flugzeugen begleitet waren. Es gelang dem Militär bald, den Schlupfwinkel der Terroristenbande aus-* findig zu machen. Am Donnerstag, abends wurde das ...erste,, offizielle Kommunique" veröffentlicht, in ... welchem «mit-», geteilt wurde, daß bei ..den, Kämpfen, westlich von Tiberjas, elf Banditen getötet und einer gefangen genommen wurde. Am Freitag nahmen die Kämpfe ihre Fortsetzung. Britischerseits wurden mehrere Flugzeuge eingesetzt. 2 2 Araber wurden getötet und viele verwundet. Am Samstag flammten im Hügelland von Galiläa die Kämpfe wieder auf und dauerten mehrere Stunden. Die Verluste der Araber an diesem Tage sollen zehn Tote und mehrere Verwundete betragen haben. Auf britischer Seite wurden ein.-. Offizier und zwei Soldaten verletzt. Einer der r beiden Soldaten erlag später im Krankenhaus seinen .Verletzungen. _______...................,._______ ,. . . Am Sonntag, dem vierten Tag der Schlacht, versuchten die Truppen, die Terrorbande zu umzingeln. In der Nähe der Orte, wo die Zusammenstöße erfolgt waren,, wurden mehrere Leichen von Aabern, meistens junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren, gefunden, die sämtliche mit modernenWaffen ausgerüstet waren. Nach einer am Sonntag verbreiteten halboffiziellen Meldunghaben die Terrorästen seit Beginn der Kämpfe insgesamt;45 Mann verloren. Am Sonntag gelang es dem Militär, die Araber gegen den Genezarethsee abzudrängen. Sämtliche Grenzübergänge wurden gesperrt, um ein Entkommen der Reste der Bande zu verhindern. Von müitärischer Seite wird erklärt, daß es sich bei diesen Operationen um die größte militärische Aktion, seit Beginn der Unruhen 1936 handelt. '*:v - fäntf£ (BancUtui W&W-fü muzWmi **.Vac>:/i8, Das Judentum in §ow jetnißland Eine widerlegte Legende Seit Beginn des Sowjetregimes in Rußland hat »-eine gewisse Presse in allen Ländern die ■ Behauptung aufgestellt, daß der russische Bolschewismus ein Werk der Juden sei und daß die Juden das große russische Reich völlig beherrschen. Nicht nur die antisemitisch-nationale und konservative Presse verbreitete diese Legende, sondern auch die katholische, wobei sie hervorhob, daß die christliche Kirche von den Bolschewiken verfolgt werde, während sich das Judentum in religiöser und nationaler Hinsicht des Wohlwollens der neuen Machthaber erfreue. Insbesondere wurde auf die Zerstörung und Entweihung der Kirchen und auf die Schonung der jüdischen Gotteshäuser hingewiesen. Die Wiener katholische „Reiohspost", die sich in der Behandlung dieses Gegenstandes von dien antisemitischen Blättern nicht wenig unterschied, hat endlich den Weg zur Wahrheit gefunden. In ihrer Ausgabe vom 27. Dezember veröffentlicht sie nämlich — aus der Feder eines Sonderberichterstatters — einen Bericht unter dem Titel „Das Judentum in Sowjetrußland", der die Dinge ganz anders darstellt, als dies bisher, auch seitens der „Reichspost", geschehen ist. Es wird endlich festgestellt, daß das Judentum unter dem bolschewistischen Regime unsagbar leidet, religiös und national in einem Maß unterdrückt wird, das' die Befürchtung mit sich bringt, das Judentum werde in Rußland bald völlig verschwinden. In dem Bericht heißt es u. a.: Sowjetrußland ist mit seinen 20 Jahren ein relativ junges Staatswesen. Immerhin hat in dieser kurzen Zeitspanne eine Volksgruppe, nämlich die Juden, eine revolutionäre Entwicklung durchgemacht, so daß es keiner besonderen Prophetengabe bedarf, die Aussage zu machen, daß bei gleichem Entwicklungstempo das typische russische Judentum als Volksgruppe in zwei Dezennien ausgestorben sein wird ... Die ersten zwanzig Jahre der Sowjetherrschaft haben die soziale und wirtschaftliche Struktur des russischen Judentums in einer Weise verändert, daß ein Ver- OUMMhSCHMEESCH^ SCHWARZ ODER #£sr - . BRAUN- '"^ m_ on WARMGE--^ n90 FÜTTERT« M Attc '-V'Lrfk. GRÖSSEN. FÖRDAMEN i!W>i&aftBfrTa£y^-4& gleich mit dem Judentum der Vorkriegszeit kaum möglich erscheint. Die Revolution, die dem Judentum anfangs allerlei Vorteile und zahlreiche seiner Vertreter auf ein-« flußreiche Posten brachte, hat in ihren späteren Wirkungen einen .großen Teil des Judentums wirtschaftlich vernichtet. Die Juden hielten beträchtliche Teile, des Grundbesitzes in Händen, da sie durch ihren Fleiß und ihre maßlose Strebsamkeit weit über den mehr passiven Charakter des Durchschnittsrussen hervorragten. Sie hatten den Löwenanteil der noch in den Kinderschuhen steckenden Industrie in ihrem Besitz. Ihre äußerlich glänzende Stellung lud ihnen Haß und Neid auf den Hals. Ueberdies war der orthodoxe Teil des Judentums den machthabenden jüdischen Kommunisten ein Dorn im Auge.' Mit allen Mitteln brutalen Terrors rückten diese ihren gläubigen Axtgenossen zu Leibe und schreckten auch vor keinerlei Blutopfern zurück, so daß die orthodoxen Juden heute zum Aussterben verurteilt scheinen. Mit dem Machtantritt des Bolschewismus erhielten die Juden zwar die äußere Gleichstellung mit den anderen Volksgruppen der Sowjetunion, aber der hebräische Sprachunterricht, die Eigenheiten jüdischer Kultur wurden mit Schärfe unterdrückt. Nach einer Darstellung des Antisemitismus in der Roten Armee fährt der Berichterstatter fort: Der Zionismus ais Bewegung ist in der Sowjetunion streng verboten. Jede propagandistische Aeußerung für den Zionismus wird unweigerlich mit Verhaftung und Verbannung bestraft. Die roten Machthaber sehen im Zionismus eine Strömung des englischen Imperialismus, der die Juden in Palästina gegen die Araber auszuspielen sich bemüht. lieber die sogenannte autonome Judenrepublik in Birobidschan schreibt der Gewährsmann der „Reichspost": Sowjetrußland hat im Jahre 1984 einen eigenen Judenstaat in Birobidschan im sibirischen Amurgebiet geschaffen. Es waren keineswegs Gefühle reiner Menschlichkeit, die Stalin zur Verwirklichung dieses Planes beseelten. Er spekulierte wohl bei der Errichtung seines Judenstaates auf die Freigebigkeit reicher amerikanischer Juden, welche die Urbarmachung und Kultivierung von Birobidschan bezahlen sollten, während Stalin die reifen Früchte zu pflücken hoffte. Er hatte jedoch die Rechnung ohne den Wirt ge* macht. Die einflußreichen jüdischen Finanzmagnaten stellten sich taub gegenüber den Stallnschen Lockrufen und unterstützten den Zionismus in Palästina. (Diese Feststellung Ist nicht richtig. Leider sind aus den Taschen reicher amerikanischer Juden einige Millionen Dollar für die „jüdische Republik" Birobidschan geflossen, allerdings nutzlos, da sich Birobidschan als Bluff erwiesen hat. Anm. d. Red.) Die jüdische Kolonie Birobidschan steckt noch in den Kinderschuhen. Die Rabbiner widersetzten sich den Stallnschen Plänen. Denn Duldung gegenüber Birobidschan bedeutet für sie Selbstmord. In dieser Juden-' Kolonie werden keine jüdischen Schulen und Synagogen geduldet und besonders geschulte „kämp* nMUiawi