Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 702 (19.11.1937)
- Date
- 1937-11-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 702 vom 19. November 1937 NEUE WELt Seite 9 - '» Ein Nichtzionist zur Teilung Palästinas Dr. Maurice J. Karpf,. einer der Vertreter der amerikanischen Nichtzionisten in, der Exekutive der Jewish Agency, hielt auf der Kreiskonferenz, des „National Council of Weifare Funds" eine Rede, in welcher er die Motive der Haltung analysierte, die von zionistischen und nichtzionistischen Gruppen zur Frage der Teilung Palästinas eingenommen wird. Die Zionisten um Weizmann sind für Teilung, weil sie fürchten, daß das jetzige Angebot in einem späteren Zeitpunkt zurückgezogen oder verkleinert werden könnte. Sie erkennen, wie niemals zuvor, daß England sich stärker durch imperialistische Interessen als durch den Wunsch, den Juden zu helfen, leiten läßt. Sie glauben, daß die Engländer, falls sie in einem Mittel- : meerkrieg vor der Notwendigkeit stünden, die Araber zu beschwichtigen, dies auf Kosten der Juden tun würden. Zu einer wohlwollenden Erwägung der Teilung werden die Zionisten auch durch die Befürchtung veranlaßt, daß sie. infolge der Enttäuschung Über die Ergebnisse vierzigjähriger Arbeit und der Investierung von über 400 Millionen Dollars das Vertrauen der Juden in der Welt verlieren würden und Energien und Mittel von Palästina nach anderen Einwander u n g s- Zentren abgelenkt werden könnten. Sie stehen unter dem schweren Druck des Einwanderungsbedürfnisses und der kritischen Lage Palästinas, dessen Wirtschaftsstruktur durch die dauernde Ungewißheit gefährdet wird. Die Teilungsgegner unter den Zionisten haben zweifellos diese und andere Argumente geprüft und sich trotzdem gegen die Teilung entschieden, weil sie glauben, daß der jetzt geplante jüdische Staat wirtschaftlich und politisch unhaltbar wäre. Sie. sind in dieser Beziehung ähnlicher Ansicht wie die amerikanischen Nichtziönisten. Andere sind gegen die Teilung, weil sie auf ganz Palästina Anspruch erheben und der Ansicht sind, Weizmann habe bereits zu viele Zugeständnisse gemacht; Diese Ansicht darf nicht leicht genommen werden, denn sie wird von vielen führenden Zionisten, vertreten, von Ussischkin, Stephen Wise, Aba Silver, Mack, Brandeis, Szold, Brody, Jabotinsky und von ganzen Organisationen, wie vom Misrachi, den Revisionisten, der Judenstaatspartei, dem Haschomer. Hazair und der Hadassah. Was ihre wirtschaftlichen Ansichten betrifft, so stehen die zionistischen Teilungsgegner den amerikanischen Nichtzionisten nahe; was ihre politischen Ansichten betrifft, so sind diese ähnlich denen der Araber. Dr. Karpf analysierte sodann den Ständpunkt der Nichtzipnisten: Die europäischen „Nichtzionisten"' sind in ihrer Mehrheit verkappte Weizmann-Zionisten und daher Anhänger der Teilung. Gegen die Teilung sind die'"a/jji k'i'ik. anlachen' Nichtzionisten, mit1 einer einzigen Ausnahme! sowie manche Nichtzionisten aus England, utid Deutschland. Einige nehmen diesen Standpunkt ein, weil siegrundsätzlich Gegner eines Judenstaa* tes sind. Sie sind seinerzeit in die Agency eingetreten, weil sie an dem Aufbau Palästinas als Zufluchtsa t ä 11 e und kulturelles Zentrum mitarbeiten wollten. Sie haben niemals erwartet, daß sie vor das Problem eines Judenstaates gestellt werden würden. Diese Nichtizionlsten wenden sich auch gegen die Erklärung der Kgl. Kommission, daß Palästina den Juden versprochen worden sei, um ihre Unterstützung für die Alliierten zu gewinnen. Sie stehen auf dem Standpunkt, daß die Juden in den Ländern der Alliierten als gute Bürger' diesen ohnehin treu waren, und' daß die Juden in den Ländern der Mittelmächte, dadurch, daß Palästina ihnen versprochen wurde, nicht für die Sache der Alliierten gewonnen werden konnten. Ebenso lehnen sie die Erklärung der Kgl. Kommission ab, daß Juden und Araber miteinander nicht zusammenleben können. Die Nichtzionisten, fuhr Dr. karpf fort, sehen wenig Möglichkeiten der Entwicklung einer gesunden jüdischen Wirtschaft in dem geplanten Staat, denn sie nehmen an, daß im Hinblick auf die Bevölkerungsverteilung eine wesentliche Erweiterung der Grenzen nicht zu erreichen sein wird. Von etwa vier Millionen Dünaim anbaufähigen Landes in dem jüdischen Gebiet' sind über drei Millionen in arabischem Besitz. Der Ankauf dieses Bodens, auch unter Zugrundelegung des niedrigen Preises von 10 Pfund per Dunam, würde 1.200,000.000 Dollars erfordern. Die Araber dort zu belassen, hieße einen Staat mit einer großen arabischen Minderheit und beschränkten Einwanderungsmöglichke 1ten schaffen. Es würde auch Mangel an einem entsprechenden jüdischen landwirtschaftlichen Hinterland bedeuten und damit die Juden im Kriegsfall der Gefahr des Hungers und der Vernichtung aussetzen. Die Nichtzionisten hätten die Erklärung Weizmanns auf dem Kongreß, daß in dem Judenstaat zehn Jahre lang jährlich hunderttausend Einwanderer untergebracht werden könnten, einer Analyse unterzogen. Ben Gurion habe auf dem Luzerner Kongreß 1035 gesägt, eine gesunde jüdische Wirtschaft erfordere es, daß ein Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig ist. Von hunderttausend Einwanderern jährlich müßten 8250 Familien, mit einem Bodenbedarf' von etwa 200.000 Dunam auf dem' Lande angesiedelt werden. Nach den bisherigen Erfahrungen würden . Bodenerwerb und Ansledlung jährlich 4 0 bis 5 0 Millionen Dollar erfordern. In zwanzig' Jahren wäre für eine solche Einwanderung eine Milliarde Dollar notwendig. Woher sollte das Geld hierfür kommen? Bei etaer Einwanderung in dem geplanten Ausmaß würde Palästina, falls sein Territorium nieht vergrößert wird, fast doppelt so dicht bevölkert werden wie Beigi'eh und E n g 1 a n d, zwei der dichtbevölkertsten Länder Europas. ' Dr. Karpf Dehandelte weiter die Schwierigkelten politischer und militärischer Art, die sich für den geplanten Judenstaät ergeben würden. Den Nichtzionisten bereite äie!; Fräge der Regierungsform, der Behandlung der Minderheiten, der staatlichen Einnahmequellen, der Steuern und der Möglichkeit der Abwanderung jüdischgr Fabrikanten In das arabische'"und britische Gebiet, wo die Steuern vermutlich n i e d r i g e r sein würden, viel Sorge. Sie denken auch an die Notwendigkeit, ein großes stehendes Heer zu erhalten, das die jetzt geplante, fast nicht zu verteidigende jüdisch-arabische Grenze zu bewachen hätte und bei vorsichtiger Schätzung jährlich 10 bis 15 Millionen Dollar kosten würde, sowie an die verringerten Einnahmen aus dem Touristenverkehr im Hinblick darauf, daß die Häfen und die interessantesten Teile des Landes unter englischer Herrschaft stehen würden. Die Nichtzionisten sähen den baldigen Bankrott, dieses jüdischen Staates wegen seiner wirtschaftlich und politisch ungesunden Fundierung voraus. Sie erwarten auch» unaufhörliche kriegerische Verr Wicklungen zwischen Arabern und Juden infolge der durchdie künstliche Teilung hervorgerufenen irr ed en tistis ch.en Bewegungen.. Zum Schluß betonte Dr. Karpf, die Juden stünden vor einer der entscheidendsten Prüfungen in ihrer ganzen Geschichte,-.Es könnte sein, daß.die amerikanische, Judenheit eine führende .Rolle auf dem einen oder, dem anderen Wege zu spielen haben wird. 150.000 lüdisdie Tote im v ■: '. \---'iWffhfc»ieg; Im „Schild", Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten -in Deutschland, gibt Chefredakteur Doktor Wollenberg eine Schätzung der Zahl der Juden, die als Soldaten am Weltkriege teilgenommen haben, und der Gesamtzahl der an den Fronten gefallenen jüdischen Soldaten , aller Mächte^.. Nach einem Rückblick auf die Teilnahme von 922 Juden Preußens am Befreiungskriege, , von .^.100 jüdtec^en ^Te^ehinerp;. amvKriege; i.870/71 betont er^vdaß. .jüdiachpraei^ Forschung - noch,,.längst .nicht; zu auch nur annähernd abschließenden '; Ergebnisse^, gelängt .sei.. Nach.,einigen, bis in die jüngste | 2e4tw§e£r<^enett ^esj^efhjjigiexi ,,standen, in . der. . .engV. i) 11 s c h e n Wehrmacht 55.000' Juden, in der d e u t s c h e n \ W.eh^macht .400.000 Jud§n,. ,int.der,:ö s t er r e 1 c hischen ' Wehrmacht.« 20Q.O00,: in -der am erikani sc ti e n 250-000 ' und in der r u s s i s c h e n schätzungsweise 60,0.000 Juden I unter den Waffen. „Unter. Einbeziehung, der übrigen Armeen werde man, so <sagt. der {Verfasser, die Zahl der jüdischen Männer unter-den Waffen während des Weltkrieges auf eineinhalb Millionen schätzen dürfen. . Als Ergänzung zu diesen Feststellungen bemerkt Dr.: Wollenberg, daß von den, 100.000 in Deutschland eingezogenen Juden über 7 5.0 0 0 an der Front gewesen seien; 12 Prozent aller, jüdischen Kriegsteilnehmer waren Freiwillige. Insgesamt bekamen Juden, etwa 35.000 Kriegsauszeichnungen, 17.00Q,,erhielten, das Eiserne Kreuz;2. Klasse, ungefähr 900 das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Vier Juden konnten als Inhaber des Preußischen Goldenen Militärverdienstkreuzes, des höchsten Tapferk e?lt'"s ordens für Mannschaften und Unteroffiziere, ermittelt werden. Insgesamt' sind etwa 23.000 Juden befördert worden; hierunter mehr als 2000 zu O ff iz-i e r e n, von diesen allein sind 322 016,1 Prozent) gefallen. Von 1857jüdischen Sanitätsoffizieren sind 185 gefallen. Bei der'Fliegerwaf f e wären rund 200 Juden; davon sind 50 festgestellt,. die den Fliegertod starben. Nach den Ermittlungen über die Kriegsbeteiligung kinderreicher jüdischer Familien ist festgestellt worden, daß 103 Familien, die gleichzeitig mehrere Söhne an der Front hatten, insgesamt 448 Frontsoldaten gestellt haben, von denen 116 (etwa 25 Prozent) gefallen sind. In der deutschen Wehrmacht fielen während ,des Weltkrieges 12.000 Juden; in der englischen Armee 2500,. in der amerikanischen Wehrmacht 3000, in der französischen Armee 4000, in der ungarischen 10.000 und in der österreichischen Armee 30.000-. Dr. Wollenberg schätzt die Zahl der im russischen Heer gefallenen Juden auf etwa 80.000. Die Zahl von insgesamt, 150.000 jüdischen Kriegsgefallenen unter den etwa zehn Millionen Toten des Weltkrieges stellt das Blutopfer der Juden im Weltkriege dar. Liga gegen Antisemitismus und Bassenhaß .. Aus Paris: Vom 19. bis 21. November findet in Paris der 8. nationale Kongreß der Internationalen. Liga gegen Antisemitismus und Rassenhaß statt.' .Ueber 400 Delegierte aus allen Teilen Frankreichs und, seiner Kolonien, werden an ihm teilnehmen. Der Kongreß, wird vom ' A£ i n i s t e r für öffentliches Gesundheitswesen,, Rucart, eröffnet und mit einem öffentllöhen Bankett unter dem Vorsitz von Ma ri<ne m 1 n 1 s t e r Cesar C a m p 1 n c h i geschlossen werden, - An dem Kongreß werden auch der Restoutokt BUtel Best renommier', e Küche REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UNO 2.60 iCHWECHrt I tk BRAU JI,Hammer-Purgjtall-Ga$sc 3 (nadist SalztoMe) TeU-M-D-25 Unterstaatssekretär für die Kolonien Bo* nerv III«, sowie Vertreter des Justizministers und des HandelÄmarineministers teilnehmen. Sir' Samuel Instone gestorb*?* Aus London: In London starb im Alter von 59 Jahren Sir Samuel Instone, Reeder, Bevgwerkseigentümer und Direktor der Imperial Airways. Str Samuel war einer der hervorragendsten Wirtschaftsführer Englands. Er war einer der Kuratoren der Jewish Health Organization (Jüdische Gesundheitsorganisation) von Großbritannien. Empfehlenswerte Firmen RESTAURANTS, CAFfiS etc. Caffi Atlashof, I., Franz-Josefs-Kai 1, Tel. R-2S-2-28. , .•; . Cafe Augartenhof, II.. Untere Augnrtenptraßc 46, Telephon A-44-0-75. , , Caf6 Buchsbaum, II., Kleine Pfarrgasse 21. Bürgerliches Familiencafe\ „ „ , Cafc-Kestaurant „De Trance". I.. Scholtenring 3. Telephon A-16-3-74. Erstklassige Küche. Billige Preise. Saal und Klubzimmer zu vergeben. Krlstall-Caf6, I., Aspernplatz 1, Tel. U-14-5-50, U-14-5-51. Elegantes, billiges GroßcafS. Warme Speisen. Caf6-Rcstaurant „EspreRso", I., Rotenturnistraße 1. Internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen. Preisen. Hotel Cafe-Restaurant „Gxcelsior", I.. Rotenturmstraße 24. Ganztägiger Restaurationsbetrieb. Bier vom Faß.' . Eisen, Felmvurst- und Selchwaren -^s» Schwedenplatz 1; IL. Praterstraße 33; Prater Hauptallee; VII., Neubaügasse 15; Baden bei Wien. 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