Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 706 (3.12.1937)
- Date
- 1937-12-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen treitaq, den 3« Dezember 1937 II« Jahrgang Nr« 7©6 V« b« b« Zeitung vom Verleger versende! „Journal expedle par l'6diteur" Tftl. Universitätsbibliothek REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN! Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig 8 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.60J Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; BnntSnien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 160.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balnrfen monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14,—t Schweis und die Übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit B bezeichnet« Anseigen sind entgeltlioh. HERAUS GEBER : R OBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: lX,Unwersitätssir. 8, Tel. A-20-2-78 - Erseheint Dienstag u. Freitag Auf zum Kampf gegen die Teilung! Die Weltleitung der Judenstaatspartei (Tel-Aviv), hat folgenden Aufruf erlassen: In der Atmosphäre täglich wachsender Erschütterung, innerer Zerrissenheit und kritischer ökonomischer Lage des jüdischen Volkes steht ihr, Juden und Zionisten, der schicksalsvollen Frage gegenüber, von der die Zukunft unseres Volkes in Erez Israel abhängt. , Gefährliche politische Illusionen und Kompromisse, von denen sich die offiziellen Instanzen und die zionistische Bewegung beherrschen lassen, haben die jüdischen Massen in der Gäluth und in Erez Israel vergiftet. D^ese Instanzen versprechen euch, Juden und Zionisten, einen" „Judenstaat" mit weiten nationalen und ökonomischen Perspektiven, mit großer Aufnahmsfähigkeit, freie jüdische Einwanderung, eine jüdische Uegierung und eine eigene Militärmacht. Unverantwortliche Menschen, politische Hasardeure versuchen mit Hilfe dieser verlockenden Losungen ihre politische Unzulänglichkeit, ihre schmähliche Niederlage zii vertuschen. Der Plan des zukünftigen Judenstaates wird von ihnen im' Licht unbegründeter Hypothesen, gefälschter Ziffern und falscher; Versprechungen dargelegt..;- Die' druckende Läst^'der;; palästinensischen Uh-3 ruhen,.die schweren Verfolgungen, denen wi^'im'Länäe unserer Hoffnungen und in den Galuthländem ausgesetzt sind, wo unsere Brüder ihrer politischen und wirtschaftlicehn Freiheit beraubt werden — alle diese Leiden nützt die Zionistische L'eitung dazu aus, um demjüdischen Volk die Teilung Erez Israels aufzuzwingen. Die. Zionistische Leitung schreckt auch nicht davor zurück, sich der Parteigerichte zu bedienen, um die Stimme der Kämpfer für die zionistische Wahrheit und gegen die Teüung Erez Israels zu ersticken. Merkt ihr denn nicht die „klugen" Verführungskünste, mittels derer die zionistischen Instanzen stets ihre Niederlagen zu vertuschen, die lauernden Gefahren vor euch zu beschönigen suchen? Habt ihr denn die Vergangenheit vergessen? Bedarf es denn im Lichte der gegenwärtigen Lage noch einer Erklärung, einer Erinnerung an die systematischen Niederlagen der Leitung? Bedarf es einer Warnung? Und doch ist scheinbar die Notwendigkeit vorhanden, euch an all diese Dinge zu erinnern und zur Tat zu wecken, denn die Abwehrkraf t des jüdischen Volkes und des palästinensischen Jischuw ist geschwächt. Die Mandatsregierung hat ihr Ziel erreicht: sie hat uns den Ausweg verrammelt, sie zwingt uns kategorisch, den gefährlichen Plan kampflos anzunehmen. Durch ihre Stellungnahme, durch feige Anbiederung und rückgratlose Nachgiebigkeit unserer nationalen Instanzen hat die Palästina-Verwaltung in ihnen willkommene Unterstützung gefunden. Euch aber sagen sie: „Juden, erklärt euch mit der Teilung des Landes einverstanden! Wir haben keinen anderen Ausweg. Das Mandat . ist tot und wird nicht wiedererstehen. Die wirtschaftliche Krise des jüdischen Jischuws droht sich auszubreiten, und ihr werdet Hungers sterben müssen!... Wir werden den Niedergang des begonnenen Aufbauwerkes miterleben müssen, wenn wir nicht ftir die Teilung des Landes stimmen!... England will das Mandat nicht länger ausüben, das jüdische Volk ist schwach und machtlos..." So sprechen die Führer der zionistischen Bewegung, die unser Schicksal lenken — in Jerusalem, London und Genf. Juden und Zionisten, es ist nicht wahr, daß die englische und internationale Öffentliche Meinung auf selten des Teilungsplanes steht! Es ist nicht w a h r, d a ß d asjüdischeVolksc h w a c h i s t; daß wir keine Freunde haben,»die bereit sind, uns in unserem Kampf zu unterstützen, und daß nur die Teilung des Landes de neinzi gen Ausweg bedeutet. Vergeßt nicht: Die Aufnahmstähigkeit des projektierten „Judenstaates" ist sehr beschränkt! An den von der Kgl. Kommission vorgeschlagenen Grenzen werden nur noch Aenderungen zum Schlechten vorgenommen werden, und das Gebiet, das für fruchtbare kolonisatorische Tätigkeit in Betracht kommt, wird noch verkleinert werden! Welche Aussichten harren der neuen, nach Erez Israel kommenden Einwanderer? Was werden sie in dem Zwergstaat ohne wirtschaftliche Möglichkeiten beginnen? Wovon werden1 sie leben können? in Billiger, Sonderzug! ^S.'"^^^^^^..^^^^^.] A u s k Ü* n -fi'frVHur^cfr 'A^wiaiaJWib'Ä *teW*«#e '--n&M FRANCOPOL •m,'Schwarzenbergplatz 7 neben .SclM»arz(enbergklno,U.-16-4-90, *J .MH'tWU'Hij'l IX,vAlth'anplatz 6 f \.',./A-10f5-71:': '»■ ■\ 1 Jüdische und nichtjüdische Fachleute'" weisen darauf hin, daß in diesem von allen Seiten beschnittenen Staate nur wenige Tausende Platz haben werden; daß das Gebiet, welches für Landwirtschaft in Frrge kommt, hur eine halbe Million Dunamumfassen wird; daß dieser Staat, mit Grenzen, die sich nur schwer verr teidigen lassen, zu einem Angriffsobjekt für die Nachbarländer werden kann; daß dieser winzige Staat keine Existenzberechtigung haben wird; daß die Steuerlast das Fundament der jungen, schwächlichen Wirtschaft gänzlich untergraben wird; daß das jüdische Volk und der Jischuw vor einer großen Katastrophe stehen, wenn sie der Teilung des Landes zustimmen. Mit Recht werden uns die kommenden Generationen des Verrates an unserer historischen Mission, des Verrates an unserem Volk und. an unserem Lande beschuldigen. Juden! Brüder! Schenkt den Panikmachern keinen Glauben! Noch ist es nicht zu spät! Noch kann man die Kräfte des jüdischen Volkes mobilisieren, den Kampf gegen die Teilung erklären! Das ist es, worauf unsere Freunde in der ganzen Welt warten. Das Gebot der Stunde heißt: Helft uns in unserem Kampf für die Erlösung des Volkes und die Unteilbarkeit des Landes! Weltexekutive der Judenstaatspartei (Tel-Aviv). Internationale Liga für akademische Freiheit Aus New York (J. T. A.): Die „Internationale Liga für akademische Freiheit" veröffentlicht einen von 202 akademischen Erziehern an 64 amerikanischen Universitäten unterzeichneten Offenen, Brief, an die „polnischen Kollegen", in welchem an diese appelliert wird, nicht zuzulassen, daß man jüdische Studierende zwingt, auf Ghetto, bänken Platz zu * nehmen, denn dies „schlage dem Geist der akademischen Freiheit ins Gesicht". RUNDSCHAU Eine infame Verdächtigung Wir hatten schon einigemal Gelegenheit, über die Stellung des jüdischen Jischuws in Palästina zu den dort befindlichen deutschen Kolonien zu sprechen, hauptsächlich über das bei Jaffa, bzw. Tel- Aviv gelegene S a r o n a. Diese Stellung war klar. Zwar hatten die deutschen Kolonisten von Sarona, die seit Jahren ausschließlich mit ihren jüdischen Nachbarn Geschäfte machen, nichts Eiligeres zu tun, als beim „Umbruch" Deutschlands die Hakenkreuzfahne zu hissen, aber die Juden ringsum ließen sie gewähren und kümmerten sich nicht weiter , um die ^politischen Manifestationen ihrer deutschen Lieferanten.. Nichts hatte sich seit 1933 geändert — höchstens, daß die Saronaer die von Hitler-Deutschland importierten Haßparolen gelegentlich von sich gaben. Zu einem Konflikt mit den dankbaren deutschen Siedlern ist es nicht, gekommen. Nichtsdestoweniger wagt das „Berliner Tageblatt", am 28. November folgendes zu schreiben: ,,, „Die Juden in Palästina haben es in steigendem Maße, •verstanden, sich mit der ihnen eigenen Skrupellosigkeit die Pionierarbeit der. deutschen Siedler zunutze zu machen. Die Machtergreifung durch den Nationalsozialismus in Deutschland war, auch für die Juden in Palästina das Signal, um die deutschen. Siedler in/ihrem wirtschaftlichen Bestand zu bedrohen. Es ist erfreulich, feststellen zu können*, dj,!ß auch die deutsche Heimat den Palästina-Deutschen in ihrem Bestreben, sich, aus der Umklammerung durch die jüdische Händlerschaft zu lösen," hilfreich die Hand reichte; Durch die Teilung Palästinas würden alle geschlossenen deutschen Kolonien der Willkür der jüdischen Gewalthaber bedingungslos ausgeliefert werden. Die in beängstigendem Tempo heranwachsenden jüdischen Städte, vor allem die Judenstadt Tel-Aviv, werden auch vor den Grenzen der deutschen Pflanzungen nicht haltmachen. Daher müssen alle Maßnahmen, die die britische Regierung wegen der Teilung trifft, den Lebensinteressen der deutschen Stammesgenossen Rechnung tragen. Insbesondere müssen ausreichende Garantien dafür verlangt werden, daß das völkische und wirtschaftliche Eigenleben der deutschen Siedler in einem etwa neu geschaffenen Staatswesen unangetastet bleibt." Selbstverständlich ist alles, was das Blatt über die wirtschaftliche Bedrohung der deutschen Siedler von Sarona schreibt, pure Erfindung, dreiste Verleumdung. Ein künftiges jüdisches Regime in einem Judenstaat wird mit Angehörigen nicht jüdischer Stammeszugehörigkeit so verfahren, wie es Kultur, Humanität und Völkerrecht gebieten. Aber es wird nicht dulden, daß ausgerechnet das Hakenkreuzlertum — ethische Ansprüche stellt und ausgerechnet an das jüdische Volk, welches von diesem Hakenkreuzlertum als der Abschaum der Menschheit hingestellt wird. Das „Berliner Tageblatt" mag sich noch so besorgt stellen — die Weit erkennt, daß dies nur ein Manöver ist, um uns Juden und das zur Zeit in Berlin nicht sehr in Gunst stehende-England zu verdächtigen. Die Auslassungen des „Berliner Tageblatt" geben Gelegenheit, eine Reminiszenz zu fixieren. Es war zur Zeit des Weltkrieges, als die britischen Truppen im Vorderen Orient gegen die Türken kämpften. Die deutschen Siedler von S a r o n a hatten ihre Wohnsitze verlassen. Schwere Tage waren über Palästina, das damals noch der Türkei gehörte, gekommen. Die Engländer boten den in Palästina lebenden Juden das verlassene Sarona, einen fruchtbaren, gut kultivierten Bodenstrich, an. Es wäre ein Leichtes für die Juden gewesen, sich inmitten der Kriegswirren die verlassene deutsche Siedlung anzueignen. Aber die Juden lehnten VERBAND DER IUDENSTAATSZIONISTEN ÖSTERREICHS pA>0^Mn: Samstag, den 4. Dezember 1937, um halb 9 Uhr^ abends, im Festsaale des Hotel Kontinental, Wien II» Eaborstraße & fesettsdutfiständ Akademie Mit law* Oberkantor IOSEF FEUER HILDE DUUTZKAIA PAUL O'MONTIS BODY WEISER Tanzkapelles /rfuks' witty vexers" Enlre S 1*50 # Vorverkaufastellen: Jüdische KuH turstelle, Wien, I., Kranz Josefs-Kal 3 Bücherstube Rath, IL, Taborstraße 20a —• Redaktion „Neue Welt", IX., Unlversltäta« straße 8 — Juweller J. Hauben, Wien, II., Taborstraße 39 — Judenstaatshelm, Wien, II,« Erlafstraße fi, \