Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1937-12-10 · Heft 708 (10.12.1937) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 708 (10.12.1937)
Date
1937-12-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712245-2712333--6878-2720688
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Nr. 708 vom 10. Dezember 1937 DIE NEUE WELT Seite 8 mmiMBmmmmmmj*-rim i^jldi»!» Jiwifft.fWnt o-JiHulhAab«' JmguJSJm ImStefrol 9tynn.SiDyimdSo66yifaucft V Musik <£.U.Xbfngot4 f L RotenhjrmKinol. ■«fi.i 2>er Empfang ist abgesagt♦♦♦ WoekeHSftiegd Frankreich von heute Die Regierung wird niemals die rassische, ethnische, nationale oder religiöse Diskriminierung eines Teiles der französischen Bürger zulassen. Minister Marc Rucart (Paris, Nov. 1937). Vielleicht! Gewiß! ,J)aß die Hawlaga'' uns gleichermaßen in Jerusa- %sm, London und Genf manch wichtige Dienste geleistet hat, wird auch von ihren temperamentvollsten Bekämpfern jetzt kaum mehr bestritten werden; daß es andererseits in den allerersten Tagen, im vorjährigen April, vielleicht möglich gewesen wäre, den Aufstand durch e i n e n wirkungsvollen Gegenschlag im Keim zu ersticken, ist eine These, die auch die entschiedensten Feinde jüdischen Antiterrors heute keineswegs grundsätzlich von der Hand weisen." Dr. A. Kupferberg (Tel-Aviv). Der „gute" Oberkommissär ,.J3s ist schmerzlich, zu sagen, daß die Juden einen Mann von den sittlichen und geistigen Qualitäten Wauchopes mit einem Gefühl der Erleichterung scheiden sehen. Er ließ uns ein teures Lehrgeld zahlen für die Erkenntnis, daß eine schwache Regierung, die Regierung eines Ideologen, schlimmer sein kann als eine weniger wohlwollende, aber tatkräftigere." „Jüdische Rundschau" (Berlin). Was Palästina zu bieten hat „Palästina hat viele Untugenden. Sie zu verbessern, erfordert Kraft und Geduld. Außer Freiheit Und Würde hat Palästina nicht viel zu bieten. Wem das einleuchtet, der soll nach Palästina kommen. Wem nicht, der mag nach Uruguay, Panama oder sonst wohin gehen." Erich Krämer (Tel-Aviv). Vom palästinensischen Schulwerk „Zur Zeit studieren am Technikum, in Haifa fy50 Studenten. In diesem Jahre kamen 160 neue:- Studenten aus dem Ausland, größtenteils aus Polen, vhinzy,. .lfm, ersten Kursus studieren heute 180 Studenten, darunter insgesamt 150 aus dem Ausland.. Diese .Ziffern uvufassen .nicht. diejenigen. Studenten, die in den Werkstätten und Fa'chklassen des Technikums studieren. In diesem Jahre Wird die erste Gruppe von Studenten die Technologische Wakultät des Technikums beenden, und diese Studenten Verden den Titel ,1 n g enieur-T e chnolo g' erhalten." Palcor-Meldung aus Jerusalem. €haie§'Gedenkfei'er in TeUÄviv Die Hitachduth Olei Austria (Vereinigung der Neueinwanderer aus Oesterreich), Tel-Aviv, veranstaltete aus Anlaß der zehnten Wiederkehr des Todes-, tages des 'Öberrabbiners von Wien, Dr. Zwi Perez Chajess. A., eine Gedenkfeier, welche viele Teilnehmer versammelte. Die Feier wurde mit schlichten Worten des. Präsidenten Herrn Julius Flaschner eröffnet, der eine kurze Skizze des Lebens des verstorbenen Oberrabbiners aus seiner persönlichen Erinnerung gab. Hierauf las Herr Dr. Smotricz die Antrittsrede, die Oberrabbiner Chajes anläßlich seiner Amtsübernahme gehalten hatte, vor. Die Gedächtnisrede hielt Stadtrat Direktor D. Z. P i nka s. In hebräischer Sprache beginnend, schilderte er zunächst das universelle Genie und die große Vielseitigkeit des verstorbenen Führers, seine Bedeutung £ür die Wiener Gemeinde, für das österreichische Judentum und darüber hinaus für das Gesamtjudentum und für den Zionismus. Er wiederholte die Worte, die Sokolow anläßlich der Gedenkrede am Zionistenkongreß gesagt hatte: „Chajes hat nicht nur einen Kommentar zu den Psalmen geschrieben; er hat ihn vielmehr gelebt." Der Redner schilderte sodann die Bedeutung, die Chajes auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums hatte. Leider war es ihm nicht gegönnt, den heißen Wunsch, sein Wirkungsfeld an die Universität in Jerusalem zu verlegen, in Erfüllung gehen zu sehen. Aber auch der p o 1 i t i s c h e Z i o n i s m u s hat in Chajes einen großen Führer verloren. In seiner Eigenschaft als Präsident des zionistischen Aktionskomitees war Chajes ein berufener Führer. Groß war auch seine Arbeit und Wirkung auf humanitärem Gebiet. Es ist bekannt, daß Chajes nur das Existenzminimum für sich von der Amtskasse behoben hat, während» er den Rest seines Gehaltes direkt an diverse humanitäre Institutionen hat auszahlen lasseh. Chajes hat es verstanden, in seinen Reden seine Hörer dem Religösen näherzubringen, und wollte seiner Gemeinde auch in praktischer Uebung der Religionsgesetze als Vorbild dienen. Der Redner schloß seine Rede, die von allen Erschienenen mit größtem Interesse aufgenommen wurde, mit den Worten, daß die Einwanderer aus Oesterreich am besten dadurch im Sinne des Verblichenen handeln, wenn sie das größte Kulturgut des jüdischen Volkes, die hebräische Sprache, sich immer mehr und mehr zu eigen machen. Mit dem Dank des Vorsitzenden an den Redner für seine eindrucksvollen Ausführungen wurde diese würdige, feierliche Veranstaltung geschlossen. Dr, Walter Eckstein. 4 Denjenigen, die glauben, daß dichterisches Talent mit Charakter gepaart sein müsse, bereitete Gerhart Hauptmann gleich nach Installierung des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland eine bittere Enttäuschung. Als nämlich Gerhart Hauptmann — dieser Fall verdient in Erinnerung gebracht zu werden — von einem deutschen Schriftsteller jüdischer Abstammung (der sich jahrelang für den Dichter eingesetzt hatte und durch die „Machtergreifung" in Not geraten war) um eine Unterstützung gebeten wurde, ließ ihm der Autor von „Die Weber" und „Hannele" durch sein Sekretariat auf einer Postanweisung 20 Mark schicken und die Bemerkung anbringen, daß er,. Gerhart Hauptmann, zu dem neuen Regime stehe, Im Trubel der Dinge, die das neue Regime anrichtete, vergaß man diesen Fall. Vielleicht tat es Gerhart Hauptmann selbst. Denn kurze Zeit später sandte er an Franz W e r f e 1 ein Gratulationsschreiben mit dem Vermerk „In steter Verbundenheit". Die nationalsozialistische Presse wütete. Was soll das bedeuten? Der arische Gerhart Hauptmann fühlt „Verbundenheit" mit einem Juden? Der arische Gerhart Hauptmann, ein Bürger des Dritten Reiches, wagt eine andere Verbundenheit zu fühlen als die zum Dritten Reich? Gerhart Hauptmann schwieg. Er zog sich in die Einsamkeit seines Arbeitszimmers zurück. Nur ein einzigesmal gelegentlich eines großen Empfangsabends im Reichskanzlerpalais, ließ er sich von den heutigen Machthabern Deutschlands die Hand drücken. Seither sind wieder einige Jahre vergangen. Gerhart Hauptmann ist inzwischen 75 Jahre alt geworden und hat sch^on durch diesen kalendarischen Anlaß Anspruch darauf, gefeiert zu werden. Und da er zur Feier seines Geburtstags in Wien erwartet wurde, wo ihm zu Ehren Aufführungen im Burgtheater und Volkstheater angesetzt waren, wollte auch der Schwieger- Wltojvm! (tiktäti^JOtl/^^ Otägige Welhnachts- VrK***- Belse Venedig—Florenz— JI Bom—Neapel—Caprl und 99 wertvolle Preise. Näheres in Fachgeschäften söhn und Nachfolger des großen deutschen V e rlegers S. Fischer, nämlich Dr. Bermann-Fischer, einen Empfang für Hauptmann veranstalten. Sami Fischer, der Begründer des S. Fischer- Verlages in Berlin, war derjenige, der den jungen Hauptmann als erster förderte, seine Bühnenwerke verlegte, sich für die Aufführungen der Hauptmannschen Erstlinge einsetzte und den Dichter auch materiell sicherstellte. (Daß die Juden Otto Brahm, Alfred Kerr, Max Reinhardt gerade einen Hauptmann- Kult trieben und dem deutschen Dramatiker zu internationalem Ruhm verhalfen, sei nebenbei bemerkt.) Der S. Fische r-Verlag wurde mit erpresserischen Mitteln arisch gemacht, der Firmenname allerdings aus geschäftlichen Gründen beibehalten. Da der Erbe des Verlages, Dr. Bermann, im nationalsozialistischen Deutschland nichts mehr zu suchen hatte, nachdem er —< unter stillschweigender Zustimmung Gerhart Hauptmanns — sozusagen expropriiert worden war, wandte er sich nach Wien und gründete hier einen neuen Verlag, den er in pietätvoll-hinweisendem Sinne Bermann-Fischer nannte. Und da doch schließlich Gerhart Hauptmann zu den Lieblingen seines Schwiegervaters und Verlagsvorgängers gehörte, sagte er für ihn einen Empfang an, an welchem den Umständen gemäß natürlich auch „Nichtarier" und vornehmlich solche teilnehmen mußten. Nun: man war allright. Große Freude im Haus Fischer-Bermann und den gleichgeschalteten jüdischen Kreisen. Und plötzlich: Der Empfang ist abgesagt. Gerhart Hauptmann erscheint nicht. „Noch am gleichen Abend, nach der Premiere seiner .Ratten', wird Gerhart Hauptmann Wien wieder verlassen heißt es in der Wiener Presse. Herr Bermann-Fischer und die geladenen „Nichtarier" sind also um die Gnade gekommen, Gerhart Hauptmann empfangen und begrüßen zu. dürfen. Gerhart Hauptmann, der sich im Sommer 1933 zum Hakenkreuzregime bekannt hat, weicht aus. Freiwillig oder über höhere Weisung? Die Herren „Nichtarier" hätten sich die Sache ersparen können, wenn sie ... Ja, wenn sie wüßten, was in der Welt vorgeht, in der sie leben, wäre es eben zu einer Einladung an Gerhart Hauptmann nicht gekommen. RUNDSCHAU Dokumente Im Zusammenhang mit der Ablehnung der Initiative der Frontisten, die durch Volksabstimmung ein Verbot der Freimaurer und verwandter Organisationen in der Schweiz erwirken wollten, durch die schweizerische Bevölkerung schreibt das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz": „70 Prozent der Abstimmenden wußten, daß hier ein erster gefährlicher Vorstoß zur Durchbrechung der Grundlagen gemacht wurde, auf denen der schweizerische Bundesstaat beruht 70 Prozent der Abstimmenden hatten es verstanden, daß hier vom Ausland her der Versuch unternommen wurde, eine Bresche in die liberalen und humanitären Grundlagen zu schlagen, auf denen das Zusammenleben der verschiedenartigen Volksteile der Schweiz beruht. Fast alle Unruhestifter'der Welt werden auf die Dauer vom Hitler-Reich gestützt. Mit der. Aufdeckung der. Dokumente, welche die engen Beziehungen der Fronten . mit!de>n Nazis klar zeigen, wurde in der letzten Woche vor K o nz e Max Geiger ^CafeFetzer an der Schwedenbrücke jeden MITTWOCH, SAMSTAG u. SONNTAG der Abstimmung die,Kampagne von allen Schweizer Blättern geführt. Wie aber kamen diese Dokumente zutage? Der Schriftsteller C. Loosli, der dem Berner Obergericht im Protokolle- Prozeß zu „parteiisch" war (!), hatte auf Grund seiner Kenntnisse behauptet, daß die Hetze gegen die Logen und die Juden vom Hitler-Reich bezahlt würde. Und als er dann wegen Beleidigung verklagt wurde, konnte sein Verteidiger, Fürsprecher Doktor Lifschitz, zum ersten Male auf jene verräterischen Dokumente hinweisen, die nun von der gesamten Presse so ausgiebig zur Abwehr benutzt wurden. So ergab sich, daß die gleichen Blätter, die damals dem Fürsprecher Lifschitz V o rwürfe machten, wegen der Benutzung der Dokumente, als er im Interesse seines Klienten als erster den Wahrheitsbeweis für das gefährliche Treiben der Fronten antreten konnte, nun, als es um demokratische Grundrechte der Schweiz ging, die Fröntistenbriefe ausgiebig, im Abstimmungskampfe verwendete — und dies mit vollem Recht. ,..Das Hervorholen der Frontenbriefe durch den jüdischen Anwalt ist ein Faktum, das den Interessen der Schweizer Demokratie höchst förderlieh gewesen ist." Pogrom — §diöpferi§du feinigendes Gewitter Hitler-deutsche Amtssprache Der vom Deutschen Reiche losgetrennte „Freistaat Dan zig" steht unter Kontrolle des Völkerbundes, der dort durch einen Kommissär, jetzt den Schweizer Dr. Burkhart, vertreten wird. Dieser hat vor Zur Behandlung der Darmträgheit bei Frauen ist das rein natürliche „Franz-Josef "-Bitterwasser, infolge seiner durchaus zuverlässigen und außerordentlich milden Wirkung,' hervorragend geeignet. Fragen Sie Ihren Arzt. allem darüber zu wachen, daß den Minderheiten kein Unrecht widerfahre. Ende Oktober fand nach ermunternden Reden der Regierungsleute ein Pogrom gegen Juden statt. Der Kommissär tat den Mund nicht auf und fuhr auf die Jagd ... Jetzt veröffentlicht der „Danziger Vorposten", amtliches Organ der Regierung (Nr. 265 vom 12. November 1937) einen, Artikel „Es kauft keiner mehr bei Juden-', eine Rechtf ertigung der Pogrome: „Wir berichteten bereits mehrfach und ausführlich über die Vorgänge am 23. Oktober d. J., denen insofern eine besondere Bedeutung zukommt, als die breite Bevölkerung Danzigs spontan ihrer Einstellung dem Judentum gegenüber Ausdruck gegeben hat. Jede Spontaneität der Masse, die von dem Gefühl des Unwillens getragen Wird, führt zu Ausschreitungen ,.. Diesem inneren Bedürfnis der Masse wurden die meisten am BALL JÜDISCHER MEDIZINER 15. J a n n e r 19 3 8 SCHWARZENBERG¬ KASINO

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.