Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 704 (26.11.1937)
- Date
- 1937-11-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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w 1 Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 704 vom 26. November 1937 Ansprache halten, in der er u. a. auch auf die Stellung des Vatikans zu der jüngsten Entwicklung der politischen Lage in Palä's'tina zu sprechen kommen wird. Der Papst wird sich dabei einer Beurteilung der Ursachen der Ereignisse, die sich gegenwärtig in Palästina abspielen, enthalten. Er wird lediglich der Hoffnung Ausdruck geben, daß das Blutvergießen und die Gewalttaten in dem Lande, in dem zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit Worte des Friedens und der Versöhnung ausgesprochen wurden, bald ein Ende nehme. Er wird ferner dem Wunsche Ausdruck geben, daß die Heiligen Stätten der Christenheit geschützt werden und daß ein endgültiger Status betreffend die Heiligen Stätten in Palästina erzielt werden möge. Der Umstand, daß im nächsten Konsistorium die Erhebung des Monsignöre H i n s 1 e y von der Westminster Abtei in London zum Kardinal verkündet werden wird, wird in maßgebenden Kreisen des Vatikans als Symptom dafür angesehen, daß der Vatikan bemüht ist, im gegenwärtigen Augenblick die Schwierigkeiten, denen die englische Regierung in Palästina begegnet, nicht zu Csf§ Buchsbdum üsü Bürgerliches Famülencafe. In- und ausländische Zeitungen. Separierter Raum für geschlossene Gesellschaften. Herabgesetzte Preise, aufmerksame Bedienung. vermehren. Er wül im Zusammenhang mit dem Plane einer Teilung Palästinas die Interessen der Heiligen Stätten wahren und dafür sorgen, daß deren rechtlicher und faktischer Status nach der bevorstehenden Aufhebung des gegenwärtigen Mandats über Palästina nicht geschmälert werden. „Osservatore Romano", das offizielle Organ des Vatikans, gibt in einem „Der 2 0. Jahrestag der Balfour-Deklaration" überschriebenen Artikel einen historischen Ueberblick über die Entstehung der Deklaration und die sich aus ihr ergebenden Konsequenzen. In einem zweiten Artikel werden die Ansichten wiedergegeben, die auf der letzten Tagung der Mandatskommission hinsichtlich der Deklaration ausgesprochen wurden. Beide Artikel sind in einem objektiven Ton gehalten und zeigen das Bestreben, sowohl der jüdischen als auch der arabischen Stellung zur Balfour-Deklaration Verständnis entgegenzubringen. Traume erwadit ♦ ♦ ♦ In der „Jüdischen Rundschau" (Berlin) veröffentlicht Franz Landsberger, Herausgeber der ,,70 Liebermann-Briefe", den folgenden vom 28. Juni 1933 datierten Brief Liebermanns an B i a 1 i k und Dizengoff (alle drei deckt bereits die Erde): „An die Präsidenten des Museums Tel-Aviv, Herrn Ch. N. B i a 1 i k und M. Dizengoff. Ihren Brief vom 7. Juni beantwortend, teile ich Urnen mit, daß mich der Beschluß des Kuratoriums, einen Saal Ihres Museums nach mir zu benennen, hoch erfreut hat. Gerade in diesen schv/eren Zeiten ist das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu meinen jüdischen Glaubensgenossen doppelt erfreulich und tröstlich. Wie ein fürchterlicher Alpdruck lastet die Aufhebung der Gleichberechtigung auf uns allen. Besonders aber auf den Juden, die, wie ich, sich dem Traume der Assimilation hingegeben hatten. Sie, Herr Bialik, erinnern sich vielleicht der Gespräche, die wir, als ich Sie radieren durfte, über diesen Gegenstand führten und in denen ich zu erklären suchte, warum ich dem Zionismus ferngestanden bin. Heute denke ich anders. So schwer es mir auch wurde, ich bin aus dem Traume, den ich mein langes Leben geträumt habe, e r w a c h t. Leider kann man einen so alten Baum — ich werde im nächsten Monat 86 Jahre alt — nicht mehr verpflanzen. Doch lege ich die Hände nicht in den Schoß und wäre es nur, damit die Arbeit mir über die Zeit, die ich noch zu leben habe, hinweghilft. Indem ich Ihnen, meine verehrten Herren, herzlichsten Dank für die mir erwiesene seltene Ehre sage, bitte ich Sie, diesen Dank auch den anderen Mitgliedern des Kuratoriums zu übermitteln. Ihr sehr ergebener Dr., h. c. Max Liebermann," „An die Präsidenten des Museums Til Aviv, Aufhebung des Verbotes zionistischer Sammlungen in Rumänien Aus Bukarest: Auf Grund einer Verordnung der rumänischen Regierung ist das Verbot zionistischer Sammlungen in Rumänien aufgehoben worden. Das Verbot war bekanntlich vor einigen Wochen durch eine Verfügung des Ministerpräsidenten ausgesprochen worden. JUDENSTAATSJUGEND Dienstag, den 30. November, halb 9 Uhr abends, im Zentralhelm, II, Praterstraße 30 |ä j» Redtkteur wQvUM- Egon Jchmerzler Thema: e^lancU K/ettyoUtiU Gäste willkommen! Wohin kann man auswandern I Die Möglichkeiten der Jüdischen Auswanderung werden Ubertrieben optimistisch oder übertrieben pessimistisch beurteilt. In Wirklichkeit hält sich die jüdische Auswanderung auf gleicher Höhe. Die Zahl der Uebersccausw an derer ist, von Palästina abgesehen, die gleiche geblieben, und zwar etwa 30.000 im Jahre 1935 und 33.000 im Jahre 193ß. Ungefähr die gleiche Zahl dürfte sich auch für das Jahr 1937 ergeben. Schroffere Beschränkungen der Einwanderung nach Brasilien wurden zum großen Teil durch die Erschließung neuer Einwanderungsländer in Südamerika, wie Chile, Kolumbien, Ekuador, Venezuela und anderer, kompensiert. Oer allgemeine Rückgang der Auswanderung nach Südamerika wurde durch eine zunehmende Einwanderung nach den Vereinigten Staaten ausgeglichen. In Ansehung der einzelnen Einwanderungsländer gestaltet sich dio. Lage wie folgt: Vereinigte Staaten von Nordamerika Seit Beginn dieses Jahres ist eine bedeutende V e rb e s s c r u n g eingetreten. Im Jahre 19315 sind zirka 15.000 jüdische Emigranten nach den Vereinigten Staaten ausgewandert und im Laufe des ersten Semesters dieses Jahves 9796. Sehr viele Emigranten, die jahrelang, ja manchmal ein Jahrzehnt, auf ihr Visum warteten und jede Hoffnung bereits aufgegeben hatten, haben nunmehr ihr Visum erlangt. Man muß sich jetzt von der Psychose der Aussichtslosigkeit der Erlangung eines Visums für die Vereinigten Staaten befreien. Die Korrespondenz mit den Verwandten in U. S. und mit der Bericht der jüdischen Emigrationsgesellschaft „Hicem" möglich geworden. Der Präsident unserer Organisation in Chile hat außerdem bei der Regierung eine spezielle Konzession für die Zulassung von 50 Familien erwirkt. Wir sind dabei, diese Erlaubnis auzuntttzen. Wfoförhiifsaktion de? kraeBstfo §dien Kuhuusgenaeinde Wien Von 39.600 Mitgliedern der Kuitusgemeinde, an welche der Aufruf wegen Leistung eines f r e iw iiiigen 20prozentigen Zuschlages zur Kultussteuer für Fürsorgezwecke und für die Winterhilfe ergangen, folgten bisher kaum 6400 Mitglieder dem an sie ergangenen Appell. Dieser Pflicht darf sich niemand entziehen, der nicht selbst in Not geraten ist. Alle müssen helfen, um das große Fürsorgewerk der Wiener Kultusgemeinde zu erhalten und die Winterhilfsaktion zu ermöglichen. Juden Wiens I Leistet unverzüglich den freiwilligen 20prozentigen Zuschlag und spendet für die Winterhilfe der Israelitischen Kultusgemeinde! ..... ———MC——■ f ' '"| - Hias in New York ist wiederaufzunehmen und energische Vorstellungen sind bei den zuständigen amerikanischen Konsulaten zu unternehmen. Kanada Die Einawnderungsbestimmungen haben . leider keine Aendcrung erfahren. Es können nur Landwirte und nächste Verwandte auf Grund spezieller Einreiseerlaubnisse hineinkommen. Es empfiehlt sich in jedem Fall, sich mit der J i a s In Montreal in Verbindung zu setzen. Zentralamerika Kuba hat das Yorzeigegeld von 300 auf 500 Dollar erhöht; Mexiko hat die Kontrolle der Einwanderung außerordentlich verschärft. Doch sind Einreiseerlaubnisse für Verwandte und in Mexiko auch Arbeitskontrakte für bestimmte Facharbeiter zu erlangen. Guatemala, Honduras, Nikaragua, Kostarika, San Domingo, Panama wurden vom Generaldirektor der Hias besucht. Das Ergebnis war kein erfreuliches. Höchste Vorsicht, insbesondere weil zahlreiche g e w'i ssenlose Betrüger in Osteuropa die Möglichkeit der Visenerlangung für diese Länder ausbeuten, um auswanderungsdurstige und unwissende Menschen zu verführen. Südamerika Jüdische Einwanderung im ersten Halbjahr 1937: Argentinien............ 2050 Brasilien.............1350 Uruguay ............. 350 Chile...............100 Kolumbien............ 1200 Zusammen . . 5050 .. Argentinien Normalerweise kann nur eine V e r wli n d t e n a u s - w a n d e r U n g stattfinden. Unser Komitee in Buenos Aires besorgt im Durchschnitt »000 bis 3000 „Llamadas" jährlich. Selbstverständlich ist die Einwanderung von Landwirten und landwirtschaftlichen Ar b.e i t e r n nach wie vor zugelassen. Es sind auch Möglichkelten für gewisse Spezialisten (Weber, Spinner, Textilindustrie) vorhanden, und seitens der III o e in wird eine spezielle Aktion zugunsten deutscher und polnischer Emigranten geführt. Brasilien Seit Juli 1937 ist die Einwanderung, auch als Touristen, so gut . wie eingestellt. Es macht sich sogar eine ausgesprochene antijüdische Tendenz geltend, (Forderung von Taufscheinen bei Erlangung des Visums, spezielle geheime Zirkulare an die europäischen Konsulate usw.) Nur ein günstiger Ausfall der Präsidentenwahlen könnte eine gewisse Aenderung schaffen. Uruguay Die Einwunderuugsliestimmungon wurden sehr verschärft. Dio Möglichkeit, dritter Klasse mit Touristenvisum zu fahren, ist genommen worden. Paraguay Wir stehen vor einem Ausbruch des Fremdenhasse«, welcher sogar zur Ausweisung der angesehensten Mitglieder der jüdischen Gemeinde sowie des Vorsitzenden und zweiten Vorsitzenden unseres Komitees In Asunclon geführt hat. Vor jeglicher Auswanderung nach Paraguay wird strengstens gewarnt. Chile Dank der verhältnismäßig verstärkten Zuwanderung von deutschen Elementen iu den Jahren 1034, 1935, 1936 ist jetzt eine verwandtschaftliche Zuwanderung größeren Umfunges wieder Kolumbien Von den südamerikanischen Ländern hat jetzt Kolumbien, die überaus größte Bedeutung für die jüdische Einwanderung gewonnen. Im Laufe des letzten Trimesters betrug die monatliche Zuwanderung jüdischer Emigranten aus Deutschland etwa 200 bis 250 Seelen. Die geographische Lage Die Hczirksgruppe „Oberes Murta 1" der Judenstaatszionisten Oesterreichs gratuliert Ihrem geschätzten Mitglied, Fräulein Lilly Dachinger, Juäenburg, anläßlich Ihrer Vermählung mit Herrn Adolf Hönig, Wien, welche Sonntag, den 28. November, im Tempel in Graz stattfindet, herzlichst. Kolumbiens mit seinen vier Häfen und mehreren entwickelten Provinzstädten trägt dazu bei, daß sich eine regelmäßige Verteilung der Zugewanderten über das ganze Land vollzieht. Die H l c e m besitzt in Kolumbien ein Zentralkomitee in Bogota sowie Zweigstellen in Call, IJuenaventura und Barranquillfc. Leider wird ein Unterschied zwischen westeuropäischen, osteuropäischen und asiatischen Einwanderern gemacht. Die Garantiesumme-, welche jeder Einwanderer hinterlegen muß, ist für die letzte Kategorie bedeutend höher. Venezuela In der Hauptstadt Caracas wurde ein Komite« der tl I c c ra gegründet. Es wird eine gewisse Zeit verstreichen müssen, bis dio Vorbereitungsarbetten zur Erschließung dieses Landes zu Ende sein werden. Man darf sich nicht durch Zeitungsmcldungcn über Einwanderiingscrleiehtcrungen (Herabsetzung der Garantiesumme von 1000 auf 500 Bollvar) irreführen lassen. Mögen die Bestimmungen des Parlaments noch so liberal sein, die Handhabung der Gesetze liegt in den Händen der Verwaltung, welche vorläufig die Einwanderung überhaupt und die jüdische Einwanderung insbesondere ablehnend behandelt. Ekuador Diesem Lande wurde in der jüdischen Öffentlichkeit eine Aufmerksamkeit geschenkt, die In gar keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Kiiiwanderungsmöglichkeitcn stoht. In der Tat sind im Laufe der letzten vier Jahre kaum»500 jüdische Emigranten, hauptsächlich aus Deutschland, eingewandert, von denen der überaus größte Teil nach den Nachbarländern auswanderte oder nach der Heimat zurückkehrte. Andere südamerikanische Länder Peru unfl Bolivien. Ersteres hat vor kurzem, s ä m tliche ausländischen kleinen Händler und Hausierer des Landes verwiesen. In Bolivien bestehen zwar formoll Möglichkelten für die Erlangung von Visen. Das Land selbst aber bietet keine nennenswerten Ansiedlungsniögllchkeiten. Südafrika Das Gesetz vom Februar dieses Jahres beschränkt die ganze südafrikanische Einwanderung auf die Immigration naher iiSlEGN. KORNMEHL | GROSSFLEISCHHAUE8E) % \> Zentrale: IX.. Berggasse 19. Tel. A-17-3-9D u. 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Rußland Angesichts der feindlichen Einstellung Ausländern gegenüber und der sich häufenden Fülle von Verhaftungen von Europäern und Flüchtlingen, die sieh im Laufe der letzten Jahre in 1t u ß 1 a n d niedergelassen haben, empfiehlt es sich, bis auf weiteres nicht, den Auswanderungsbewilligungen nach Itußland Beihilfe zu leisten. ,t Ferner Osten Im Zusammenhang mit den politischen Ereignissen Im Fernen Osten ist es dringend abzuraten, irgendwelche Emigranten oder Flüchtlinge nach Schanghai, Tientsin, Charbin und anderen Städten des Mandschükuo, Chinas und auch Japans zu leiten, ohne vorher die absolute Zustimmung der betreffenden Komitees eingeholt zu haben. Philippinen Angesichts objektiv vorhandener Einordnungsmögllchkeitcu hat die Hicem einen speziellen Delegierten dorthin entsandt, welcher sich augenblicklich' auf dem Wog befindet. t Dieser Uebersicht Ist zu entnehmen, daß man bei Lenkung uiid Uegulierung der Jüdischen Auswanderung in aller Herren Länder auf . ziemlich große Schwierigkeiten und Widerstände stößt, daß man aber bei systematischer und zielbewußter Arbelt noch vieles erreichen kann, um dio Jüdische Übersee" Ische Auswanderung, wenn auch nicht zu steigern, bo mindestens auf dem bisherigen Niveau zu halten. t