Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 706 (3.12.1937)
- Date
- 1937-12-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712331--6867-2720675- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 ^m.^^^ — i -a- ■ * Ji^^^^^ die neue wMiT Nr. 706 vom 3. Dezember 1937 eine gegen England gerichtete Frönt entstanden ist. Man berichtet von der Sammlung großer italienischer Truppenkontingente in Lub und von dem Interesse Ibn Sauds für die Situation an der transjordanischen Grenze. Es ist klar, daß die nationalsozialistische Presse die pan-arabische Bewegung, die gleichzeitig eine antienglische ist, unterstützt. „Die neue Weltbühne'*, eine linksgerichtete radikale Wochenschrift, sieht in der panarabischen Politik Deutschlands ein Mittel zur Durchsetzung seiner internationalen Interessen. Japan soll Deutschland als Basis im Stillen Ozean dienen, wie Italien im Mittelländischen Meer. Die neue Kolonialpolitik Deutschlands basiert auf der Okkupationspolitik Italiens. Die Achse Rom—Berlin wird eine Fortsetzung in der Achse Berlin—Bagdad finden. (Wir möchten daran erinnern, daß vor und während des Weltkrieges die Achse Berlin—Bagdad ein wichtiger Stützpunkt der Orientpolitik des alten Deutschland gewesen ist) Die pan-arabische und anti-englische Politik Berlins ist eine Funktion des deutsch-italienischen Bundes. Das Dritte Reich ist an der Schwächung der englischen Position in Europa sehr interessiert. Schon sehen die Nationalsozialisten die Liquidation des großen Englischen Imperiums und trachten gierig nach einem Teil des Erbes. Die Araber mit ihren Aspirationen dienen dem Dritten Reich als Vorspahn. P. Wühl: Det SoUat Die Erben des Sultans Nachdem die Erben Sultan Abdul Hamids vor dem Gericht in Jaffa den «Prozeß gegen die Palästina-Regierung auf Rückgabe einer großen Bodenfläche im Distrikt Gaza gewonnen haben, beabsichtigen sie jetzt, einen zweiten Prozeß gegen die Regierung anzustrengen. Wie verlautet, verlangen sie von der Palästina-Regierung die Herausgabe einer Million Dun am palästinensischen Bodens, einschließlich des H u 1 e - G eto i e t e s; sie behaupten, den Beweis erbringen zu können, daß dieser Boden Eigentum des Sultans Abdul Hamid war. Export und Import In den Monaten Jänner bis September 1937 wurden in Palästina Waren im Werte von 11,8 0 0.0 0 0 P f u n d eingeführt, gegenüber 9,600.000 Pfund in den ersten neun Monaten 1936 und 13,000.000 Pfund im gleichen Zeitraum 1935. Der Export aus Palästina belief sich in den ersten neun Monaten 1937 auf 4,2 0 0.0 0 0 Pfund, gegenüber 2,500.000 Pfund im gleichen Zeitraum 1936 und 3,400.000 Pfund in der gleichen Periode 1935. Im Monat September wurden aus Palästina Waren im Werte von 147.000 Pfund ausgeführt, gegenüber 72.000 Pfund im September 1936 und 56.000 Pfund im gleichen Monat 1935. Der Import belief sich im September 1937 auf 1,18 6.0 0 O.Pf und,, gegenüber 1,004.000 Pfund im September 1936 und 1,400.000 Pfund im September 1935. Tel-Aviv ab Februar 1938 Fassagierhafen Am 28. November besuchte der High Commissioner Sir Arthur Wauchope die Stadt Tel-Aviv und inspizierte bei dieser Gelegenheit den jüdischen Hafen. Der Vorsitzende des Hafenkomitees S. Hoofien begrüßte den High Commissioner ued berichtete ihm, daß bereits im Februar 1938, nach Fertigstellung der entsprechenden Gebäude und Einrichtungen, der jüdische Hafen auch als yerkehrshafen für Personendampfer, welche.Touristen und Einwanderer ins Land bringen, fungieren wird. „Illegale" Die arabische Zeitung „Falastin" meldet, daß der britische Richter in Safed zehn Juden, die ohne Visa über die Grenze nach Palästina gekommen "waren, zu zwei, bzw. vier Wochen Arrest und nachträglicher Landesverweisung verurteüt hat. 60.000 Pfund Schadenersatz gefordert Bei der Regierungskommission zur Feststellung der Schäden der Unruhen von 1936 haben 400 Tel-Aviver Einwohner Schäden in der Gesamthöhe von 60.000 Pfund angemeldet. Zertifikate-Abkommen zwischen Jewish Agency und Betar Aus Jerusalem: Die Tageszeitung „Haboker" teilt mit, daß die seit längerer Zeit zwischen der Zionistischen Exekutive und den revisionistischen Führern gepflogenen Unterhandlungen wegen Zuteilung von Einwanderungszertifikaten an Mitglieder deB Brith Trumpeldor (Betar) zu einem positiven Abschluß gelangt sind. Die Exekutive hat gewisse Bedingungen für die Zuteilung von Zertifikaten an den Betar gestellt. Nach Annahme dieser Bedingungen wird df% Betar das kollektive Recht auf eine bestimmte-^Zahl von Zertifikaten aus der allgemeinen Schedule wieder erhalten. Das Abkommen bedarf noch der Bestätigung durch die oberste revisionistische Leitung in London. JUDSNSTAATSJUGEND ' ■- —_——————————~——~—~--^—^^^ ipienatag, den 7. Dezember, halb 9 Uhr abends im Helm, n.'Praterstraße 80, spricht der bekannte Herzapezlallat Dr. Fritz Faltltschek über Krankheit und Rasse attst« willkommen! mmmmmmammmmmemmmmmmmmm Im frühen Altertum waren die Juden das einzige > Volk, das die Si eben tage woche kannte. Den an- | deren Völkern war diese Einrichtung eines in kurzen Zeitabständen regelmäßig wiederkehrenden allgemeinen Rühetages unbekannt, und bei ihrer ersten Berührung mit den Juden fiel ihnen die Sabbatfeier als die markanteste Eigentümlichkeit des jüdischen Volkes auf. Sowohl die religiöse wie die sozial-ethische Seite des jüdischen Wochenruhetages maehte auf die Völker der alten Welt tiefen Eindruck. Die sabbatlichen Vorträge in den Synagogen der griechischen Diaspora wurden von zahlreichen Nichtjuden besucht, so daß die stereotype Anrede des Vortragenden lautete: „Israelitische Männer ünd gottesfürchtige Griechen." (Apostelgeschichte 13/16.) Um das Jahr 100 vor Beginn der christlichen Zeitrechnung war die Wochenzählung der Juden unter den orientalischen Völkern bereits ziemlich weit verbreitet, und mit der Wochenzählung wurde vielfach auch die Verehrung und Feier des siebenten Tages von den Juden übernommen. Nach Philo ist der Sabbat „das Fest nicht nur einer Stadt oder Gegend, sondern der Welt". In der jüdischen Synagoge zu Athen disputierte am Sabbat der Apostel Paulus mit griechischen Philosophen (Apostelgeschichte 16/17). Später wurde auch bei den Römern der Besuch der sabbatlichen Vorträge in den Synagogen allgemein. Noch im 3. Jahrhundert wurde, nach den Berichten des lateinischen Kirchenschriftstellers Tertullian, der Sabbat bei den Heiden vielfach gefeiert. Sabbatbeobachtungen im Christentum In weit höherem Grade als die vor- und nichtchristliche griechische, römische und morgenländische Welt war naturgemäß das aus dem Schöße des Judentums hervorgegangene, im biblischen Boden wurzelnde Christentum der Frühzeit vom jüdischen Sabbatgedanken beherrscht. Wie im Zeitalter der Apostel, wurde auch in den nächstfolgenden Jahrhunderten der Sabbat von den Christen in. den meisten Ländern heiliggehalten, und zwar nicht allein von den Judenchristen, sondern auch von den Heidenchristen. Erst Kaiser Konstantin erließ im Jahre 321 einen Erlaß, wonach der Sonntag in allen Städten des Römischen Reiches gefeiert werden sollte. Aber auch nach diesem Erlaß: blieb die. Feier des Sabbats unter den Christen der östlichen Provinzen weit verbreitet. Im Jahre 364 beschloß das.; Konzil zu-Laodicea» „daß die Christen nicht judaisieren, und am Sabbat nicht müßig sein, sondern an diesem Tage arbeiten sollen . .... Werden sie aber als Judaisten gefunden, so sollen sie von Christus ausgeschlossen, sein". Auch, nach dem Konzil von Laodicea bestanden jedoch viele christliche, Sekten, die an der Beobachtung des Sabbats festhielten, so die.judäochristliche Gemeinschaft der. Nazaräer, deren Angehörige bei Pella und Beroea In Syrien lebten und sich, bis ins 5. Jahrhundert erhielten. Aus einer Epistel, die Papst Gregor I. im Jahre 603 an die Bürger von Rom schrieb, geht hervor, daß um diese Zeit manche Christen in Rom an der Feier des Sabbats festhielten. Gregor nennt die Verbreiter dieser Lehre „Prediger des Antichrist". Im 12. Jahrhundert lebten in den hohen Gebirgen Oberitaliens die Passagier. oder Passaginer, christliche Sektierer, die aus dem Orient stammten und die Verbindlichkeit des V' . mosaischen Gesetzes, namentlich der Sabbatruhe und der Speisevorschriften, nach anderen auch der Beschneidung, lehrten. Papst Lucius III. erließ gegen sie und andere Häretiker im Einverständnis mit Kaiser Friedrich Bar- . barossa auf der Synode zu Verona im November 1183 ein Dekret, wonach sie alle mit dem ewigen .Bannfluch belegt 1 wurden; zugleich würde die Reichsacht über sie verhängt. Die Passaginer werden auch im 13. Jahrhundert noch vielfach erwähnt, so in dem Dekret des Papstes Gregor LX. ' vom Jahre 1236, in einer Osterordnung des Kaisers Friedrich II. und in dem Dekret des Papstes Innozenz IV. von 1253. .. ' , Die Sabbatarier in Mähren Um den grausamen Verfolgungen seitens der kirch- . liehen« undweltlichen Behörden>zu entgehen, „waren im 12. und 13/ Jahrhundert viele Sektierer, die den Sabbat; beobachteten, aus den Alpengegenden nach Mähren und Böhmen gewandert; andere folgten ihnen in . späteren: Jahrhunderten. Man nannte sie Sabbatarier. Nach Mähren kamen im 15. und 16. Jahrhundert Sabbatarier > aus Bayern, Tirol, der Steiermark, Oesterreich,;der , Schweiz, Schlesien und Polen. Auf den Gütern von Liechtenstein und Kaunitz in Brünn, Nikolsburg,' Znaini ü. a.; bildeten sich Gemeinden, deren Zahl In kurzer Zeit auf 60 gestiegen war. König Ferdinand beschloß die Au8-, rottung der Sabatarier und sandte hiezu den Profos im.; Lande umher, der viele von ihnen köpfen ließ; wer , fliehen konnte, verbarg sich in den Wäldern und auf den. Bergen. Auch in Holland gab es Gruppen von Sabbatariern. Es wurden dort im* ersten. Drittel des 16. Jahrhunderts mehrere Sektierer,'.die den Sabbat beobachteten, auch Frauen, hingerichtet. In Frankreich schrieb um diese Zeit ein gewisser» M. de lä Roque ein Buch zur Verteidigung der Säbbatruhe gegen Bossnet, Bischof \ von Meaux. Gegen die sabbathaltenden Sektierer in Mähren ist-Luthers;,Brief Uber die Sabbater" (1538) gerichtet, iri-dem er den;,neuen Irrtum, daß der Sabbat gefeiort werden müsse", biblisch zu widerlegen unternimmt. Nicht jüdische Beobachter des Sabbats Feier des Sabbats in der antiken Welt aMMMMMHMMMMMmMHMianMMMMWBI^MMMHUMM* Durch die Drangsale des beginnenden Dreißigjährigen Krieges und durch die Ketzerverfolgungen, die der Schlacht am Weißen Berge (1621) folgten, erhielten die sabbatarischen Sektierergemeinden in Mähren den Todesstoß. Sie wurden schließlich aus dem Lande verjagt und fristeten noch eine Zeitlang in Ungarn und Siebenbürgen ein kümmerliches Dasein. Die Mehrzahl ging allmählich in der katholischen Kirche auf. Schwache Ueberreste tauchten gegen Ende des 18. Jahrhunderts nach Erlaß des josephinischen Toleranzedlkts In Böhmen unter dem Namen „Abrahamiten" und „Israeliten" auf. Sie lebten dort mit Juden vermischt oder in deren Nachbarschaft. Manche von ihnen wollten sich beschneiden lassen und förmlich zum Judentum übertreten. Man gewährte ihnen jedoch keine Toleranz, und die Männer wurden auf Grund eines am 11. März 1783 erlassenen kaiserlichen Edikts ohne Rücksicht auf Alter, Größe oder Gebrechlichkeit unter die ungarischen Grenzregimenter gesteckt. Russische Sabbatisten (Sabbotniki) Um das Jahr 1470 stifteten in Nowgorod die russischen Priester Dionysius und Alexis, zu denen sich später der Erzprlester Gabriel gesellte, eine judaisierende Sekte, deren Anhänger den Sabbat streng beobachteten. Die Priester standen unter dem Einfluß der von dem gelehrten Juden Zacharias (Secharja benAharon ha-Kohen?) aus Kiew hervorgerufene eschatologischen Bewegung und gewannen unter allen Ständen viele Anhänger. Später wurden sie verfolgt, und eine Kirchenversammlung im Jahre 1504 verurteilte die Vornehmsten unter den Sektierern zum Tode. Fast in jeder größeren Ortschaft des) Moskauer Reiches wurden judaisierende Häretiker hingerichtet. Die Ueberlebenden flohen nach Litauen und in dievGrenzgebiete. Dennoch kam die Sabbatbewegung nicht zu völligem Stillstand, ünd um 1550 gab es in Finnland wieder eine größere Anzahl sabbatiatischer Gemeinden. Im 18. und 19. Jahrhundert waren in den Gouvernements Woronesch und Saratow die Sekten der Molokaner und Duchoboren (geistigen Christen) sehr verbreitet, deren Anhänger größtenteils den Sabbat feierten und die Knaben beschneiden ließen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts leitete die russische Regierung eine strenge Verfolgung der Molokaner ein. Unter der Regierung' des Zaren Alexander I. (1801 bis 1825) wurden die Verfolgungen zeltweise eingestellt, so daß die Sektierer um das Jähr 1825 sogar Missionäre in die Donsteppen zur Verbreitung ihrer Lehre entsandten. Als dies bekanntgeworden war, wurden viele von ihnen; nach Sibirien und nach dem Kaukasus verbannt. Zu schärferen Verfolgungen kam es unter der Regierung des Zaren Nikolaus I. (1825 bis 1855). Unter Alexander n. (1855 bis 1881) besserte sich ihre Lage, und sie durften sich wieder zu ihrem Glauben bekennen; vollständige Glaubensfreiheit erlangten sie erst 1905. Viele vonihnen nennen sich Subbotniki, feiern den Sabbat, lassen ihre Söhne beschneiden, beobachten die mosaischen Speisegesetze, ohne sich jedoch zum Judentum zu bekennen. Andere bezeichnen sich als Gerlm (jüdische Proselyten), und beobachten das gesamte jüdische Religlonsgesetz. Etwa 50 Familien russischer Gerim sind nach Palästina ausgewandert ,und leben dort als landwirtschaftliche Kolonisten. Die Sabbatar'ianer (Szombatosok) in Sieben* bürgen Aus dem Kreise der Judaisanten in Siebenbürgen, die sich um den unitarischen Bischof Franz David scharten, ging im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts die Sekte der Sabbatarlaner hervor. Bald schlössen sich viele Unitarier der neuen Gemeinschaft an. Fürst Siegmund Bäthcry gab im Jahre 1595 den Befehl zu ihrer Verfolgung, der aber nicht ausgeführt werden konnte, da inzwischen das von den Sabbatarianern bewohnte Gebiet in die Gewalt des moldauischen Woiwoden Michael geraten war. Im Jahre 1635 wurden die Beobachter des Sabbats nach Dees zitiert und in der dortigen reformierten Kirche abgeurteilt. Ihre Bücher und Schriften wurden verbrannt. (Fortsetzung folgt.) Oberrabbiner Dr. Täglich* Der Vorstand der Wiener israel. Kultusgemeinde hat in seiner Sitzung.vom 30. November 1937 einstimmig beschlossen, den Titular-Oberrabbincr Dr. Israel Tagücht, der seit dem Ableben des Herrn Oberrabbiners Dr. David Feuchtwang mit der Führung des Oberrablnats betraut war, zum Oberrabbiner zu ernennen. Herr Oberrabbiner Dr. Taglicht wird außer der Tätigkeit im Rabbinate der Kultusgemolndc auch die rabbinischen Funktionen im Stadt-Temoel versehen. JUdische Unternehmer, denket an die jüdischen Arbeitslosen und fordert anläßlich der Wintersaiaon den Bedarf an Angestellten und Arbeltern aller Kategorien beim jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmessergasse 4» Telephon U-27-0-65» an.