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Die neue Welt · 1937-12-24 · Heft 712 (24.12.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 712 (24.12.1937)
Date
1937-12-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag, den 24* Dezember 1037 II* Jahrgang ME HEUE HL II IE NEUE •■ Nr. 712 V+b« b Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp&iiö par l^dfteuc" ^7 *itl. fJniVi >tsmti sb>'b!i( *A en> l REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig s 4.—, ganzjährig s 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—s Schwei« und die Übrigen Länder monatlich Schweizer Franc3 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. sind entgeltlich. ■ Erscheint Dienstag it. Freitag Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX,Üniversitäfsstr.8JeLA-20-2-78 Palästina-Teilungsplan gefallen Aus New York meldet J. T. A.: Unter Beteiligung von 150 Delegierten fand in New York die 7; Konferenz des Verbandes der Palästina-Juden Amerikas statt. Rabbi Dr. Stephen Wise hielt auf der Konferenz eine Rede, in welcher er mitteilte, ' daß laut den Informationen, die er aus London erhalten habe, England den Teilungsplan fallengelassen hat. Die Konferenz nahm eine Resolution an, worin England aufgefordert wird, den Terror in Palästina " zu unterdrücken, und worin gegen die Einwanderungsbeschränkungen protestiert wird. Kampagne gegen dae JudenstaatszioiNsten Weizmann will sie ausstoßen Hinter geschlossenen / Türen Ein Crroßmann-Prozeß ohne Großmann Die J. X. A.yTOteldet aus Jerusalem: Am SonntajgfjfW^; September, begann vor dem zion i s t i s c h e n Kon g r e ß g e r i c h t die Verhandlung gegen den Führer der Judeiistaatspartei, Meir Großro a n n, den der Kongreßanwalt beschuldigt, daß er durch die Veröffentlichung, vertrauliche^ Dojaimonte über Gespäche zwischen Dr. XVei'ifman^n und dem Kolonienliiinist erÖr,msby-Gore zur Zelt des^JÜL*.Zionisten- Itjpngresses'.ta'ZuricV.d^^ gebracht hat. . Bei Beginn der Verhandlung stellte der Kongreßanwalt Dr. Aaron Barth den Antrag; den Prozeß bei geschlossenen Türen zu führen. Meir Großin an n, der persönlich erschienen war,, verlangte öffentliche Verhandlung, und als seiner Forderung nicht stattgegeben wurde, verließ, er demonstrativ den Verhandlungssaal. Der Prozeß wurde bei geschlossenen Türen in Abwesenheit Großmanns fortgesetzt. .< . Als erste Zeugen wurden Präsident Dr. Weizm.a n n und die Mitglieder der Zionistischen Exekutive Ben Gurion und Mose he Shertok einvernommen. Die Gerichts-KomÖdie, welche sich jetzt in Jerusalem abspielt, ist der letzte Vorstoß, welchen Weizmann und seine Freunde unternehmen, ,ura die Judenstaatszionisten aus der. Zionistischen Weltorganisation hinauszudrängen. Auf dem Züricher Kongreß im August 1937 enthüllte Großmann einen schweren politischen Betrug, welcher an dem Zionistenkongreß und am ganzen jüdischen Volke verübt worden war. Wenige Tage vor Eröffnung des Kongresses, welcher über die Stellung des jüdischen Volkes zum Plane der Zerreißung Palästinas und Gründung eines Z w e r g j u d en s t a a t e s entscheiden sollte, hatte der Präsident Weizmann mit dem englischen Kolonialminister Ormby-Gore eine geheime Unterredung, in welcher bindende Abmachungen getroffen wurden. Hinter dem Rücken der Zionistischen Organisation gab Weizmann seine Zustimmung zum Teilungsplan und verpflichtete sich, den Zionistenkongreß und die Mitglieder der Mandatskommission des Völkerbundes dem Teilungsplan gefügig zu machen. Durch diesen politischen Betrug war aus dem Zionistenkongreß ein sinnloses Possenspiel gemacht. Der Führer der Judenstaatspartei, Großmann, enthüllte vor dem Kongreß dieses skrupellose Manöver. Er legte auf Grund von Dokumenten, die ihm anonym, aber offenbar aus dem engsten Kreis um Weizmann, zugemittelt worden waren, den Sachverhalt dem Kongreß und der Exekutive vor. Weizmann und die Exekutive verweigerten jede Antwort. Dafür aber setzte in der englischen Oeffentlichkeit eine erregte Diskussion ein, die sich sowohl gegen Weizmann als auch gegen Ormby-Gore richtete. Was tat die zionistische Leitung? Statt gegen Weizmann die Anklage wegen Preisgabe des Zionismus und politischen Amtsmißbrauches zu erheben, wurde gegen den Patrioten Großmann die Anklage erhoben. An den Herrn Präsidenten der Oesterr. Nationalbank Sehr geehrter Herr Präsident! In einer bedeutsamen Rede vor Vertretern der Österreichischen Industrie und Kaufmannschaft haben Sie darauf hingewiesen, daß die Wirtschaft Oesterreichs durchaus gesund ist, daß aber in manchen Kreisen von Kapitalbesitzern das Vertrauen zu ihr offenbar kein starkes sei. Es hieß in Ihrer Rede: „Eine nicht wünschenswerte Erscheinung ist allerdings der Umstand, daß bei uns eine zu große Bevorzugung der kurzfristigen Geldeinlagen vorherrscht. Man müßte! wünschen, daß das Publikum eines Teil seines ersparten Geldes auch zu langfristigen Veranlagungen verwendet . . . Es ist bedauerlich, daß auch dort, wo Möglichkeiten ' bestehen, zu wenig Bereitwilligkeit zu Investitionen vorhanden ist... Der hier und da wahrnehmbare Mangel an Vertrauen ist unberechtigt. In Oesterreich ist nichts w i c ht ig er als Vertrauen und Disziplin." Als Herausgeber einer österreichisch-jüdischen Zeitung glaube ich mich berechtigt und verpflichtet, auf Momente hinzuweisen, welche die Unternehmungslust jüdischer Kapitalsbesitzer in nicht; zu unterschätzender Weise beeinflussen. Grundbedingung:;'iföri<:j^enl;fdeir Geld''"'für.-Neur 'gründung oder Erweiterung von industriellen und kommerziellen Unternehmungen, aufwenden, wül, ist die Hoffnung, daß er die erzeugte oder herbeigeschaffte Ware, sofern sie mir gut und preiswert ist, an den Käufer wird bringen können. Fehlt diese Hoffnung, so fehlt auch der Antrieb zu Investitionen. Nun sind in Oesterreich Kräfte am Werke, den jüdischen Erzeuger und Kaufmann dieser Hoffnung zu berauben. Man ist bemüht, zwischen ihm und dem kaufenden Publikum eine Mauer zu errichten. Eine Boykottpropaganda gegen „jüdische" Waren hat eingesetzt und arbeitet mit den Parolen: „Christen, kauft bei Christen!" — „Christen, kauft nur beim Christen!" — „Kauft nicht beim Juden!" usw. In Reden, Zeitungsartikeln und Plugzetteln wird das Thema vom „hinterhältigen", mit „unsauberen Mitteln" arbeitenden und „betrügerischen" jüdischen Erzeuger und Kaufmann variiert. Einmal wird der Gebrauch „jüdischer" Waren als Selbstbetrug hingestellt, dann wieder als Verstoß gegen die nationale Pflicht, dann wieder als Verletzung der Glaubenspflicht. Von . jeder Seite her wird versucht, vom Einkauf beim Juden abzuhalten. Die Juden sind nicht überempfindlich. Sie wissen, daß der Antisemitismus eine die Zeiten überdauernde Erscheinung ist, und wissen, daß auch eine vom besten Willen zur Wahrung des Gesetzes beseelte Regierung den jüdischen Bürgern nicht absoluten Schutz gegen alle antisemitischen Uebergriffe zu bieten vermag. Sie verstehen, daß sie gegenüber feindlichen Angriffen, welche rein parteimäßigen Charakter tragen, vielfach auf Selbsthilfe angewiesen sind. Die Juden haben sich eben daran gewöhnen müssen, unter schwereren Bedingungen zu arbeiten als andere. Und diese schwereren Bedingungen vermögen nicht, den österreichischen Juden in seiner Liebe und seinem Vertrauen zu Oesterreich irgendwie zu erschüttern und ihm die Lust zu nehmen, in und für Oesterreich mit seiner ganzen Kraft und seinem ganzen Vermögen zu arbeiten. Aber es gibt eine Art von Feindseligkeit, welche auf den Willen und den Mut zur Arbeit, vor allem aber auf den Mut zur Schaffung neuer Unternehmen und zur Erweiterung bestehender Unternehmen lähmend wirken muß. Das ist jene Feindseligkeit, welche über den Rahmen einer Partei hinaus gediehen ist und offiziellen oder halboffiziellen Charakter annimmt^^, Eine Feindseligkeit dieser Art macht sich jetzt in Oesterreich bemerkbar. Vor kurzem hat in Wien eine Veranstaltung stattgefunden, welche dem Boykott gegen „jüdische" Waren diente und über den Rahmen parteüicher Beschränkung hinausging. Die Ausstellung;„Christen, kauft bei. Chr> ste.n." Veranstalter war der „Öesterreichische Gewerbebund". Die ganze Aufmachung und die Behandlungdieser*'Vetlrlätaltung in den Zeitungen verschiedenster weltanschaulicher Richtung liefen darauf hinaus, ihr einen überparteilichen Charakter zu verleihen. In dieser Richtung ausschlaggebend war aber der Umstand, daß als Protektor dieser der Ausschaltung der jüdischen Erzeuger und Kaufileute dienenden Schaustellung der Vizebürgermeister der Bundeshauptstadt Wien Dr. Josef Kresse fungierte. Hervorzuheben ist: Herr Vizebürgermeister Dr. Kresse gehört zu den höchsten Funktionären der Behörde, welche über das Wohl und Wehe aller Wiener Gewerbetreibenden zu wachen hat und selbst der größte Konsument gewerblicher und industrieller Erzeugnisse ist. Er ist nicht dank dem Willen einer Partei zu seinem hohen Posten gekommen, sondern wurde von der über den Parteien stehenden autoritären Stelle berufen. Die nach der Ausstellung „Christen, kauft bei Christen" zwangsläufig einsetzende, intensive Agitation gegen „jüdische" Waren erhielt durch die werwähnten Umstände ein besonders gefährliches Gepräge. Die Boykotteure waren nicht genötigt, sich etwa auf den übelberüchtigten „Antisemitenbund" und nationalsozialistisch imprägnierte Kampfvereine zu berufen. Sie konnten mit einer gewissen Berechtigung und mit Erfolg ihre Aktion als eine von „obenher" favorisierte aufziehen. Tatsächlich fehlte N'och vor jeder Verhandlung.und vor jedem Urteil wurde Großmann seüner zionistischen Rechte entkleidet! Und jetzt wird in Jerusalem die schändliche Komödie einer Verhandlung bei geschlossenen Türen gespielt. Man wußte, daß Großmann es ablehnen wird, eine „vertrauliche" Verhandlung über sich ergehen zu lassen,' daß er dies ablehnenmüsse. . : ■ Die Zusammensetzung des Gerichtes: Lauter politische Feinde Großmanns und des Jüdenstaatszionismus. Vorsitzender ist das Mitglied der Arbeiterpartei und besoldeter Rechtsberater der Gewerkschaft „Histadruth" M. Smoira. Beisitzer sind die Ja-Sager und gefügigen Gefolgsleute Dr. Weizmanns Rabbi S. Assaf und Dr. O. Wolf sberg.' Daß Großmann und mit ihm die Judenstaatspartei sich trotzdem bereiterklärten, diesem Gerichte Rede und Antwort zu stehen, ist ein Beweis von Mut und zionistischem Patriotismus, baß sie es aber ablehnen müssen, sich von diesem Gerichte hinter verschlossenen Türen abwürgen zu lassen, ist selbstverständlich. Aus dem ganzen Verlauf der Angelegenheit ist zu ersehen, daß Weizmann und seine Freunde einem Ziele zustreben: Ausstoßung der Juden Staats-« zionisten aus der Zionistischen Weltorganisation!- Vor den Augen der Welt' soll die einzige Opposition, die Opposition der zionistischen Patrioten, ausgetilgt werden. Br&gshbäsidesr, täüSJSS... Bruchleidende, Achtung l Bruchbänder sind keine Massenartikel, die in einer Type iür jedermann passen. - Wenden Sie sich deshalb an unsere renommierte FachFIrma: Unser ..HER NI AST AT"-Bruchband wird jedem Einzelfall sorgfältigst angepaßt, dafür absomt verläßlich i . rJ.n «er Wirkung, ohne Druck, ohne Beschwerden, auch in schweren Fallen bestens empfohlen. Beraiung unvetblndiich und l os ^r'ns. 0 Pr hfctK-Mblnen iandagen^sholasdi Wien. Taborstr. 22 Tel. R-42-5-40

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