Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 705 (30.11.1937)
- Date
- 1937-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE NEUE WELT Seite 3 Weltpolitik der Woche Die Meinung der Weltpresse geht dahin, daß das heute in London beginnende Gespräch zwischen der englischen Regierung und den französischen Ministern Chautemps und Delbos zum Wendepunkt einer neuen europäischen Politik werden kann. „Echo de Paris" spricht von der „wichtigsten Beratung der Nachkriegsperiode", in dem er darauf hinweist, „daß die Regierungen von London und Paris nicht vom Grundsatz der kollektiven Sicherheit abweichen werden, welcher für ihre seit 16 Jahren betriebene Politik wegleitend war." ' Daß französische Minister mit englischen Regierungsvertretern verhandeln, ist an sich keine Ueberraschung. Diesmal allerdings erscheint die englischfranzösische Aussprache in einem besonderen Licht. Denn sie erfolgte unmittelbar nach dem Berliner Bestien des Lord Halifax, der die Aufgabe hatte, festzustellen, wie sich die deutsche Regierung die Beseitigung aller bestehenden Spannungen vorstellt. London tut sehr geheimnisvoll. Die Ursache dieser Geheimnistuerei liegt vielleicht darin, weil die Unterredung des Lord Halifax mit Hitler die von vielen erwartete Enttäuschung gebracht hat. Man kann sogar von einer Blamage sprechen. Lord Halifax hat in Berlin nicht mehr und nichts anderes erfahren, als was jedem beliebigen Untertan als die nationalsozialistischen Ziele bekannt ist. Der „Manchester Guardian" hat die Ziele fixiert: Zurückstellung der kolonialen Forderungen gegen freie Hand im Osten und in Mitteleuropa. Zwar antwortete die Nationalsozialistische Korrespondenz mit maßlosen Beschimpfungen auf die angebliche „Brunnenvergiftung", aber der Wutaushruch dieses offiziellen Nachrichtenbüros vermag das Mißtrauen gegen die deutschen Pläne nicht zu entkräften. Die rasche Einladung Englands an die französischen Minister wird von informierten politischen Kreisen dahin gedeutet, daß man Hitler auf charakteristische Weise und in eindringlicher Form antworten will, indem man die Realität der französisch-englischen Entente von neuem unterstreicht. In dieser Realität liegt der wichtigste Faktor der europäischen Politik. Solange England und Frankreich in ihrer Beurteilung der Lage konform gehen, ist eine Explosion unwahrscheinlich. Wir haben in unserer vorwöchigen weltpolitischen Betrachtung („Die Neue Welt" vom 23. Nov.) die Handelsvertragsverhandlungen zwischen England und Amerika als den Beginn eines angelsächsischen Wirtschaftsblocks bezeichnet, der als Gegengewicht gegen den Block Berlin-Rom-Tokio wirken kann, wenn Frankreich sich anschließt. Tatsache ist, daß Berlin vor dem Druck dieses Wirtschaftsblocks Angst bekommen hat und sich darin einen Platz sichern möchte. Denn ohne hinreichende Versorgung mit Rohstoffen kann ein länger währender Krieg nicht geführt werden. Vielleicht werden jetzt in London Beschlüsse gefaßt werden, die kriegslüsternen Regierungen den Weg zu den Rohstoffen versperren. o. r. PaläätinasTeilusMg aiäditfdeHnitiv! Aus London: „ J e w i s h C h r o n i c 1 e" veröffentlicht einen Bericht seines diplomatischen Korrespondenten, wonach dieser von einer Seite, die „in enger Berührung mit führenden Persönlichkeiten der britischen Regierung steht", gehört habe, daß das Kabinett in der Palästina-Frage „langsam vorzugehen" beabsichtige. Die ernste und sich immer Weiter ausdehnende Inanspruchnahme durch die internationale Weltlage absorbiere die ganze Energie der Minister und zwinge sie, in jeder Nebenfrage, wie wichtig sie auch sein mag, vorsichtig vorzugehen, insbesondere wenn ein Forcieren der Sache die europäische und die Mittelmeer- Situation komplizieren könnte. In dieser Lage habe die britische Regierung nicht die Absicht, die widerstrebenden Araber oder sogar die ablehnenden Zio nisten zu zwingen, die Teilung anzuerkennen. Die Minister haben aber auch jetzt keine Zeit, eine andere Lösung auszuarbeiten. Daher könnten diejenigen Zionisten, die gegen dieTeilung sind, die Atempause benützen und einen Gegenvorschlag zur Vorlage im geeigneten Moment ausarbeiten. Das Zögern der Regierung, die überstürzten Methoden Ormsby-Gores mitzumachen, werde auch durch die Ueberlegung gerechtfertigt, daß die Ernennung eines High Commissioner bevorsteht, und daß es unrichtig wäre, eine definitive Lösung durchzuführen, ehe der neue High Commissioner sich geäußert hat. Inzwischen werde also das Mandat •fortgeführt. Die höchsten Militär- und Flottenautoritäten der Regierung stimmen darin überein, daß angesichts der heutigen Lage keine Rede davon sein kann, die Machtstellung der Mandatarmacht in Palästina abzubauen. I'ortrttt-AussteUung öo.jko, Sonntag, 5. Dezember 1937, halb 12 Uhr vormittags, wird in den Räumen der „Wizo", Wien, l„ Schottenring 25, eine Kollektiv-Ausstellung des bedeuteiiden jüdischen Porträtmalers S. Bojko eröffnet. Dem Publikum wird Gelegenheit geboten, die neuesten Arbeiten dieses international anerkannten Künstlers kennenzulernen. — Die Ausstellung bleibt täglich ab 5. bis 19. Dezember von 11 bis 1 Uhr und <t bis £ Uhr abends geöffnet. Politischer Bilderbogen Von Baruch Weinstein (Tel-Aviv), (Palästina-Redakteur der „Neuen Welt") Tel-Aviv, 23. November. Die gemäßigten Araber versuchen jetzt, ihre Kräfte zu konsolidieren, um eine neue arabische Repräsentanz zu schaffen. Sie tun dies aber sehr langsam, denn sie haben Angst von den terroristischen Banden, und man muß zugeben, daß die Angst berechtigt ist. Obwohl die extremen arabischen Führer nicht in Palästina sind und obwohl die Regierung den Obersten Arabischen Rat liquidiert hat, existiert immer noch ein starkes terroristisches Zentrum. Es befindet sich in Jerusalem selbst und gibt Befehle aus. Nashashibi und seine Freunde, die jetzt einen neuen arabischen Kongreß einzuberufen planen, dessen Mitglieder nicht auf parteiischer, sondern auf nationaler Basis gewählt werden sollen, sind gezwungen, die Existenz des terroristischen Zentrums in Betracht zu ziehen. Aber von Fall zu Fall erscheint die Nahashibi- Partei auf der politischen Tribüne und gibt ihre Erklärungen ab. Am 2. November hat sie die traditionelle politische Formel der arabischen Forderungen verkündet. A bschaffung der Balfour-Deklaration und Installierung einer nationalen arabischen Regierung. Nach den blutigen Geschehnissen in Jerusalem hat sich Nashashibi an die Spitze der arabischen Delegation gestellt, die eine Unterredung mit dem Vertreter des Oberkommissärs Wauchope hatte. Wenn man jetzt, von „gemäßigten" arabischen Stimmungen spricht, so darf man nicht theoretische Erwägungen, sondern nur trockene Tatsachen ins Kalkül ziehen. G" Verband der Judenstaatszlonisten © Mittwoch, 1. Dezember 1937, halb 9 Uhr abends, im Zentralheim, II, Prafierstr. 30 Sitzung des Mantfsrotes Tagesordnung: 1. Die Affäre Großmann 2. Organisationsfragen Separate Einladungen ergehen nicht! Was hat Nashashibi und seine Delegation, \va3 haben die „Gemäßigten" verlangt? Man kann leicht über die Forderung, den „jüdischen Terror" zu unterdrücken, zur Tagesordnung übergehen. Wichtig hingegen sind die politischen Forderungen, welche man mit ein paar Worten wiedergeben kann: das Palästina-Problem könne man nur lösen nach dem Muster von Aegypten, Irak und Iran, d. h. durch Schaffung einer arabischen Regierung mit Sicherung der Minderheitsrechte. Und was den Teilungsplan anlange, betrachte ihn die Nashashibi-Partei als einen Faktor, der nur die Spannung im Land verstärken könne. Obwohl verschiedene Gerüchte betreffs Verhandlungen zwischen Emir Abdullah und Nashashibi, die zu einem Einvernehmen kommen und den Teilungsplan akzeptieren werden, seit längerer Zeit zirkulieren, dürfen sich unsere Optimisten nicht übereilen und müssen in ihren Berechnungen vorsichtig sein. Umorganisieffung der Bewisli Agence? Der Führer der sozialistischen Gewerkschaft „Histadruth", Berl Katzenelson, woilt jetzt in Amerika in einer wichtigen, fast „historischen" Mission. Offiziell ist er nach Amerika gefahren, um sich an der Jahreskonferenz seiner Partei zu beteiligen. Faktisch aber führt er ernste Unterhandlungen mit dem amerikanischen „Arbei terrin g", um ihn für die Jewish Agency zu gewinnen. Unmittelbar nach dem Kongreß hat man in verschiedenen Kreisen die Nachricht verbreitet, daß unsere Linken sich gewaltig anstrengen und mit einer großen Armee zum nächsten Kongreß kommen wollen, der über die Teilung entscheiden 'wird. Wie stärkt m&n sich? Man fährt nach Amerika und wird versuchen, die gewesenen Bundisten und die Kreise des „Vorwärts" (Organ der jüdischen Arbeiterpartei), bisher stramme Antizionisten. zu ,,zionisieren". Verschiedene Vermutungen werden hier laut. Einige sagen, daß man bloß die Bundisten in die Jewish Agency hereinschleppen wolle, andere gehen weiter: der „Arbeiterring", die Vereinigung der jüdischen nichtzionistischen Arbeiter Amerikas", werde Schekel kaufen und zum Zionistenkongreß gehen, um für die Teilung zu stimmen. Aus allen möglichen Vermutungen, Gerüchten, Vorschlägen und Erwartungen hat sich, wie es heißt, ein Beschluß herauskristallisiert, der bedeutet: Der Tag ist nicht fern, an dem die jüdischen Arbeiter Amerikas eine gemeinsame und starke Front mit den Arbeltern Palästinas schaffen werden. JUDENSTAATSJUGEND Dienstag, den 30. November, halb 9 Uhr abends, im Zentralheim, II, Praterstrafle 30 || _ _ A Redakteur wvmmf Egon Schmerzier * Thema: Englands MeUp&Utik Gäste willkommen.' Man muß dieser neuen Tendenz des linken Flügel» im Zionismus ernste Aufmerksamkeit schenken. Unsere Erfahrung gibt uns Grund., zu glauben, daß dieser Versuch weitgehende Resultate sowohl für das Schicksal der Bewegung als auch für die Zukunft des Landes haben kann. Im Jahre 1929 haben die Linken den Plan der E r- Weiterung der Jewish Agency durch Nichtzionisten unterstützt. Damals haben sich unsere Sozialisten nach der amerikanischen Geldaristokratie hin orienviert, damals roch e3 nach Geld. Diese Orientierung hat Schiffbruch erlitten. Die erweiterte Jewish Agency ist nicht mehr als eine Fiktion. Darum geht man jetzt —> aber nicht nur wegen finanzieller, sondern auch wegen politischer Gründe — an eine Umorientierung heran. An Stelle der Geldaristokratie kommt das „jüdis c h e Proletariat" des Landes der Prosperity. Auch jetzt riecht es nach Geld, aber die Gefahr für den Zionismus besteht im politischen Beigeschmack dieses neuen brüderlichen Bundes: Man rüstet für die Teilung Palästinas. tiiMtartsdiläge gegen Polizeihunde Aus Jerusalem wird Remeldet: In der letzten Zeit haben arabische Terroristen in Jerusalem mehrere Anschläge gegen Polizeihunde sowie gegen deren englische Wärter unternommen. Es handelt sich um wertvolle Tiere, die aus Südafrika stammen und mit deren Hilfe in verschiedenen Gebieten Palästinas eine Reihe von Terrorakten ausgeforscht wurde. Einer dieser Hunde hatte kürzlich eine Spur 40 Küometer weit verfolgt und blieb dann plötzlich entkräftet liegen. Um weiteren Anschlägen zu begegnen, hat die Palästina-Regierung dia Wachen bei den Gehegen, in welchen diese Hunde gehalten werden, verstärken lassen. TeisAvvv bekomm* eine neue ftfatklhalie Aus Tel-Aviv: Die Stadtverwaltung von Tel- Aviv hat beschlossen, eine neue moderne Markthalle mit einem Kostenaufwand von 40.000 Pfund zu bauen. Es wurde ferner beschlossen, für die Schüler der städtischen Schulen Uniformen aus im Inlande erzeugten Stoffen einzuführen. Tel-Aviv gegen das Einwanderungsgesetz Aus Tel-Aviv: Die Stadtverwaltung von Tel-Aviv hat eine Resolution gefaßt, in der gegen das neue Eiriwanderungsgesetz scharf protestiert und dieses als „offener Bruch des Palästina-Mandats" und als „eine Gefahr für die wirtschaftliche Position des Jischuw" bezeichnet wird. Unruhen in Transjordanien Aus Haifa:. Das tschechoslowakische Preßbüro meldet: Die vom Reuter-Büro mehrmals dementierten Meldungen über einen Aufstand transjordanischer Stämme und über eine politische Unruhe im Lande werden jetzt aus sehr verläßlichen Quellen neuerlich bestätigt. Der Unruheherd befindet sich an der Grenze des von I b n Saud beherrschten Arabiens, wo auch transjordanische und englische Truppeneinheiten konzentriert wurden. Gleichzeitig langen Nachrichten ein, daß lbn Saud auf seiner Forderung nach Rückgabe von Akaba. beharre. Die Spannung zwischen lbn Saud und dem Emir Abdulla von Transjordanien hat wieder zugenommen. Einwanderung 1937 Aus Jerusalem: Von den in den ersten neun. Monaten 1937 nach Palästina gekommenen 8683 jüdischen Einwanderern (gegenüber 26.528 im gleichen Zeitraum des Vorjahres) wai'en 1085 Kapitalisten (gegenüber 2583 im gleichen Zeitraum des Vorjahres) und 1832 Arbeiter (gegenüber 6643 in der gleichen Periode 1936). Die Zahl der nichtjüdischen Einwanderer stieg von 1428 in den ersten neun Monaten 1936 auf 1494 im gleichen Zeitraum 1937. Von den insgesamt 10.177 in den ersten neun Monaten 1937 in Palästina Eingewanderten waren 3250 (unter ihnen 3214 Juden) aus Deutschland — im gleichen Zeitraum 1936 waren es 7319 — und 2655 (unter ihnen 2645 Juden) aus Polen (in den ersten neun Monaten 1936 waren es 10.531). Aus England kamen 543 Einwanderer, unter ihnen 69 Juden und 474 Nichtjuden. Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten 1937 13.138 Personen, unter ihnen 13.038 Judeo. (gegenüber 6869 in der gleichen Periode 1936), naturalisiert. 5682 Dunam Boden im September 1937 in jüdischen Besitz übergegangen Aus Jerusalem: Aus dem letzten Bulletin des Statistischen Amtes der Palästina-Regierung geht hervor, daß im September li-ü: J 6 3 2 Dunam Boden aus arabischem in jüdischen Besitz übergegangen sind. In den ersten neun Monaten 1937 wurden von Juden insgesamt 24.625 Dunam für insgesamt 329.056 Pfund erworben. 'lammmmmmmmmmm'^mmmmmmmmmm^mmitmmmmmmmBmmmßmmmmm^mm^tmmmm^m^ Nach Bauchoperaiionan bewährt sich das natürliche „Fi-önz-tJosef'-Bitterwasser als ein besonders nützliches Abführmittel, da es den Verdauungskaaial leicht und vollkommen reinigt und den getarnten Stoffwechsel nachhaltig fördert.