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Die neue Welt · 1937-11-30 · Heft 705 (30.11.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 705 (30.11.1937)
Date
1937-11-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DDB NEUE WELT Nr. 705 vom 30. November 1937 .Keiner von ihnen weiß..' Die Organisation des Hilfsvereins der Juden in Deutschland. — Fast ein Drittel nach Palästina. — Ueberseeländer. — Die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten. In Berlin wurde soeben die 36. Jahresversammlung des Hilfsvereins der Juden in Deutschland abgehalten. Während in den ersten 33 Jahren die Tätigkeit des Vereins in der Unterstützung mittelloser Juden im Reich bestand, hat er jetzt als Zentralstelle für die planmäßige Vorbereitung und Lenkung der jüdischen Auswanderung aus dem Dritten Reich die entscheidende Bedeutung bekommen. Die Versammlung erwies die Notwendigkeit des Aufbaues der „Jüdischen Heimstätte" in Palästina, die auch in der Zukunft tausende Juden aus Deutschland aufzunehmen bestimmt sein werde, betonte aber, daß infolge der gegenwärtigen Einschränkung der Palästina- Wanderung das Augenmerk auf Uebersee gerichtet werden müsse. Der Fräsident des Hilfsvereins, Max W a r b u r g, wies auf den großzügigen Ausbau der gesamten Organisation des Vereins hin. Es arbeiten jetzt neben der Hauptverwaltung in Berlin, von der täglich etwa 150 Menschen Rat und Hilfe erbitten, im Reich insgesamt 16 Verwaltungsstellen und zwei Hilfsstellen. Der Betrag, der an Unterstützungen für Passage und sonstige Leistungen gezahlt wurde, ist von 91.000 RM. im Jahre 1932 auf 1,621.000 RM. im Jahre 1936 gestiegen. Er wurde zur Hälfte von den ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen aufgebracht. Die bis jetzt erreichte Zahl von nicht ganz 14.000 Mitgliedern sei viel zu gering. „Es darf keinen Juden in Deutschland geben, der nicht Mitglied des Hilfsvereins ist", sagte Max Warburg. „Keiner von ihnen weiß, wann die Auswanderungsfrage an ihn selbst herantritt . . . Vor allem erwarten wir auch von den Juden aus Deutschland, die jetzt im Ausland Fuß gefaßt haben, eine viel stärkere Unterstützung als bisher. Von den seit 1933 aus Deutschland ausgewanderten 120.000 Juden ist fast ein Drittel nach Palästina gegangen. Wir werden aber damit rechnen müssen, daß von den Juden, die 1937 Deutschland verlassen, höchstens der vierte, vielleicht nur der fünfte oder sechste Teil in Palästina einwandern kann." Max Warburg stellte fest, daß der Versuch, Auswanderer in Europa unterzubringen, mißlungen ist. Die erneut notwendig gewordene Wanderung bereits Ausgewanderter hat die Neuauswanderung belastet. Deshalb hat der Hilfsverein in Zusammenarbeit mit der Reichsvertretung der Juden in Deutschland die Voraussetzungen für die Unterbringung von Juden aus Deutschland in überseeischen Ländern an Ort und Stelle untersuchen lassen. So hat Dr. Mark Wischnitz e r eine Reise nach Südafrika, Nord- und Südrhodesien und nach Kenya unternommen. Die Entsendung von 540 Personen mit einem eigenen Dampfer nach Südafrika unmittelbar vor der Verschärfung der Einwanderungsbestimmungen müsse trotz aller Kritik auch heute noch für richtig gehalten werden. Die Reichsvertretung hat eine dreigliedrige Kommission nach Brasilien entsandt. Nach den Berichten ist zu hoffen, daß in kurzer Zeit der planmäßige Aufbau jüdischer landwirtschaftlicher Siedlungen in den unerschlossenen Gebieten, namentlich des Staates Parana, möglich sein wird. In einem großangelegten Referat umriß Dr. Mark Wischnitzer die Praxis der Auswandererberatung und Auswandererunterstützung. Er gab ein Bild der Verhältnisse und Möglichkeiten in den von ihm besuchten Gebieten in Südafrika, Rhodesien und Kenya, skizzierte die Situation in den verschiedenen Ländern Südamerikas, wie Brasilien, Chile, Kolumbien, Bolivien und Argentinien. Als eine besonders erfreuliche Tatsache bezeichnete es Dr. Wischnitzer, daß ein Ansteigen der Einwanderung nach den Vereinigten Staaten festzustellen ist. Denn in diesem Lande können Vertreter von Berufskategorien untergebracht werden, die in den meisten überseeischen Ländern kaum in Frage kommen, namentlich Kaufleute, Akademiker und Angehörige sonstiger freier Berufe. Im Anschluß daran erwähnte Dr. Wischnitzer noch Möglichkeiten und Versuche in Ekuador, Kuba, Mexiko,* Costa Rica, auf den Philippinen, in Neuseeland, Venezuela und San Domingo. KINO'PROGRAMME Clark Gable, Myrna Loy Feuer über Irland (Der Roman eines Diktators) Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen SCHWEDEN Beginn:%3, 5, 'ABund ftlOUhr.Tel.A'49.0-60 ugarten- Kino II, Untere Augartenstraße 28 | Telephon A-40-5-88 j Bealnn : %4, 7,6, V,8, Vt10 Uhr 30. Nov. bis 2. Dez. Flucht aus St. Quentin mit Piet 0'Brien in deutscher Sprache Nicht weniger als 5543 Personen wurden im letzten Jahr mit finanzieller Unterstützung des Hilfsvereins zur Auswanderung gebracht. Innerhalb von knapp fünf Jahren konnten über 40.000 Juden aus Deutschland in den überseeischen Ländern unterkommen. Aus dem von Bankier Willy D r e y f u s erstatteten Finanzbericht ging hervor, daß die Einnahmen und Ausgaben des Hilfsvereins im vergangenen Jahr 1,973.000 Mark betragen haben. Davon wurden 1,459.000 Mark für Auswandererunterstützung ausgegeben. AUS ALLER WELT In einem Meeting in London sprach am 24. November Vladimir Jabotinsky über den Teilungsplan. In seiner zweistündigen Rede führte er aus, er zweifle, ob der Teilungsbeschluß durchgeführt wird, ja er sei überzeugt, daß man nicht vor einer vollendeten Tatsache stehe. Jabotinsky kam auch auf die jüngsten Verhaftungen von Revisionisten zu sprechen, die er als einen Verlegenheitsakt der Palästina-Verwaltung hinstellte. Der mexikanische Staatspräsident Lazaro Cardenas hat eine Verordnung erlassen, auf Grund deren die Quote für Einwanderer aus Polen, Rumänien, Litauen und anderen osteuropäischen Ländern mit jährlich 100, für Einwanderer aus Deutschland, Oesterreich,« Ungarn und anderen Ländern Mitteleuropas mit 500 bestimmt wird. Obwohl die Verordnung keinerlei Andeutung enthält, aus der eine rassische Diskriminierung abgeleitet werden könnte, sind von ihr doch in erster Linie die Juden betroffen, die in Ost- und Mitteleuropa das Hauptkontingent der Auswanderer stellen. Es geschieht zum erstenmal in der Geschichte Mexikos, daß eine Einwanderungsquote fixiert wird. * ' Der Verband der rumänischen Frauen hielt eine Tagung ab, die in einer Resolution die „Herstellung der Vorherrschaft der rumänischen Arbeit auf allen Gebieten" forderte. In einer anderen Resolution wird die Forderung nach Verbot von Mischehen verlangt; alle Regierungs¬ und städtischen Beamten, die Frauen nichtrumänischer Abstammung ehelichen, sollen unverzüglich ihres Postens enthoben werden. * Anläßlich des traditionellen Feiertages der litauischen Armee hat Staatspräsident Smetonas den jüdischen Oberleutnant der Reserve Breckmann zum Kapitän und die jüdischen Leutnants Adv. Goldberg, Adv. Ganionsky und Krasowsky?u Oberleutnants befördert. Armee-Rabbiner Snieg wurde eine besondere Auszeichnung verliehen. Wegen judi'sdier Volkslieder hmgeridifef Die Baseler „Nationalzeitung" schreibt: „Die Intrigen und Eifersüchteleien im Lager der Aufständischen, die gegensätzlichen Strömungen und ihre tieforan Hintergründe deckt ein Buch auf, das unter dem Titel „DOY FE ...", „Ich bezeuge ... Ein Jahr im Dienste des nationalistischen Spanien", soeben erschienen ist. Der Verfasser Antonio Ruiz Vilaplana war Justizbeamter in Burgos. Vieles, was er an Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten mitansehen mußte, hat der Justizbeamte schweigend hingenommen. Aber als eines Tages mit anderen unschuldigen Opfern sein Freund, der junge Komponist und folkloristische Schriftsteller Antonio J o s 6 auf Grund einer Denunziation hingerichtet wurde, nur weil er einmal eine Studie über den Zusammenhang der Sephardischen (jüdisch-spanischen) Musik mit den altspanischen Volksliedern veröffentlicht hatte, war das Maß voll. Ruiz Vilaplana flüchtete vor dem Geist der Inquisition aus Burgos und schrieb sich im Exil die Gewissensnöte eines spanischen Patrioten von der Seele." Die Lage der Juden im Vemen Aus Jerusalem: Laut Meldungen aus dem Jemen wird dort eine gefährliche Hetzkampagne gegen die jüdische Bevölkerung geführt. Die Agitatoren verbreiten u. a. das Gerücht, daß der Distriktskommissär von Galiläa, Louis Andrews, von Juden ermordet worden sei, die dadurch die Unruhe im Lande erhöhen ,und die Gegensätze zwischen Engländern und Arabern verschärfen wollten. Der jüdischen Bevölkerung des Jemen hat sich Panik bemächtigt. Weiter wird gemeldet, daß der Imam des Jemen, Y a h i y a, den Mufti von Je rusa- 1 e m nach dem Jemen eingeladen habe. Der Thronfolger des Jemen, Achmed Seib AI Islam, hat einen Aufruf zugunsten der palästinensischen Araber veröffentlicht und eine Geldsammlung für sie proklamiert. Staatsmeisterschaft im Hingen. Am Dienstag, den 30. November, gelangt um 20 Uhr im Saal des Hotel Post, I., Fleischmarkt 24, der Mannschaf ts-Meisterschaf tskampf im Ringen zwischen H a k o a h und der Polizei-Sportvereinigung zur Austragung. In. diesem Kampfe stehen sich die beiden „Erbfeinde" des österreichischen Ringsports gegenüber. Polizei ist der Wiener Mannschaftsmeister des Vorjahres. Heuer konnte sich die Hakoah diesen Titel bereits sichern und sich damit für die Staatsmeisterschaft im Ringen qualifizieren. Die Polizei-Sportvereinigung muß aber in diesem Kampfe noch, einen vollen Erfolg erringen, um sich ebenfalls die Teilnahmsberechtigung zu erwerben. Bei Berücksichtigung dieses großen Einsatzes und der auch sonst großen Konkurrenz der beiden Vereine ist ein scharfer Kampf zu erwarten, zu dem die beiden Mannschaften in ihrer stärksten Aufstellung antreten. Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaürat Robert Stricker. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kolb. — Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, alle Wien, IX., Universitätsstraße 6-8. z •45 •20 Stoffe, Seide: Hode-Dirndl-Velours schöne Dessins, "f bO breit.......S J Mode-Veluetine ideales Wintermat. für Dirndl u. Schlafröcke S RelnwoII-BouclG r° für Winterkleider ..SM Köper-Samt t90 tlorfest, Modef.,70br. S ** Kostüm-ii. 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