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Die neue Welt · 1937-12-24 · Heft 712 (24.12.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 712 (24.12.1937)
Date
1937-12-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 ME NEUE WELT Nr. 712 vom 24. Deaember 193? auch in keiner ihrer Manifestationen der Hinweis nach „oben". Sehr geehrter Herr Präsident! Sie haben in Ihrer Rede von den österreichischen Kapitalsbesitzern, natürlich auch von den jüdischen. Vertrauen, Mut und Disziplin gefordert. Keiner als Sie. der sich so un* endliche Verdienste um die öffentliche und private Wirtschaft Oesterreichs erworben hat, ist berufener,, diese Forderung zu erheben. Und gerade denjenigen, der den Wert Ihrer Rede voll zu ermessen vermag, drängt es zur Frage: Sind die vorstehend geschilderten Vorkommnisse danach angetan, jüdische Kapitalsbesitzer zu Investitionen zu ermutigen? In vorzüglichster Hochachtung ■ - ■, . Ingenieur Robert Stricker Herausgeber der „Neuen Welt". Für Weekend und Reisen die bes t e n Würste und Konserven"von C Der bequeme Anlisemitf§itiu§ Die Rede des Rats der Wiener Bürgerschaft Dr. -Jakob Ehrlich hat in der Oeffentlichkeit die ihr gebührende Resonanz gefunden.. Sogar die christlichen-' Kollegen Dr. Ehrlichs haben im ganzen . und großen", nach ihrem Verhalten zu schließen," an der Sachlichkeit des Referats nichts auszusetzen gehabt. Nur zwei Räte der Stadt Wien haben versucht, die Hältung des Vizebürgermeisters Dr. Kresse zu rechtfertigen, der durch mehrere 'seiner Reden der antisemitischen Strömung Nährung gegeben und sie gewissermaßen legalisiert hat. Im wesentlichen ging es darum, daß gegen die jüdischen Mitbürger Pauschalbeschuldigungen erhoben werden, und daß unter dem . Schlagwort: „Christen kauft bei Christen" ganz offen zu antijüdischem Boykott aufgefordert wird. Die Antwort der Verteidiger des Dr. Kresse war eine ganz sonderbare. Beide Räte erklärten dem Sinne nach, daß die Aktion „Christen, kauft bei Christen" nichts 'anderes sei als eine Folge der „schamlose n- A k .t i o n" gegen den Vizebürgermeister Dr. Kresse, 'imd daß 'diese *JAkÖöh nichts mit Rassenhaß oder Religionshaß zu tun habe. In Oesterreich will jetzt, in deutlich kundgegebenem Gegensatz zum Nazismus, der Lueger-Antisemitismus zu Ehren kommen. In den Hirnen der Pro-; pagandisten dieses Antisemitismus . hat - das Dogma platzgegriffen, daß der jüdische Staatsbürger froh sein müsse, wenn man ihn dulde, und. wenn man diese Herren stellt, erklären sie schemheiUg, ihre( Haltung habe nichts mit Rasse, Religionusw. zü tun. In Wirklichkeit ist es für den Juden irrelevant, ob man ihn unter dem Titel des Rassismus oder der lüegeranischen Bodenständigkeit aus dem Wirtschaftsleben ausstößt. Dann: Die P au s c h a 1 b e sc h u 1 digu n g e n! Wenn jemand etwas Ungesetzliches begeht, muß er bestraft werden. Dazu sind die Gesetze, die Gerichte da. Man komme da nicht, wenn man ' von „Juden" spricht, mit der Ausrede, man habe ja nicht die Juden im allgemeinen gemeint, sondern' nur die „Schiimmen" unter ihnen, die wie die -Nattern' das arme Volk umringeln und am Leben bedrohen,»Es ist,wahr: die. Oesterreicher sind ein tolerantes Volk.' Aber nichttolerant, ungerecht, aufreizerisch sind jene Elemente,' die unter dem Vorwand, Qlh Mülionen toleranter Oe3terreicher vor ein paar tausend Juden schützen zu müssen, ihre antisemitische Propaganda betreiben. Man hörte auch oft in der letzten Zeit: Herr Dr. Kresse habe Beweise dafür, daß die jüdischen Kaufleute mit der Parole „Juden, kauft nur bei Juden!" die christlichen Gewerbetreibenden schädigen. Immer heißt es: „Wir haben Beweise!" Nun, meine Herren, rücken Sie doch endlich mit ihren Beweisen heraus! In einer Versammlung erklärte Dr. Kresse: „Wir erinnern uns, daß die jüdische „Neue Welt" am 28. Juli dieses Jahres die Parole ausgab: „Juden, kauft nur bei Juden!" Tatsächlich ist am 28. Juli d. J. keine Nummer der „Neuen Welt" erschienen', und weder vorher nach nachher hat die „Neue WH" solch eine Parole ausgegeben. So sehen also die Beweise der Herren Gewerbebund-Antisemiten aus. Es ist möglich, daß irgend ein jüdischer Buchhändler in propagandistischem Uebereifer sich an die jüdischen Eltern wandte, bei ihm die jüdischen Schulbücher zu kaufen. Aber ganz anders sieht die , Sache aus, wenn ein Wiener Vizebürgermeister an die Wiener Bürger die Aufforderung richtet, „Christen, kauft bei Christen", als wären die jüdischen Kaufleute berufsunwürdig. Jede Volksgemeinschaft hat ihre Schädlinge. Auch wir Juden haben sie. Wir schämen uns ihrer, würden gerne auf sie verzichten und es fällt uns nicht ein, sie in Schutz zu nehmen. Aber man darf un3ere Abwehr nicht mißdeuten, wenn wir für diese Schädlinge verantwortlich gemacht, mit ihnen pauschalier verdächtigt, boykottiert und zu Bürgern niederen j Grades herabgewürdigt werden sollen. I Dagegen wehren wir uns. Das müssen die Herren Räte der Wiener Bürgerschaft verstehen, vor allem aber der Vizebürgermeister Dr. Kres3e und seine j Anhänger. e Gefechte mit arabischen Banden Aua Jerusalem wird berichtet: Offiziell wird mitgeteilt, daß es in den Bergen nordwestlich von Tulkarem zu einem schweren Gefecht zwischen Militär und Polizei einerseits und einer 30köpfigen bewaffneten Araberbande andererseits gekommen ist. Vier Araber wurden getötet, ein Araber und ein englischer Soldat wurden verletzt. 1700 Patronen und vier Gewehre fielen dem Militär in die Hände. Die Bande wurde vollständig aufgerieben und in die Flucht geschlagen. Schwere Strafen Im Zuge der Militäraktion in der Gegend zwischen Tutkarem und Akko wurde das arabische Dorf besetzt; zwei Häuser wurden strafweise in die Luft gesprengt, außerdem dem Dorfe eine Kollektiv- Strafe von .2000 Pfund auferlegt. Sechs Notabein wurden verhaftet. Diese Maßnahmen erfolgten, weil vor kurzem ein Fellache von Bewohnern des Dorfes Ära ermordet worden war. Wieder Petroleumleitung beschädigt In der Nacht zum Samstag, 18. Dezember, wurde die Leitung der Iraq Petroleum Company durch San Remo,Pcn$lonß Feilte <©rto ««II* liftMro 1*4. Unter AttftjiM dt* H tJf 3 Himbai|«r Vtrtinit. Oiraktitn: Pi. mtd. Al*x Mnmb SchUsse durchlöchert* di* ausfließende Oel wurde & Brand gesteckt. Gleichzeitig wurden die Drtthte der parallel laufenden Teiephönleitungeft durchschnitten. Neue jüdische Opfer Weiters wird aus Jerusalem gemeldet: Auf den 27jährigen, aus Deutschland eingewanderten Werner Leß «lud, Als er auf dem Fahrrad von Schccfiunat HapoaHm Milch nach Jerusalem brachte, In der Nähe der jerusalemer Vorstadt Beth Hakerem au* dem Hinterhalt mehrere Schüsse abgegeben worden, die Leß In Hera; und Kopf trafen; er war auf der Stelle tot, Der 27jÄhrigc, am Ungarn eingewanderte Sfhtomo Bin Nun, ein jüdischer Hilfspolizist aus Kfar Hittin, Mvurdc, als er,in der Umgebung; der Kolonie zu Pferde patroullierte, Von einer Araberbandc Überfallen. Der Wachtposten der Kolonie sah von seinem Beobachtung*« stand aus den* Ueberfalt und schlug Alarm.' Ais Poliwel und Mflitür auf dein Tatort eintrafen, landen sie jedoch nur mehr das Pferd vor, Von Bin Nun fehlt bisher jede Spur. v. ' Reichsdeutsche Gewehre Zwischen Soldaten der transjordanischen Grenzwache und einer aus 20 Arabern bestehenden Gruppe einer zersprengten Bande kam es in der Nähe der syrischen Grenze zu einem Gefecht. Bin Araber wurde ge» tötet. Bei seinem Leichnam fand man ein Gewehr d e u tscher Herkunft samt Munition, Smilansky, der Ja-Sager Bei der kürzlich stattgefundenen Konferenz des palästinensisch-jüdischen Landwirte-Verbandes, dem nunmehr auch die „Vereinigung der Nationalen Landwirte" angehört,, hielt Mosche SJulians ky, der Vorsitzende des Verbandes, die Ansprache. Der Name Smilansky ist in der zionistischen Welt sehr populär. Man kennt Smilansky, den tüchtiden Landwirt und Schriftsteller, als führenden Wirtschaftsfachmann, als den ökonomischen Praktiker, als Nur-Wissenschaftler, als den Mahn mit der harten Bei Dickleibfgkeit regen ein bis zwei Glas natürliches „Franz-Josef"-Bitterwasser, während . drei-vier Wochen täglich des Morgens auf nüchternem Magen getrunken;' die JÄT^tätig^eityi^ft^g ■ ah» vermindern den Fettin$a*^: ^dj^^en^l^. Körper schlank. Fragen S^^enflÄr^t...^' f^%|- l&V&v Faust-,-.bei--dem die-Forderung-- nachlOprozentiger jüdischer Arbeit stets auf Widerstand gestoßen ist. Smilansky vertrug sich nie mit der zionistischen Organisation. Die nationalen Aspirationen . des Jischuws fanden bei ihm kein Wohlwollen. Weder der chaluzische Geist der Jugend, noch die Ideologie der sozialistischen Histadruth, noch auch der zu jedem Kompromiß bereite Ägency-Zionismus lagen seinem Temperament. Für Weizmann hatte er nichts übrig, ja, er stand in steter Fehde mit ihm, arbeitete gegen den.. Zionistenko'ngreß, hielt seine Landwirte-Anhänger vom Schekelkauf zurück, war sozusagen das Enfant terrible unter den jüdischen Kolonisten. Und ein Judenstaat? Davon wollte er nicht einmal t r äum en. Aber im Sommer 1937, im Züricher Kongreß- Sommer ... entpuppte sich unser Mosche Smilansky als Weizmannianer, pries den Teilungsgedanken, fühlte sich im Council der Jewish Agency als der Apostel eines Zwergjudenstaates um jeden Preis, selbst um den Preis der Weggabe, aller zionistischen Errungenschaften. Und jetzt, bei der Tagung des Landwirteverbandes, ging Smilansky in der Begeisterung für den Judenstaatsplan der Kleinzioniaten noch weiter: Er erklärte nämlich, daß in diesem „der Schlüssel zur Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen" liege, und daß „der Judenstaat innerhalb der bisher vorgeschlagenen Grenzen (!) noch zwei Millionen Juden .aufnehmen" könne. Zum Schlüsse rief Smilansky, der bisher nichts vorn nationalen Kapital hielt, zur Unterstützung der beiden nationalen Fonds Keren Kajemeth und Keren Hajessod auf. Nur in einem Punkt ist. Smilansky der alte geblieben : er verlangt die Herabsetzung der an die jüdischen Arbeiter zu zahlenden Löhne. Eine derart umfangreiche Auseinandersetzung mit der Person^Smilanskys im Zusammenhang mit der Konferenz der Landwirte wäre nicht am Platz, hätte sich nicht auf dieser Konferenz ein bezeichnender Vorfall ereignet. Der unter Smilanskys Führung stehende Permanenzausschuß arbeitete nämlich eine Resolution aus, wonach der (im Sinne des Kongreßbeschlusses gemeinte) Judenstaat . grundsätzlich akzeptiert werden soll. Der Landwirte-Verband lehnte dieae Resolution ab; die jüdischen Siedler ließen sich von dem Phantom des Herrn Smilansky nicht einfangen. Zwar wird die Exekutive des La^iwirte-Verbandes sich an den politischen Arbeiten der Jewish Agency (im Zusammenhang mit dem Judenstaatsproblem) beteiligen, aber eine Vollmacht, den „Zwergjudenstaat" zu eskomptie* ren, erhielt Smilansky nicht. So hat wenigstens in diesem einen Punkt die Konferenz des Landwirte-Verbandes eine Klärung gebracht. Es ist nicht wahr, was die Zionistische Exekutive und ihre Sendlinge behaupten. Es ist nicht wahr, daß die maßgebenden Teile des judischen Palästina für die Teilung und den Zwergjudenstaat sind. Im ersten Ansturm gelang es den Führern den Jischuw zu täuschen und zu verwirren. Aber jetzt regen sicK nieder gesunder Menschenverstand und Liebe «um jüdischen Lande. iJoV-. BANKGESCHÄFT Dr. OFFENBERGER Wien I, Freyung 1 Tel ephon: U - 27- 2 - 11, U- 28 - 2,53 Durchführung sämtlicher Bank* und Börsetra nsakf Ionen Cxernowi'fzer Judengentcinde wfede* aufgelöat Aus Cernauti: Wieder ist die Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Cernauü, eine der größten in Rumänien, kurz nach ihrer Wahl behördlich auf gelöst worden. Der frühere Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Gutherz, hat beim Appellgericht die Klage auf Annullierung der Auflösungsverfügung Uberreicht. In der Klage wird die Maßnahme des Kultusministeriums als illegal bezeichnet. Die „Ostjüdische Zeitung" schreibt: „Die gesamte jüdische Bevölkerung empfindet die plötzliche Auflösung des Kultusrates als einen schweren Schlag gegen die Autonomie der Gerneinde ... Daß die Auflösung einige Tage vor der allgemeinen Parlamentswahl vorgenommen wurde, gibt dieser Regierungsmaßnahme einen politischen Sinn... Wann wird die arme jüdische Gemeinde von Cernauti-endlich einmal'zur Ruhe kommen?" Die Revisionisten fordern Einreiseerlaubnis für Jabotinsky Aus Tel-Aviv: In Anwesenheit von 160 Delegierten aus 25 Ortsgruppen wurde in Tel-Aviv die Konferenz der revisionistischen Partei Palästinas eröffnet. In der Begrüßungsansprache erhob der Vorsitzende A. K ah a n e die Forderung, daß dem Präsidenten der Neu- Zionistischen Organisation, Vladimir Jabotinsky, die Einreise nach Palästina erlaubt werde. Dr. Waschitz erklärte, jede Vei'handlung mit der englischen Regierung über den Teilungsplan .sei zu verurteilen. An Vladimir Jabotinsky sowie an die in dem Akkoer Konzentrationslager internierten Revisionisten wurden Begrüßungen gesandt. Irische Regierungspartei gegen Antisemitismus Aus Dublin: (J.T. A.) Auf der Tagung der Regierungspartei in Dublin (Trland) wurde eine Resolution angenommen, in der jedem Versuch, in Dublin oder in anderen Teilon Irlands eine antisemitische Kampagne zu entfalten, Kampf angesagt wird. Die Bevölkerung von Dublin, heißt es in der Resolution, war stets tolerant und wird judenfeindllche Aktionen nicht zulassen. Zum Schluß wird die Auflösung der Ixish Christian Protection Association gefordert, die die V? rdrängung der Juden aus dem wirtschaftlichen und kulturellen Leben Irlands zum Ziele habe.

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