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Die neue Welt · 1937-11-19 · Heft 702 (19.11.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 702 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIB NEUE WELT Nr. 702 vom 19. November 1937 Arbeitende Menschen wissen, daß zu erfolgreicher Arbelt bester Kräftezustand, ruhige Nerven, gute Stimmung notwendig sind. Zur Kräftigung des Körpers, zurBehebungvon Mattigkeitsgefühl gibt es ein zuverlässiges Mittel: DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Bestes Einreibemittel, hervorragend zur Mund-, Zahn- und Rachenpflege und zu mannigfachen anderen Zwecken In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sic Ausdrücklich „Diana" und nehmen Sie nur „Diana". Minderwertige Nachahmungen sind energisch suruckzuweisen artiger Ausführung, das Jüdesein als Verbrechen wider die Natur, die Schändlichkeit selber als Tugend der nationalsozialistischen Herrenrasse. Die unbeeinflußte Presse aller Länder verzeichnet jedeh Tag die Schrecken der Hakenkreuzdiktatur, allerdings schon ein wenig müde und abgestumpft, mit beschämender Resignation. Je tiefer diese Resignation, desto dreister der nazistische Uebermut, immer wieder die Phrase vom jüdischen Weltbolschewismus lallend . . . Natürlich könnten wir auch, ohne uns einer Fälschung oder Uebertreibuhg zü bedienen, eine Schau dessen bieten, was wir im Verlauf der Jahrtausende für die Welt geleistet haben. Der schöpferische.Genius des jüdischen Volkes hat vom Augenblick an, da dieses in die Geschichte trat, der Menschheit Werte gegeben, die von allen Zeiten und Völkern und Religionen als universelle Leistungen anerkannt würden. Wir könnten Namen, nennen, die jeden Kulturmenschen welcher Nationalität auch immer mit Erfurcht erfüllen; Namen der Religionsgründer und Philosophen, Naturforscher und Physiker, Chemiker Und Aerzte, Dichter und Künstler, Verkünder von Recht und Humanität — eine lange Reihe, die von den Uranfängen der Menschheitsgeschichte bis in unsere Tage reicht. Eine Schau, die solches zeigt, würde so recht dartun, mit welch brutaler Gerissenheit das Dritte Reich durch die Münchener Ausstellung „Der ewige Jude" die Wahrheit vernebeln und die Berechtigung seiner antijüdischen Politik beweisen will. Der ewige Jude! Wir haben diesem Begriff einen sittlichen Unterbau gegeben und ihm die lengenl^äre Bedeutung entzogen, die ihm seit Jahrhunderten anhaftete. Was einst beschämend und erniedrigend klin- Cdfö BuGhsbaum if «s Bürgerliches Familiehcafe". In- und ausländische Zeitungen. Separierter Raum für geschlossene Gesellschaften. Herab» gesetzte Preise, aufmerksame Bedienung. gen sollte — der ewige Jude als der heimatlose, zu Unrast, verdammte Parasit —, hat der Wille" zur Wiedergeburt zu Ehren gebracht. Ja, wir sagen es mit allem Stolz und mit aller Würde, die der großen Sache gebührt: Wir fühlen uns als das Volk, das sich der List und der Tücke seiner Feinde — möge sie das Hakenkreuzlertum oder der Bolschewismus oder sonst wer sein — nicht ergibt. Wir leben und schaffen im Bewußtsein immerwährenden Bestandes, weil wir glauben, daß wir dazu auserwählt sind, unser jüdisches Schicksal durch Tausende und aber Tausende Jahre zü tragen. Auch wir sagen: Der ewige Jude! — aber im Sinne positiven, schöpferischen Tuns. Jude? Ja. Ewig? Ja. Und gleichwertig und friedlich schaffend neben den anderen Völkern der Erde. o. r. Das ff och§chu!ffGhe£to in Polen Pilsudskis Tochter Wanda P i 1 s u d s k i, die Tochter des .Verstorbenen Marschalls, die an der Warschauer Landwirtschaftlichen Hochschule studiert, hat erklärt, daß sie, falls auch an dieser Hochschule „Ghe.ttobänke" eingeführt werden, auf einer derselben Platz nehmen wolle. * Eine Delegation der jüdischen Hörer an der Lemberger Universität überreichte dem Rektor, Professor Kulczynski, einen schriftlichen Protest gegen das von ihm geplante Plebiszit über die Einführung von besoncorsb doli' tmperö 184. Unter Aufsicht des Hamburger Vereinet. Direktion: Dr. med. Alex Schwan deren Bänken für die Juden. Dieses Plebiszit, erklärten sie, sei in verkleideter Form nichts anderes, als die tatsächliche Einführung von Ghettobänken. Der Rektor erwiderte, die jüdische Studentenschaft möge an die Lage auf der Universität in den letzten Jahren denken und dann ohne Vorurteil versuchen, eine bessere Lösung des Problems vorzuschlagen. Welche Lösung aber auch immer vorgeschlagen werden wird, so stehe doch fest, daß die nationaldemokratischen Studenten andere Bänke einzunehmen haben werden als die Juden. Auf einer Versammlung der jüdischen Hochschüler der Lemberger Universität wurde feierlich der Beschluß gefaßt, unter keinen Umständen auf Ghettobänken Platz zu nehmen. (Fortsetzung von Seite 1) Der fragische Sonntag in Jerusalem Ueber die Vorgänge am Sonntag, den 14. Novem ber, liegen bisher folgende Meldungen vor: Ausnahmezustand In Jerusalem Die Unruhen begannen, als zwei Jüdische Frauen auf dem jüdischen Markt aus einem vorbeifahrenden Autc^ beschossen wurden. Das Auto' wurde angehalten, die Insassen herausgehölt und von einer erbitterten Menschenmenge mißhandelt. Später griffen Araber eine Gruppe jüdischer Arbeiter mit Steinen an Und verletzten vier von diesen so schwer, daß sie ins Kranken haus gebracht werden mußten. Von arabischer Seite würde auf jüdische Passanten, unter ihnen auch Frauen und Kinder, geschossen. Es gab mehrere Dutzend jüdischer Verletzter und einige Tote (nach der Reüter-Mejdun sechs) imd Verletzte aüf arabischer Seite. Zahlreiche Araber und Juden wurden verhaftet. ÜHter den Verhafteten befindet sich der Führer des palästinensischen „Brith Trumpeldor", Ing. Erl Jabot ins ky, der Sohn Vladimir Jabbtinskys. Das gesamte Geschiiftsleben in Jerusalem ruht. Am Montag glich Jerusalem einem Heerlager. Britische Fanzerwagen durchfahren die Straßen der Stadt; alle Verkehrsmittel sind mit schwerbewaffneten britischen Posten besetzt, um Ueberfälle zu vereiteln. Der am Donnerstag Uber Jerusalem verhängte Ausnahmezustand ist verlängert worden. Der Bevölkerung Jerusalems hat sich große Besorgnis bemächtigt. Auch in anderen Teilen des Landes veHief der Sonntag unruhig. In einer ViUa in .B"e t'hlehem ent- CofepAMi&tufeti I. 6 P E R N ft I N C 11 f II, Taborxtrale 12 Telephon R-48-4-46 HUGO und JULIE HERLINGER geb. Zöllner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung Täglich. frische Fische ' Neu renovierter Speisesaal / Angenehmer Aufenthalt 0 deckte die Polizei ein Waffenlager und eine von arabischer Seite betriebene Fabrik zur Herstellung von Munition. DreihöherearabischeBeamten der Jerusalemer Stadtverwaltung, unter ihnen der Leiter des Wasserversorgungsressorts, ..Suba Murad, wurden verhaftet. Die arabischen Angriffe Ueber den Verlauf der sonntägigen Straßenkämpfe in Jerusalem wird nachträglich bekannt: Ein sehr schwerer Zusammenstoß zwischen arabischen und jüdischen -f -..... ' ' Arbeitern ereignete sich im; >*ßfc h e c h u-n'a't Bfe t h Jisrael. . Die Araber griffen die bei. einem Bau beschäftigten Juden mit Steinen an und verletzten vier von ihnen schwer. Einer der Schwerverletzten, der 30jährige jemenitische Jude Ovadia Josef Misrachi; erlag auf dem Transport in das Hadassa-Krankenhaus seinen Verletzungen. Im Verlauf des Zusammenstoßes fielen Schüsse*, durch die ein Araber getötet und einer verwundetwurden. Kurze Zeit darauf wurden im Romemah- Viertel aus einem arabischen Autobus auf den jüdischen Marktplatz mehrere Schüsse abgegeben, durch die eine jüdische Frau und ein löjäJiriges jüdisches Mädchen' schwer verletzt wurden. Auf der Weiterfahrt wurde der Autobus beschossen; vier arabische Insassen, unter ihnen zwei Frauen, wurden getötet, zwei Araber wurden verletzt. Revisionisten verhaftet Im Zusammenhang mit .den sonntägigen Unruhen sind bisher 45 Juden in den verschiedensten Teilen des Landes verhaftet worden. 24 wurden in das Konzentrationslager von A k k o gebracht, 21 befinden sich unter Polizeiaufsicht; sie dürfen. ihren Wohnsitz nicht verlassen und müssen sich täglich bei der Polizei melden. Unter den Verhafteten befinden sich vorwiegend Revisionisten und Mitglieder des Brith, T.rumpe.ldör; in Ness Zionä wurden drei, in Petach Tikwa acht Revisionisten verhaftet. In Rechowath wurden, acht Betarim, fast durchwegs Sefardim und Jemeniten, aus den Betten heraus verhaftet. Auch in Rischon le Zion wurden Verhaftungen unter den Betarim vorgenommen.. In. informierten Kreisen erwartet man, daß eine Verordnung, erlassen werden wird, die die AüsWeisurtg der Ausländer unter den Verhafteten verfügen wird. Der Waad Leumi hat seine Mitglieder und die Vertreter des Jischuws für Dienstag zu einer Sondersitzung einberufen. Die Polizei Überrascht Aus Jerusalem wird weiter gemeldet: Die Spannung hat einen Grad erreicht, wie er seit den schlimmsten Tagen der Unruhen des Jahres 1929 nicht zu verzeichnen war. Die Unruhen scheinen von einer Zentrale aus geleitet worden zu sein. Die Polizei wurde durch die Ereignisse vollkommen überrascht. Die Totenliste Insgesamt sind in der vergangenen Woche, die als die unruhigste im Verlauf, dieses Jahres bezeichnet wird, in Palästina 15 Personen getötet und elf verwundet worden. Unter den Toten sind sechs Juden, zwei Engländer, Soldaten des Black Waten Regiment, und sieben Araber. Am schwersten waren die Unruhen Im Bezirk Jerusalem, wo allein 13 Personen getötet und neun verwundet wurden. Täglich Aböndkoni:ert 0en6nmer Aufenthalt iehaft' •> Sämtliche In- Normale Togsspreli« An* * Treffpunkt der besten Geiellu. ausländische Zeitungen liegen auf Das Unikum eines Völkerbundkoinmis§ärs .........Das ohnehin schon stark lädierte Prestige des Völkerbundes wird in Danzig einer neuerlichen Erschütterung ausgesetzt. Vor einigen Tagen erhielt der Dreier-Ausschuß des Völkerbundes, der für da» Regime in Danzig kompetent und verantwortlich ist, (einen Bericht über die Situation der Danziger Juden, ' einen ' ebenso traurigen wie empörenden Bericht-— empörend ob der Tatsache, daß alles, was die Danziger Nationalsozialisten unter dem Senatsprääidefiten. Greiser sich gegen die jüdische Bevölkerung erlauben, trotz der notorischen Verletzung der Völkerbundrechte und ohne Einspruch des Völkerbundkommissärs Prof. Burckhardt geschieht. Ueber das Verhalten Burckhardts staunt die Kulturwelt, soweit sie nicht schon solchen Staunens überdrüssig geworden ist, um so mehr, als sie weiß, daß Prof. Burckhardt Bürger der freien Schweiz ist, die sich der hakenkreuzlerischen Einmischung in ebenso maßvoller wie entschiedener Weise zu erwehren versteht. Aus einem Schweizer Blatt, dem Züricher „Israelitischen Wochenblatt" erfahren wir: „Der Völkerbundskommissär? Jüdische Abordnungen hat er, so wird behauptet, nicht empfangen. Zweifellos versucht "er, durch diplomatische Ermahnungen -das .Schlimmste* zu verhüten. Bei den verteilten Rollen, mit * denen die gewaltsame Ausschaltung der Juden inszeniert wird, kann er sich in dem Glauben wiegen, daß seihe Anwesenheit doch noch nicht ganz vergeblich ist. Und doch ist seine Haltung Unverstände lieh. Man erinnert sich vielleicht, daß sein Vorgänger,: der Ire Lest er, lieber Boykott und Belästigungen seiner eigenen Person in Kauf nahm, als nur im; Kleinen; nachzugeben. Dann legte er sein Amt nieder, als der Völkerbund ihn nicht mehr halten konnte: Wochenlang wurde ein Nachfolger gesucht. Ein holländischer Admiral lehnte ab. Schließlich ließ sich'Prof. B u r c kh.a r'd t herbei. Und unter den Augen eines Schweizer» wurde die Opposition'-,legal' mündtot gemacht; werden die 'jfuden;iegal' entrechtet1 (Mit oder ohne offizielle1 Gesetzgebung). Wenn der Völkerbund nicht mehr in der Lage ist, seinem Kommissär Hilfe zu leihen, sollte ein aufrechter, demokratischer Schweizer nicht lieber von seinem Posten zurücktreten, um die Heuchelei aufzudecken, ' als mit seinem Namen eine solche tragisc-he Komödie zu decken?" Und die Basler „Nationalzeitung" schreibt mit sichtlicher Zurückhaltung „Wie wir' erfahren, ist hier, über irgendwelche: Schritte, des Hohen Völkerbundkömmiss ä r s in Danzig immer noch nichts bekannt. Man weiß nur, daß er vor einiger Zeit Adolf Hitler in Berlin einen Besuch abstattete und jetzt in Polen bei einem Jagdausflug weilt." Der ganzen Sachlage nach läßt der vom Völkerbund eingesetzte Oberkommissär für Danzig den Dingen ihren Lauf. Er antichambriert bei Nazigrößen oder schießt Wild in Polen. Eine solche Beschäftigung ist ihm vom Völkerbund gewiß nicht zugeteilt worden. Oer Appell des lüdisdien Weltkongresses weqen Danzig Aus Genf (J. T. A.): In dem bereits veröffentlichten Bericht, den die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses dem Dreier-Ausschuß des Völkerbundes für Danzig übermittelte, wird die Liste der jüdischen Aerzte bekanntgegeben, die vom Nachtdienst ausgeschaltet worden sind, ferner eine offizielle Verordnung vom 25. Oktober, die den Juden verbietet, Badeanstalten zu Zeiten zu benützen, in denen Arier dort baden; schließlich die Liste der 65 Geschäfte, die Opfer der pogromartigen Aüsschreitüngen geworden sind. In 30 Fällen ist es laut dem Bericht zu Plünderungen gekommen. Der Bericht Schließt mit den Worten: „Die Lage der Danziger Juden ist so verzweifelt geworden und ihr Vertrauen in die internationalen Autori- | täten ist so erschüttert, daß für sie im Moment die wichtigste Frage ist, Möglichkeiten zur Auswanderurig und Garantien für die wirtschaftliche Sicherheit jener zu schaffen, die zurückbleiben müssen. Das ist die äügenblickliche Lage im Freistaat Danzig, in dem angeblich alle Bürger gleiche Rechte genießen." Vi LI) D E J S T A A T S I Ü G E N D i ^■■■■■■■■■■■^■■■■■■■■■ni 9 PJenstag, den 23. November, um halb 9 Uhr jj ahends im Heim, II, Praterstraße Nr. 30 | Vortrag tag. Heftrich Brandstätter 1 § Thema: ZUr Problematik unserer Generation 1

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