Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 708 (10.12.1937)
- Date
- 1937-12-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 708 vom 10. Dezember 1937 DIE NEUE WELT Seite 5 Palästina-Redaktion „Die Neue Welt" Tel-Aviv, Dizengoffstrafta Nr. 6 Der Zionismus anf dem Operationstisch Von Dr. H. Rosenblum (Tel-Aviv) Tel-Aviv, 3. Dezember 1937. Es liegt also das erste Todesurteil des neuen palästinensischen Kriegsgerichtes vor. Schelk Farkhan hat als Erster die Todesstrafe für das in Palästina vergossene unschuldige Blut erlitten. Nun ist man hierzulande damit beschäftigt, zu raten, ob das Todesurteil über Scheik Farkhan, bei welchem man 1500 Gewehrkugeln, 9 Bomben und 4 Gewehre fand, der erste Schritt zur Kaltstellung der Terroristen oder eine bloße Episode ist. Nach jahrelangen Enttäuschungen möchten es sowohl die Juden als auch der friedliebende Teil der Araber gerne glauben, daß die Regierung Ruhe und Ordnung in dem von blutigen Ueberfällen zerrütteten Lande herzustellen gedenkt. Es besteht vorläufig kein Grund zu besonderem Optimismus. Im April 1936 hatte die Regierung erklärt, daß sie entschlossen sei, die Unruhen m i t starker Hand zu unterdrücken. Die Drohung wirkte nicht, nachdem Oberkommissar Wauchope den bewaffneten arabischen Banden auseinandergesetzt hatte, was er unter „starker Hand" versteht. Man werde, so erklärte Wauchope im Radio, bei Zusammenstößen von Tränenbomben Gebrauch machen, damit die Polizei die Möglichkeit erhält, der Ruhe* otörer habhaft zu werden. Es soll aber dabei klar verstanden werden, daß die Regierung keineswegs die Absicht habe, die Gesundheit der Ruhestörer zu schädigen, und daß die Tränenbomben keine schädlichen Rückwirkungen physischer Natur auf die Beteiligten ausüben... Nach dieser vielbedeutenden Erklärung, die „sonderbarerweise" keinen beruhigenden Einfluß auf die Bevölkerung, hatte, wurden die Unruhen fortgesetzt. Und die Regierung erklärte hier und in London, daß die Unzufriedenheit der Araber scheinbar sehr weit fortgeschritten sei, da die vom Regierungschef ausgesprochene „D r o h u n g" keine Wirkung auf die Unruhestifter ausübte . .. Nach einem haiben Jahre, im September 1936, griff die Regierung zu einem anderen Mittel. Diesmal ,waren es die Ausnahmsgesetze, welche verschärfte Strafen für die Unruhestifter vorsahen. Unter anderem sahen die Ausnahmsgesetze Todesstrafen und lebenslängliche Haft für bewaffnete Ueberfälle und für das Tragen von Waffen .„vor. Dieses Gesetz wurde ebenfalls in einer ganz originellen Weise angewandt: Die wenigen Beschuldigten, welche schärfere Strafen erhielten, wurden vom Oberkommissär begnadigt und, insofern es Araber waren, die für dcis Tragen von Wäffen bestraft werden mußten, verstand es die Regierung, Gegenopfer aus den Reihen der jüdischenSelbstverteidig u n g ausfindig zu machen. Auch diese „Beruhigungsmaßnahme"' der Regierung fand „sonderbarerweise" keinen Anklang bei der arabischen Bevölkerung, die ihre Tätigkeit straflos fortsetzen konnte. Die Regierung aber erklärte in Jerusalem und London, daß die natio-. nal-religiöse Empörung des palästinensischen Arabertums offenkundig stärker sei, als man vermuten konnte, und daß nicht einmal die Ausnahmsgesetze imstande seien, die aufgeregten und zum Kampfe entschlossenen Araber zu beruhigen... Da brachte man aus England einen der tüchtigsten englischen Kriegsführer, General Dill, zu dessen Disposition man zirka 30.000 Soldaten in voller Kriegsbewaffnung stellte. Die Soldaten kamen, sahen sich um und — gingen. General Dill aber, der offenkundig gut erzogen ist, blieb noch höflicherweise einige Monate im Lande, um sich schließlich ebenfalls nach England einzuschiffen. Der Leser wird bereits erraten haben, daß der Anblick des Generals und seiner Soldaten nicht die erwünschte Wirkung auf die. Unruhestifter ausgeübt hatte. Die Regierung konnte aber erklären, daß ein Großteil der bewaffneten Kräfte Britanniens nicht ausgereicht habe, um das Palästina-Mandat auch weiterhin durchzuführen... Nun sind wir bereits bei den Kriegsgesetz»en angelangt. Ich möchte keineswegs einen unhöflichen Vergleich ziehen. Was ich sagen will, ist nur, daß man im 'Lichte der bisherigen politischen Erfahrung äußerste Vorsicht bei der Einschätzung der Absichten der Regierung an den Tag legen muß. Als Verdachtsmoment muß die auffallende Publizität, die die Regierung den neueingeführten Kriegsgerichten in der ganzen Welt angedeihen läßt, gelten. Wir erinnern uns bei dieser Gelegenheit, daß im Jahre 1933 die Regierung sich keiner Publizität bediente, als sie die auf englische Soldaten in Jaffa verübten Ueberfälle rücksichtslos unterdrückte. Die einzige Schlußfolgerung, die gezogen werden kann, ist also die, daß jeder friedliebende Bürger dieses Landes, ob Jude oder Araber, die Kriegsgerichte begrüßen werde, falls diese zur Herstellung der Ordnung geschaffen werden und nicht die Aufgabe haben, die „Untauglichkeit des Palästina-Mandats" zu beweisen. * In der Londoner Wochenschrift „The Statesman and Nation" sind vier Briefe erschienen, die das Palästina-Problem behandeln. Zwei von Mr. Thomas Hodgkin, einem hohen Beamten der Palästina* Administration a. D.; die anderert zwei von Herrn Israel Cohen, dem politischen Sekretär der Londoner Zionististischen Exekutive. Beide Verfasser behandeln die Situation in Palästina im Zusammenhang mit dem arabischen Terror. Mr. Hodgkin ist der Ansicht, daß der arabische Terror als Ausfluß der seitens der englischen Behörden in Palästina angewandten Unterdrückungsmethoden gegenüber, der arabischen Bewegung anzusehen sei. Ueberall, meint Herr Hodgkin, führe Unterdrückung zum Terror. Es sei unwahr, daß man den Arabern jemals Selbstverwaltungsinstitutionen angeboten habe. Weder das Angebot Samuels aus dem Jahre 1922 auf Errichtung eines Gesetzgebenden Rates und Gründung einer Arab Agency, noch dasjenige vom Jahre 1936, das eine verbesserte Ausgabe des Gesetzgebenden Rates enthielt, konnte von den Arabern'akzeptiert werden*: denn keines von ihnen tat den berechtigten arabischen Forderungen Genüge. Wie hätten denn die Araber Angebote akzeptieren können, ruft Mr. Hodgkin in heiliger Entrüstung aus, die d a s Mandat in Kraft belassen?!... Es sei nur allzu begreiflich, daß sie es vorgezogen haben, ihren Kampf „gegen den englischen Imperialismus" mit Unterstützung des gesamten Arabertums weiterzuführen. Die palästinensischen Araber seien dem liberalen Teil der d e u t s c h e n Oeffentlichkeit gleichzusetzen: beide kämpfen gegen Unterdrückung und Tyrannei... Also sprach Zarathustra-Hödgkin! Darauf antwortet in derselben Wochenschrift Herr Jsrael Cohen. -Es ist seines Erachtens ein schlechtes Zeichen, daß der ehemalige Kollege des ermordeten englischen Beamten Andrews so sehr Uta die Reinwaschung der Mörder besorgt sei. Es sei zu bezweifeln, ob dies dem britischen Civil Service zur Ehre gereiche. Das Argument Hodgkins, setzt Herr Cohen fort, demzufolge die verschiedenen Angebote auf Errichtung eines Gesetzgebenden Rates und einer Arab Agency die arabischen Interessen unberücksichtigt ließen, sei zurückzuweisen: Die genannten Angebote bedeuteten, für die Araber mehr als das, was ihnen semerzeit?von'der t u rk,1i^;c hen Regierung angeboten! wurde. Dabei sei damals niemandem von den Arabern, eingefallen, Terror zu üben. Und wenn die englischen Vorschläge heutzutage Vom abgesetzten Mufti und seinen Konsorten zurückgewiesen wurden, so,, geschah es, weil sich diese davor fürchteten, Nashashibi könnte von der Tribüne des Gesetzgebenden Rates Rechenschaft über den Kassastand des vom Mufti verwalteten Wakf (moslemische Kirchengüter) fordern. Die Sache hat also mit „Liberalismus" herzlich wenig zu tun. Sie kann auch nicht als Rechtfertigung für die Ermordung von Andrews gelten. Und was den Vergleich zwischen dem hitleristischen Deutschland und dem britischen Palästina anbetreffe, so bestätige er nochmals die längstbekannte Tatsache, daß zwischen den hohen palästinensischen Beamten sich ausgesprochene Judenfeinde eingenistet haben. Soweit Herr Israel Cohen. Nun glauben wir, daß die Dikussion hiermit keineswegs zu Ende ist und daß zwei wichtige Fragen einer Lösung bedürfen: 1. Wie es scheint, ist Herr Hodgkin mit Herrn Balfour durchaus nicht einverstanden... Das ist zu bedauern, denn im täglichen Leben gewinnen meistens die Hodgkins über die Balfours die Oberhand. Der Zionist Balfour hätte niemals einen Regierungs« posten in einem Palästina angenommen, das zur Gründung einer arabischen nationalen Heimstätte bestimmt worden wäre. Dagegen hat der Antizionist Hodgkin einen hohen Posten in der Pahv stina-Regierung bekleidet, deren Aufgabe es ist, eine jüdische nationale Heimstätte zu gründen. Mr. Hodgkin hat, nachdem er die Balfour-Deklaration und das Palästina-Mandat studiert hatte, seinen palästinensischen Dienst ohne Gewissensbisse angetreten. Nun lautet die Frage: War seine Handlung die eines Gentleman? 2. Hat Israel Cohen (hier wende ich mich eher an „Israe 1" als an „Cohen") richtig gehandelt, als er seinerzeit Herrn Samuel, den Haüptförderer der Hodgkin-Leute, so begeistert unterstützte? Ich glaube, daß diese Fragen einher Antwort wert sind. Der Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs und die „Neue Welt" gratulieren dem Mitglied der Weltexekutive der Judenataatspartei u. dem Mitglied ihrer Palästinaredaktion Herrn Dr. Hermann Rosenblum und Frau (Tel-Aviv) zur Geburt eines Sohnes yifä ^f)H) SIEGM. KORNMEHL OROSSFLEISCHHAUEREI fcenttale: IX.. Berggasse 19. Tel. A-17-3-99 n. A-16-9-34 Lieferant ftfr Heilanstalten Abteilungen fflr «^-Fleisch ütrter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinato der Isr Kultusgemeiode Wien A«totM*tellung koftUnlos IX. Barggasie IS / XVIII., Währlngerstr. 97;: Die Lage in Palästina Neue jüdische Opfer. — Ueberfälle auf Kolonien. —* Konzentrationslager und Generalamnestie Obwohl ein großer Teil der arabischen Bevölkerung von der Unhaltbarkeit des Terrors überzeugt ist, haben die Angriffe der arabischen Banden gegen die Juden Palästinas und die englische Exekutive nicht aufgehört. Die Spannung in Jerusalem ist noch night gewichen. Hier vollzieht sich unter dem Druck der dauernden Unruhen eine spontane Absonderung der beiden Bevölkerungsteile, indem die jüdischen Einwohner aus den arabischen Vierteln, die arabischen Einwohner aus den jüdischen Vierteln ausziehen, so daß man von einer gegenseitigen Transferierung sprechen kann. In den letzten Tagen gab es wieder jüdische Blutopfer. Auf dem Jerusalemer Bahnhofsplatz gaben arabische Terroristen auf eine Gruppe jüdischer, von. einem Ausflug zurückkehrender Studenten mehrerfc Schüsse ab, durch die ein Student getötet, seine Braut schwer verletzt wurde. Auch die jüdischen Siedlungen werden von den arabischen Banditen weiterhin überfallen. Am 4. Dezember wurden die Kolonie Af uleh im Emek und das Gebäude der landwirtschaftlichen, Mädchenschule in N a h a 1 a 1 von Arabern heftig bef, Hoher Markt- Lichtensieg Nr. 4 CafeAkheditf schössen. Jüdische Hilfspolizisten und englische Polizei antworteten mit Maschinengewehrfeuer. Man vermutet, daß es sich bei den Angreifern um dieselbe Bande handelt, die in der letzten Zeit im Norden Palästinas ihr Unwesen getrieben hat. In der Nähe von Afuleh wurde die Telephonleitung zerstört. Bei einem Gefecht zwischen Militär und Terroristen in den Hügeln bei A k k o wurde ein Araber getötet. In Ramleh- und in mehreren Nachbardörfern wurden 14 Araber unter dem Verdacht der Teilnahme an Terrorakten verhaftet. Durch die Verhaftungen in der letzten Zeit ist das Gefängnis von Akko derart überfüllt, daß in der, Nähe von Akko ein zweites Konzentrationslager eingerichtet werden soll. Andererseits meldet die arabische Zeitung „Falastin", daß der Oberkommissär Wauchope vor seinem Scheiden aus dem Amt eine Generalamnestie für alle politischen Häftlinge erlassen wird, zu denen nach Meinung Wauchopes scheinbar auch die Terroristen und ihre Hintermänner gehören. Die letiten Gesdiehms§e Der am Samstag, den 4. Dezember, am Bahnhofplatz von Jerusalem ermordete junge Jude ist nicht, wie anfangs gemeldet, ein Student, sondern der 20jährige Arbeiter Abraham Chaim Perlmann aus dem Achba- Viertel von Jerusalem. Seine schwerverletzte Braut ist die 17jährige Malka Jakubowitsch. Im Verlaufe umfassender Durchsuchungen in einer Reihe arabischer Dörfer im Norddistrikt wurden große m^^^m^ in ihrem ppeisgekronien 9ilm * ß/i BURG KINO I. IMPERIAL KINO I. Mengen von Waffen und M u n i t i o n entdeckt. Ein arabischer Hirte, der; während einer Durchsuchung der Anordnung der Polizei, stehen zu bleiben, nicht Folge leistete, wurde erschossen. * Oberkommissär Wauchope besuchte Tiberias. Er wurde von dem jüdischen Bürgermeister Zaki el Khadiv empfangen, der ihm berichtete, daß sich die Beziehungen zwischen den Juden und den Araber**- freundlich gestalten und und daß die Arbeit der Stadtverwaltung harmonisch geführt werde. Sie sei die erste im Lande gewesen, die einen gemeinsamen jüdisch-arabischen Friedensappell veröffentlicht hat. (J.-T.-A.-Meldüngen.) # Das Militärgericht von Haifa, das seit Montag, den 6. Dezember, < in N a z a r e t h tagt, verurteilte einen Araber und dessen Sohn wegen unbefugten Besitzes eines Gewehres, eines Revolvers und 60 Schuß Munition zu lebenslänglichem Kerker.