Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 714 (31.12.1937)
- Date
- 1937-12-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 5 ME NEUE WELT Nr. 714 vom 31. Dezember 1937 3imoti$brot noch immer unerreicht al* ©ejunb^ttsunb ßraft* btot SUcidj an ben fo willigen 9tötyrfdlaett. <§efif bequem: @im0n8brot*@#nitten«ädd)en ttt ©tarniM. $tücr)teiibrot: Vlufbau* unb £urm*töeöü1ator. flu haben in fteinfoftbanöhmgen unö in btefcn SBäcfcrdcn. ,5imon8brotfabrtf Söiett'Ädgranöö, Sflgl. $öfto«l.| häng ig, noch kann er die dem jüdischen Volke zuge* sicherte Heimstätte ersetzen. Unabhängig ist er nicht, weil er wirtschaftlich von den arabischen Nachbarstaaten und militärisch von England abhängig sein wird. Eine nationale Heimstätte de« jüdischen Volkes kann er nicht sein, weil die Einwanderung in dieses kleine Gebiet auf ein Minimum beschränkt sein wird. Es ist eine bloße Phantasie, von einer Aufnahmefähigkeit von zwei Millionen Juden zu reden, eine Ziffer, die eine Bevölkerungsdichte voraussetzt, wie sie keiner der europäischen Staaten auch nur annähernd erreicht. Zionisten, die eine solche Möglichkeit voraussagen, beweisen keinen großen staatsmännischen Weitblick. Welcher Wert aber der Vertretung im Völkerbund für einen so winzigen Staat beizumessen ist, wenn er in Not gerät,' darüber wird besser kein Wort verloren. Es bedurfte also gar nicht des geplanten Tributs an den arabischen Nachbarstaat, um die Unabhängigkeit des Judenstaates zu einer Form ohne Inhalt zu machen. Auf die übrigen Mängel des Vorschlages einzugehen, würde hier zu weit führen. Es genügt, zu bemerken, daß der Teilungsplan den Verpflichtungen Englands und des Völkerbundes ebenso sehr widerspricht wie der religiösen Tradition und den nationalen Hoffnungen der Juden. Ist aber die Teilung wirklich die einzige Lösung des Palästina-Problems? Warum denkt man nicht daran, endlich einmal den Versuch einer sinngemäßen Durchführung des Mandats zu machen? Wenn in der Welt noch Achtung vor völkerrechtlichen Verträgen besteht, ist hier Gelegenheit, es zu beweisen. Die Palästina-Regierung hat bis jetzt blutwenig getan, um administrative Maßnahmen zur Errichtung der jüdischen Heimstätte zu treffen. Man hat vielmehr den Eindruck, ala ob; sie bemüht gewesen wäre, diese Verpflichtung zu umgehen! Auch aufrichtige ' Freunde. Englands müssen bezweifeln, ob es das Interesse des Imperiums erforderte, dem Vorbehalt der Wahrung der bürgerlichen üSd religiösen Rechte dereinheimischen Bevölkerung im Mandatsvertrag eine Auslegung zu geben, die mit dem Mandatszweck der Errichtung der jüdischen Heimstätte in Widerspruch ' steht. Einsichtige englische Politiker, wie Col. Wedgwood, Sidebotham,. „Lloyd George und viele andere, haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß diese falsche Auslegung die Hauptursache der Unruhe im Lande war, weil sie die-Führer - der** paiästinen9ischen Araber ermutigte, durch Terrorakte die britische Regierung zu zwingen, die jüdische Einwanderung zu sperren, die Balfour-Erklärung aufzuheben und das Mandat durch Errichtung eines unabhängigen palästinensischen A r aberStaates zu beenden. Wenn die englische Regierung den Juden jetzt einen kleinen Teil des Landes als „unabhängigen" Staat überlassen will, so ist an der guten Absicht der englischen Staatsmänner nicht zu zweifeln, sich von dem ihnen lästigen Mandat zu befreien, ohne den Juden ein allzu SanRßfflo,Pen$ioneFßIicß Cerso dell' Imoero 184. Unter AuUlcht des Hamburger Vereines. Direktion: Dr. m«d. Alex Schwan großes Unrecht zuzufügen. Aber es ist eine kurzsichtige Politik, die sowohl den Interessen des jüdischen Volkes als auch denen Englands widerspricht. Es ist klar, daß dieser Zwergstaat ohne die militärische Hilfe Englands gegen äußere Angriffe nicht verteidigt werden kann. Wird England dann notfalls gegen die arabischen Staateu Krieg führen? Wird dann nicht eine ähnliche Lage geschaffen, wie sie sich jetzt gegenüber den Ansprüchen der Türkei auf den Sandschak Alexandrette in Syrien gezeigt hat? Hat nicht der französische Oberkommissär dem Premierminister von Syrien offen erklärt, daß Frankreich nicht, zugemutet werden könne, wegen des Sandschaks einen Krieg mit der Türkei zu führen. Um dies zu vermeiden, wird England dieselbe Schaukelpolitik auf dem Rücken der Juden betreiben, wie dies bei der Durchführung des Mandats bis jetzt geschehen ist. Es wird auf den Judenstaat einen Druck ausüben, den Arabern Konzessionen zu machen, bis von der Unabhängigkeit des .Judenstaates und vielleicht auch von seiner Existenz nichts mehr übrig bleibt. Wie sollen unter diesen Umständen andere Staaten Vertrauen zu diesem Staat gewinnen oder Achtung vor ihm haben? Wie wird es möglich sein, bei dieser politischen Lage internationale Anleihen aufzunehmen, um die notwendigen Mittel für den Auibau des neuen Staates zu erlangen? Das Ende wird dann sein, daß die Juden eine Minorität im arabischen Staat bilden, die seiner Regierung auf Gnade und Ungnade — nach dem Muster der europäischen Minderheiten -- Uberlassen bleibt. Sollen die ungeheuren Anstrengungen, die das jüdische Volk im Vertrauen auf die Balfour-Erklärung gemacht hat, diesem Zwecke dienen? Dann wäre es besser gewesen, den Juden keine Versprechungen zu machen, keine Hoffnungen auf eine gesicherte Zukunft zu erwecken ... Aber auch England wird von dieser Pollük keinen Nützet! haben. Anstatt feines Freunde», im FAlte einer jtidUcheii Bevölkeruftgslnehrheit In den Grenzen des historischen Palästina, wird ein arabischer Staatenbund geschaffen, von dem England dauernd fürchten muß, daß er im Falle eines Krieges in »das Lager seiner Feinde übergehen wird, die den Arabern mehr zu bieten haben als England, das ihnen schön alles gegeben hat, was auf Grund seiner internationalen Verpflichtungen möglich war. Die jüdische Bevölkerungsmehrheit kann aber England im Laufe von fünf bis zehn Jahren herbeiführen, wenn ea den Mandatsvertrag sinngemäß erfüllt und die Einwanderung der Juden fördert. Dann wird das erreicht, was die englische Regierung jetzt mit dem Teitungsplan anstrebt, nur mit dem Unterschied, daß England während, dieser Uebcrgangszeit das Mandat aufrechterhalten muß. Der Staat, der dann entsteht, wird aber imstande sein, sich selbst zu erhalten und zu verteidigen. Die Aufgabe Englands wird dann auf Grund eines Freundschafts- und Bündnisvertrages bei weitem günstiger sein als im Falle des jetzt geplanten kleinen Jüderistaates. . Leider müssen wir sagen, daß auch die zionistische Leitung nicht von Schuld freizusprechen ist. Ihr Verhalten gegenüber dem englischen Vorschlag war schwächlich und unlogisch. Wenn sie erklärte, daß Cafe Prinz Eugen MWM l, Opirnmif 11 M fTv I Großer 31 Pitt ruber Tanz m sämtlichen Räumen / Normale Tagespreise Ml« der Bericht der Königlichen Kommission, der die Unver* einbarkeit des Mandats mit* den. Rechten der Araber fMA* stellte, auf einem Irrtum beruht, und wenn sie den Fehler der englischen Regierung darin erblickte, daß sl« die Verpflichtungen des Mandats nicht erfüllt hat, dann durfte sie sich nicht auf Verhandlungen Über dl« Teilung einlassen, sondern mußte mit aller Energie auf der Durchführung des Mandats bestehen. Die Politik eines Volkes darf nicht ausschließlich von der Rüeksicht auf einen augenblicklichen Zustand geführt werden. Sie muß mit langen Zeiträumen ^rechnen und die Aussichten der Zukunft ins Auge fassen. Die Jewish Agency muß auf Revision der verfehlten Politik der' Palästina-Regierung hinarbeiten, die weder den Zweck erfüllt, die Ruhe im Lande zu sichern, noch die Freundschaft der Araber zu gewinnen. Prosit Neujahr WreÄnGaS/ Cate JOHANN STRAUSS, I, Kai (Silwesterstüberl) Die ..Union" freut sich! ** In Verfolg ihrer antizionistischen und antinationalen Pflicht verkündet die „Union österreichischer Juden" in ihrem Organ den Lesern eine Freudenbotschaft. Unter der Spitzmarke „Bezirksbehörde vonMährisch-OstrauverbietetderKultusgemeinde' Zuwendungen zu jüdischnationalen Zwecken" schreibt das Blatt: „In Erledigung einer Beschwerde des' Verbandes der tschechischen Juden hob d i e B e z i r k s b e Ii' Ö r d e in Bei Darmverstopfung, regelwidrigen Gärangsvbrgähgen Itn'Dtckdari&^Magenschmerzen und Magendruck befreit das natürliche „Franz-Josef"-Bitterwasser den Nahrungskänal rageh von den angesammelten Stoffwechselschlackeri und fördert sicher den weiteren Verdauungsvorgang. Fragen Sie Ihren Arzt. Mährisch-Ostrau mit Erlaß vom 13. Dezember 1937 das Budget der israelitischen Kultusgemeindeauf, soweit es Zuwendungen,, die anderen Zwecken als rein religiösen gewidmet und zum Inhalt hat. Die Bezirksbehörde verbot hauptsächlich die Zuwendungen zu national jüdischen Zwecken, zur Unterstützung Palästinas.und zur Erhaltung der jüdischen Schule von Mährisch-Ostrau . . ." (Fettdruck wie im Original. Anm. der Red.) Was ist tatsächlich vorgekommen? Der Verband tschechischer Juden (die ins Tschechisch-Assimilatorische übertragene 'Ausgabe der Wiener .JJnion") kann es wie die „Union". nicht vertragen, daß ihre Kultusgemeinde von einer jüdischnationalen Majorität geleitet wird. Er hat daher, ganz . nach Muster der „Union",, der Behörde denunziert, daß sich die Leitung der Gemeinde außerhalb des „rein religiösen" Gebietes betätige und Gelder für jüdischnationale und zionistische Zwecke „widerrechtlich" verwende. Während aber den Anzeigen der „Union" in Oesterreich der Erfolg versagt blieb, haben die Tschechojuden einen gewaltigen „Sieg" zu verzeichnen. Die Regierungsbehörde hat ins „nationale" Budget der Gemeinde hineingegriffen, und zwar recht gründlich. Sie hat die Posten VI, X und XI als „ungesetzlich". gestrichen, ihre Auszahlung verboten und Einziehung aus diesen Titeln bereits ausgezahlten Gelder anbefohlen. Wie sehen nun diese „gesetzwidrigen", „nichtreligiösen" und „jüdischnationalen" Zuwendungen aus?. VI. Jüdische Schule XI. Armcnwesen 1. Beitrag zum Armenfonds in der Höhe von......... 2. Studienbeiträge.....» . 3. Ferienheim.....• . . . 4. Soziale. Hilfskraft ...... 5. Tagesheimstätte..... 6. Volksküche . ....... . v.tfv 10. Svaz öechozidü....... 11. Mirjam (Bekleidungsaktion für Schulkinder)........ Kc 90.000.— 12.000.— 2.000.— 7.200.— 3.000.— 12.000.— 800.— 3.500.— 1. Personalausgaben (Gehalte der Lehrer) in der Kö 98.170.60 2. 950.-- 3. >> 3.800.- 4. 1.900.— 5. Lehnnittel und Einrichtungen . , „ 950.— 8. Pädagogische Zeitschriften . . « t, 385.-- 7. 1.174.— 10. Armenbücher und Requisiten t„, •. . »1 47H.~- Summe . . kö 107.709.60 X. Subventionen 1. Subventionen, insoweit * sie bewilligt wurden für nationale Zwecke; soziale Zwecke und Sport usw. in der Höhe von . . ... . , Kö 21.820.— 41 Keren Hajessod in der Höhe von . „ 15.000.- - 5. Liga für das arbeitende Palästina . „ 3.000.— 6. Keren Kajemeth . . . . :. „ ö.OQQ.— Summe Hö 44.820.— Summe . . Kö 130.500.— . - AVeitars eine Subvention. für die K.-K.-L.-Aktion ' „Volk in Not1''in "der Höhe von Kö 3000.— und der Beitrag Tin der Höhe von Kö 15,000.— für den Bau einerHüttc;des Jüdischen Turnvereins Makkabi in den Beskiden. Insgesamt Kö 301.029.—. Zur Aufklärung: Die auf den Index gesetzte Schule ist beileibe keine Schöpfung der „uichtreligiös" und „gesetzwidrig" arbeitenden Jüdischnationalen. Sie wurde im Jahre 1865 als Volksschule der Ostrauer Judengemeinde gegründet, vor 70 Jahren, also in den seligen Zeiten der Assimilation, als von bösen Jüdischnationalen noch keine Spur da war. Schön sieht er aus, dieser von tschechischen Assimilanten erkämpfte und von östeiTeichischen Pension tätsiein - SmHtemg. freudig begrüßte „Sieg". Von den „verbotenen" 301.000 Tschechenkronen beziehen sich, breit gerechnet, 30.000 auf „nationale" und „zionistische" Zwecke. Alles andere hat man jüdischen Kindern, Armen, Kranken, Hungrigen, Obdachlosen, darbenden Studenten, lufthungrigen Jugendlichen usw. weggenommen. Die Tätigkeit der Judengemeinde auf diesen Gebieten wird als „nichtreligiös" verboten! Welche Schändung! Und darüber freut sich die „Union"? Wohin soll dieser Parteikampf, der vor nichts haltmacht und die letzten Reste der Autonomie, welche der auf sich angewiesenen Judenschaft, in Zeiten härtester Leiden und Not noch geblieben sind, preisgibt? Ueber die Angelegenheit schreibt die Präger „Selbstwehr": 1 * „Es war der tschechojüdischen Assimilation vorbehalten, die Staatsgewalt zu Hilfe zu nehmen, um den Abbau einer durch Jahrhunderte gewachsenen Institution durch einen kräftigen Axthieb zu beginnen. Die Folge» sind nicht gering: Sperrung einer 70 Jahre alten Schule; 190 Kinder sollen auf die Gasse geworfen werden; Volksküchen sollen eingestellt, hunderte Hungriger und Frierender der Unterstützung beraubt werden, alle sozialen Arbeiten sollen schlagartig liquidiert werden. Das Ganze soll aber offenbar auch eine Muste rattacke sein; nach diesem Beispiel sollen — wenn der .Anschlag hier gelingt - - die sozialen und kulturellen Institutionen, Waisenhäuser, Volksküchen, Unterrichtsanstalten, die Armenpflege, Durchwandererfürsorge usw. — in allen Kultusgemeinden der Republik liquidiert werden; wahrhaftig kein kleines Zerstörungsprogramm! Es wird nicht gelingen. Bs ist wirklich nicht anzunehmen, daß die höheren Aemter der Tschechoslowakischen Republik, deren leitende Männer nicht das