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Die neue Welt · 1937-12-07 · Heft 707 (7.12.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 707 (7.12.1937)
Date
1937-12-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 tm mm wel* Nr. 707 vom 7. Därember 1Ö37 -..-, < <—< OPTIKER KARL SEIDNER I, FranfJosefs-Kal 33 ' ll, Mollantfsfraft« f Fachmännischer Rat t Reiche Ans* wähl ' Beste Qualität Preiswert Weltpolitik der Woche Dem Alpdrücken, das der Berliner Besuch. äes Lord Halifax bei alten freiheitsliebenden Völkern «as* löste, ist eine leichte Entspannung gefolgt. Man konnte sich nämlich überzeugen, daß die Forderungen und Wünsche der deutschen Regierung nicht mit einer tiefen Kniebeuge beantwortet werden, wenn auch in England einflußreiche Kreise prohitleristische Neigungen an den Tag legen, u. a. die konservativen Blätter „Times" und „Observer", die von rechts und links Opfer zugunsten der Friedenserhaltung, d. i. zugunsten Deutschland, verlangten. Die Weltmeinung war, wenn man von den „unbefriedigten" Ländern Deutschland, Italien, Japan absieht, darüber erstaunt, daß Lord Halifax von einem Fortschritt in der Beurteilung der Lage erzählte, aumal ja nach allen Erfahrungen die detitsche Regierung, seitdem sie im Zeichen des Hakenkreuzes steht, immer nur versuchte, ihre künftigen Vertragspartner über ihre wahren Absichten im Dunkeln au lassen. Auch das übermäßige Betonen der Kolonlenforderung kann natürlich nicht als echt angesehen werden. Hinter dieser Forderung, die ja nicht von heute auf morgen realisiert werden kann, steckt die Drohung, sich „inzwischen" nach anderen Bissen umzusehen, die näherliegen und ohnfe die Zustimmung der Westmächte, bzw, des Völkerbundes, geschluckt werden können. Als Antwort auf die Berliner Eindrücke des Lord Halifax folgten die Gespräche der französischen Minister in London und die Reise des Außenministers Delbos, der einige „wichtige" Hauptstädte besuchen wird. Polens undurchsichtige Haltung, insbesondere nach dem sogenannten Freundsehaf tsabkommen mit Deutschland, war seit 1934 die Ursache bitterer Nervositäten. Die alte, historisch fundierte Liebe zu Frankreich erschien vernebelt, die Verbeugungen des polnischen Außenministers Oberst Beck vor Hitler- Deutschland waren jedem demokratischen Gemüt unverständlich und machten nicht wenigen Staatsmännern Kopfzerbrechen. Die jüngste Begegnung Delbos-Beck läßt wieder Hoffnungen zu, zunächst einmal die eine, daß sich Polen in keine frankreichfeindliche Kombination nmeinmänövrieren lassen wird. Polen als östlicher Pfeiler gegen das Drängen des Dritten Reiches könnte von jetzt aber wieder die Position einnehmen, die ihm zugedacht war, gerade dadurch seinen Interessen am besten dienend. Es könnte die Situation im — wie die geopolitiseheh Fachleute in Berlin sagen — östlichen Raum klären und der Unsicherheit in bezug auf seine Haltung im Fall eines europäischen Konflikts ein Ende machen; Die nächste Station auf der Reise des Herrn Delbos heißt Bukarest Hier hat sich, seitdem Titulescu den Posten des Außenministers verlassen hat, vieles geändert. Die antisemitischen Rechtsparteien, von Deutschland mit Ratschlägen, Parolen und Geld versehen* forcieren eine Schwenkung der rumänischen Außenpolitik, Ihre faschistischen Träume drängen sie an die Achse Berlin-Rom, von der sie sich eine — zumindest moralische — Unterstützung ihrer reaktionären Wünsche versprechen. Wie stark die Opposition gegen diese Rechte ist, läßt sich nur gefühlsmäßig feststellen. Einen Maßstab hiefür wird man erst erhalten, wenn Titulescu, der präsumptive Führer dieser Opposition und Befürworter einer westlichen Orientierung, mit seinen Anhängern in die Oeffentlichkeit treten wird. Auch Belgrad, wo Delbos ebenfalls einen „Revanchebesuch" abzustatten hat, zeigt kein deutlich «ausgeprägtes politisches Profil. Man weiß, daß infolge der wirtschaftlichen Verfilzung der deutsche Nationalsozialismus einen nicht unbedeutenden Einfluß im Land hat. Man weiß allerdings nicht, wie lang dieser Einfluß dauern wird, da sich allmählich die Risse in dem Wirtschaftsbaü zeigen, der als Vorläufer einer engen politischen Bindung, zumindest deutscherseits, gedacht war. Aber seitdem die Realität der englisch-französischen Freundschaft vor aller Welt dokumentiert wurde, scheint eine dauerhafte jugoslawisch-deutsche Annäherung an Reiz au verlieren. ^Schicksalhaft erscheint der Besuch Delbos* in Prag, wenn man mit der Möglichkeit rechnet, daß die innertschechoslowakische Frage des Sudetendeutschtums zu einer europäischen Diskussion unter hitleristischer Führung kommen sollte. Hier erblicken die Ifreunde eines allgemeinen Friedens den empfindlichsten Punkt, solange nicht von den großen Westmächten klipp und klar gesagt wird, daß sie keine Störungen im mitteleuropäischen Raum und gegenüber der Kleinen Entente dulden werden. Diese Erklärung ist noch ausständig. Sie kann sich als Resultat der Delbos-Reise ergeben, o. r, Für Meir Großmann Gegen die Ztöftfelfetfie SKfckuliva — Es wird ein Ehrengericht gegen Präsidenten WeiznuUUi gefordert Der VoWttBfeftäe der Weltleitung der Judenstaats* partei, Meir Gtöftman», hat dem Züricher ziönlsten» kongreß und dann der Oeffentlichkeit Dokumente vorgelegt, aus Welchen hervorging, daß der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, W e 1 a m a n n, dhfte Wiesen der Organisation und hinter dem Rücken des Kongresses mit dem englischen Koldttieaminteter Ormsby-Göfe V«3ß»ndlung©n übe* die Teilung Palästinas ge» führt und der Teilung zugestimmt hat. Die Veröifcntüchung der den Präsidenten Wciamann schwer kompromittierenden Dokumente h&t die zionistische Leitung in der Welse beantwortet* daß «te gegen Meir Oroßmann ein Ehr enge rieht einberufen und ihn ftöCh vor jeder Verhandlung und ohne Ufteil, seiner Rechte als Mitglied und Stellvertretendem Präsidenten des zionistischen AkttcmsteOTnitees enthnben hat. Gegen diesen unerhörten Gewaltstreich haben die Judenstaatszionisten Oesterreichs und Rumäniens Stellung . genommen. In der österreichischen Resolution wird die Einleitung eines Gerichtsverfahrens gegen Präsidenten Weizmann wegen Preisgäbe lebenswichtiger Rechte de» jüdischen Volkes und de» Zionismus gefördert. ' * Unter dem Vorsitz des Herrn Philipp Rösenstein fand am 18. ds. eine Versammlung der Juden» staatspartei in Bukarest statt, bei welcher der Bevollmächtigte der WeltekeRutive der Judenstaatspartei, Herr Moritz Geiger, ein Referat Über die durch die Disqualifizierung Großmänns entstandene Lage erstattete und nachfolgende Resolution vorlegte; 1. Die in Bukarest tagende Plenarversammlung der Judenstaatspartei Rumäniens erhebt schärfsten Protest gegen die von der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation verfügte Disqualifizierung ihres Präsidenten Meir Großmann von den ihm vom Kongreß Übertragenen Funktionen eines Mitgliedes des A. C. Dieser Schritt der zionistischen Leitung — der be- J U N G W 1 Z 0 HIRIflM Sie w e r de n wieder keine Kartell bekommen wenn Sie sich niöht fechtzeitig darum kümmern .Rassisches und Klassisches* von Bobby Weiser und Viktor Schlesinger Samstag, den 11. Dezember, 8.30 Ufir abends Im Ehrbarseal, IV, Mühlgasse 30 Karten im Vorverkauf bei den Mitgliedern der Jung Wizo Mirjam u. im Heim. I, Jordangasse 7, Jüd. Kulturstätte, I, Kai 3, Telephon R-28-2-36, "Wteo, I, fcchottenring 25, Telephon A-ll-6-26 zeiehnenderweise nicht spontan nach Veröffentlichung des Weizmann-Ormsby-Gore-Dokuments, sondern erst drei Monate später erfolgt ist — kann nur als Racheakt, als feine unerhörte Vergewaltigung der einzigen zionistischen Oppositionsgruppe gewertet werden. Die Disqüalifiaderung Herrn Großmanns gehört zweifellos zur Reihe jener berüchtigten Manöver der Exekutive, duröh welche bereits einmal zum großen Schaden der Bewegung eine große Zionistische Fraktion aus der Zionistischen Weltorganisation hinausgedrängt wurde. & Die Versammlung stellt fest, daß es nach Ihrer tiefen ueberaeuguhg höchste patriotische und zionistische Pflicht Herrn Gfoßmanns war, jenes ihm bekanntgewordene Dokument der Oeffentlichkeit zu übergeben, welche« die Zustimmung des Präsidenten der zionistischen Organisation* Prof. Weizmann, zu dem unglückseligen Plane der Zerstückelung Palästinas, noch vor Befragung des Kongresses, enthielt. Einzig durch diese Publikation wurde die jüdische Welt rechtzeitig alarmiert, den verhängnisvollen Teilungsplan zu bekämpfen, so daß Herr Weizmann letzten Endes doch darin gehindert wurde, die zionistische Organisation ganz zum Spielball der englischen Kolonialbeamten zu machen. 8, Die Versammlung entbietet ihren ver» ehruhgsvollen Gruß dem Führer Und Präsidenten Meir Großmattn, erklärt sich mit Ihm vollkommen solidarisch und gibt ihm die Versicherung unbedingter Gefolgschaft und Treue. Sie gibt ferner das feierliche Gelöbnis, mit allen Kräften den wahren JudenstaatsgeoankeA Herzig als dessen tapferer und mannharter Verfechter sich Herr Großmann wieder einmal erwiesen hat — bis zum endgültigen Siege zu verfechten. Diäte Resolution wurde unter utürmisohen Ovationen für GroBmann einstimmig angenommen. in-seiner Sitzung am 1. Dezember 1, J» hat der Verbandsrät der Judenstaatszionisten in Oesterreich einstimmig folgende Entschließung gefaßt: Der Verbandsrät der Judenstaatszionisten hat mit Entrüstung davon Kenntnis genommen, daß der Führer der Judenstäatapartei, Meir Großmann, ohne Verhandlung und ohne Urteil über Veranlassung der Zionistischen Exekutive seines Amtes als Mitglied und Vizepräsident des A. C. der Zionistischen Weltorganisation enthoben würde. Dieser Gewaltakt erfolgte wegen der Veröffentlichung von Dokumenten, aus welchen hervorgeht, daß Präsident Weizmann hinter dem Rücken der Weltorganisation und des Kongresses mit dem englischen Kolonial* minister Ormsby Gore Verhandlungen gepflogen hat, Welche die Teilung Palästinas betreffen. Der Verbandsrat stellt fest, daß Meir Großmfttm die Veröffentlichung über Beschluß und Auftrag der Weltleltttng der tfttdcnstaatspartel vorgenommen hat, daß also diese und nicht Meir Großftiatm als Person zur Verantwortung zu ziehen Ist. Er stellt weiter fest, daß die Echtheit der Dokumente erwiesen ist. Nach der Veröffentlichung wurde Meir Großmann zum Vizepräsidenten des A. C. gewählt, ohne daß seitens des anwesenden Kongreßanwaltes oder der Zionistischen Exekutive ein Einspruch gegen die Wahl erhoben Wörden ist. Aüs dieser Feststellung ergibt sich, daß die jetzt erfolgte Suspendietung nichts anderes als ein unfairer und untauglicher Versuch ist, die zionistische Opposition mit Gewalt mundtot zu machen. Der Verbandsrat fordert: Sofortige Aufhebung der Suspemllerung Groß?1" manns. Durchführung des Verfahrens gegen Großmann in öffentlicher Sltzüng des Gerichtes. Die Weltleltttng der Jmlenstaatspartei hat beim Ehrengericht der Weltorganisation die Anklage gegen Präsidenten Weizmann wegen Mißbrauch Seiner hohen Stellung durch Preisgabe lebenswichtiger zionistischer Interessen zu 'erheben. Das Vergehen des Präsidenten Welzmann liegt darin, daß er in geheimer Verhandlung mit dem englischen Kolonienminister ohne Wissen und Willen des Zionistenkongresses der Teilung Palästinas und der Aufhobung des Völkerbiindmandats zugestimmt und dem Minister versprochen hat, in diesem Sinne unter den Zionisten und den Mächten des Völkerbundes zu wirken. Au§ Südamerika 2000 deutsche Juden vor der Ausweisung Aus Rio de Janeiro (J. T. A.): In einer halbamtlichen Ankündigung der neuen autoritären brasilianischen Regierung wird die Ausweisung von 2000 angeblich illegal eingewanderten Personen verfügt. Es handelt sich dabei hauptsächlich um jüdische Einwanderer aus Deutschland. Bekanntlich hat die gleiche Regierung schon frühem dlö Ansiedlung deutsch-jüdischer Familien auf Ländereien der ICA im Staate Rio de Janeiro verboten, obwohl die brasilianischen Behörden vorher die ICA zu einer solchen Aktion ermuntert hatten und die ICA große Summen für den Ankauf der Ländereien und deren Urbarmachung ausgegeben hat. *' Üeber die Haltung der neuen, autoritären Regierung' Brasiliens 'gegenüber den deutsch-jüdischen Einwanderern berichtet die „Jüdische Rundschau" (Berlin) r „Bereits in diesem Frühjahr wurden in Brasüiea Ausweisungsmäßnahmen gegen illegale Immigranten geplant. Es gelang den jüdischen Stellen damals, die schärfsten Maßnahmen abzuwehren. Sollte es jetzt in der Tat zur Ausweisung einer größeren Zahl jüdischer Einwanderer kommen, so wäre dies ein Vorgang von unübersehbarer Tragik für die Betroffenen. Es handelt sich bei diesen „Illegalen'' um Menschen, die al3 Töuristen nach Brasilien kamen, dort eine Existenz fähdeh und im Lande blieben. Die frühere Einwanderungspraxis Brasiliens ließ diesen Vorgang zu. . . . Die Tragik der Judenfrage zeigt sich auch an diesem Beispiel in ihrer vollen Schwere. Menschen werden von Land zu Land getrieben, die nichts anderes ersehnen, als in Ruhe und Frieden ihr Brot Zu verdienen und einen Ort zu finden, den sie wieder „Heimat" nennen können. Die Welt aber will Sie nicht, und alle schönen Reden, die auf internationalen Tagungen gehalten werden, ändern nichts an dieser Tatsache. Um so größer ist unsere Verantwortung auf dem Gebiet der Selbsthilfe und um so größer auch unsere Aufgabe, wenn wir darangehen, einen Ort auf der Welt zu schaffen, der wirklich unser ist, so daß Juden in ihm „aus Recht und nicht aus Duldung'* leben dürfen." Uruguay Aus Mbntevldöö: In letzter Zeit macht sich in Uruguay eine antisemitische Agitation bemerkbar, die von den im ^Deutsch-Uruguaynischen Kuiturklub" zusammengeschlossenen deutschen Nationalsozialisten betrieben wird. Dan Komitee zur Bekämpfung des Antisemitismus hat eine Sondertagung einberufen, auf der Mittel zur Bekämpfung der nazistischen und falangiatischen (spanisch-faschistischen) antijüdischen Propaganda erörtert werden sollen. Verb« d« ludenstaatszionisten Oesterreichs JudenstaatsJugend. Dienstag, den 7. Dezember, halb 9 Uhr abends, Vortrag Dr. Fritz Faltitschek: Krankheit und Basse. — Mittwoch, den 8. Dezember, halb 9 Uhr abends, Heimabend, Tanz. — Samstag, den 11. Dezember, um 8 Uhr abends, Klubabend mit Akademie und Tanz. Es wirken mit Josof Baar u. a. Sämtliche Veranstaltungen f i n* deit im Zentralheim, II., Pratorstraßc 30, statt.

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