Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 713 (28.12.1937)
- Date
- 1937-12-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit* 2 JMS NEUE WELT Kr. 713 vom 28. Dezember 1937 ........•...................... ■"■............ Weltpolitik der Woche: Phantom* Priedel Wer in den letzten Tagen die Geduld hatte, sich der Lektüre der Presse hinzugeben — eine andere Informationsquelle ist den „Sterblichen" nicht zugänglich —, mußte wohl die Ueberzeugung bekommen, daß bis auf ein bißchen Kanonendonner und Bombengetön alles in Ordnung sei. „Alles wünscht den Frieden", „Es gibt keine Differenz, die nicht durch ein Uebereinkommen beseitigt werden könnte", „Die Friedenssehnsucht der Völker ist die beste Friedensgarantie" — so ungefähr ließen sich Leitartikler, Diplomaten, Unterhändler, ja, Heereslieferanten vernehmen. Sogar Doktor Goebbels, dessen Markmillionen in der ganzen Welt als Unruhestifter zu rollen haben, wünscht: „Friede auf Erden". Eine Absurdität, die nicht zu überbieten ist! Natürlich wird dieser Schein vom Naturverstand korrigiert. Ein wenig Einsicht und freier Blick — und män erkennt, daß wir vom Frieden auf Erden sehr weit entfernt sind, ja, daß der Zustand, der dem Frieden entgegengesetzt ist, sich noch zu verschärfen droht In Spanien hat die Eroberung der wichtigen Festung Teruel durch die Regierungstruppen den Blick auf ein Stück Land gezogen, wo der Bürgerkrieg in unverminderter Heftigkeit fortgesetzt wird, ja, es hat den Anschein, als wären die Erfolge des kommenden Kriegsäbschnitts nicht den Aufständischen des Generals Franco, sondern den spanischen Volksmilizen vorbehalten. Dadurch werden die Hoffnungen der faschistischen Staaten, die dem General Franco den Sieg in die Hände spielen wollten, wieder in die Ferne gerückt. Auch in China nimmt der Vormarsch der japanischen Eroberer nicht den von der Achse Berlin-Rom erwarteten Fortgang. Und während sich dieses Tempo verzögert, nehmen die diplomatischen Konflikte an Umfang zu. Wie lange noch? Man übertreibt nicht, wenn man' behauptet, daß sich genau feststellen läßt, auf welcher Seite die Sympathien im spanischen und im chinesisch-japanischen Konflikt stehen. Mit gespanntem Atem verfolgen Millionen Menschen die kriegerischen Vorgänge in West und Ost, aber voller Bestürzung darüber, daß die großen Mächte, die sich angeblich für das Schicksal der angegriffenen Staaten verantwortlich fühlen, dem blutigen Geschehen bisher nur mit Konferenzen, Resolutionen und Protesten begegnet sind. Die einen reden, die anderen handeln — das ist ungefähr das primitiv ausgedrückte Urteil jener Millionen Menschen, die den Gang der Ereignisse verfolgen und mit zugeschnürter Kehle und hoffnungslos gesenkten Händen die Erkenntnis gewonnen haben, daß Gewalt, Bekenntnis zur Gewalt und Unmoral heutzutage hoch im Kurs sind und auch praktisch das Uebergewicht haben. Wäre es nicht besser, wir wären gerade so gemein, frevelhaft, blutrünstig, heimtückisch und unverschämt wie jene, die jetzt siegreich marschieren und vor denen man zurückschreckt, wenn sie nur laut auftrumpfen? — so sprechen die sogenannten demokratischen Massen und blicken auf die Wortführer des Völkerrechts und der Völkermoral, die angesichts der brutalen Brüskierung dieser Prinzipien immer noch zuwarten und zögern und dadurch den letzten Rest ihres Prestiges einbüßen. Eine leichte Bewegung ist auf Seiten der Westmächte Frankreich und England, und auf Seiten der Vereinigten Staaten bemerkbar. Die Provokationen Japans scheinen eben nicht bloß Fragen der Autorität, sondern substantielle Interessen zu berühren. In den japanisch-chinesischen Gewässern erscheint — in Form von Schlachtschiffen — die britische und amerikanishe Weltmacht. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das in China vordringende Japan nervös wird und noch ein paar demütige Entschuldigungen herunterleiert. Damit hat sich natürlich nichts geändert. Solange nicht die betroffenen Mächte ein deutlicheres Wort sprechen, als Schiffe patroullieren zu lassen, wird der Uebermut der eroberungssüchtigen Mächte weiter freveln und die Millionen Menschen, die sich ein Völkerleben ohne Völkermoral nicht vorstellen können, werden den Glauben an jedes sittliche Gesetz, auch an das im sozialen Leben, verlieren, und das Chaos, das sich da und dort, in West und Ost, ankündigt, wird über alle hereinbrechen — über Schuldige und Unschuldige, über die Kriegslüsterhen und über die Friedensängstlichen, über die Machtprotzen und über die Ethiker. o. r. DorVerbandderJudenstaatszionisten und die Judenstaats Jugend gratulieren ihren verdienstvollen Mitgliedern, Herrn Moses Katz und Fräulein Julie Schiffmann, anläßlich ihrer Vermählung auf herzlichste. Judenstaats fügend Dienstag, den 28. Dezember, halb 9 Uhr abends, im Zentralheim, Wien II, Praterstraße 30 VORTRAG Referent: Dr. Illlo NUSSCNBLATT Thema: Theodor Herzl, Berta v. Suttner und die Friedensidee Gäste willkommen! . Blutige Kämpfe mit arabischen Terroristen Zwei neue jüdische Opfer Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Im Hadassa-Krankenhaus ist der 29jährige Aron Globerson, der bei dem Ueberfall auf einen jüdischen Autobus zwischen Nazareth und Nahalal schwer verwundet worden war, seinen Verletzungen erlegen. Der jüdische Hilfspolizist Schlomo Bin Nun aus Kfar Chittin, der am Montag während eines Patrouillenrittes in der Umgebung seiner Kolonie von einer Araberbande überfallen und verschleppt worden war, ist in der Nähe von Sedjera erschossen aufgefunden worden. Strafe für Hebron und Haifa Arabische Terroristen durchschnitten die Telephonleitung zwischen Palästina und Aegypten sowie die Leitung Jerusalem—Hebron. In einem Dorfe bei Hebron ist ein Araber von unbekannten Tätern erschossen worden. Auf das Haus des Mufti von Hebron, Abdullah Tahbub, wurde ein Anschlag verübt, der jedoch mißlang. Der Mufti hatte den Behörden versprochen, auf die Bevölkerung von Hebron dahin zu wirken, daß sie sich Sabotageakten enthalten. Der Stadt Hebron wurde eine Kollektivstrafc von 2570 Pfund zur Erhaltung eines 40 Mann starken Polizeipostens, der zur Verhinderung von weiteren Beschädigungen des Telephons und des Telegraphen aufgestellt wurde, auferlegt. Das Dorf Tahayiba hat eine Kollelttivstrafe von 2000 Pfund zur Erhaltung eines 25 Mann starken Polizeipostens zu entrichten, der im Zusammenhang mit der Ermordung eines arabischen Hilfspolizisten in dem Dorfe strafweise dort eingesetzt wurde. Die Stadt- Wieviel müssen ermordet werden? . Aus London: In der Unterhausdebatte am 20. Dezember erklärte Kolonienminister Ormsby- G o r e auf eine Anfrage des Abg. Colonel W e d g w o o d, er sei weder von loyalen Arabern noch von den jüdischen Kolonisten in Palästina um Waffen zwecks Selbstschutzes ersucht worden. Soweit er informiert sei, sei die Ausgabe von Lizenzen zum Besitz von Waffen in Palästina in allen ausdrücklich gutgeheißenen Fällen nicht aufgehQben worden. Abg. Wedgwood: Wird der Kolonienminister anfragen, ob diese Ansuchen, wenn nicht an ihn selbst, I. Hoher Markt - Lichten steg Nr. 4 CofeAkkedurf, so doch an die Palästina-Regierung gerichtet wurden? Wieviel Menschen müssen denn gemordet werden, bevor man die Erlaubnis zur Selbstverteidigung gibt? Minister Ormsby-Gore: In allen Fällen, in denen die Regierung Grund zur Annahme hat, daß die Waffen nicht mißbraucht werden, sondern sicher verwahrt bleiben und nicht in die Hände jener fallen würden, die an Ausschreitungen schuld sind, wurden Bewilligungen erteilt. Abg. Wedgwood fragte den Kolonienminister weiter, ob er die Gesamtsumme der Kollektivstrafen angeben wolle, die in den letzten zwei Jahren Dörfern und Städten in Palästina auferlegt wurden, wieviel davon einging, wieviel noch aussteht und ob noch Schritte unternommen werden, um die Außenstände einzutreiben. Ormsby-Gore erwiderte, er sei nicht im Besitz genauer Einzelheiten, werde aber den High Commissioner um solche ersuchen. Den letzten Teil der Frage beantwortete er positiv. Frankreich gibt als erster Staat den Flüchtlingspaß aus Aus Paris: Als erster der Staaten, welche die Genfer Konvention über Schutz der Flüchtlinge unterzeichnet haben, stellt jetzt Frankreich den F1 ü c h t- Bei Krankheiten des Herzens und der Gefäße leistet eine kleine Menge natürlichen „Franz-Josefs"- Bitterwassers, morgens nüchtern genommen, namentlich älteren Leuten, sehr ersprießliche Dienste. Fragen Sie Ihren Arzt. E I in gen Pässe aus, die als international anerkannte Reisedokumente gelten. Der Flüchtlingspaß trägt die Ueberschrift: „Certiflcat d'itentite" et de voyage pour les röfugies provenant d'Allemagne (application de decret du 17. 9. 1936)." Beim französischen Innenministerium wurde ein „Comit6 Consultatif" eingesetzt, dem Vertreter der verschiedenen Richtungen innerhalb der Emigration, der Hilfskomitees und anderer maßgebender französischer Organisationen angehören. Das Komitee wird vom ehemaligen französischen Deputierten Paul Perrin geleitet. Mehrere tausend Anträge wurden" geprüft und dem Innenministerium zugeleitet, welches sie nach endgültiger Entscheidung an die Präfekturen weitergab, die nunmehr mit der Ausgabe der Pässe begonnen haben. Für den Paß und das Visum sind insgesamt 75 Francs zu entrichten. Der Paß umfaßt 19 Seiten und ist in blauer Farbe gedruckt. Ein Vermerk besagt, daß die Rückkehr nach Frankreich für die Zeit der Gültigkeit des Passes gestattet ist. Die Gültigkeit des Passes beträgt normalerweise ein Jahr. Verwaltung von Jaffa hat eine aus 150 Mann bestehende Zivilgarde gebildet, tun die Bevölkerung gegen die arabische geheime Terroristenorganisation „Die schwarze Hand" zu verteidigen. Dem Marktviertel in Haifa, wo El-Khative, ein prominenter arabischer Notabel, ermordet wurde, ist eine Kollektivstrafe von 600 Pfund auferlegt worden. Die jüdischen und die deutschen Bewohner des Viertels sind von der Strafe ausgenommen. In das arabische Dorf Karkur wurde strafweise ein Polizeiposten, bestehend aus elf arabischen und drei jüdischen Hilfspolizisten, gelegt. * Zuverlässig verlautet, daß die Regierung im Um* kreis von Jerusalem 650 neue judische Hilfspolizisten einsetzt. Schweres Gefecht mit 100 Banditen In der Nähe von T i b e r i a s ist es zu einem schweren Gefecht zwischen Polizei und Militär auf der einen Seite und einer hundertköpfigen Araberbande auf der anderen Seite gekommen. Die Truppen wurden von Soldaten der transjordanischen Grenzwache und Flugzeugen unterstützt. Im Verlauf der Kämpfe wurden 18 Araber getötet und einer gefangengenommen, worauf sich die Araber zurückzogen. Müitär nahm ihre Verfolgung auf. Das ganze Gebiet von Nazareth und Tiberias ist von Militär und Polizei umzingelt. Sämtliche Dörfer der Umgebung wurden nach verborgenen Verwundeten und flüchtigen Terroristen durchsucht. Aus Palästina Der englische Richter in Saf ed verurteilte zweiundzwanzig Juden, die angeklagt waren, illegal nach Palästina gekommen zu sein, zu vier biß sechs Wochen Gefängnis und nachträglicher Deportier u n g. * Bis Anfang Dezember 1937 wurden in der laufenden Saison 2,070.773 Kisten Zitrusfrüchte, darunter 1,523.660 Kisten Orangen, 503.920 Kisten Grape Fruits und 41.616 Kisten Zitronen, aus Palästina ausgeführt. Ueber Haifa gingen 1,104.303, über Jaffa 715.363, über den Hafen von Tel-Aviv 136.661 (gegenüber 5495 im vorigen Jahr) Kisten. * Die neue Autobusverbindung Palästin a— Aegypten wird demnächst eingeführt werden. Die Strecke wird durch die Wüste Sinai und über Kantara führen und große strategische Bedeutung haben. * Die Palästina-Regierung verhandelt zur Zeit mit den ägyptischen und den Behörden Arabiens über Maßnahmen, die ein Umsichgreifen der Heuschreckenplage hintanhalten sollen. Es droht nämlich eine richtige Heuschreckenplage, da dieser Schädling in der arabischen Wüste große Mengen von Eiern gelegt hat. * Im Monat Oktober betrugen die Einnahmen der Palästina-Regierung 403.000, die Ausgaben 464.174 Pfund. Es ergab sich somit ein Defizit von über 61.000 Pfund. * Aus dem vor kurzem veröffentlichten statistischen Bericht des Gesundheits-Departements der Palästina-Regierung geht hervor, daß gegenwärtig in Palästina 2202 Aerzte, 45 Pharmazeuten und 4 84 Hebammen ihren Beruf ausüben. * Die Palästina-Regierung hat zwei Juden, JoschUÄ Gobernik und Alfred Lebhar, zu Distrikts* Offizieren für Nord-Palästina bestimmt. Makkabi in Polen aus dem polnischen Teniiisverband ausgeschlossen Aus Warschau (J. T. A.): Der polnische Tennisverband hat den Makkabi in Polen mit der Begründung aus dem Verband ausgeschlossen, daß der Makkabi einer internationalen Organisation, nämlich dem Welt-Makkabi, angeschlossen ist. KINOsPROGRAMME CHWEPEN Ritter ohne Besinn: %«, *6, 'AB, Furcht «öd Tadd 'AlOUhr.Tcl. A.AV.0-60 wmmmmmmmmmmmmmm^mmmmmmtmm Start laurel, Oliver Hardy Samstag und Sonntag Kindermatinee mit neuem Programm! Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen Dienstag, den 28. bis Donnerstag, den 30. Dezember Der Farbenfilm ugarten- Kino tl, Untere Augartenstraße 28 Telephon A-40.6-88 Beginn: •/.«, VA 1 »B, VJO Uhr Tanzende Piraten Abenteuerkomödie mit Tanz mit Charles Colljns, Frank Morgan, Michael Varkonyl