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Die neue Welt · 1937-11-19 · Heft 702 (19.11.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 702 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag, den 10* November 1937 II* Jahrgang Nr* 702 V* t»+ b« Zeitung vom Verleger versende! ,----, —«aic, par t^dlteur** Titl. Universitätsbibliothek REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.4Q, viertel j&nrlg s 4.—, ganzjährig » 16.—; Polen monaölch ZloW 1.50. vierteljährig Zloty ^W; Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—. vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Ättmänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—;, Deutschland monatlich Mark 1.—» vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa SO.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—a Schweis und dfe übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen eind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX,Universitäfsstr.8,7el.A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag VERBAND DER JUDEHSTAATSZIONISTEN Mittwoch, den 24. November, um halb 9Uhr abends im Zentralheim, II, Praterstraße 30 Ckajes-Qedetdtfeiet Gedenkrede: Rabbiner Dr. B. Murmelstain Zur Lage in Palästina Leixte Meldungen aus Jerusalem Ueberfüllte Gefängnisse Die ersten 24 verhafteten Revisionisten, darunter Wladimir Jabotinskys Sohn Eri, wurden zur Verschickung in Konzentrationslager auf sechs Monate verurteilt. Die Verurteilten konnten aber noch nicht nach A k k o geschickt werden, weil die dortige Zitadelle überfüllt ist. Auch das Jaffaer Gefängnis ist überfüllt. Wahrscheinlich werden die verhafteten Revisionisten provisorisch ins Jerusalemer Gefängnis überführt werden. Die noch nicht 18 Jahre alten verhafteten Revisionisten sollen auf freien Fuß gesetzt werden. , Die Verhaömi^h ' unter deniüfovisiohjsten werden :fortgesetzt.-; **~ Vermißter Knabe : •- " -! Ein jüdischer Knabe namens Mosche Ab r a m o w begab sich am 14. November in einen arabischen Pardess neben Tel-Aviv und kehrte nicht mehr zurück; Die Polizei bemüht sich, festzustellen, was mit dem Knaben geschehen ist, bisher ohne Erfolg. Gemilderter Ausnahmezustand Am 16. November ist in Jerusalem der Ausnahmezustand gemildert worden. Anstatt von 5 Uhr nachmittags bis 5 Uhr früh ist die Polizeistunde mit, halb 10 Uhr abends bis 5 Uhr früh festgesetzt worden. Sitzung des Jerusalemer Stadtrats Am 18. November fand eine Sitzung des Jerusalemer Stadtrats unter dem Vorsitz des jüdischen Bürgermeisters Dr. Daniel Aus t e r statt.;Bei; der Sitzung wurde einstimmig eine Resolution angenommen, sich mit einem Aufruf an die Bevölkerung wegen Abstellung der Gewalttaten und Morde an unschuldigen Menschen zu wenden. Blutiger Zusammenstoß Aus Haifa wird gemeldet, daß während eines Zusammenstoßes zwischen britischem- Militär und einer arabischen bewaffneten Baride drei Araber getötet wurden. Die fünf Opfer von Kraja! Anawim Aus Jerusalem: Die Kwuzah „Bamaaleh", der die in der Nähe von Kirjat Anawim ermordeten jüdischen Arbeiter angehörten, hat beschlossen, zum Andenken an die fünf Opfer an derselben Stelle, an der der Mord geschah, eine neue jüdische Siedlung, „Giwat Hac hämisch an", zu gründen. Der Vorsitzende des Direktoriums des Keren Kajemeth, M. M. U s s i s c h k i n, hat. die 'Unterstützung des. K. K. Li. bei der Schaffung der neuen Siedlung zugesagt. Während des Begräbnisses der fünf Opfer ruhte auf Anordnung des Waad Leumi in gantz Palästina die Arbeit. Die mit schwarzen Tüchern verhüllten Leichen wurden auf Bahren vom Hadassa-Spital zu offenen: Autos' getragen, die sich In langsamer Fahrt durch ein dichtes Spalier von mehr als 30.000 Menschen bewegten, die die •Straßenzüge bis zur Stadtgrenze einsäumten. Während sich der Trauerzug durch Jerusalem bewegte, ruhte 4er Verkehr vollkommen; man bemerkte, daß zahlreiche Araber ihre Turbane abnahmen. Plugzeuge kreisten über der Stadt. Auf der Fahrt nach Kirjat Anawim stand in jeder Siedlung, die der Zug passierte, eine Ehrenwache jüdischer Hilf sp.olizisten. Am offenen Grab sprachen Oberrabbiner Dr. J. H e r t % o g 1 und Etekutivemitglied Mosche S h e r t o k, der Präsident des BMaad Leunoijt und! andere Persönlichkeiten, Der tragische Sonntag in Jerusalem Jerusalem war am Sonntag, den 14. November, der Schauplatz blutiger Zusammenstöße. Obwohl die bisher vorliegenden Nachrichten nicht in allen Einzelheiten den aktuellen Anlaß der schweren Ausschreitungen erkennen lassen, ist es klar, daß die von den arabischen Extremisten organisierte Hetze zu dem bisher erbittertsten Terror gegen Juden und Engländer geführt hat. Der Mufti befindet sich zwar außer Landes, aber die Terrorzentrale ist geblieben und die Maßnahmen der Palästina-Verwaltung waren bisher nicht ausreichend, um den Mordtaten ein Ende*zu machen und den Anstiftern das Handwerk zu legen. Der Terror im Bezirk Jerusalem ist in der Oriiar- Moschee zentralisiert und wird von mehreren, dem Mufti ergebenen Beamten des Obersten Moslemischen und Engländern auch gemäßigte Araber angegriffen, am Leben bedroht und Erpressungen ausgesetzt werden. Auch die nichtpalästinensisc'hen Araber sind an den Terroraktionen beteiligt. Das ägyptische Blatt „AI Mokkatam" berichtet, daß eine mit Maschinengewehren, Flugzeugabwehrgeschützen und anderen Waffen ausgerüstete Araberbande von außen her (gemeint dürfte Syrien sein) nach Palästina eingedrungen sei, um die Terroristen zu unterstützen. Der jüdische Jischuw ist auf weitere schwere Tage gefaßt. (Die Nachrichten über die Ereignisse des tragischen. Sonntags siehe Seite 2.) Auch wir sagen: Der ewige Jude Noch immer nicht^enug? Die rund fünf Jähre des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland Ovaren mit Angriff en gegen die moralische/ 'physisg^l^ imd materielle Existenz: der deutschen-Juden und des jüdischen yplkes in^ller .Weif in einem Ausmaße ausgefüllt, wie es nicht einmal von den intimsten Kennern des Hakenkreuzlertums erwartet r worden war. Ein propagandistischer Apparat sondergleichen wurde aufgeboten. Fast jedes öffentliche Auftreten der Machthaber des „neuen Deutschland" war mit einer antijüdischen Demonstration verknüpft.. Die Reden Hitlers, Goebbels', Streichers, mögen sie auch welcher Frage immer gegolten haben, klangen in die Hakenkreuzthese aus, daß der „jüdische Weltfeind" an allem Uebel schuld sei und darum vertügt werden müsse. „Der Stürmer" und die vom berüchtigten Oberst Ullrich Fleischhauer in Erfurt geleitete antisemitische Propagandastelle „Weltdienst" waren.und sind die Zentralen der nationalsozialistischen Hetzkampagne gegen die Juden für die ganze Welt. Perfideres, Niederträchtigeres, Verlogeneres und Schamloseres ward, seitdem Menschen und Völker auf der Erde wandeln, nicht gesehen. Noch immer nicht genug. In München, der „Stadt der Erhebung", wird jetzt eine Ausstellung gezeigt, die den Titel „Der ewige Jude" führt. Der Titel knüpft an die sogenannte Ahasver-Legende* an, wonach der Jude, da er sich dem Glauben an den bereits erschienenen Messias nicht füge, zu ewigem Wändern verurteilt sei. In zahlreichen Varianten erscheint'diese Legende seit dem Mittelalter, bald anklagend,-bald .mitleidheischend, immer aber mit einer leise anklingenden Hoffnung, daß dem „ewigen Juden" irgend einmal Ruhe und Frieden beschieden sein werde. Gegen eine Legende gibt es keinen Protest. Unwirksam machen kann sie nur. die Tat. Wir haben be-. wiesen, daß wir durch die'Tat Schluß machen mit der mittelalterlichen Achasver-Legende, indem wir dort wieder Volk, schöpferisches, seßhaftes Volk werden,;; woher wir gekommen sind. „Der ewige Jude am Ziel" ist nicht bloß ein Buchtitel (Albert Londres), sondern — und vor allem — ein geschichtliches Phänomen, das die Welt zur Kenntnis nehmen muß. . Aber die heutigen Machthaber.Deutschlands wei-: gern sich, diesen Prozeß anzuerkennen. Er widerlegt.;nämlich ihre schändlichen . Parolen vom „jüdischen -Weltfeind" . . . Vom. „ewigen Juden", der nicht bloß zur Unrast verdammt sei, sondern auf seinem Weg die Völker verderbe und dem Verfall preisgebe. Was die Münchener Ausstellung zeigt, wissen, wir in den Einzelheiten nicht. Die Weltpresse hat bis. nun nicht sehr viel über sie berichtet. Aber wir können uns eine Vorstellung davon machen, wenn wir lesen, daß Julius Streicher die Richtlinien gegeben hat, und daß Dr. Goebbels, wohl der. gefährlichste Propagandist nach einem, tonch der. Ausstellung: erklärt hat, sie enthalte derart Grauenvolles, wie man es in höherem Maß nicht ausdenken könne. Grauenvoll ist ..die Ausstellung ohne Zweifel. Wir kennen dieder neudeutschen Wissenschaft. Sie alle, die Herren Historiker, Statistiker, Physiker, Biologen; Aestheten,- * Wirtschaftspolitiker usw., sie alle ohne Ausnahme haben auf das ^Kommando ihrer Vorgesetzten die befohlenen Resultate zur Verfügung gestellt, ja, mit ausgesprochener Wollust die Wünsche jedes die Nilpferdpeitsche schwingenden SA.-Mannes befriedigt. Die Grauenhaftigkeit, von der der Minister für Volksaufklärung und" Propaganda Dr. Goebbels sprach, ist ganz .bestimmt erreicht worden. Sind doch in der Ausstellung zahllose Bilder zu sehen, welche die Ritualmordlüge in derart perverser Scheußlichkeit illustrieren, daß man diese Abteilung den jugendlichen Besuchern, um „die Sittlichkeit nicht zu gefährden", verwehren will. Die Frage, warum immer noch, nach fast fünf Jahren intensivster antijüdischer Propaganda und Praxis, der Hakenkreuzfeldzug gegen uns weitergeführt wird — vielleicht mit noch größerer Erbitterung als bisher —, kann nicht mit leichter Handbewegung abgetan werden. Es genügt auch nicht, gu sagen, daß die nationalsozialistische Führerschaft über innere Schwierigkeiten durch den steten Hinweis auf die „jüdische Weltgefahr" hinwegtäuschen möchte. Das wäre eine höchst oberflächliche und leichtfertige Betrachtung. Vielmehr deutet alles darauf hin, daß die Münchener Ausstellung den inneren Ernst der Judenverfemung glauben machen soll, da hinreichen^ genug Zeichen dafür vorhanden sind, dajß ein überaus großer Teil des deutschen Volkes den hakenkreuzlerischen Haßfeldzug1 gegen uns nicht mitmachen will. Aber Hitler-Deutschland will noch ein zweites: der Welt einreden, daß es in den anderen weltanschaulichen und politischen Forderungen ebenso recht habe wie im Judenpunkt. Wenn Hitler-Deutschland den Beweis erbracht habe für die einwandfreie Richtigkeit seiner Lösung der Judenfrage, dann werde man auch seinen anderen Thesen Gehör schenken. Um diesen Beweis also geht es; ihn zu erbringen, scheuen die heutigen Machthaber des Dritten Reiches kein Geld, keine Energie und keine Lumperei. Immer wieder müssen' sie der Skepsis der Kulturländer gegenüber ihrem Lügenmaterial mit noch überzeugenderen Trümpfen begegnen: Es gibt kein Innehalten mehr. Der Moloch „Lüge" muß immer wieder von neuem gefüttert werden; Natürlich könnten wir, ohne uns einer Fälschung oderA» Uebertreibung schuldig zu machen, eine Ausstellung „Das heutige Deutschland" bieten, die in ihrer Grauenhaftigkeit sogar die Phantasien des „Stürmer" übertreffen würde. Material gibt es" genug. Das Sausen des Henkerbeils wirkt wie Labsal neben den Qualen in den Konzentrationslagern. Der gelbe Fleck als Reflex: der spgeuaimtea Nürnberger Gesetze erscheint in nefa«

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