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Die neue Welt · 1937-12-07 · Heft 707 (7.12.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 707 (7.12.1937)
Date
1937-12-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr» 70T vom 7. Dezember 1Ö37 DIB NEUE WELT Seite 3 Der Guerillakrieg in Palästina Die fortwährenden Terrorakte der arabischen Banden und die dadurch im ganzen Land hervorgerufene Erregung lassen nicht erkennen, wann die Ätunde kommen wird, in der faktische Maßnahmen zur Befriedung getroffen werden können. Die Verstärkung der englischen Machtmittel zur Unschädlichmachung der Aufständischen hat bisher keinen großen Eindruck auf diese gemacht, ja, es hat den Anschein, als würde die sogenannte nationalistische Erhebung jetzt die Form blutigen Terrors gegen die englische Exekutive in Palästina angenommen haben. Die Deportierung und Einkerkerung einzelner arabischer Führer haben nicht vermocht, die Terroristen einzuschüchtern, zumal — wie englische Blätter und deren palästinensische Nachrichtenbüros melden — der ausländische Einfluß in Form von Geld, Waffen und Propagandaschriften seit dem Aitftaüchen des" Teilungsplans an Intensität nicht nachgelassen hat. Seitdem die weltpolitischen Spannungen im Mittelmeer auch Palästina miteinbezogen haben, sieht sich England und der Zionismus vor eine neue und schwere Aufgabe gestellt. Ueber die letzten Ereignisse liegen folgende J.-T.-A.-Meldungen aus Jerusalem vor: Jüdischer Autobus beschossen Auf der Straße zwischen Akko und Safed iBt ein (Jüdischer Autobus von einer Araborbantle aus dem Hinterhalt beschossen worden. Der 15jährige Sohn des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Safed, Ascher Poghorzer, wurde schwer verletzt; der jüdische Hilfspolizist Arien Tschesler erlitt Verletzungen an beiden Beinen, der jüdische Chauffeur Simon Bolkenhol wurde leicht verletzt. Eine regelrechte Schlacht Am Montag, 29. November, verschwanden auf geheimnisvolle WeiSo ein britischer Folizei- Scrgeant und zwei Polizisten. Einer Kehrte am Mittwoch zurück und berichtete, daß die Patrouille bei Nazareth von Terroristen überfallen wurde, welche seine beiden Kameraden getötet haben. Polizeihunde verfolgten die Spuren der Mörder bis in ein arabisches Haus in Nazareth, wo die Polizei zahlreiche Waffen und größere Bfengbn Munition beschlagnahmte. Eine größere Polizeiabteilung, die von Haifa ausgeschickt worden war, um nach der vermißten drei Mann starken Polizeipatrouille zu suchen — inzwischen ist einer der drei Polizisten zurückgekehrt und hat berichtet, daß seine beiden Kameraden von Terroristen ermordet wurden —, stieß in der Nähe der Kolonie Shprcm auf eine bewaffnete Araber bände. Ks kam zu einer regelrechten Schlacht. Die Polizisten wurden, nachdem sie eine Warnutigssalvo in die Luft abgegeben hatten, umzingelt und Ihrer Waffen, Pferde und Uniformen beraubt. Größere Polizeiabteilungen unterstützt von Plugzeugen sind aufgeboten worden, um das ganze Gebiet entlang der syrischen Grenze nach der Bande abzusuchen. Brand in Tulk&rfem In dem städtischen Lagerhaus in Tulkarem brach in der Nacht zum Mittwoch, 1. Dezember, ein verheerendes Großfeuer aus. Man vermutet Brandstiftung durch arabische Terroristen. Fünf Personen kamen ums Leben, fünf weitere Personen, unter ihnen drei Polizisten, erlitten schwere Brandwunden. Die arabischen Terrorbanden Militärpatrouillen, die zur Rekognoszierung in eine Reihe arabischer Dörfer entsandt wurden, berichten, daß sie fast in keinem Dorfe milnn 1 ichc arabische Jugend angetroffen haben. Es heißt, daß der größte Teil derselben sich Terrorbanden angeschlossen habe, die von den Bergen aus einen Guerillakrieg gegen Militär und Polizei führen. Eine fremde Macht „131 Jamea al Islamiä" meldet aus Amman, es habe sich im Verlauf der gegen die in ein Komplott gegen Emir Abdullah verwickelten Personen geführten Untersuchung herausgestellt, daß die Organisatoren des Komplotts von einer fremden Macht zur Anzettelung eines Auf Standes 700 Pfund erhalten haben. Der neue Oberötkomraandierende der britischen Streitkräfte in Palästina * Aus Jerusalem: Der an Stelle von Generalmajor WavaU zum Oberstkommandierenden der britischen Streitkräfte in Palästina ernannte Generalmajor Robert Hadden Hain in g ist 55 Jahre alt. Er war früher Vizedirektor des mi'itärischen Nachrichtendienstes in England. Sir Charles Tegart, der von der englischen Regierung zum Berater der Palästina-Regierung bei der Bekämpfung des Terrors bestimmt wurde, ist am Freitag, 3. Dezember, in Palästina eingetroffen. Neuer Zugang zur Klagemauer Aus Jerusalem: High Commlsstoner Sir Arthur Wuuchopo besuchte am Donnerstag, 2. Dezember, die Klagemauer. Wie verlautet, wird die Regierung in kurzem eine Verordnung erlassen, die den Juden aus Gründen der öffentlichen Sicherheit die Benützung des traditionellen Zuganges zur Klagemauer durch das arabische Viertel und das Jaffa-Tor verbietet; in Zukunft soll ausschließlich die nach dem Unruhen des Vorjahres erbaute, durch »las Zions-Tor führende neue Straße benützt werden. tiniiifidiiiiift fremder Regierunseti in die PaläsliWPolillk Aus London wird berichtet: In der Unterhaus» debatte atß 29. November fragte Abg. W. Gallacher (Kommunist), ob der Vorschlag einer Teilung Palästinas bereit« mit den Regierungen der arabischen Nachbarstaaten erörtert wurde, und, wenn dies der Fall sei, welche Ansicht diese zu dem Vorschlag geäußert haben. Dem Abgeordneten antwortete der Unterstaatssekretär im Foreign Office, Lord Cranborne: Wie in einer Erwiderung auf eine Anfrage des Abgeordneten Mander am 10. November bereits erklärt wurde, ist die Regierung Sr. Majestät als Mandatar für Palästina ausschließlich dem Völkerbund, nicht aber einzelnen fremden Regierungen, verantwortlich. Nichtsdestoweniger sind die Regierungen der Soe&m wcUUwto*! ROBERT „ZWEIM-JU INHALT: Einführung — Judonstaatlor auf Befehl — Märchen um dlo Fassungskraft Des Zwerg-Judenstaatts — Die OokumentenaffMre Wslimann—OroBmann — Der Negew — Karte des geplanten Judenstaates PREIS 30 GROSCHEN ErhBltllch bei: „Die Neue Welt", IX, Unlversitätsstrafle 8, Buchhandlung Delf, I, Rabonsteig, Buchhandlung Rath, II, Taborstralio 20, Auch durch die Pest gegen Voreinsendung von 40 Grocchen in Briefmarken. Postietasnä auch ins Ausland arabischen Nachbarstaaten» ebenso wie andere im Nahen Osten besonders interessierte Regierungen hin* reichend informiert worden. Abg. G a 11 a c h e r: Ist es richtig, daß arabifichö Nachbarstaaten gegen die geplante Teilung Einwände erhoben haben, und versetzt dies nicht die Juden in eine absolutünmöglicheSituation, indem sie sehen, daß sie im Falle einer Teilung auf einem schmalen Stück Land umgeben von einer feindlichen Bevölkerung leben werden? Lord Cranborne: Dies ist nicht eine Angelegenheit zwischen Sr. Majestät Regierung und einzelnen Völkern, sondern zwischen Sr. Majestät Regierung und dem Völkerbund. Auf die Frage des Abg. Gallacher, ob es der Regierung nicht möglich sei, die Palästinafrage gemäß dem Mandat zu behandeln, statt durch Preisgabe des Mandats und Teilung Palästinas in einer Weise, die Weder für die Araber noch für die Juden nützlich sei, wurde keine Anwort erteilt. Abg. de Chair: Besteht keine Hoffnung, daß da3 bestehende Mandat auch weiter verwaltet wird; kommt es zur Teilung? Lord Cranborne: Dies ist eine schwierige Frage. .JA Auch dieser Fall zeigt die schwächliche und schwankende Politik der englischen Regierung in der Palästina-Frage. Jahrelang hat man die Einmischung der arabischen Fürsten geduldet, und noch mehr: Man hat geduldet, daß die palästinensischen Terroristen in den Residenzen dieser Fürsten ihre „Generalstäbe" etablierten. Statt schon vor Jahren in Palästina gegen die fremde Einmischung energisch vorzugehen, erklärt man jetzt im englischen Unterhaus diese Einmischung für unstatthaft. Die Sowjetrussische Presse gibt einen Uebcrblick über die Aenderungen, die die wirtschaftliche Struktur der Juden in Sowjetrußland in den zwanzig Jahren des Sowjetregimes erfahren hat. Verteilung. Vor der Revolution iebte die große Masse der russischen Juden in dem „jüdischen Ansiedlu n g srayon", zu dem eine bestimmte Anzahl von Städten und Städtchen, vorwiegend in der Ukraine und in Weißrußland, gehörte. 1917 setzte ein großer Zustrom von Juden aus dem Ansiedlungsrayon in jene Teile Rußlands ein, wo die Juden unter dem zaristischen Regime sich nicht hatten aufhalten dürfen. Diese geographische Umgruppierung hatte die Bildung neuer großer Zentren der jüdischen Bevölkerung in Zentral- und Ostrußland zur Folge, In den Jahren 1023 bis 1927 wuchs die jüdische Be- (, Hoher Markt - Lichtensteg völkerung in der Ukraine um 6,1 Prozent, dagegen in Mittelrußland um ganze 18 Prozent. 1926 bis 1929 hatte die jüdische Bevölkerung in der Ukraine einen Zuwachs voh 2,3 Prozent, In Weißrußland um 5 Prozent und in Zentralrußland um 7 Prozent. Das Eindringen der Juden in die produktiven Zweige der Wirtschaft ist am deutlichsten an dem Wachsen des Anteiles der jüdischen Arbeiter in der Schwerindustrie ersichtlich» Während vor der Revolution kaum 10 Prozent aller auf dem Gebiet der heutigen Sowjetunion lebenden jüdischen Arbeiter in der Schwerindustrie beschäftigt waren, ist es nun, allein in der Ukraine, ein Drittel der dort lebenden jüdischen Arbeiter. Der verhältnismäßige Anteil der jüdischen Arbeiter z. B. in der Lederindustrie zeigt ebenfalls ein starkes Anwachsen. Jüdische Arbeiter haben überdies in Industriezweige Eingang gefunden, die bis zur Revolution ausschließlich hichtjüdischen Arbeltern vorbehalten gewesen waren, so in die chemische Industrie, Baumaterialerzeugung usw. Weniger Handwerker. — Mehr landwirtschaftliche Arbeiter. Die Gruppe der jüdischen Handwerker zeigt verhältnismäßig die geringsten Aenderungen. Vor 1917 waren 18,44 Prozent aller Juden Handwerker. 1926/27 waren es 22,6 Prozent, 1929/30 sogar 24,7 Prozent. Von 1930 an jedoch sinkt die Zahl der jüdischen Handwerker ständig, nicht zuletzt deshalb, well der Handwerkerstand überhaupt gegen die sich rasch entwickelnden staatlichen Industrieunternehmungen immer machtloser und konkurrenzunfähiger wird. 1935 sind nur noch 16,7 Prozent der jüdischen Bevölkerung Handwerker. Heute sind die jüdischen Handwerker In >,E r z e u g e r k o o p e r ativen" und anderen kollektiven Organisationen vereinigt. Beträchtlich ist das Wachsen des jüdischen Bauernstandes, wenn hier auch seit 1930 ein gewisser Rückgangzu konstatieren ist. Vor 1917 gehörten bloß 2,2 Prozent der jüdischen Bevölkerung der Bauernklasse an, 1926/27 waren es 8,3 Prozent, 1929/30 sogar 10,1 Prozent. Von da ah sinkt ihre Zahl allerdings; im Jfthra 1935 sind es 6,7 Prozent. Die Schaffung eines jüdischen Bauernstandes ist in großem Maße das Ergebnis einer planmäßigen Tätigkeit der „Regierungskommission für die Ansiedlung von Juden auf dem flachen Lande" (KOMZET) und der „Gesellschaft zur Ansiedlung der Juden auf dem flachen Lande in der Sowjetunion" (OZET). Die jüdischen Bauern sind in Kollektivfarmen organisiert. Gegenwärtig beträgt die Zahl der in der Landwirtschaft tätigen Juden in denjenigen Gebieten, die von den Sowjetbehörden für die Ansiedlung russischer Juden, einschließlich Biro-Bidschans, zugeteilt wurden, etwa 200.000. In den Städten. Parallel mit der Wanderungsbewegung der Juden aus dem früheren Ansiedlungsrayon in die zentralen und östlichen Provinzen Rußlands findet ein Zustrom von Juden aus den kleineren Städten in die großen I ndustriestädte statt. 1926 lebten 55 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung in Industriestädten, 35,7 Prozent in mittleren und Kleinstädten, 8,7 Prozent in Dörfern und ländlichen Bezirken. 1935 waren es bereits 75,4 Prozent der jüdischen Bevölkerung, die in den Industriezentren lebten, während es in den mittleren und Kleinstädten nur mehr 17,9 Prozent und in den Dörfern 6,7 Prozent waren. In Ziffern ausgedrückt, wuchs die Zahl der Juden in den Großstädten in den Jahren 1926 bis 1935 von 1,447.000 Seelen auf 2,187.000, während im gleichen Zeitraum die Zahl der Juden in den kleineren Städten von 927.000 auf 519.000 und in den ländlichen Bezirken von 226.000 auf 194.000 sank. Handel. Die soziale Struktur der jüdischen Bevölkerung in der Sowjetunion hat seit 1917 eine tiefgreifende Aenderung erfahren. Vor der Revolution waren 31 Proyent aller Juden Handelsvertreter. Mit der restlosen Verstaatlichung der Handeiskonzerne i3t der Vertreterstancl »vollkommen verschwunden. Ebenso verschwand der Stand „Freie Beruf e", die, zusammen mit den Nichtfestbeschäftigten, etwa 23,4 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung gebildet hatten. Heute sind die jüdischen Aerzte, Rechtsanwälte und Wissenschaftler nicht mehr Angehörige des Standes freier Berufe, sondern sie stehen in staatlichen oder städtischen Diensten. Die Zahl der jüdischen Büroangestellten und in Handelskonzernen Beschäftigten ist seit 1917 stark gestiegen. Vor der Revolution waren nicht mehr als 10 Prozent der jüdischen Beveolkerung in diesen Zweigen tätig, 1926 waren es 24,7 Prozent, 192Ö 28,1 Prozent und 1935 mehr als 30 Prozent. Gegenwärtig gibt es rund 560.000 Büro- und Handelsangestellte. JUDcNSYAATSJU<flEND Dienstag, den 7. Dezember, halb 0 Uhr abends im Heim, II, Pratorstraße 30, spricht der bekannte Herzspezialial Dr. Fritz Faltitschek über «atUtc wtikommont

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