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Die neue Welt · 1937-12-24 · Heft 712 (24.12.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 712 (24.12.1937)
Date
1937-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nf. 712 vom 24, Öesarob«? 103 7 BIS W$UD Seit« 5 Palästina-Redaktion ■•Dia Neue Welt" Tqi.Aviv, Olzengdftstrafte Hr. 6 mmmil^ Neue Sterne am palästinensischen Himmel Von Dr. N. Varcli, fel-Aviv Die zwei neuen Sterne, von denen ich heute berichten will, sind der neue Oberkömmissär Palästinas Sir Harold MacMichal und der neue Polteeikoinmfesäf Sir Charles Tigart. „Great Britaln and the East" weiß zu berichten, daft der neue Oberkommissär ein besonders warmer Freund der Araber sei. Wenn man das Öuch von Sir Harold „Englisch-ägyptischer Sudan" liest, so ist man geneigt, der Ansicht des erwähnten Blattes beizupflichten. In seinem Buche führt Sir Harold u. a. aus, daß es ein grundsätzlicher Fehler sei, die Selbstverwaltungsinstitutionen der Eingeborenen und deren althergebrachte verwaltungstechnische Ueberlieferungen durch europäische Institutionen und Methoden ersetzen zu Wollen. Die Verwaltung eines Landes sei keine Angelegenheit, welche mittels importierter Begriffe zur Zufriedenheit aller Parteien geregelt werden könne. Solche importierte Methoden sind auch nicht geeignet, das Vertrauen der Eingeborenen zu gewinnen und ihnen das Gefühl politischer Unantastbarkeit und Freiheit einzuflößen. Das beste Mittel zum Erfolg, sagt der Verfasser, das sowohl für Afrika als für alle anderen Kontinente Geltung habe, sei die Inaugurierung einer Verwaltungsmethode, die bestrebt ist, das Land durch das Medium der lokalen Institutionen und Bräuche zu administrieren. Natürlich gäbe es hiermit manche Schwierigkeiten, denn zu den lokalen Bräuchen gehören oftmals Sklaverei, Vielweiberei und Blutrache. Man müsse sich aber in Geduld fassen, um diese unerwünschten Formen der lokalen Ueberlieferung allmählich zu ändern, bzw. zu reformieren. Denn der Kolonisator, fügt Sir Harold melancholisch hinzu, darf sich nicht das Recht nehmen, die Eingeborenen als staatsrechtliches Versuchskaninchen anzusehen. Ebenso wie das Meer und die Berge nicht zur Bedienung der Menschheit, sondern zu ganz anderen Zwecken erschaffen wurden, seien auch die Eingeborenen nicht dazu da, um den Interessen der kolonisierenden Nationen zu dienen. Schließlich ist der Eingeborene, insbesondere aber der Mo sl em, fester an seinen .Gott gebunden als dies bei dem Europäer der Fall sei. Und die fremde Herrschaft wird von dem Eingeborenen nur geduldet, weü er sich von ihr nicht b e f r e i e n kann. Ein vernünftiger Administrator müsse das verstehen und nicht allzu weit gehen. I. Hoher Markt - Licht8nstßgNr.4 Sir Harold zeigt sich auch in Philosophie und Soziologie bewandert und zitiert Autoritäten wie Montaigne, Prof. Poulard, Prof. Saintsbury iL a. Wenn auch die Zitate nicht immer dazu angetan sind, die Ansichten von Sir Harold überzeugender zu gestalten, so weisen sie darauf hin, daß Sir Harold ein fleißiger Leser von Büchern ist-, jedoch nicht immer von solchen, die mit seinem eigentlichen Berufe in Verbindung stehen. Von seinen philosophischen Beratern inspiriert, besteht Sir Harold darauf, daß der Administrator die Strebungen und Hoffnungen der Eingeborenen gründlich studieren. und ihnen Unterstützung leihen müsse. Er soll die lokalen Führer nie bagatellisieren, sondern umgekehrt mit ihnen weitgehend k. o o p e r i e r e n. Er solle ihre Autorität unter den Eingeborenen stärken, um dadurch den lokalen Sitten und Gebräuchen zum Recht zu verhelfen. Schließlich sei dies auch das Vernünftigste, was ein Administrator tun könne, denn als Fremder werde es ihm nie gelingen, tiefer in die Angelegenheiten der Eingeborenen einzudringen. Soweit Sir Harold MacMichal. Und nun Sir C h a r l e s T i g a r t. Auch dieser scheint eine eigene Philosophie zu besitzen. Der Berichterstatter der französischen Zeitung „Actualite" hatte Gelegenheit mit einer Persönlichkeit zu sprechen, welche Sir Charles überaus nahesteht. Von ihr erfuhr er einiges über die bisherige Karriere von Sir Charles und über seine Ansiohten und Arbeitsmethoden. Der neue palästinensische Polizeikommissär hatte sich dadurch berühmt gemacht, daß er im Kriege den politischen Terrorismus in Bengalen durch ein sehr schlaues System der Spionage und Konterspionage liquidieren konnte. Er arbeitete dabei, schreibt die „Actualit6", mehr mit Maskierung, Schlauheit und Betrug als mit Kraftanwendung und militärischer Geradlinigkeit. Er persönlich erwies sich hierbei als kunstgerechter und erfahrener Schauspieler, der die lokalen Sprachen vollkommen beherrschte und es ausgezeichnet verstanden hatte, einmal als Bettler, das anderemal als Trunkenbold sich unter die Menge zu mischen und so die Pläne der Terroristen zu erfahre^.. Man nennt ihn deshalb den Lawrence von Bengalen. Dank ihm ist es den englischen JÖehörden gelungen» die Verbindung der indischen Terroristen mit dem Hauptquartier der deutschen Auslands Spionage aufzudecken und die drohende Gefahr zu beseitigen. Er selbst schwebte mehrere Male in Lebensgefahr und Wurde sogar von den Terroristen zum Tode verurteilt, ohne daß sie seiner habhaft werden konnten. Es gelang ihm im August 1930 einem gegen ihn verübten Attentat heil zu entkommen. Einmai brachte er es zustande, an einer Geheimberatung des Terroristenstabes persönlich teilzunehmen. Im Jahre 1Ö31 berief ihn König Georg V. ins Buckingham Palace und ernannte ihn zum Mitglied des höchsten indischen Rates und zum Befehlshaber des englischen Indien. Nun wurde er von der Regierung zur Beruhigung des Landes Palästina bestimmt und kam zu diesem Zwecke vorige Woche hier an. * Ich .glaube, daß die Beographien dieser beiden Funktionäre kaum geeignet sind, die Begeisterung des aufmerksamen zionistischen Lesers zu erwecken. Jutit ScUifftnOHH tttoset Mate laden auf diesem Wege alle Gesinnungsgenossen, Freunde und Bekannten zu ihrer am Sonntag, den 26. Dez., um '/34 Uhr nachm. im Polnischen Tempel, II., Leopoldsgasfle, stattfindenden TRAUUNG höflichst ein Die politische Philosophie desneuen Öberkommissärs scheint derjenigen des scheidenden Oberkommissärs^ Sir Arthur Wauchope auffallend ähnlich. Auch Sir Arthur war peinlich bestrebt das Vertrauen der Eingeborenen zu gewinnen und ihnen das Gefühl politischer Unantastbarkeit einzuflößen. Auch er wollte das Land durch das Medium der arabischen Institutionen und althergebrachten Führer administrieren. Auch er zeigte eine Engelsgeduld bei der Ueberwindung unerwünschter Formen lokaler Ueberlieferung.' Auch ef' stand auf der Wache des Arabertums gegen die Interessen der kolonisierenden Nation. Auch er vermied es „allzu weit 'zu gehen". Und was die Strebungen und Hoffnungen' der Eingeborenen anbetrifft, so fanden sie in der Person von Sir Arthur einen freundlichen, und warmen Förderer, ebenso wie die lokalen Führer in ihm einen Vater und Berater fanden. Der einzige Unterschied zwischen Sir Arthur und Sir Harold besteht offenkundig darin, daß der erste weniger Interesse für philosophische Abstraktionen als sein Nachfolger, dieser dagegen mehr Sympathien für das arabische Volk wie sein Vorgänger zeigt. Das ist vom zionistischen Standpunkt nicht allzu ermutigend . . . Bedeutet das nicht etwa, daß Sir Arthur Wauchope nicht etwa wegen seines A nt i Zionismus, sondern vielmehr wegen seines . . . „übertriebenen" Pro Zionismus scheiden muß? Auch die Biographie von Sir Charles Tigart wird kaum die Zionisten ermutigen. Seine bisherige Karriere als Fachmann im Kampfe gegen den politischen Terror ist so ausgezeichnet, daß sie. vielleicht jfür die palästinensischen Nöte etwas zu gut Ist. Es macht den Eindruck, als ob man Anstalten machen würde, einen Teelöffel mit einem Hebekran zu befördern . . . Ich habe schon in einem meiner früheren Artikel den Verdacht ausgesprochen, daß alle im Läufe der letzten anderthalb Jahre angewandten Regierungsmaßnahmen nur scheinbar auf die Liquidierung des arabischen Terrors gerichtet waren. Ihr ei gentliehe«- Ziel war die Liquidierung des Palästina-Mandats durch die Hervorhebung seiner „Untauglichkeit". Anfangs hieß es, daß die zivile Administration außerstande sei, das Mandat durch einfache Verwaltungsmittel zu erfüllen. Dann hieß es, daß auch das Militär dieser Aufgabe nicht gewachsen sei. Späterhin sollten die Aumahms^esetze versagt haben. Jfcizt läßt <MM«MMMt.....<M......................M.........>| 12. Feber 1938: DU cq£*C*kdm \JtcOhricdimq> itc fätHriaaUcufaisfat SIEGH. KORNMEHL d**tmtl*<HHAUIft£l Zentrale; IX.» Berggasse 19. Tel A> 17-5-99 u. A-16-9-34 J Lieferant für Heilanstalten AbtaHurtfl*n für «^-Fleisch * \ ttftter Absicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Isr! Kultusgemeiode Wien : [ AMtetuatelluno kostenlos :: IX.. Bftrigaai« IS ✓ XVIII., Währlng«r»tr. 37;: : M<M......»HtOMMMM.......WIM.........MM» man die Kriegsgerichte (die in den Spuren der Zivilgerichte wandern) als unzureichendes Mittel vor der ganzen Welt erscheinen. Und schließlich brachte man hierher Sir Charles Tigart, um zu beweisen, daß selbst der Unterdrücker des indischen Terrors in den palästinensischen Verhältnissen versagen müsse . . . Das ist nicht Streben nach Ordnung und Ruhe, sondern Fortsetzung der Ilten antizionistis c h e n P o 1 i t i k des Beamtenapparats de3 Kolonial« amtes. Um in Palästina Ordnung zu schaffen, bedarf man nicht Sir Charles Tigarts. Auch die Kriegsgerichte sind überflüssig. Die Ausnahmsgesetze sind ebenfalls unnötig. Ebenso Generäjle, Gendarmerie, Infanterie, Luftflotte, Tanks und Kriegsschiffe. Es würde eine gewissenhafte Ziviladministration vollkommen genügen, die auf dem Boden des Palästina- Mandates steht und ihm zur Durchführung verhelfen will, Solange man aber in der Ziviladministration 137 Beamte beschäftigt, die sich mit den Terrorbanden offiziell solidarisch erklären, darf man weder von der Administration noch von dea Generälen, noch von Sir Charles etwas Positives erwarten. . « Wir bitton für untere alten u. arbeüiunfählöen BUNDEN um Spenden. Für die blinden Musiklehrer, Klavierstimmer, Korbu. Setselllechtertowie Bürstenmacher bitten wir um Arbeit Mfstretem det päisäm Bünde* Wfen II, iUmbraiidtitr. 1« - Ttl. A-47-2-77 - Po$Uparka»«n-kto. A-133.213 Brith Sdialom lebt wieder auf Aus. Jerus alem^wird unsirgeschrieben: Seit einiger Zeit ist in gewissen ai'ablschen Zei-; t'ungen Palästinas, vornehmlich im „Falastin", zu lesen, daß Verhandlungen zwischen Juden und Arabern über ein Abkommen stattfinden, ein Abkommen, das den jüdisch-arabischen Zwistigkeiten ein Ende machen und eine gedeihliche Zukunft sicherstellen soll. I Natürlich fanden solche Verhandlungen nicht statt. Die palästinensische Oeffentlichkeit allerdings wurde durch die Mitteilungen der arabischen Presse in Verwirrung-gebracht, und da ohnehin die Lage infolge derandauernden Terrorakte gespannt ist, waren die Gerüchte riur geeignet, die Nervosität zu steigern.!i ,Das Dementi auf die Meldungen des „Falastin" hinderte dieses Blatt nicht; weiterhin für eine Lösung des Palästina-Problems im Sinne der Unterwerfung der Juden unter eine arabische Majorität einzutreten. In einem Leitartikel führte nämlich „Falastin" kürzlich aus, die Araber seien bereit, ein Uebereinkommen mit den Juden auf der Basis der Vorschläge von Herbert Samuel und Prof. Magnes (Hebräische Universität) zu treffen, nicht aber auf Grund der zionistischen Vorschläge. Die Projekte der genannten Herren haben, wie erinnerlich, zu einer ziemlich einstimmigen Ablehnung seitens der Zionistischen Organisation geführt: Herbert Samuel, derN erste (jüdische) Oberkommissär Palästinas, und Professor J. Magnes, der erste Rektor der Hebräischen Universität Jerusalem, haben entsprechend ihrer GrundeinsteUung eine Lösung der jüdisch-arabischen Differenzen vorgeschlagen, die. auf ein Ghetto innerhalb des arabischen Völkermeeres hinauslief und den Judenstaat .verneinte. Man sieht; Wie weit das Projekt Samuel-Magnes vom nationaljüdischzionistischen; Standpunkt entfernt , ist, wenn sich der chauvinistische „Falastin" dafür ausspricht. Mag auch das Gerede des „Falastin" nichts anderes sein als der Versuch; eine Diskussion zu provozieren, so muß eine Mitteilung des zweiten einflußreichen Blattes der arabischen Bevölkerung Palästinas, „AI Islamia", größere Aufmerksamkeit finden. „AI Islamia" leugnet, daß jemals Verhandlungen offizieller jüdisch-arabischer Persönlichkeiten stattgefunden haben, erklärt aber, es seien private Gespräche zwischen der „B r i t h - S c h a 1 o m- Gruppe" und „unverantwortlichen" arabischen Elementen geführt worden. Wir erfahren also, daß es in Palästina immer noch eine Brith-Schalom-Gruppe gibt, dazu noch mit der Un-. verfrorenheit, Verhandlungen — wenn auch zu nichts verpflichtende — zu führen. Man glaubte, diese Gruppe sei längst schon aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben des Landes verschwunden, und jetzt plötzlich, zu unpassendster Stunde, wagt sie wieder ihr Haupt zu erheben. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß offizielle zionistische Führer die Idee des Judenstaates über Bord geworfen haben und für die Schaffung einer jüdischen Kolonie innerhalb eines arabischen Großstaates eintreten, also Propaganda für eine^Lösung machen, die dem Brith* Schftlom-Getst so ähnlich sieht wie ein Ei dem anderem.

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