Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 706 (3.12.1937)
- Date
- 1937-12-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 706 vom 3. Dezember 1937 Billig« Weihnachtsreise mit der ,Czernow8tzer Allgem. Zeitung' nach Polen und Czernowiti «Hl 3f. Daxembar i*t7. Rückfahrt im 6. Jänner 1988. r„fvaiiÄ „M a r i e n b r 0 c k i" Wien I, Rotenturmstr. 26. Telephon R - 34 - U - 88/87 ab. Sie verzichteten auf die „Kriegsbeute". Seitens der Juden wurde kein Siedler Saronas geschädigt. Es ist gut, diesen Vorfall in Erinnerung zu bringen. Er bezeugt die schamlose Verleumdung des Berliner Naziblattes und den Dank de* deutschen Kolonisten von Sarona, die jetzt in antisemitischer Haken« kreuzlerei tun. Präger Glacehandschuhe Seit dem 18. April des Vorjahres tobt in Palästina der arabische Terror. Einige hundert Menschen sind ihm zum Opfer gefallen: Völlig unschuldige Juden, die ihrem schweren Tagwerk nachgingen, darunter Frauen, Spitalspflegerinnen, und auch Kinder, Schulkinder. Mit unheimlicher Perfidie begehen die arabischen Terroristen — noch ist trotz des britischen Eingreifens' kein1 Ende abzusehen — ihre Schandtaten. Meuchlings, hinterrücks schießen sie und werfen sie Bomben, verschwinden dorthin, wo ihre Schutzwinkel sich befinden, taücheri unter in den Hütten der Dörfer, deren Bewohner ihnen den gehörigen Rückhalt bieten. Einzelne Juden, soweit sie bewaffnet waren, wehrten sich, und es sollen auch Fälle vorgekommen sein, daß Juden in höchster Erbitterung und vehementem Zorn Vergeltungsakte begingen... Positives ist nichts bekannt. Man weiß bloß, daß in Jerusalem nach Bombenwürfen seitens arabischer Terroristen einige Araber von Gewehrschüssen getroffen wurden und daß die englische Polizlei hinter diesem Vorfall jüdische Hände vermutete und 'einige Dutzend junger Juden — nicht nur in Jerusalem selbst, sondern in verschied en en Gegenden des Landes! — verhaftete, hauptsächlich Revisionisten! Der Jischuw ist erregt. Die Folgen der Jerusalemer Vorfälle waren im Augenblick nicht abzusehen, und da und dort ermahnte man die erregte I, O P E R N R 1 H C 11 Täglich Abendkpruerf . •Normale Tagespreis» .'• Art-, genehmer Aufenthalt Treffpunkt der besten Gesellschaft Sämtliche inu. ausländische Zeitungen liegen auf zionistischen Blatt als selbstverständlich, daß die Engländer Akte der jüdischen Abwehr, wenn sie organisiert erfolgen sollten, in die gleiche Kategorie einreihen Würden wie den ÄrÄbiÄcheft Terrör.*Wahrlich, eine Betrachtungsweise, die man nur als pathologisch bezeichnen kann. Allerdings darf und bei einem Statt,' das die Zerschneidung Palästinas als „höchste staatsmännische Weljtfttit" ansieht, ätldh die perverseste Haltung nicht Übertaschen. Die Asi fiitilatfon rührtsich Den fortlaufenden Berichten der „Wahrheit", dem Blattender „Union österreichischer Juden", ist zu entnehmen, daß jetzt seitens der „Union" eine lebhafte Kampagne gegen den jüdischen Nationalismus und Zionismus geführt wird. Alle ihre Veranstaltungen sind ausschließlich diesem Gegenstand gewidmet. In einer der letzten Nummern der Zeitung wird Uber eine ,,Union"*Versammlung berichtet: „Der Präsident der Union, Herr Dr. Ö p p e nh e i m, führte u. a. folgendes aus: „Die Jüdisch- WD Restaurant Stefanie iw jüdische Jugend zur Ruhe, zur Beibehaltung der;;Hawlagah", zur Selbstbeherrschung um jeden Preis. Aber nicht ' überall wurde' diese Mahnung mit Zufriedenheit aufgenommen. Es gab, wie bei jedem Volk, auch unter den jüdischen Jünglingen Palästinas ein paar Hitzköpfe, ein paar Fanatiker, denenob ^err arabischen Greueltaten das Blut zu Kopf gestiegen war und denen die englische Abwehrzu ungenügend schien, junge Menschen, die bereit waren, mitdem Gewehr in der Hand selbst Ordnung zu machen. Ob gut oder schlecht. Jedenfalls; sind ihr Zorn und ihr Eifer begreiflich. Mit öder Schulmeistern ist dem nicht zu begegnen. Wie bei allen Erscheinungen-patriotischer Reflexe haben auch diesmal die Kleinzionisten, die Teilungsenthuaiasten, die Ghettonaturen, in Prag und Umgebung geruhsames, . betuliches, beschauliches Benehmen an den Tag gelegt und den übereifrigen Herzen die Leviten gelesen. Nun, das wäre im.Grunde nicht das Aergste, aber die Vertreter der oben charakterisierten Geistesrichtung, die Prager „Selbstwehr", läßt es nicht bei einer „Rüge" bewenden, sie geht weiter. Sie spricht das Wort aus: „Gegenterror." Sie begreift nicht, daß in Palästina Bürgerkrieg herrscht. Sie begreift auch nicht, daß ihre ethische Forderung des Sichab: schlachtenlassens deswegen so verurteüenswert ist, gerade weil sie ,,tausende Kilometer vom Schuß" ausgegeben -wird, also in der gleichen Distanz vom Schlachtort wie die andere, von ihr getadelte, ja, denunzierte Forderung: die Hawlagah aufzugeben. Die „Selbstwehr" ist aber auch mit den Engländern nicht zufrieden, mit ihren Methodep der Bekämpfung des arabischen Terrors. Sie,: schreibt mit Tränen des Mitleids für die unschuldigen arabischen Banditen: „Man hat im Vorjahr einen ganzen StadtteU in Jaffa dem Erdboden gleichgemacht... hunderte Häuser in arabischen Orten in die Luft gesprengt... Verhaftungen... Kollektivstrafen über arabische Dörfer und Städte... Dies alles geschah in nicht gerade r ü c k si c h t sv o 11 er'Weise ..." Die „Selbstwehr" hätte das' für die Unterdrückung des arabischen Blutterrors nach Palästina dirigierte englische Militär statt mit Gewehren — mit Glacehandschuhen ausgerüstet und ihnen die. ethische Pflicht mitgegeben, mit den Banditen rücksichtsvoll «mzugehen. Andererseits aber erscheint es dem II, Taborslra 1t 12 Telephon R48-4-46 HUGO und JULIE HETLINGER geb. Zöllner - ' Erstklassige renommierte Küche, -. große Auswahl : - ■• RelchhaJtlgo Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung Täglich frische Fische ' Neu renovierter Speisesaal' / AngenehmerMitänthalt / ' # nationalen inner- und au.ßerhalb der Kirltusg'emeihde sind nicht dazu berufen, die Beschützer der: Rechte der österreichischen Juden zu seim Das besorgt schon die „Union". — Zuletzt berichtete (Kultusvorsteher) Dr. Feldsberg über die Ausweitung der jü d is c h na t i o n a 1 e n Propaganda durch einen Teil der Beamten der Israelitischen Kultusgemeinde. Der jüdischnationale TerrorismuSj der auf die Beamten ausgeübt wird, geht so weit, daß es Beamte gibt, die die Folgen ihres Bekenntnisses zur „Union" fürchten..." Ueber Herrn Dr. Feldsberg ist wenig zu sagen. Sein „jüdischnationaler Terrorismus" in der Jüdengemeinde ist eine glatte Erfindung. Solange er keine Beweise durch Anführung von Tatsachen und Namen erbringt, muß er es sich wohl gefallen lassen, daß seihe Behauptung als niedrige |Verl»Bumdung abgetan wild. ^ÄucMvaie Uebe&eblfehlreit,.imft welcher Herr Regierungsrat Dr. Oppenheim den nationalfühlenden Juden, äls"c#äer Juden, das Recht abspricht, > sich um die staatsbürgerlichen Rechte- .der österreichischen Juden au kümmern, ist nicht sonderlich aufregend. Und seine Erklärung, daß die „Union" alleö „besorgt", . wirkt entschieden erheiternd, wenn .man an die Resultate denkt, welche die liberal, orthodox, sozialistisch und sonstwie gefärbte Assimüation auf dem Gebiete des. Judenschutzes und der; „Annäherung an die nichtjüdiche Umgebung." erzielt hat. Die Zurückweisung von Unwahrheit und Ueberheblichkeit ist notwendig, aber noch wichtiger scheint die Beantwortung der Frage: Wie ist es gekommen, daß die von vielen Zionisten totgeglaubte und totgesagte Assimilation -sich wieder regt? Daß sie sich regt, ist unbestreitbar. Der Grund hiefür ist auf zionistischer Seite zu suchen. Hier hat in den letzten Jahren eine Passivität gegenüber dem Galuth-Judentum, gegenüber den schweren Nöten des in seiner wirtschaftlichen und politischen Existenz verhängnisvoll bedrohten und gepeinigten jüdischen Volkes in der Diaspora Platz gegriffen. Diese Passivität ermutigt alle Gegner des Zionismus und besonders die Assimilanten zü Vor-* stoßen und dem Versuch, die verlorene Führung im Judentum wieder zu erlangen. Welches Bild der Tätigkeit bieten heute viele zionistische Gruppen dem Galuth- Judentum.? In „negativer" Hinsicht: Streit über Zweck und Ziel des Zionismus und über die Gestaltung des Lebens in Palästina. (In der Wiener Judengemeinde ist es dahin gekommen, daß zionistische .Sondergruppen, die „Radikalen"'und das „Arbeitende Palästina", gewöhnlich geip*einsam mit der antinationalen „Union" Front gegen den Zionistischen Block machen, mit dem löblichen Bestreben, aus der zionistischen ■'Majorität eine Minorität zu raachen.) In „positiver" Hinsicht manifestiert sich die zionistische Arbeit dieser Gruppen in Geldsammlungen, Gedenk-, Geburts- und Todestagfeiern, historischen, literarischen und musikalischen Demonstrationen, Lichtbildervorträgen usw. Alles notwendige und schöne Dinge. Aber dürfen sie das Um und Auf nationaler Arbeit bilden? Darf man sich in der Arbelt fernab von der qualvollen jüdischen Wirklichkeit halten? Zionismus ist Arbeit für das jüdische Volk überall und in allen seinen Teilen. Alles andere ist Verfälschung des Zionismus. Hier tut Selbstkritik und Selbstbesinnung not. In schweren Zeiten, da die Assimilation auf allen Linien versagte, waren die Zionisten, die nationalen Juden, überall zur Stelle, wo es galt, die Juden für den Kampf um ihr menschliches und bürgerliche» Recht zu' Organisieren. Diese Tradition muß wieder zur Geltung kommen. Das neue Regime in Brasilien Aus Rio de Janeiro (J. T. A.): In jüdischen. Kreisen Brasiliens verfolgt man mit wachsender Besorgnis die politische Entwfeläsflg Ihi Lande. Man befehlet* daß die Ümwandiung Brasiliens in einen Dlktaturataat den Status der 40.000 in Breiten lebenden Juden ernst* Üch gefährden könnte, öie führenden jüdischen fefatetlichkeiten sind der Ansieht, daß nur eine Intervention selten« des amerikanischen Judentums im* stände wäre, die brasilianischen Juden vor einer Katastrophe zu schützen. Da jedo0 in Brasilien Krlegsrechtt herrscht, wagen sie nicht, ÖffftÄ Befürchtungen laut Ausm druck zu geben, bei den Behörden zu protestieren oder die Juden in den Vereinigten Staaten auch nur über ihre Läge zu Informieren. Während man noch bis vor kurzem die antisemitische Bewegung in Brasilien als unbedeutend abgetan und die Ansicht vertreten hat, ta sei das Beste, sie ZU ignorieren, steht man heute vor der Tatsache eine* bedrohlichen . Anwachsens des Antisemitismus. Früher waren es nur die integrallstisehen (faschistischen) Zeitungen, welche die Juden angriffen. Jetzt haben auch die Organe anderer politischer Richtungen eine antisemitische Kampagne begonnen. Gleichzeitig ist ein deutlicher Wechsel im Verhalten gewisser hoher Reglerungsbeamten und Militärs gegenüber den Juden zu merken. Brasilianische Polizeibeamte haben es wiederholt abgelehnt, Bewilligungen an jüdische Bürger, ihre Ver* wandten aus. dem Ausland herüberzuholen, zu erteilen. Auch gab es Fälle, da brasilianische Konsuln sich weigerten, Juden Visa auszustellen. In einigen Ländern haben die brasüianiachen Konsuln nur Leuten Visa ausgestellt, die Taufscheine vorwiesen. Jüngst hat einer der drei Oberstkommandierenden der brasilianiaachen Armee, General Newton Cavalcanti, öffentlich erklärt, Kommunismus sei „eine jüdische Erfindung", die Juden seien für alle Revolutionen verantwortlich. Die Rede Cavalcantis wurde in der gesamten antisemitischen Presse abgedruckt. Der Kommandant von Pernambuco, Oberst Azambuja Vilanova, beschuldigte in einer Öffentlichen Rede den Zionismus, daß, er die Treimaurerei und den Kommunismus (beide Bewegungen sind in Brasilien verboten) unterstütze. Der Erfolg dieser beiden Reden O P T I K E R _ KARLSEIDNER I, Frani-Joaefs-Kai 33 ' II, HollandstraB« 7 Fachmännischer Rat f Reiche Auswahl / Beste Qualität / Preiswert Wai-, daß die antisemitische Pressekampagne neuen Auftrieb erhielt. Eine Stellungnahme zugunsten der Juden von nichtjüdischer Seite erfolgt nicht, da dies unter dem heutigen Regime den Verdacht kommunistischer Neigungen hervorrufen würde. Liberale Politiker, die ehedem warm für jüdische Interessen eingetreten sind,; schweigen heute. Die Makkabiah 1938 abgesagt Aus London: Ueber die Verschiebung der! III. Makkabiah, die wegen der Lage in Palästina nicht mehr, wie beabsichtigt, Im Frühjahr 1938 stattfinden kann, wird seitens der Makkabl-Weltleltung erklärt: Die erzwungene Verschiebung der III. Makkabiah ist für uns alle ein herber Schlag, denn sie bedeutet eine Veiminderung unserer Leistung, ein kalt in unserem Fortschritt, eine gerade in der gegenwärtigen Zeit doppelt schwer empfundene Hemmung. Wenn wir auch auf dem Standpunkt stehen, daß die Makkabiah nur eine sportliche Veranstaltung ist und sein kann, so weiß doch jedermann, daß dieses größte jüdische Sportfest für Jischuw Kmmmttmmmmmmmtmmmmmmmmmmmimm^mmmmrtmm^^mammmmmmmmmmmm^mmrma^^m Magen-, Darm-, Nieren-, Leber- und Gallenkranke nehmen gern früh nüchtern ein Glas natür-* liches „Franz-Josef"-Bitterwasser, da es, frei von uni angenehmen Empfindungen raschest abführt und den Stoffwechsel nachhaltig anregt. Fragen Sie Ihren Arzt, und Galuth doch viel mehr bedeutet. Andererseits dürfte die Makkabiah nioht über die noch wichtigeren Interessen der Gesamtheit gestellt werden. Mit einem Beharren auf einem aussichtslosen Termin für die Makkabiah hätten wir uns und den Gesamtinteressen geschadet. Die Makkabiah ist verschoben. Ein schwerer Schlag muß überwunden werden. Aber: Wir haben jetzt mehr Zelt, die Makkabiah zu einer besser vorbereiteten, machtvolleren, gelungeneren Demonstration unserer Arbeit und Leistungsfähigkeit zu gestalten. Das sei unser Ziel für die nächste Zeit. Ein Schicksalsschlag hat üna gezwungen, die Vorbereitungszeit zu verlängern, sei es um sechs, sei es um zwölf Monate. Es wäre falsch, die Vorberoltungsarbelt abzubrechen. Lasset uns die Arbelt fortsetzen, als ob keine Verschiebung stattgefunden hätte* Dann werden wir mit der III. Makkabiah unserem Volke und der Welt, die bisher eindrucksvollste Kundgebung jüdischer Körperkultur darbieten können.