Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 702 (19.11.1937)
- Date
- 1937-11-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ufr. 702 vom 19, November 1937 DIE NEUE WELT Seite 5 Palästina-Redaktion „Die Neue Welt" uG„!or9G Ratt 99 tel-Aviv, DizengoffstraAe Nr. 6 Politische Korrespondenz Tel-Aviv, 14. November. Bereits vor einem Monat kündigte die arabische Presse die bevorstehende Demission von Sir Arthur Wauchope an. Da die Erfahrung lehrt, daß die Quellen, aus denen die arabischen Zeitungen ihre Informationen über Vorgänge in der Palästina-Regierung schöpfen, durchaus verläßlich sind, wurde allgemein mit der Demission gerechnet. Diese Demission ist das letzte Glied in einer Kette von Demissionen in den Reihen der hohen palästinensischen Beamtenschaft. Zuerst ging General Dill, nach ihm verabschiedete sich der Chief Secretary der Palästina-Administration, Hathorn Hall, der durch seine auffallende „Enthaltsamkeit" dem arabischen Terror gegenüber unliebsames Aufsehen erregte. Nach ihm ging der palästinensische Polizeichef Spie er, ggen den am 16. Juni d. J. in Jerusalem ein Attentat verübt worden war. Er fiel der in den hiesigen Regierungskreisen herrschenden These zum Opfer, wonach ein Beamter seinen Posten verlassen müsse, wenn gegen ihn ein Attentat verübt wurde. Opfer derselben These waren vor Spicer der hohe jüdische Regierungsbeamte Nurock und noch früher Norman Bentwich, sowie eine Reihe von Engländern. Nach Spicer meldete der Vizepolizeichef Rice seinen Rücktritt, und jetzt kommt die Nachricht über die Demis- O P T I E R KARL SEIDNER I, Franz-Josets-KaS 33 ' II, Hollandstraße 7 Fachmännischer Rat / Reiche Auswahl - Beste Qualität / Preiswert sion des obersten Chefs dieser Verabschiedeten, des Oberkommissärs. Es ist somit kein Personen-, sondern ein Systemwechsel: Eine bestimmte Administration, in Person ihrer wichtigsten Führer, verläßt ihren Platz, um ihn einer anderen au übergeben, Es ist kein „unfreundlicher Kommentar", wenn man sagt, daß die Administration Wauchope keineswegs mit Lorbeeren Palästina .verläßt, Wir glauben, daß die scheidende Administration selbst diesen Kommentar als berechtigt anerkennen würde, Es handelt sich um Beamte, die aufrichtig daran glaubten, durch Mittel der „persönlichen Beschwichtigung" Probleme zu lösen, die anderer Mittel bedürfen. Vor zwanzig Jahren hatte Alexander Kerenski dieselben Mittel in Rußland anzuwenden versucht, ohne allerdings hervorragende Resultate erzielt zu haben. Jetzt verbringt Herr Kerenski seine Tage in Paris, wo er die Möglichkeit hat, über die Unzulänglichkeit seiner Politik Betrachtungen anzustellen. Dieselbe Möglichkeit erhalten jetzt Sir Arthur Wauchope und seine Mitarbeiter, die sich teilweise in Pension und teilweise in englische "Hoheitsgebiete außerhalb Palästinas begeben. Das Erbe, das Wauchope überläßt, ist kein leichtes. Sein Nachfolger ist darum nicht zu beneiden. Denn es ist leichter, einen Sturm zu entfesseln, als ihn zu bändigen. Es entsteht jetzt die Frage, ob die neue Administration das Erbe Wauchopes wird liquidieren wollen, das heißt, ob sie mit entsprechenden Instruktionen herkommt. Denn es unterliegt keinem Zweifel, daß jede Administration mit strikten Anweisungen des K'olonialamtes nach Palästina kommt. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam machen, daß auch Wauchope nicht immer ein „Kerenski" gewesen ist. Es soll daran erinnert werden, daß er während seiner Dienstperiode in Irland dort den Namen eines „starken" Mannes und „rücksichtslosen" Müitärs erworben hatte. In Palästina würde man lachen, wenn man den Namen Wauchope mit dem Begriffe „starker Mann" in Verbindung bringen wollte. Da es sich aber in Irland und Palästina um denselben Wauchope handelte, dürfte des Rätsels Lösung darin liegen, daß der Mann Ui Dublin nach anderen Instruktionen als in Jerusalem zu handein hatte. Nun sind aber die Juden Optimisten und wollen gerne daran glauben, daß der Nachfolger Wauchopes mehr nach;,D u b 1 i n s c h e n" als nach „Jerusalemer" Instruktionen zu handeln haben wird, denn andernfalls ist nicht einzusehen, wozu der Administrationswechsel gut wäre. Die Fortsetzung einer bankrotten Politik könnte man sehr gut dieselbe Administration weiterführen lassen. Es bleibt abzuwarten, ob der alte jüdische Optimismus sich diesmal als berechtigt erweisen wird. * Vor einigen Tagen hielt der Präsident der Zionistischen Exekutive und Arbeiterführer D. Ben- Gurion in Tel-Aviv eine Rede über die gegenwärtige politische Situation. Die Versammlung war geschlossen und nur Mitglieder der Arbeiterpartei fanden Einlaß. Wir erfahren von einem führenden Mitglied der Arbeiterpartei, welches an der Versammlung teilnahm, Näheres über die Ausführungen Ben-Gurions. Vor allem stellte der Redner fest, daß die Teilung Palästinas endgültig beschlossen und als erledigt zu betrachten sei. Jede Diskussion in dieser Frage, sagte Ben-Gurion, sei deshalb überflüssig. Die englische Regierung soll sich entschlossen haben, die Teilung unter allen Umständen durchzusetzen, ohne Rücksicht auf die Opposition dieser oder jener Seite. Hierzu möchte ich bemerken, daß, wie mir von anderer Seite berichtet wird, Doktor Weizmann vorige Woche einen Bericht desselben Inhalts an die palästinensischen Mitglieder der Zionistischen Exekutive gesandt hat. Die diesbezüglichen Ausführungen Ben-Gurions dürften sich auf den Bericht Dr. Weizmanns stützen. Die Frage, welche nunmehr unsere ganze Aufmerksamkeit absorbieren sollte, so führte Herr Ben- Gurion weiter aus, sei die der künftigen Verfassung des Jüdenstaates. Der Redner zeigte, daß er selbst die Zeit nicht hat ungenützt verstreichen lassen und sich über dieses Problem Gedanken gemacht hat. Die Verfassung des Judenstaates müsse seines Erachtens auf folgenden drei Säulen ruhen: Arbeit, Boden und Schutz. Ad eins führte er aus, daß die Arbeiterschaft Palästinas zwar keine Diktaturstellung beanspruche, es wäre aber nur gerecht, ihr einen ihrer Stärke angemessenen Einfluß auf die Gesetzgebung des Landes einzuräumen. Die Auffassungen der Arbeiterklasse Über die Arbeitsverhältnisse müßten in der Verfassung ihren Ausdruck finden. Ad zwei führte, er aus, daß die Agrarpolitik des Judenstaates keine Latifundien zulassen dürfte, die Interessen des „kleinen Mannes" müßten auch hier gewahrt werden. Aufsehen erregten seine Ausführungen ad Punkt drei:, ebenso sagte er, wie man bisher die Judenjungen in der Schule die Bibel lehrte, wird man sie künftighin das Umgehen mit dem Gewehr zu lehren haben, denn sonst gäbe es keinen Schutz gegen Ueberfälle. Um die Schutzmöglichkeiten des Judenstaates zu erweitern, würde man die Einwanderungspolitik so gestalten müssen, daß im Laufe der nächsten zwanzig bis dreißig Jahre nur jugendlicheEinwandererins Land gelassen werden. Diese würden das Reservoir der Streitkräfte er- CaßAuketkaf I, Hoher Markt- Lichtensteg Nr.4 Verstärkung der Garnison in Palästina Aus London: Wie „Times" meldet, werden in der zweiten Novemberhälfte weitere Militärabteilungen in Palästina eintreffen, um einen Teil der gegenwärtig in Palästina stationierten Truppen abzulösen. Im Dezember und Jänner 1938 werden weitere Truppensendungen nach Palästina erfolgen. Insgesamt fünf Bataillone, die unter Kommando von Oberst Harrison eine eigene Brigade bilden werden. Das zweite Bataillon der „Royal Ulster", das ursprünglich am 4. Jänner 1938 nach Palästina abgehen sollte, hat infolge der Verschärfung der Lage in Palästina den Befehl erhalten, sich bereits für den 19, November marschbereit zu halten. Joan Bennett Indem Film der Sensationen weitern. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Erklärung, daß Herzl insofern geirrt habe, als der Judenstaat früher gekommen sei, als er geglaubt habe: im Jahre 1897 hat Herzl geschrieben, der Judenstaat würde nach fünfzig Jahren koinmen. Nun ist er um zehn Jahre früher gekommen. Drei Viertel des palästinensischen Ufers, rief Ben-Gurion mit Begeisterung aus, werden sich in unserem Besitz befinden. Im Laufe seiner Ausführungen konnte er keinen schwachen Punkt in der Teilung finden... Der Applaus war sehr schwach... Die £ady> und det fmfste» KREUZ-KINO I. %6 V*8 V*10 Mahtärgericfti mit Ausnahmen? Eine spezielle Ausgabe des Amtsblattes der Palästina-Regierung brachte die Bekanntmachung, daß die in Aussicht genommenen Militärgerichte neben der Todesstrafe auch lebenslängliche Haft verhängen können. Ferner werden die Gerichte bevollmächtigt, in Fällen von Waffenbesitz, falls mildernde Umstände vor-, liegen, bei der Verhängung von Strafen Ausnahmen zu machen. Gegen die Eirnntsdnung fremder Regierungen in die PaÜäsfi?na*>V'oliuU Aus Lon d o n (J. T. A.): In der Unterhausdebatte am 10. November fragte Abgeordneter Geoffrey Mander den Kolonienminister, ob er über den Charakter des Protestes, den die Irak-Regierung gegen die Maßnahmen der britischen Regierung in Palästina eingebracht hat, eine Erklärung abgeben wolle; ferner, ob der Kolonienminister der Irak-Regierung mitteilen wolle, daß England ausschließlichderMandatskommission des Völkerbundes verantwortlich sei. Für den Kolonienminister erwiderte Lord C r a nborne: „Ich habe von der Irak-Regierung verschiedene Mitteilungen erhalten, in denen sie ihre bekannten Ansichten, betreffend die Haltung und die Politik der Regierung in Palästina, zum Ausdruck bringt. Seiner Majestät Regierung ist nicht der Ansicht, daß durch die Veröffentlichung dieser Mitteilungen im gegenwärtigen Stadium einem nützlichen Zwecke gedient sein würde. Was den zweiten Teü der Frage betrifft, so muß festgestellt werden,, daß, solange das Mandat währt, Sr. Majestät Regierung weder dem Irak noch irgendeiner anderen fremden Regierimg für die Art der Verwaltung in Palästina und die Behandlung der Palästina-Bürger verantwortlich ist, sondern ausschließlich dem Völkerbund durch die Mandatskommission; Sr. Majestät Regierung hat jedoch keine Ursache anzunehmen, daß die Irak- Regierung sich dieser Tatsache nicht bewußt ist. Eine andere Deutung geht auch aus der Formulierung der Mitteüung, die ich von der Irak-Regierung erhalten habe, nicht hervor. Abg. Mander: Heißt das, daß Sr. Majestät Regierung nicht gewillt ist, einen Druck von irgendeiner fremden Regierung, außer auf dem Wege über den Völkerbund, zu dulden? Lord Cranborne: Gewiß ist sie nicht gewillt, ihn zu dulden. Auf die Frage des Abg. Wedgwood, warum dann die britische Regierung der Irak-Regierung nicht eine Absage erteilt habe, wurde keine Antwort gegeben. •* Die Antwort ist typisch für die Politik des Kolonienministers Ormsby Gore, welche geeignet ist, alle Feinde der Balfour-Deklaration und den gegen Palästina gerichteten Terror zu ermutigen. Im Irak werden mit Beihilfe der Regierung Stützpunkte für den in Palästina wütenden Terror geschaffen. Darüber hinaus wagt es die Irak-Regierung, in einer offiziellen Note die englische Regierung zu tadeln und ihr zu drohen, weil sie sich endlich dazu aufgerafft hat, gegen arabische Mörder und Bombenwerfer etwas energischer vorzugehen. Aber auf die Frage, ob er gegen diese Anmaßung und Verhetzung Stellung zu nehmen gedenkt, verweigert Herr Ormsby Gore die Antwort. Verb« d« Judenstaat§ziom§fen Oesterreichs Chajes-Gedenkfeler. Mittwoch, den 24. November, halb 9 Uhr abends, im Zentralheim, IL, Praterstraße 80, Ohajes-Gedenkfeier. Gedenkrede: Rabbiner Dr. B. Murmelstein. Judenstaatsjugend. Dienstag, den 23. ds., halb 9 Uhr abends, im Heim, IL, Praterstraße 30, Vortrag Ingenieur Heinrich Brandstädter: Zur Problematik unserer Generation. Brlth Halcanaim. Sonntag, den 21. ds., 3 Uhr nachmittags, Sondervorstellung des Paul-Muni-Films „Das Leben Emil Zolas" im Schubert-Tonkino, IX., WÄhringerstraße 46. Ys r. Synagogen-Verein tfBETH ISRAEL" •ShW-rpsnojsn rra 11. Bez., Leopoldsgasse 29 Frailaflt 19. d. M„ um 4 Uhr nachmittags und Sarnttsg, 20. d. M., um 9 Uhr früh FESTGOTTESDIENSTE unter Mitwirkung des berühmten Oberkantors KUSeWiCki (Warschau) Karten erhältlich bei: Zionistischer Landesverband, I.. Marc-Aurel-Straße 5 (U-22-2-11); Kanzlei des Tempels (A-48-2-64); Ausspeisungsverein „Seuda Sabat", II., Krummbaimigasse 8 (A-49-9-36); Buchhandlung: Rath, II., Taborstraße 20a (R-45-305): Buchhandlung Josef Belf, I., Rabensteig 3 (U-20-8-47); Cafe" Buchsbauin, IL, Große Sperlgasse 41 (A-43-5-19); Papierhandlung Mathias Pickhol«, I., Kohlmeaaergasse 3 OJ-28-4-71); Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt, II., Praterstraße 13 (R-42-407); Tabak-Trafik, II., Leopoldsgasse 33. ~ JD'ntritt nur gegen Karten? erhältlich bis längstens Freitag, »M Uhr. später keia Kartenverkauf