Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 707 (7.12.1937)
- Date
- 1937-12-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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« Seite* DIE NEUE WELT Nr, ,707 vom 7. Dezember 1937 N NM AUS ALIER WELT Wie man Juden „enteignet" In den Finanzausweisen des Deutschen Reiches für Oktober figurieren die Einnahmen aus Reichsfluchtsteuer mit zwei Posten: 7,3 und 2,7 Millionen Mark, zusammen also mit 10 Millionen Mark. Seit Beginn des Jahres 1937 wurden 42,1 Millionen Mark an Reichsfluchtsteuer vereinnahmt, was einem geschätzten Kapital von 170 Millionen Mark entspricht. Bekanntlich wird die Reichsfluchtsteuer von Personen geleistet, die ins Ausland wandern, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen, also hauptsächlich von Juden. In der letzten Zeit befleißigen sich aber die Behörden des Dritten Reiches einer neuen Praxis, um sich des Vermögens von Juden zu bemächtigen. Während bis vor kurzem die Ausbürgerungslisten fast nur Namen von im Ausland lebenden politischen Gegnern des Hitler-Regimes enthielten, haben jetzt die eingeweihten Kreise im Ausland die überraschende Feststellung gemacht, daß die letzten Ausbürgerungslisten, mit Ausnahme von zwei oder drei Namen politischer Gegner des Dritten Reiches, ausschließlich Namen von vermögenden Juden enthalten, die, zum Teil nur vorübergehend, ins Ausland gegangen sind, um zu erkunden, ob irgendwo für sie eine Möglichkeit besteht, sich eine materielle Existenz zu schaffen und ihren Wohnsitz von Deutschland ins Ausland zu verlegen. Inzwischen kommt die Ausbürgerung, die automatisch zur Folge hat, daß ihr in Deutchland befindliches Vermögen dem Staate verfällt. So stehen diese Menschen eines Tages vor dem grauenvollen Nichts: weder haben sie als Ausgebürgerte die Möglichkeit, nach Deutschland zurückzukehren, noch besitzen sie irgendeine materielle Grundlage, um sich eine Existenz in einem anderen Lande aufzubauen. Nürnberger Rassegesetze in Danzig Aus Danzig: Ohne daß das Danziger Parlament die Nürnberger Rassegesetze bisher angenommen hat, sind diese in der öffentlichen und in der Gerichtsp r a x i a bereits in Geltung. Vor einem Danziger Gericht hatte sich der jüdische Konfektionär Wolf Kieraz wegen Beschäftigung jüngerer arischer Mädchen in seinem Unternehmen zu verantworten. Das Gericht verurteilte Kiersz gemäß den Nürnberger Gesetzen zu sechs Monaten Gefängnis. Es war dies der erste Rasseprozeß vor einem Danziger Gericht. Und so etwas geschieht, ohne daß der vom Völkerbund zum Schutze der Minderheiten eingesetzte Kommissär Dr. Burkhard, ein Schweizer, auch nur den Mund aufmacht! Ein reformierter Bischof zur Judenfrage Aus Budapest: Der reformierte Bischof Karl M a k 1 ä r y, der den Spuren des verstorbenen Bischofs Desider Bälthazär in der Sympathie gegenüber dem Judentum und dem Palästina-Werk folgt, äußerte sich im „Orszagos Egyetfrtes", dem Wochenblatt der konservativen Budapester Juderiheit, über die Judenfrage, die er nicht als ungarisphes, sondern als europäisches Problem ansieht. Es tut not, durch die Reakti vlerung des historischen Judenlandes denjenigen Juden die Rückkehr in die uralte Volksgemeinschaft zu ermöglichen, die sich nicht assimilieren konnten oder , wollten; In Ungarn iat die Judenfrage, wie in anderen Staaten, durch' die Entfesselung roher Kräfte, vor allem durch die Einwirkung wirtschaftlicher Interessen, entstanden. Der Antisemitismus, sagt der Bischof, ist eine seelische Disposition, hat also auch seelischen Gehalt, der jedoch weit von dem seelischen Gehalt der christlichen Weltanschauung entfernt ist, welche Liebe und Frieden im allgemeinmenschlichen wie in patriotischen Belangen gebietet. Der Zionismus iat eine heilsame Bewegung, wenn er die in den einzelnen Ländern verfolgten Juden im Heiligen Lande zu placieren vermag, und darum hat die Wiederherstellung des historischen Judentums eine Berechtigung. „Das geht einem Ausländer nichts an" Aus Paris: (J.T. A.) Der polnische Generalkonsul in Paris hat dem bekannten katholischen Schriftsteller und Autor des Buches „Die Juden und wir Chri- »t en"„ Oscar de Ferenzy, der sich zum Studium des Bis 23. Dezember täglich Verkauf von 8 bis 7 Uhr Waschsfoffe, Samfe: Strapaz-FIanellc, gestreift, per Meter . . S —.65 Pyjama- oder Touring-Flanell, Modedessins S —.98 Vorarlberger Winter-Dirndlstoffe, gewebt . S 1.29 Veloursflanellc, Modestreifen, f. 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Einen Scelöwen führt Hella über ein schwankendes Drahtseil, dieRcverhos zeigen Meisterstücke im Jonglieren, die zwei Che st erfiel d s exekutieren ein urkomisches Duett, dazwischen wirbelt Una Cooper über die Bühne; auf Rollschuhen vollführen atemberaubende Akrobat i k die vier Comets, und schließlich bringt Colleano seine witzigen und grotesken Tanz- und Springerkünste. Daun Szöke Szakall als Potentat „Albert VIII." und Steiner und Helene Mayen. Eine Ueberfülle erstklassiger Darbietungen. Stadttheater. Georg Jarnos „Musikantenmädel" iat die Geschichte von Josef Haydns letzter Liebe. Das von Bernhard Buchbinder stammende Libretto wurde dramaturgisch aufgefrischt und so kam mit Georg Jarnos lieblichen Melodien ein netter Abend zustande. Mary W a w r a singt und tanzt mit viel Erfolg. Den Lehrer singt Edwin Englisch mit viel Temperament, als Haydn liefert Erwin Fr im eine ausgezeichnete Charakterstudie. Lustig wie immer Max Willenz. In den übrigen Hauptrollen bieten Maria Waldner, Maria Perry,' Rudi Schönwiese, Harald Tauber und Hans Shawill abgerundete Leistungen. Die Vorstellung wird von Franz Schönbaumsfeld musikalisch ausgezeichnet geleitet. „Rassisches und Klassisches" Die sensationelle jüdische Revue von B. Weiser und V. Schlesinger (siehe Inserat) gelangt Samstag, den 11. Dezember, halb 9 Uhr abends, im Ehrbarsaal, und Sonntag, den 12. Dezember, in Graz zur Aufführung. Die Porträtaussteilung Bojko, die in den Räumen der Wizo, I., Schottenring 25, stattfindet, bleibt bis Sonntag, den 19. d., täglich von 11. bis 1 Uhr, 4 bis 7 Uhr geöffnet. Im Cafe Palace, Wien., VI., Mariahilferstraße 99, findet am 8. Dezember d. J., um 5 Uhr nachmittags, die Bekleidung von zirka 100 armen Schulkindern, verbunden mit einer Jause, durch den humanitären. Verein „Mariahilfer Kinderfreunde" statt. Stellcnausschreibung Bei der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangt die Stelle des Leiters der Rechnungskontrolle aller Aemter und Anstalten, der Kultusgemeinde zur Besetzung. Erfordernisse für diese Stelle sind: Genaue Kenntnis der Buchhaltung, der Nachweis organisatorischer Tätigkeit in großen Betrieben, insbesondere auf dem Gebiete des Kontrolldienstes. Jüdische Bewerber, die das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, die österreichische Bundesbürgerschaft besitzen und eine über das Mittelschulstudium hinausreichende Bildung nachweisen können, haben ihre Gesuche unter Vorlage der Personaldokumente und Zeugnisse bei der Amtsdirektion der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, spätestens bis 19. Dezember 1937 zu überreichen. Der Kultusvorstand behält sich vor, die näheren Bestimmungen des abzuschließenden Vertrages mit dem in Betracht kommenden Bewerber zu vereinbaren. Winterlager des Brith Hakanaim Der Brith Hakanaim veranstaltet heuer sein Winterlager in Priglitz am Schneeberg, und zwar vom 25. Dezember bis 1. Jänner. Der Preis inklusive Fahrt stellt sich auf S 30.—. Anmeldungen bis 15. Dezember in der Maskiruth, II., Praterstraße 30. Bei beginnender Verkalkung der Blutgefäße führt morgens ein Glas natürliches „Franz-Josef"-Bitterwasser zu regelmäßiger Stuhlentleerung, sowie zur raschen Entgiftung des Magendarmkanals und Herabsetzung des Blutdruckes. Es geht um Ihr kostbarstes Gut, „Ihre Augen"! Lassen Sie sich fachmännisch unverbindlich beraten von Optiker Karl Seidner, I., Franz-Josefs-Kai 33, und II., Hollandstraße 7. (Siehe Inserat!) »chweden Das blonde Gespenst Constance Bennett, CaryGrant Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen Beginn: 'M, 1A6, 'A8, ftlOUhr. Tel. A-49-0.60 II, Untere AugartenstraOe 28 | Telephon A-40-8-88 |Besinn: »/.WA '„8, V4fü Uhr 0 mit Ginger Rogers u. Fred Astarie Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaurat Robert Stricker. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kolb. — Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, alle. Wien, IX., Universltätsstraßö 6-8,