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Die neue Welt · 1937-12-21 · Heft 711 (21.12.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 711 (21.12.1937)
Date
1937-12-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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S«ftt f ras neuip wex/t Nr. 711 vom 21. Dezember 1937 Weltpolitik der Woche: Vom fpanif dien Krie9sfchaii|rfalx Obwohl der spanische Bürgerkrieg mit unverminderter Heftigkeit weitergeht, ja gerade ta 4$» letzten Tilgen die Madrider Regierung sieb zu afctivem Vorgehen aufgerafft hat, dürfte dieser Schauplatz kriegerischer und politischer AuseinaaÄersetzuÄgea *h den Hintergrund geraten sein, Di« Anhänger der Intervention und der Nichtinterventiöa habe» sieh scheinbar — gegenseitig — damit abgefunden, daß sozusagen hinter den Kulissen der Weltöffentlichkeit Aktionen vorbereitet werden, die zur Fortsetzung dos spanischen Konflikts führen. Eine Zeitlang schien es, als wäre Francos Ueberlegenheit sichergestellt und damit das Schicksal dea republikanischen Spanien besiegelt, so daß die Frage der Freiwilligen, die Hauptfrage zwischen den Einmische™ und Nichteinmischern, wegfiele und nunmehr ein dritter faschistischer Staat an der Flanke Frankreichs sichtbar würde. Der plötzlich einsetzende Widerstand der Miliztruppen schiebt die Entscheidung über das nächste Schicksal der spanischen Republik hinaus und es besteht ein kleines Fünckcheu Hoffnung, daß dieses Schicksal ausschließlich vom spanischen Volk abhängig sein werde. Entscheidungen an Fernost Der Angriff Japans gegen China hat sich zu einem Krieg allergrößten Stils entwickelt. Heute denkt niemand mehr an die Enunziation der japanischen Regierung, wonach Japan sich wegen angeblicher Verletzung chinesischer Vertragspflichten Satisfaktion holen wolle; jeder ist überzeugt, daß es sich um einen Eroberungsfeldzug handelt, der mit der völligen Niederlage Chinas und der Zerstückelung dieses Riesenreiches zugunsten Japans enden soll. Die Mächte, die sich stets als die Hüter des Völkerrechts deklarierten und deren Interessen in Fernost durch jede kriegerische Operation geschädigt sind, haben bisher nichts anderes als Nervosität an den Tag gelegt und im übrigen das beutegierige Japan gewähren lassen; ein Japan, das erst kürzlich den sogenannten Antikomintern-Pakt mit Italien und Deutschland abschloß, in seinen politischen Methoden die Wege Italiens und Deutschlands geht und seinen antichinesischen Feldzug nur unter der Voraussetzung unternommen hat, daß es seitens eines in Europa festgenagelten England und seitens eines schwerfälligen und pazifistischen Amerika keine Störung zu befürchten habe. Nur unter diesem Aspekt sind die Uebergriffe Japans gegen England und Amerika zu verstehen: Englische Kriegsfahrzeuge werden beschossen, ein amerikanisches Kanonenboot wird versenkt! England und Amerika protestieren, verlangen Aufklärung und Sicherheiten für die Zukunft. Japan entschuldigt sich lächelnd, macht Verbeugungen in der bekannten gelben Manier, aber diesmal wollen sich die geschädigten Mächte mit dem Katzenbuckel nicht begnügen. Sie wittern Hohn hinter Japans Geste, ein Hinausschieben der definitiven und angemessenen Erledigung . . . Japan glaubt, damit rechnen zu können, daß seine zwei europäischen Bundesgenossen es dem erst in der Aufrüstung befindlichen Großbritannien nicht erlauben werden, sich in Europa zu entblößen. Aber diesmal liegt die Sache anders. Die japanischen Operationen nähern sich Hongkong, der englischen Kronkolonie. Die britischen und amerikanischen Interessensphären sind bedroht. Daher energische Worte und das bevorstehende Erscheinen englischer und amerikanischer Großkampfschiffe gegenüber dem japanisch-chinesischen Kriegsschauplatz! Auch die Spannung Tokio—Moskau wächst. In Fernost reifen schwerwiegende Entscheidungen, die auf Europa den größten Einfluß haben werden. Hoffnung auf Paris—Prag 4 Der französische Außenminister D e 1 b o s ist heimgekehrt Seine erste Station auf der Rundreise war Warschau. Dieser Besuch brachte als Resultat die Gewißheit, daß Polen trotz seines „Freundschaftspaktes" mit Deutschland entschlossen tei, seine traditionelle Freundschaft zu Frankreich aufrechtzuerhalten und nichts zu unternehmen, was oiesen Zustand gefährden könnte. Nach Bukarest und Belgrad kam — als Schlußpunkt der Reise — Prag, das Prag Masaryks als das Herz der tschechoslowakischen Republik, die vom ersten Tag ihres Bestandes an den Willen kundgab, die demokratischen Freiheiten, denen sie ihre Existenz zu verdanken hat, zu wahren. Prag, schon das altösterreichische, blickte immer nach Paris, und darum ist es nicht zu verwundern, daß eich Delbos — er sagte "es selbst — in Prag wie zu Hause fühlte. Die tschechoslowakische Re- Judenstaatsjugend Dienstag, den 21. Dezember, um halb 9 Uhr abends im Zentralheim, II, Praterstraße 80, spricht der bekannte Psycho Analytiker über dt, fatmitkhkyw „Neivöse Störungen und ihre psychischen Heilmethoden" Gäste willkommen! publik als die intellektuelle Führerin der Kleinen Entente ließ sich in der inneren und äußeren Politik ausschließlich von den Prinzipien des Völkerbundes tetfcen; darum ist auch ihr Verhältnis zu Frankreich ein so ntürlich-inniges. Delbos erklärte offiziell, daß sein Prager Besuch keinen neuen Vertrag gebracht habe, sondern ein m o r a 1 i a e h e s Ergebnis: die Gewißheit, daß die beiden Länder Frankreich und die Tschechoslowakei die sittlichen Grundsätze, auf (Jenen sie aufgebaut sind, aueh in ihrer Außenpolitik handhaben wollen. Das klingt ein wenig antiquiert; altmodisch, unzeitgemäß. Wir sind in den letzten Jahren an andere Töne gewöhnt: an die „Dynamik des Volkes", das Raum fUr sich beanspruchen müsse; an das .fRecht* des Stärkeren", der zu Wasser, unter dem Wasser, zu Erde und in der Luft bewaffnet sei; an die „Renaissance des imperialen Gedankens" u. ä. Aber es kommt vor im Schicksal der Völker, daß das Moderne rasoh veraltet, das Altmodische wieder zu Ehren gelangt. Hoffen wir, daß dies noch „in unseren Tagen" eintritt. o, k RUNDSCHAU Die sionfcffedien Nidiizionfeten Nach dem Zionistenkongreß in Zürich fand eins Tagung des Council der Jewish Agenoy statt, die bekanntlich eine Palästina-Kommission einsetzte, welche als Beraterin der Exekutive in Sachen der TeUungpplanpoUtik zu fungieren hatte, also in derselben Eigensahaft wie die Politische Kommission, welche der Zionistenkongreß damals einsetzte. Man hat zwar bis heute nichts von dieser Kommission der erweiterten Jewish Ageney (allerdings auch nichts von der Politischen Kommission des Zionistenkongresses) gehört, aber es scheint dooh etwas hinter den Kulissen vorgegangen zu sein, denn die hebräische Tageszeitung „Haaretz" (Tel*Aviv) be* richtet von ernsten Meinungsverschiedenheiten, die zwischen den zionistischen und den nichtzionistischen Mitgliedern der Kommission bestehen sollen. Differenzen «wischen den Zionisten und Nichtzionisten der erweiterten Agency hat es immer ge^ gehen, dem* die unmittelbare Nachbarschaft zweier der Natur nach entgegengesetzter Anschauungen muß stets Reihungen zur Folge haben. Diesmal allerdings haben sich die „Anschauungen" naturwidrig gewandelt Es sind nämlich die Njchtzionisten (in der Politischen Kommission der erweiterten Agency), die — knapp vor Torschluß, wie sie meinen — eine selbständige Aktion gegen den Teilungsplan zu unternehmen gedenken. Wer es nicht grotesk findet, daß die Nichtzionisten der Weizmann-Agency gegen den Teilungsplan Sturm laufen wollen, während die Zionisten dieser Körperschaft schön stillhalten und das antizionistische Projekt befürworten, der hat keinen Sinn für politische Absurditäten. Eine große Demonstration Auf Einladung des „American Jewish Congress" (Amerikanisch-Jüdischer Kongreß) trat in Washington am 27. und 28. November eine Konteren» der jüdischen Gemeinden und Organisationen in den Vereinigten Staaten zusammen. Zweck der Tagung war es, die schweren Angriffe auf die bürgerlichen, politischen und wirtschaftlichen Rechte der Judenheiten in vielen.Ländern der Welt zu erörtern und eine gemeinte demokratische Front der Juden gegen den Antisemitismus zu schaffen. Die Konferenz wurde in Anwesenheit von 70 0 Delegierten eröffnet, die 60 der größten und bedeutendsten amerikanischen Gemeinden vertraten. Zustimmungserklärungen an die Konferenz liefen aus Frankreich, England, Kanada, Belgien, Bulgarien, Lettland, der Schweiz, der Tschechoslowakei, Aegypten, Algerien und aus allen Teilen der Vereinigten Staaten ein. Der Kongreß der Vereinigten Staaten begrüßte durch 86 seiner Mitglieder aus 36 Unionsstaaten, darunter 24 Senatoren, die Bemühungen des American Jewish Congress und sicherte seiner Mitarbeit unter der Begründung zu, die Sicherstellung der gleichen Rechte für die Juden sei identisch mit dem Schutz der Demokratie, jede Unterdrückung einer Minderheitsgruppe bedeute einen schweren Angriff auf die Fundamente der Demokratie. Dieser Auffassung schlössen sich die Gouverneure von 25 Bundesstaaten an. Die Konferenz faßte folgende Resolution: Per American Jewish Congress sieht mit Kummer und Besorgnis den konzentrischen Angriff gegen Leben, Eigentum nnd Rechtsstellung des jüdischen Volkes in vielen Teilen der Welt. Er stellt mit Beängstigung das Wiederaufkommen von „Ghetto-Bewegungen" in Europa fest, denen es in Ländern, wie Deutsehland, Polen, Rumänien und dem Freistaat Danzig schon gelungen ist, die Jaden nicht nur ihrer Rechte als Burger, sondern auch ihrer elementaren Lebensrechte zu berauben. Ueberau in Europa hat der Antisemitismus sein Modell Nazi-Deutsehland entlehnt und gebraucht die Waffen des Arierparagraphen und des Wirtschaftsboykotts, um die Juden zu degradieren und ihnen jede Existenzmögllchkeit zu nehmen. Ueberdies sind die Juden Opfer organiserter Gewalttätigkeit e n, die von Tag zu Tag ansteigen und von Land zu Land übergreifen, In keiner Epoche der Geschichte Ihres Volkes sind die Juden Opfer solcher Unterdrückung gewesen, wie sie 6,000.000 Juden jetzt In Ost- und Mitteleuropa erdulden. Politisch und gesell" schaftUch in ihren Heimatländern verfemt, durch wirtschaftliche Diskriminierung ausgehungert, werden sie als Gefangene hinter den Grenzen gehalten, die ihre Aus- Wanderung aus den Ländern der Unterdrückung in die Länder der Freiheit verhindern. Der American Jewlsft Congress fordert, daß die Verteidigung der politischen, wirtschaftlichen und bürgcr* liehen Rechtsstellung der Juden, wo immer sie bedroht oder versagt wird, zur dringlichsten Aufgabe der in den demokratischen Ländern leben* don Juden erhoben werde. In dieser ernsten Stunde der jüdischen Geschichte erwächst dem jüdischen Volk die Pflicht, sich selbst für die Afetton der Gegenwehr zu organisieren. Ais die größte und freieste jüdische Gemeinschaft der Welt ruft diese Konferenz die amorikanisohe Judenheit auf, die Führung be| der Schaffung einer geeinten demokratischen Front gegen den Antisemitismus durch das Mittel der Reorganisation des American Jewish CPPgress unter An« wendung direkter demokratischer Wahlen zu übernehmen. An den Jüdischen Weltkongreß In der Ueberzeuguug, daß die Probleme des Anti* semitismus daB ganze jüdische Volk angehen, fordert der American Jewish Congress den Jüdischen Welt« Kongreß als die demokratische Weltvertretung des jüdischen Volkes auf, nicht später als im Sommer 1938 eine Tagung des Rates des Jüdischen Weltkongresses einzuberufen. Diese Tagung soll dazu dienen, den Gesamtkomplex der Probleme der jüdfci sehen Rechtsstellung in Europa erneut ZU untersuchen. Sie soll gegenüber den Nationen dejr Welt die Forderungen des Jüdischen Volkes auf Wiederein-1 Setzung in seine Rechte und auf Schutz, von Lehen und Hab und Gut formulieren und sie ihnen unterbreiten. End-* lieh soll sie e|n Programm konstruktiver Hilfe für die notleidenden Judenheiten aufstellen, auf der Grundlage der Bedürfnisse und Wünsche dieser Judenheiten« Keine Geringere als die „Neue Well" Der Berliner „Film-Kurier", das Organ der reichsdeutschen FUmpraduktion unter dem Kommando des Reichspropagajidan^isters Doktor Goebbels, beehrt uns soeben mit einer Betrachtung, indem er schreibt: „Per erste ,rein jüdische' Tonfilm ist 4a! Kein« Geringere als die in Wien erscheinende .Neue Welt* kündigt ihn an ... , Jidl mit'» EMI'. >. Das Blatt be* richtet, daß die Nachricht von dieser Aufführung einen Sturm des jüdischen Publikums auf das KjnQ ausgelöst hat..." Der „Füm*Kurier'f ist dem Tone dieser Betracht tung nach ein wenig böse auf das jüdische Publikum, das zu einem jiddischen Film rennt und auf diese Weise beim Genuß filmischer Kunst unter sich sein will, Das ist nicht schön von einer Zeitschrift, die nach den Weisungen ihres Chefs in weltanschaulicher Hm* sieht keine andere Aufgabe hat, als den Juden von, deutscher Kultur, also auch von der Filmkultur, fernzuhalten, Daß dieses Fernhalten — beispielsweise, in Wien sich automatisch vollzieht, iadej» die Juden ihrer Mehrzahl nach (leider nicht alle!) den Anblick der reichsdeutsch*arisch-nazjstischeR Film» meiden, kann natürlich kein Grund sein, die Tren* nungsaufgabe zu vernachlässigen. Der ,,Film-Kurier" schreibt weiter; „Wir wissen nicht, ob ,der Fidi' dieses Jidl darauf hindeutet, daß es sich um ein musikalisches Lustspiel handelt. Sin. Lustspiel muß es auf alle Fälle sein, wenn Mi de Händ' und de Füße geredet wird ..." Nun, zur Beruhigung des Goebbels-Blattes sei gesagt, daß die verhöhnte Gestikulation uns absolut nicht kränkt und als ebenso naturhaft empfunden wird wie das knorke Auftreten der Figuren, die den neudeutschen Film SCI anziehend machen. Ein Jude — Rektor der Amsterdamer Universität Aus Amsterdam: Nach dem plötzlichen Ab« leben des Rektors der Amsterdamer Universität hat der akademische Senat zu dessen Nachfolger den bekannten jüdischen Volkswirtschaftler Professor Dr. Hermann Pryda gewählt. Prof. Fryda ist Fräst* dent des beratenden Wirtschaftsausschusses für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland. Er war drei Jahre hindurch Mitglied des Rates der aschkenasischen jüdischen Ge« meinde in Amsterdam. Tagung der Permanenten Mandatskommission am 8. Juni 1938 Aus Genf: Wie offiziell mitgeteilt wird, beginnt die nächste Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes am 8. J u »i 1938,

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