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Die neue Welt · 1937-12-14 · Heft 709 (14.12.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 709 (14.12.1937)
Date
1937-12-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2 MB NEUE WELT Der Teilungsplan ist tot ♦ ♦ * Aus London: Der frühere Chef des Zivildienstes in Palästina und der Polizei von Jaffa-Tel- Aviv, Major J. F. Broadhurst, erklärte in einer Rede im Anglo-Palestine-Club, er halte den Palästina-Teilungsplan bereits für tot Teilung bedeute Untergang. Wie können Juden, die den Boden Palästinas um 500 Prozent über- I a h 11 haben, auf diesen verzichten? Zwei Kräfte sind es, die gegen Teilung sind: Die von Jabotinski geführten Revisionisten und die Araber. Ich glaube nicht, daß eine Kommission im Zusammenhang mit dem Teilungsplan nach Palästina gehen wird. Ormsby-Gore hat erklärt, daß eine Entsendung der Kommission vor der Wiederherstellung der Ordnung im Lande nicht in Frage komme; das ist es gerade, was die Araber wollen. Zur Frage der öffentlichen Sicherheit übergehend, erklärte Major Broadhurst, die Klage der Juden über die Unfähigkeit der englischen Regierung hinsichtlich der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit sei vollkommenberechtigt. „Es wird noch Monate dauern.. Aus London: In einem Leitartikel über die Lage in Palästina schreibt die dem Kolonienminister nahestehende Zeitung „Great Britain and the East", obwohl es für die Lösung des Palästina-Problems keinen anderen Ausweg gebe, als den Teilungsplan, „können wir nur sehr wenig tun, um den Boden für die Realisierung dieses Planes vorzubereiten; solange die Ordnung im Lande nicht wiederhergestellt ist. Aber sogar, wenn dies bereits der Fall sein wird, wird es noch Monate dauern, bis ein konkreter Plan betreffend die Zukunft Palästinas dem Parlament und dem Völkerbund wird unterbreitet werden können. Somit werden alle jene, die glauben, daß sie eine bessere Lösung finden können als Teüung, noch einen genügenden Spielraum haben. Alle Diskussionen werden jedoch auf der Basis der Undurchf ührbarkeit des Mandates geführt. werden müssen." Gegen die Teilung Aus Jerusalem (Palcor): Am 9. d. M. fand im Beth Haam in Tel-Aviv eine Versammlung der Gegner einer Teüung Palästinas, der sogenannten. Neinsager, statt, zu der sich Tausende von Menschen einfanden. Den Vorsitz führte M. M. Ussischkin, der aüe Versuche, Palästina aufzuteilen, verurteilte; eine Teilung, so sagte er, würde die Abtretung des größeren Teiles des Landes darstellen und den Zionismus. gefährden. Andere Redner, einschließlich von Dr. Aron Barth, Dr. Max Soloweitschik, und S. Kaplansky, brachten die gleichen Ansichten zum Ausdruck. Zum Schluß forderte Ussischkin das gesamte jüdische Volk auf, die nationale Ehre zu wahren und jeglichen Teilungsplan zurückzuweisen, unabhängig davon, ob er auch von den Arabern oder von England selbst abgelehnt wird oder nicht. Wedgwood interpelliert wegen der Revisionisten- Verhaftungen Aus London: In der Unterhausdebatte am 7. Dezember erklärte Kolonienminister Ormsby-Gore auf die Frage des Abg. Wedgwood, ob der Minister den Grund für die vor kurzem erfolgten Präventivverhaftungen von Revisionisten angeben könne, in einer schriftlichen Erwiderung: „Meines Wissens wurden diese Leute verhaftet, weil sie verdächtig waren, mit den Vergeltungsakten in Zusammenhang zu stehen." „Christen, kauft bei Christen V' Eine üble Saat geht auf Die unter der Patronanz des Vizebürgermeisters von Wien, Dr, W. Kr es 3 e, betriebene, auf Ausschaltung der jüdischen Kaufleute gerichtete Kampagne des „Oesterreichischen Gewerbebundes" trägt Früchte. In den letzten Tagen ist Wien mit Flugzetteln überschwemmt worden, mit dem Text: z/Christen/ kauft bei Christen!" als Verleger zeichnet: Oesterreichischer Gewerbebuad- Stadtgruppe, Wien, VTL, Seidengasse 13. ■» Wir haben schon oft auf den wirklich schwer zu qualifizierenden Zustand verwiesen, daß die Agitation gegen eine Gruppe von Wiener Kaufleuten von einem Wiener Vizebürgermeister betrieben wird, eine Agitation, die zur österreichischen Verfassung im Widerspruch steht. Wir wiederholen unseren Protest und richten an die zur Wahrung der Verfassung berufenen Behörden neuerdings die Mahnung, diesem Treiben, welches Gewerbsleute in ihrer Existenz bedroht und das Ansehen Wiens und Oesterreichs in den Augen aller menschlich und rechtlich Denkenden herabsetzt, Einhalt zu gebieten. Wir wissen wohl, daß heute den Worten „Verfassung" und „Wahrung der Verfassung" vielfach mit Geringschätzung und Ironie begegnet wird. Wir aber' halten an ihnen fest. Gewiß nicht nur in unserer Eigenschaft als Juden. Als Oesterreicher kämpfen wir für Wahrung der Verfassung, weil wir tief von der Ansicht durchdrungen sind, daß Oesterreich mit der Wahrung von Gesetz und Recht steht und fällt. Die Terrorakte in Palästina Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Die Kolonie Giwat Ada ist von zwei Seiten schwer beschossen worden. Jüdische Hilfspolizisten wehrten den Angriff ab. Im jüdischen Viertel von Haifa schleuderte ein Araber eine Bombe, die explodierte, ohne jedoch Schaden anzurichten. Ein Passant nahm die Verfolgung des Bombenwerfers auf, der zwei Schüsse abgab, durch die ein dreizehnjähriger jüdischer Knabe schwer verletzt wurde. Der Attentäter entkam. Auf der Strecke Ly dda—J erusalem wurde ein Lastzug beschossen. Auf der Weiterfahrt, etwa 65 Kilometer von Jerusalem entfernt, gelang es dem Lokomotivführer im letzten Augenblick, vor einer aus Steinen errichteten Barrikade den Zug zum Halten zu bringen. Zwischen den Steinen versteckt fand man mitten auf dem Geleise eine Bombe. In der Nähe von Ginegar im Eniek ist die Leitung der Iraq Petroleum Company zerstört worden. Das ausfließende Oel wurde in Brand gesteckt Gleichzeitig zerschnitten die Terroristen die Tclephondrähte entlang der I<eitung. Die Polizeistation in Hebron wurde heftig beschossen. Auf dem Wege von Beer Scheba nach Hebron wurde eine PolizeipatrouUle von Arabern angegriffen. In Beer Scheba explodierten mehrere Bomben, ohne jedoch Schaden anzurichten. AUS ALLER WELT Einweihung des HerzUZimmevs Aus Jerusalem (Palcor): Am 6. d. M. vollzog M. M. U s s i s c h k i n," Präsident des Keren Kajemeth Tlsrael, die feierliche Einweihung* des Herzl-ZJmm e r s im Hauptgebäude des Fonds. In Palästina ansässige Delegierte der ersten sechs Zionistenkongresse sowie Vertreter des Oberrabinats und der nationalen Institutionen wohnten der Zeremonie bei. Der Raum, der als Mittelpunkt eines zukünftigen Herzl-iMuseums gedacht ist, wurde nach den Maßen von Herzls Studierzimmer in Wien erbaut und mit der Originaleinrichtung dieses Zimmers, einschließlich des Schreibtisches, an dem er den „JudenStaat" schrieb, sowie der Kanzel, von der er 1897 beim ersten Kongreß in Basel Bprach, möbliert. Louis Brandeis 81 Jahre alt Aus Washington: Der Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, Louis D. Brand eis, ist dieser Tage 81 Jahre alt geworden. Brandeis, der 1916 von dem damaligen Präsidenten Wilson auf diesen Posten berufen wurde, ist das älteste Mitglied des Obersten Gerichtshofes. Er Spielt im amerikanischen Zionismus und im Weltzionismus die hervorragendste Rolle. OPTIKER KARL SEIDNER I, Franz-Josets-Kal 33 ' II, HoifandstraBe 7 Fachmännischer Rat t Reiche Auswahl / Beste Qualität / Preiswert Prof» Steinherz 80 fahre alt Aus Prag (J. T. A.): Universitätsprofeasor Doktor Samuel Stein herz, der hervorragende Repräsentant deutscher und jüdischer Geschichtsforschung, einst Rektor der Prager Deutschen Universität, Vorsitzender der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei, vollendet am 16. Dezember 1937 aein 80. Lebensjahr. .* Vor eineinhalb Jahrzehnten gab es eine „Steinherz-Affäre* die dem Prager jüdischen Gelehrten dje Sympathie der jüdischen Welt eintrug. Prof. Steinherz wurde mit 13 von 20 abgegebenen Stimmen zum Rektor der Prager Deutschen Universität gewählt. Es war bis dahin üblich gewesen, daß ein jüdischer Professor, falls er zum Rektor gewählt wurde, auf die hohe Würde verzichtete. Prof. Steinherz wich von diesem Brauche ab. Es setzten Studentendemonstrationen, ja, Studentenstreika ein, die deutschnationale und völkische Studentenschaft protestierte gegen die „Verjudung der Deutschen Universität", die Unruhen griffen auf andere Hochschulen über. Vor Weihnachten 1922 entsandte der Universität ösenat eine Deputation zu Steinherz, die ihm nahelegte, zurückzutreten und „Gesundheitarückaichten" vorzuschützen. Steinherz lehnte diea ab und reichte aein Rüoktrittsgesuch erat am Ende des Wintersemesters ein, ala an der Universität volle Ruhe eingetreten war. Münster Bechyne verweigerte jedoch die Annahme der Demission, und po führte Prof. Steinherz die Rektoratsgeachäfte bis zum Ende seiner Amtszeit. Coudenhove.lfniergi für jüdische Siedlung ita Aftika Graf Richard N. Coudenhove-Kalergi, der Schöpfer der Pancuropa-Idee, hat vor kurzem ein Buch, „Judenhaß", erscheinen lassen, worin er schreibt: „Daß der Judenstaat unter dem Schutz des mächtigsten Imperiums dieser Erde stehen wird, gibt Ihm nicht nur erhöhte Sicherheit gegenüber der arabischen Gefahr, sondern zugleich die Hoffnung, eines Tages Dominion zu werden und in dieser Eigenschaft Sitz und Stimme zu erhalten In der Empire-Konferenz, dem Verwaltungsrat des Britischen Reiches, das über ein Viertel der Erde und der Menschheit gebietet. Damit eröffnet sich die Aussicht, in Gemeinschaft mit dem britischen Weltreich auch die osteuropäische Siedlungsfrage zu lösen: für den Verzicht auf Jerusalem britisches Siedlungsgebiet in Afrika zu erhalten, groß genug zur Ansiedlung von Millionen jüdischen Auswandeiern, gemeinsam erschlossen und organisiert durch den neuen JUdenstaat und dessen britisches Mutterland. Uganda kommt in erster Linie in Frage, weil diese Kolonie bereits 1903 vom damaligen Kolonialministei Joseph Chamberlain, dem Vater Neville Chamberlains, den Zionlsten als national-jüdische Heimstätte angeboten wurde. Herzl trat für die Annahme dieses Angebots ein, wurde aber vom Zionistenkongreß überstimmt, weil dieser befürchtete, durch Annahme dieser Ersatzheimat seinen Anspruch auf Palästina zu verwirken. Heute fällt dieses Bedenken weg, weil es sich nicht um einen Ersatz des palästinensischen Judenstaates handelt, sondern um dessen Ergänzung. Außer Uganda kommen für jüdische Siodlungszwecke in erster Linie Teile von Rhodesien in Frage, das größer ist als Deutschland und Frankreich zusammen, sehr reich an fruchtbaren Ländereien und Bodenschätzen, mit einer Gesamtbevölkerung von zweieinhalb Millionen Schwarzen, 64.000 Europäern und 5000 Indern. Außerdem Kenya und Nyassaland, deren Gebiete, wie die Ugandas und Rhodesiens, größtenteils auf einer Höhe von über 1000 Meter liegen und darum für Weiße besiedelbar sind. ... Für den Judenstaat ist eine solche Ergänzung auch darum unerläßlich, weil sie das einzige Mittel ist, eine Expansionspolitik auf arabische Kosten in Palästina zu vermeiden, eine Expansionspolitik, die bei dem bestehenden Kräfteverhältnis zwangsläufig zum jüdischarabischen Krieg und zum Untergang des Judenstaatea führen müßte." lüdfedie Aerzte aus Rußland ausgewiesen Aus Paris (J. T. A.): Wie die J. T. A. erfahrt, hat eine Anzahl deutsch-jüdischer Aerzte, die in sowjetrussischen Krankenhäusern beschäftigt sind, von den Sowjetbehörden die Aufforderung erhalten, das Gebiet der Sowjetunion zu verlassen. Die Ausweisung der jüdischen Aerzte erfolgt im Zusammenhang mit den von der Sowjetregierung ergriffenen allgemeinen Maßnahmen zur Ausweisung von Ausländern aus dem Gebiet der Sowjetunion. Fast alle in Rußland leben« den Ausländer haben die Mitteilung erhalten, daß ihre Aufenthaltsbewilligung nicht mehr erneuert wird. Auf dem Gebiet der Sowjetunion leben insgesamt etwa 80 deutsch-jüdische Aerzte. Hakenkreuz im Nahen Osten Aus London: „Daily Herald" meldet aus Jeru* salem, daß die Chefredakteure der beiden größten arabischen Zeitungen Palästinas nach Kairo geflogen seien, um mit dem früheren Chefredakteur des „Angriff", Schwarz von Berk, der sich auf einer Studienreise im Nahen Osten befindet, eine Aussprache zu haben. Ein« Gruppe arabischer Honoratioren aus Trans jordanien werde sich in der kommenden Woche zu demselben Zweck mittels Flugzeuges nach Kairo begeben. Das Blatt berichtet, daß die Aussprache eine Folge der neuen inten-» siven r ei chsdeutachen Propaganda int Nahen Osten ist, die u. a. durch den Besuch des Führers der Hitler-Jugend, Baidur von Schirach, in Damaskus und durch den bevorstehenden Besuch des Relchsnilnlstera Goebbels In Kairo unterstrichen wird. Verb« d* Judenstaafszionisten Oesterrefdis Mittwoch, den 15. Dezember, halb 9 Uhr abends, im Verbandsheim, jl., Pratorstraße 80, Vortrag Oberbaurat Robert Stricker: „Arbölt und Verhältnisse in der Wiener Judengemeinde". Jadenstaatsjugend. Dienstag, den 14, d., halb 9 Uhr abends, im Heim, IL, Prateratraße 30, Vortrag Dr. Oskar Rosenfeld; Der ewige Jude. Gäste willkommen. * Der Verband der Judenstaatszlonisteu gratuliert herzlichst seinem Verbandsratsmitglied Herrn Mosche Kerzner und Frau zur Geburt einer Tochter. * Winterlager des Brith Hakanim, Der Brith Hakanim verunstaltet heuer sein Winterlager in P r I g I i t z am Schneeberg, und zwar vom 3Ö. Dezember bis 1. Jänner. Der Preis inklusive Fahrt stellt sich auf S SO,—. Anmeldungen bis 15, Dezember in der Maskiruth, II., Praterstraße 80. Gifte, die sich im Darm de« Menseben bilden, werden durch ein Glas natürliches wFranz-Joaer'-Bitterwasser, taglich des Morgens genommen, sicher und schnell abge- I leitet. Fragen Sie Ihren Arzt! E l Es geht um Ihr kostbarstes Gut, „Ihre Augen"? Lassen Sie sich fachmännisch unverbindlich beraten von Optiker Karl SeiUner, I., Franz-Josefs-Kai 33, und II., Hollanastraße 7. (Siehe Inserat!)

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