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Die neue Welt · 1937-12-03 · Heft 706 (3.12.1937) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 706 (3.12.1937)
Date
1937-12-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 706 vom 3. Beaember 193? DIE N E U E WELT Seite f, ScUwum&toefaBe*^ Von Ttoflktf** In Polen werden Bemühungen gemacht, den Juden den Handclsbefuf m efitfelßgn und ihfi dln Händen beruflich ungeeigneter und ungenchulter polnischer antisemitischer Heteer au Uberliefern. Die Natioü&ldemokraten, kurs Endekeil genannt, stehen an der Spitze dieser Hetae, die hi» m offener Boykottaufforderung gegen den jüditchen Kaufmann und tri« zur Aufstellung von Boykottpoaten nach nazistischem Muster geführt hat. In der Bar „Zum schwarzen Öchsen" kamen sie nach Geschäftsscbhiß zusammen, die neuen Händler von der Be9temm*Güdc. Der Kaufmann Pjotr Bibbula hatte bereits eine zweite Flasche Schnaps vor steh, ein Gläschen nach dem anderen hinter die Binde gegossen, mit einem kräftigen „Pschakrew". „Ein Tag lausiger als der andere", sagte er ge* reizt und nervös. „Versucht mal, meine Freunde, den ganzen Tag dazusitzen und auf einen Kunden zu warten, und es kommt keiner, da werdet ihr ebenfalls nicht gut gelaunt sein. Man kann verrückt werden. Sitzt da wie ein Hund und wartet sich die Augen aus. Man hat Angst, auf ein paar Minuten aus dem Läden zu gehen, vielleicht könnte doch jemand kommen. Ein schöner Beruf." „Das ist noch gar nicht so arg", warf ein zweiter Bestemm-Kaufmann ein. „Denken Sie sich, bei mir in meinem Schnittwarengeschäft war heute wirklich ein Kunde. Die Frau brauchte ein Stückchen Marquisette. Das ganze Personal wurde aufgeboten,, das ganze Warenlager, wurde vor, ihr. ausgebreitet, ofcho. daß sie etwas kaufte. Schließlich packte sie der Teufel; sie brauche Flanell, und zwar ananasfarbenen. Das hatte ich nicht. Am liebsten hätte ich sie hinausgeworfen, die weiberische Cholera soll sie holen..." „Einen Kunden hinauswerfen? Was fällt Ihnen ein! Sie sind imstande, uns noch alle Kunden zu. vertreiben, das ist gegen die kaufmännischen Prinaipien." „Noch immer besser solch ein Kunde, wie die meinigen", sagte ein Dritter mit roter Branntweinnase in gereiztem Ton sarkastisch. „Ich zum Beispiel habe heute eine Menge Kunden gehabt. Es war sozusagen ein Geriß. Gekommen sind fünf Inkassanten fiir Warenumsatzsteuer, Verzehrungssteuer, Landesumlage, städtischen Zuschlag, Kommerztaxe, drei Fihanzlandesbeajnte, zwei Exekutionsbeamte, sieben Kunden. w^ch^ mein,Lokal betraten, um .z»..te]ep^o,nj^ren,.dwi..'^^niden, die fragen kamen,, wie spät es ist, und einer,, ein wirklicher Kunde, der kaufen wollte, allerdings einen Korkzieher, während ich doch, wie Sie wissen, ein Schuhgeschäft habe." „Auch ich hatte", sagte ein vierter Bestemm- Händler, „heute einen bitteren Tag. Ununterbrochen ein Gelauf und ein Gerede. "Von einem Amt zum andern. Im Taxamt wartete ich den ganzen Vormittag, und als ich endlich zum Schalter gelangte,, hieß es : ,Komraen Sie morgen!.' Da konnte ich mich nicht länger zurückhalten und machte einen Mördsskandal. Als ich erklärte, ich sei ein angestrengter Mensch, müsse im Geschäft sein, meinen Lebensunterhalt verdienen, nahm man mit mir ein Protokoll auf und jetzt werde ich einen Prozeß wegen Amtsehrenbeleidigung haben. Das sind Geschäfte!" JEin Protokoll? Das ist gar nicht s. Ich habe vielleicht schon ein Dutzend Strafprotokolle wegen Offenhaltens des Ladens nach der vorgeschriebenen Sperrstunde." „Wer heißt Sie bis über die Sperrstunde im Geschäft sitzen?" „Soll ich vielleicht mit leerer Tasche nach Hause i kommen?... Man will doch ein paar Groschen.. .. O weh, bitteres Brot." „Und wem ist eingefallen, aus uns Kaufleute zu machen? Wessen Idee ist es gewesen?" „Wahrscheinlich ist es eine jüdische Provokation! Ein jüdischer Racheakt, eine fürchterliche Verschwörung der Juden gegen uns Endekes, gegen uns, die großen Nationalderaokraten mit dem schönen Monogramm N. D... „ den Handel in unsere Hände hinüberzuspielen, damit wir ein mieses Ende finden," „Ich verstehe gar nicht, was man von mir haben: will; von mir, einem ruhigen Bürger, einem Ehrenmitglied der alten gemütlich-antisemitischen Garde, Wenn ich wollte, ging ich auf die Jagd oder ins Cafe" : und las dort meinen „Völkisch - Polnischen Be« obachter", oder ich besuchte eine vaterländische Kundgebung. Da nimmt man mich und macht aus mir einen — Händler! Der Teufel soll es holen..,: „Jetzt", rief einer der neuen Kaufleute mit einem Klatsch auf die Stirn aus, „jetzt verstehe ich, weshalb die Juden ein solches Geschrei machen, wenn man? ihnen das Gewerbe wegnehmen will. Sie machen mit heimtückischer Absicht ein solohea Aufsehen, Uta glauben zu machen, daß das Krämergewerbe wer weiß; Was für eine Goldgrube, ist, nur damit wir es an ups" reißen." „Jetzt haben wir es an uns gerissen und halten das teure Gnadengeschenk fest." „Wirklich, die ganze Sache ist von einem jüdischen Hirn ausgeheckt!" »jpscbakrewl4' . . „Ja. Eine jüdische Verschwörung. Die Juden sind es, die alle antisemitisch«* Parolen ausgegeben und alle -antisemitischen Ex*es*e inszeniert haben... mit all dem Boykott Und dein Postenstehen. All das ist ein jü4isehes ÄfanÖver — und wir sind ihnen hereingefallen." „Was hat man also jetzt?", fragte einer der Be^temm-Kaütleute und gab ein<Sft Schnäekerltoti von sich. »»Man muß eine Gegenaktion schaffen, einen neuen allpolnischen Verein mit der Losung J3er Handel den Juden!' gründen. Der ganze Handel den Juden. Sie sollen es wissen: ,Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein'..." „Richtig", sagte einer und blickte traurig ins leere Schnapsglas. „Wir müssen Schluß machen mit der bisherigen, GewerbepoUtlk, mit den Boykottposten. Und wenn unsere Führer nicht hinter uns stehen, werden wir einen Proteststreik machen und die Läden schließen. Warum sollen nur die Juden das Recht haben, ihre Läden zu. sohließen, sogar zweimal in der Woche, am. Samstag und am Sonntag, und wir nicht? Das wäre ein Skandal. W i r sind doch die Herren des Landes und sie, die Juden, die Zugereisten!" „Nieder mit dem Boykott! Nieder mit dem Postenstehen!" „Freier Handel für die Juden! Der ganze Händel den Juden!" „Bravo! Bravo!" (Nach dem Jiddischen bearbeitet von o. r.) . ~—*■! Jüdisch« Volk, antworte! Von Qedalja ben Blies er.- Dr. Heinrich-Glanz Verlag, Wien. Aua diesem Büch spricht ein jüdischer Mensch, der den zurückgelegten Weg im Geist noch einmal durchgeschritten und hiebei eine Erkenntnis eingeheimst hat j die ihn von Grund auf verwandelt. Die. Erfahrungen in der Jugend, der Weltkrieg, die Fremdheit der Umgebung, trotz des innigen Verlangens, in ihr aufzugehen, .die Bitterkeit des immerwährenden Verstoßenseirisi öder Abseitsatehens — all das bricht in dem jüdischen Menschen auf und kristallisiert sich in dem Ruf: Ich will Jude aeüi> einem Volk zugehörig wie alle anderen, in einem: Staat lebend, der der meine ist, stölz und würdig und kraftvoll, und vor allem' Herr über mein Schicksal, über mein bewußt 'jüdisches SiehiöKaaT . . . 'Der Verfasser gibt nun. der psychologischen Analyse der Situation eine völkerrechtliche'-BasiS in grdßääomatiech'Äm Sinn, an die Forderungen^ Leo PinWers und 'theodor Herzte anknüpfend. Se^n-I*Iän'!geM^über^äen>RaJ>men' derzionistischen Organi« aätiori hinaus, den er für zu eng empfindet. Er entwirft eine'großzügige Konzeption: Die Zukunft gehört der Jugend. Diese muß sich auf den Böden des Makkabi- Gedankens stellen, Trägerin des Makkabismus werden und ih-allen Landern der Galüth eine jüdische „Makkäbistische Legion" als Selbstsehut«formation schaffen — für den Jüdischen Staat Unterwegs. Der Makkabismus in der Auffassung von Gedaija ben Elieser (das Pseudonym des Verfassers) kämpft ifür die Freiheit, die Ehre und das Glück des jüdischen Volkes; mit dem Endziel Judenatäat, und sollte Palästina heute noch nicht alle Vorbedingungen erfüllen, könnte gleichzeitig ein zweites Territorium softmgeia als Reaerveterrain für den Judfenstaat mitvorbereitet werden. — Es ist ein kühnes, oft ein wenig naives, immer aheykämpferisches und ehrliches Buch, ein Büch für die Ehre unseres Volkes, und der temperamentvolle, von Patriotismus glühende Verfasser hat das Recht, auf seine Aufforderung vom jüdischen Volk Antwort zu verlangen. ' o. r. . Das Spraehenproblem im Judentum Unter diesem Titel hält Dr. Kari Saas Montag, den 6; Dezember, um a/28 Uhr abends im Verein für jüdische Geschichte und Literatur, Klubsaal der, Hakoah, J„ Wiesingerstraße U (Souterrain des Cafe Atlashof), einen Vortrag, der allen interessierten Kreisen aufs wärmste empfohlen wird. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung dea Blattes.) Oesterreich:/Per Pfarrer von Kirchfeld. F r a n.k r e 1 c h: La grande illusion. Amerika: Das Leben Emile Zjolas — Der Seeteufel. —\Im Schatten der WolkenkratzerKönigin Viktoria — Der letfcte Zug aus Madrid — Für Sie, Madame— 100 Männer um 1 Mädel — Skandal auf der Renabsiui Im siebenten Himmel — 1M8,. der Friede brach aus Der anonyme Kavalier ~- Goldrausch — Aua der Werlfist&tt der G-Men — Broadway Meiody 1938 — Das Skl&vensehiff — Der große Qambini — Caf* Metropole — Kögel — ZlgeunerprinzeBsiu — Flammende Nächte — MÄdel aus Paris — Das blonde Gespenst — Feuer über Irland— Ein Star ist geboren — Romeo privat — Olympiade der Unterwelt. filme Unie* Arterpavagrapli Zauber der Boheme ~- Das Schwelgen im Walde— Die Stiouue dea Wersens Zu neuen Ufern — Ein Volksfeind vf Sherlock gtottnea ~^JMe glücklichste Ehe von Wien — fetfir bn Schnee ,D«r aerbrocjiene Krug — Manege — Kein Wort von Liebe — Der letzte Wiener Flaker — ftoienttne — {topfen* und der Diplomat — Der Katzen« fttftjg —Die Wülgen $tta4er .r- Fanny ElÄler — Gabriele MMAt Abenterje* — D*s große Abe*it*u»r — Serenade •&k£^mA "WD^^m*ul 1 m. T%m m\*m —■ "fmm jptfüw^iiPwp ■j^BflMMvu i^impw^JMVWII». Theater „TJriel Acosta" Im Jüdische« Kulturtheater. In der am 8. Dezember d. J. im Jüdischen Kulturtheater (I., Franz«Josefa-Kai 3) stattfindenden Erstaufführung der Neubearbeitung des Trauerspiels „Uriel Acosta". von Kart Gutzkow, das von Fritz Links inszeniert wird, sind die Hauptrollen wie folgt besetzt: Manasse Vanderstraaten, ein reicher Handelsherr in Amsterdam, Marcel Barth; Judith, seine Tochter, Martha Auf färber; Ben Jochai, ihr Verlobter, Michael Orlaii; De Silva, Arzt, ihr Oheim, Otto Trill; Rabbi Ben Akiba Frita: Links; Uriel Acosta Rudolf Weiß; Esther, seine Mutter, Alice Koch; Rüben, sein Bruder, Max Fried mann. De Santos-Van der Emden, Rabbinen Jarno Klüger und Franz Mann. Das Bühnenbild hat Gottfried Fr. Berg er entworfen. Jüdische Kllnstlerspiel*. Im Rahmen des Gastspiels Sevilla. Pastor gelangt die erfolgreiche Posse „Juki kriegt Petsch mit Sevilla Pastor und Dolly Nachbar auch weiterhin zur Aufführung. Sonntag nachmittags „Tanzt, Jldelach , Dienstag „Hutje Kapzen", Mittwoch nachmittags „Juki kriegt Petsch . Igr. Klnderbewahranstalt des Vereines Wohlfahrt. Sonntae, den 5, Dezember 1937. präzise 16.30 Uhr, findet in den Räum«» der Isr. Kinderbewahranstalt. IL, Schiffamtsgasse 16, eint Kinder-Bekleidungsfeier statt. Festprogramm: Festgesänge unter Mitwirkung des Herrn Oberkantors Gerson M a rgulies mit Chor; Festrede, gehalten vom Vizepresident Dr. Berthold S p 1 e g 1 o r; Kinderspiele, aufgeführt von den Kindern der Anstalt i Betellung sämtlicher Kinder des Instituts mit kompletter Winter kleidun g und Spielsachen. Empfehlenswerte Firmen RESTAURANTS, CAFfiS etc. Cafe Atlashof, I., Franz-Josefs-Kai 1, Tel. R-28-2-28. Cafe" Augartenhof, II.. Untere Augartenstraße 46, Telephon A-^-O 7|'uch8baumf JJ t Kleine Pfarrgasse 21. Bürgerliches Famlllencafe. , Caf^-Bestayrant „De France". I.. Schottenring 3, Telephon A-16-3-74. Erstklassige Küche. Billige Preise. 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