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Die neue Welt · 1937-11-19 · Heft 702 (19.11.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 702 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 702 vom 19. November 1937 •■- - - RUNDSCHAU Die Budapester Razzia 12.000 aus dem Schlaf geschreckt, — ftin Toter Aus Budapest: In der Stadtverordnetenversammlung brachten mehrere itedner der liberalen Opposition die am Sonntag, den 7. November, durchgeführte Razzia zur Sprache und legten gegen die Art der Durchführung Verwahrung ein. Dr. Zoltän Klär wies darauf hin, daß Detektive sogar in ein israelitisches Bethaus eingedrungen seien und einige dort beim Gottesdienst versammelte Beter ins Schubhaus gebracht hätten. Die Samstagnacht sei für tausende Familien eine Nacht des Schreckens gewesen. Frauen und kleine Kinder hätten stundenlang im Hofe der Polizeikaserne oder des Schubhauses ohne Speise und Trank stehen müssen. Ein alter jüdischer Trafikant namens Landau wurde vor Aufregung krank; die Wachleute gestatteten der Familie nicht, einen Arzt herbeizuholen. Bis die Ambulanz der Rettungsgeseilschaft zur Stelle war, war es bereits zu spät: der herzleidende Mann war einer Herzlähmung erlegen. Dr. Klar bat den Bürgermeister, dafür Sorge zu tragen, daß in Hinkunft derartige Vorfälle nicht mehr vorkommen. Abg. Fäbiän beschwerte sich insbesondere darüber, daß seit Jahrsehnten in Budapest ansässige jüdische Bürger behelligt wurden. Nicht weniger als 12.000 Personen seien aus dem Schlafe geschreckt, 5200 Personen kontrolliert und 503 Personen ins Schubhaua gebracht worden. Auch eine 80jährige Frau habe das Los dieser Leute teilen müssen, weil sie angab, daß ihr Vater in S&toraljaujhely geboren wurde, das seit dem Friedensvertrag von Trianon zur Hälfte auf tschechoslowakischem Gebiete liegt. In ähnlichem Sinne sprachen auch mehrere nichtjüdische Stadtrepräsentanten. Oberstadthauptmann Doktor Eliässy erklärte, die Razzia sei notwendig gewesen. * "Aus Budapest (J. T.-A.): Amtlich wird verlautbart: Der Minister des Irihern Sz611 erklärte am Mittwoch Pressevertretern gegenüber, daß die im Interesse der Fremdenkontrolle durchgeführte Razzia ausschließlich der öffentlichen Sicherheit wegen durchgeführt worden sei. Auch die wirtschaftlichen Interessen der ungarischen Bevölkerung erheischten gebieterisch, daß diejenigen entfernt werden, die sich ohne Erlaubnis auf dem Landesgebiet aufhalten. Es handle sich hier weder um konfessionelle noch um politische Fragen. Sind doch gerade von Seiten des ungariändischen Judentums vielfach Einwendungen gegen die Einsickerung fremder Elemente, namentlich aus Galizlen, erhoben worden. In ähnlichem Sinne äußerte sich der Minister auch im Budapester Abgeordnetenhause in Beantwortung einer Interpellation. Diese, Erklärungen des Innenministers Szell an die Pressevertreter stellen einen Versuch dar, die über die ungeheuerlichen Vorgänge bei der nächtlichen Razzia in Budapest aufgeregte öffentliche Meinung zu beschwichtigen. Der Versuch wird vergeblich sein. Die Feststellungen des Ministers enthaften mehrfach Widersprüche. Jedenfalls erscheint eine Aktion, bei der'12.000 Menschen aus dem Schlafe geschreckt, 503 zur Polizei gezerrt und 24 Stunden lang einer seelischen Tortur unterzogen werden, wobei es sogar einen Toten gibt und im ganzen (es handelt sich fast durchwegs um Personen, die seit Jahrzehnten in Ungarn wohnen) zurückbehalten werden, schon allem durch die Dürftigkeit des Resultats überflüssig und schädlich. BerlifuTokio Unter dem Einfluß der deutschen Propaganda befleißigen sich die japanischen amtlichen Stellen und Zeitungen seit einiger Zeit eines hetzerischen Antisemitismus, obwohl in Japan nur sehr wenige Juden leben. Seit dem Anti-Komintern-Pakt zwischen Barlin und Tokio hat sich" die japanische Propaganda außerordentlich verschärft. Die Zeitungen bezeichnen die Juden als die Urheber der chinesischen Kri e g slußt gegen Japan. Zuletzt hat sich die japanische Zeitung „Hoch i" in Tokio von ihrem Korrespondenten in Schanghai in besonderer Ausführlichkeit über diese „jüdische Verschwörung" telegraphieren lassen. Hierüber berichtet Asiaticus (Schanghai) an die „Neue Weltbühne": Die Zeitung „Hochi" enthüllt, daß ausländische Finanziers jüdischer Herkunft hinter der chinesischen Regierung stehen. Die schlimmsten sind die Herren Jardine, Matheson & Co. (bekannter englischer Konzern in Schanghai), die zusammen mit der führenden englischen Bank im Fernen Osten der Hongkong & Shanghai Banking Corporation, die Agenten der englischen Eisenbahn- und Industrieanleihen an China sind. Diese und andere jüdische „Waffenlieferanten aus England" hätten ihr Bestes getan, um „durch Propaganda und Bestechung der Führer der antijapanischen Organisationen das chinesische Gefühl gegen Japan aufzureizen. ISb ist eine bekannte Tatsache, daß es zum großen Teil ihr Treiben v/ar, zusammen mit dem Sowjetrußlands, den Widerstand gegen Japan zu wecken." Der Bericht schildert dann ausführlich, daß man es hier mit einer internationalen jüdischen Verschwörung unter Führung englischer Juden zu tun habe. So hat es Sir Victor S a s s o o n, der Schanghaier Multimillionär, zusammen mit dem bekannten, Juden Sir Frederick Leith-Ross (vom japanischen Korrespondenten zum Juden ernannt) fertiggebracht, der chinesischen Währungsreform von 1935 englische und amerikanische Unterstützung zu sichern. Daß die neue Währung trotz der japanischen Gegenaktion zentralen Charakter trägt und selbst in der gegenwärtigen Kriegszeit stabil geblieben ist, sei im wesentlichen auf jüdische Machinationen zurückzuführen. Sir Victor Sassoon leite die wichtigsten chinesischen Notenbanken und Sir Frederick Leith-Ross intrigiere als chinesischer Finanzagent in London. Weiter erfahren wir aus dem ßerlcht des „Hochl", daß der Shanghai Municipal Council vom Internationalen Settlement unter jüdischer Herrschaft stehe; unter der Leitung des englischen Juden Arnhold und des amerikanischen Juden Sterling Fessenden. Die Verwaltung der französischen Konzession stehe ebenfalls unter jüdischem Einfluß. Schließlich wäre auch der persönliche Ratgeber Tschiang-Kaisheks, W. H. D onä 1 d, ein am erikanischer Jude, obgleich das britische Generalkonsulat ihn bisher nür als gebürtigen Australier und aus alter schottischer Familie stammend kannte. Die in Schanghai erscheinenden englischen „North China Daily News" meinen, „es wäre doch interessant, genau zu wissen, warum der betreffende Korrespondent seine Zeit und den Raum seiner Zeitung zur Fabrizierung von solch verlogenem Schund vergeudet". Die Engländer möchten genau wissen, warum die Verbündeten Nazi-Deutschlands sie als die Hilfstrabanten Sowjetrußlands und Agenten des Welt Judentums hinstellen? Darauf antwortet ein Artikel des „Tokyo Kokumin Shimbun": „Das japanische Ziel gegenüber China wird niemals vollständig realisiert sein, solange nicht Japan die Preisgabe der englischen Interessen in China erzwingen wird." //Ist der Faschismus antisemitisch?" „Le Soir", die größte belgische Tageszeitung, veröffentlicht einen Artikel ihres Korrespondenten in Rom „Ist der Faschismus antisemitisch?" Die fortschreitende Entwicklung der Freundschaft zwischen Rom und Berlin, heißt es in dem Artikel, läßt die Judenfrage in Italien in einem neuen Licht erscheinen. Man fragt, ob diese Freundschaft den Faschismus zu einem Kreuzzug geg entoüie i t a.l i e n i s c he-n Juden veranlassen wird. Schon jetzt kann festgestellt werden, daß von einem R a s s eh an t i s e m i 11 s m u s keinesfalls die Rede sein kann. Der Duce ist zu sehr durchdrungen von der Idee des Latinismus, als daß er sich zü Exzessen, wie sie in Deutschland vorkommen, hinreißen ließe. Man spricht wohl gerne von den Tugenden der lateinischen Rasse, aber man hat es hie unternommen, die Länge des Schädels, die Stellung der Augen oder die Farbe des Haares als spezifisch italienisch zu betrachten. Man darf nicht außer acht lassen, daß die Juden, die vielfach schon seit vielen Geherationen in Italien ansässig sind, sich auch äußerlich vollkommen assimiliert haben, so daß es oft sehr schwer ist, sie von den Italienern zu unterscheiden. Der Großteil der Juden in Italien hat sich immer der herrschenden politischen Strömung angeschlossen; so war es auch natürlich, daß er sich seit Entstehen des Faschismus diesem zugewandt hat. Außerdem haben die Juden Italiens, im Gegensatz zu ihren Glaubensgenossen in Deutschland, im Staatsdienst oder im Parteiwesen niemals eine hervorragende Rolle gespieit. Dagegen nehmen die Juden, ebenso wie in vielen anderen Ländern, in Handel und Gewerbe, im Bank- und Versicherungswesen, schjießlich auch in Wissenschaft und Kultur einen beachtenswerten Platz ein. Charakteristisch ist die Zahl der jüdischen Professoren an den italienischen Hochschulen. Die Gleichberechtigung der Juden ist vollkommen. So wurde bei einem Preisausschreiben für den Bau des Liktorenhauses in Rom der erste Preis drei Architekten, unter ihnen einem Juden namens Victor Morpurgo, zuerkannt. Auch auf dem Gebiete der Kindererziehurtg zeigt Italien für die jüdischen Wünsche und Bedürfnisse großes Verständnis. Da der Unterricht in Italien unter der Aegide der katholischen Kirche steht, wurden den Juden Elementarschulen mit besonderem Lehrstoff zur Verfügung gestellt. In der Marineschule in Civita-Vecchia werden junge Juden zu Handelsmarineoffizieren ausgebildet. Auch die Gründung einer Fliegerschule für junge Zlonlsten wurde ermöglicht. Trotzdem sind in der letzten Zeit in gewissen Zeitungen antisemitische Tendenzen zu beobachten, die auf den Einfluß der Hitler-Propaganda zurückzuführen sind. So wurden gegen Oberrabbiner Davide Prato wegen eines Vortrages, den er vor einiger Zeit in Budapest hielt, scharfe Angriffe gerichtet, Es ist schwer, vorauszusehen, wohin dies führen wird. Die Juden Italiens bewahren gegenüber den Angriffen vollkommene Ruhe. Gedenkfeier fttr den verewigten Herrn Oberrabbinet Dr. Ch&jes Det Vorstand de* limllttachen ftnUit»t«irt«>thae Wie« ver« Anltaltet ArtUßlleh de« sehnten TodestAges des verewigten Herrn ÖberrAbbtners Dr. 7, w I Perec ChAjes s. A. am DlenstAf, deh 2$. No**mb*r, tjtn Uli* Abends Im StAdttempel, I., SelteHstetteflgAsse 4, eine Oedenkfeler. Die Gedenkrede wird Herr OberrAbbiner Dr. I. Ttfllcht halten. Gedenkfeier für den verewigten Bett» OfcerfAftbiner Dr. 0 h * J es 1 m R»Ji)ntn der Gottesdienste, für die Jüdische Schtiljufcefid. Für Volk»., Hanpt- «nd Mfttetftehttler und -ftehttlerinn««! BAWitAfc» den 20. November, um 3 Uhr nachmittags in allen Gemeinde- und ttezlrkssynagogen. Für Mittelschüler und -Schülerinnen der Unterklassen Im II., IX. und XX. Betirk: SAmstAf» den 20. November, um V,5 Uhr nachmittags Im teopoldst&dter Gemelndetempcl, II.» Tempelgasse 5, und In den Bezirkssynagogen, IX., Müllnefgasre tL und XX., Kluckygasse tt. Für die reifere Mittelschuljugend: Freitag, den 19. November, um «/j? Uhr Abends im StAdttempel, I., Seltenstettengasue 4. Ein deutschet Historiker An der Prager deutschen Universität lehrt Professor Dr. Pfitzner osteuropäische Geschichte und ist nebenbei politischer Mitarbeiter des Henlein-Organs „Die Zeit", in der er die Ideen von Dr. Goebbels Und Julius Streicher verficht. Pfitzner widmete dem vor kurzem verstorbenen repräsentativen tschechischen Historiker Professor Josef Pekar einige Artikel, in welchen er Pekar als Kronzeugen für das Alldeut 3 c h t u m reklamierte und darlegte, Pekar habe sich im Gegensatz zu der Politik Masaryks und Beues,' gegenüber dem Deutschtum befunden, habe .,an den Bestand der jüdischen Gefahr geglaubt'.' und er sei dafür eingetreten, daß „die Juden in entsprechend engen Tätigkeitsgrenzen gehalten" werden müßten. In der „Prager Presse" tritt der hervorragende tschechische Historiker Jaroslav Werstadt Pfitzner entgegen und weist ihm nach, daß er „sich aüf eine unsachliche und unloyale Argumentation" stützt. Was Pekars Antisemitismus betrifft, weist Werstadt nach, daß Pekar wiederholt und entschieden, zuletzt unmittelbar vor seinem Tode, gegen den Antisemitismus aufgetreten ist. Im Jahre, 1919, als sich die junge Tschechoslowakei in starkem Gegensatz zum bolschewistischen Rußland befand, hat Pekar in einem Aufsatz „Die Juden und der Bolschewismus" der Meinung Ausdruck gegeben, daß Juden eine übergroße Rolle im Bolschewismus spielen; Diese Erscheinung aber erklärte er mit den ungeheuerlichen Leiden der Juden im zaristischen Rußland- In diesem Zusammenhang trat Pekar dafür ein, daß man die Juden gerecht und h u m a n behandle, um'slö von gefähriie-hen Alternativen und einem Abschwenken in die extremen Richtungen zurückzuhalten. In späteren Jahren hat sich Pekär durch die Tatsache überzeugen lassen, daß von einlm Zusammenhang zwischen Judentum und Bolschewismus nicht die Rede sein könne, ... : .' ' ' V . . . „ Di" ' " ' I .* . i '(''' '*'•/ < > •ri-. o , ' . Werstadt schreibt: „Diese gerechte Haltung Pekars wird von Pfitzner in das Gegenteil umgefälscht, wobei der Historiker der Prager deutschen Universität nicht vor direkt falschen UeberSetzungen zurückschreckt. Wozu soll man sich mit einem Professor für osteuropäische Geschichte unterhalten, der sich heute noch für Sowjetrußländ mit der Erkenntnis begnügt: ,D e r erste jüdische Groflstaat'? Arme historische Wissenschaft, armer Universitätslehrstuhl, von dem aus solch» Kenntnisse und solche Klugheiten verbreitet werden.. Filme der Woche (Nachdruck nur mit. Genehmigung des Blattes.) Oesterreich: Der Pfarrer von Kirchfeld. -Frankreich: Die rote Robe —- Pep£ le Moko — „Le Mloche" — ,,Le Roi" — Beethoven. Am er i k a: Die gute Erde —- Saratoga — Eine Dame der Gesellschaft — Darf ich bitten? — Die Eisprinzessin .— Die Frau des G-Man ~ Meuterei in Sing-Sing — Man trifft sich in Paris — Leidenschaft — Wir in der Todeszelle — Das Leben Emile Zolas — Der Seeteufel — Im Schatten der Wolkenkratzer — Königin Victoria. — .Der letzte Zug aus Madrid — Für Sie, Madame — 100 Männer um 1 Mädel — Skandal auf der Rennbahn — Im siebenten Himmel — 1918, der Friede brach aus — Der anonyme Kavalier — Goldrausch. — Aus der Werkstatt der G-Men — Broadway Melody 1988 — Das Sklavenschiff — Der große Gambini — Caf6 Metropole — Engel — Zigeunerprinizesain —r Flammende Nächte. filme unter Arierparaqraph Austernliüi — Die mildo Heiehe — Patrioten -i Unternehmen Michael — Mysterium des Lebens — Lieb« kann lügen — i A in Oberbayern — Caprlolen— Unentschuldigte Stunde — Land der Liebe — Liebesregiment —- Zauber dci Boheme — Dpa Schwelgen im Walde — Die Stimme des Herzens — Zu neuen Ufern — Ein Volksfeind — Sherlock Holmes — Die glücklichste Ehe von Wien Peter im Schnee — Ihr verbrochene Krug — Manege —» Kein Wort von Liebe — Der letzte Wiener Flalter — FlorentJne — Daphne und der Diplomat — Der Katzen* Steg — Die reuigen Sünder. Neue Filme „Flammende Nächte" — heute Drei merkwürdige Lebensschicksale, die miteinander verflochten werden, geben diesem Film die Handlung. Der Komponist Erich Wolfgang Korngold schrieb die Musik. Die Wiener Uraufführung dieses Warner-Bros.« Filma findet heute im Rotenturm- und Votivpark« Kino statt. Heute Kreuz-Kino: „Die Lady und der Gangster" Heute erseheint im Kreuz-Kino der amerikanische hundertprozentige Sensationsfilm „Die Lady und der Qangster". Die Hauptrollen dieses an überraschenden Situationen überreichen Films, der auf die größten Erfolgsserien in . Amerika, England und Frankreich zurückblicken kann, spielen George Raft und Joa» Rennett,

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