Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 701 (12.11.1937)
- Date
- 1937-11-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 701 vom 12.1fövember 1037 DIE NEUE WELT •*-.--r f - Tfr - r? miT.-yi'V -*ry~ Saite T Raxzia int Budapestef Judenviertel Aus Budapest: Das Fremdenkontrollamt hat in der Nacht auf Sonntag, 7. November, eine große Razzia im Juden viertel durchgeführt. Detektive drangen in die Wohnungen ein, weckten die Menschen aus dem Schlafe und forderten Ihnen ihre Dokumente ab. Wer sich nicht sofort ausweisen konnte, wurde ins Schubhaus' (Zwangsarbeitshaus) abgeführt, insgesamt 503 Personen. Die Verhöre dauerten den ganzen Sonntag. Schließlich wurden- 29 zurückbehalten, die keine Aufenthaltsgenehmigungen vorweisen konnten. Sie werden des Landes verwiesen werden. Das ungarische Telegraphen-Büro meldet, daß die Fre-mdenkontrolle in Zukunft noch strenger gehandhabt werden wird. Ein antisemitisches Montagsblatt bemerkt, die Maßnahmen der Polizei seien außerordentlich gerecht, da der Zustrom von Galizianern ins Land derart überhandgenommen habe, daß dies zu einer Gefahr für Ungarn geworden ist. Demgegenüber wird von jüdischer Seite darauf hingewiesen, daß Ministerpräsident Daranyi selbst vor kurzem erklärt habe, daß in den letzten Jahren überhaupt keine Galizianer ins Land kommen konnten. Verhaftung von Mitgliedern des „Haschomer Hazair" Aus Budapest: Das offizielle Deutsche Nachrichten-Büro hat die provokatorische Meldung verbreitet; daß in Budapest 36 Angehörige des zionistisch-sozialistischen „Haschomer Hazair" verhaftetwurden, die an verschiedenen Stellen der Stadt kommunistische Zellen gebildet hätten. Die Budapester rechtsextremlnlstischeh Zeitungen sprachen von „kommunistisch-bolsshewistisch-atheistischen Plänen" der Verhafteten. „Esti Ujsäg" stellte die Behauptung auf, die 36 Jungen Leute' . hätten einen Staatsstreich geplant, um „mit Hilfe Moskaus Ungarn" zu einem Juden- ■ taat zu machen". Das von der Regierung subventionierte Blatt erging sich in ausführlichen Schilderungen der „Geheimkonventikel und Orgien dieser Jungkommunisten". Tatsächlich sind 36 Mitglieder der vier Hachscharot (Ausbildungskurse) des ungarischen Zionistenverbandes verhaftet, nach viertägiger Haft jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt, worden, da ihnen keinerlei kommunistische Betätigung nachgewiesen werden konnte. Sie wurden allerdings ' unter Polizeiaufsicht gestellt und müssen sich jeden zweiten' Tag bei der Polizei melden. Dem J.-T.-A.-Vertreter hat die Leitung des Zionietenverbandea folgende . Erklärung Übergeben: „Nach der' vor einiger Zeit erfolgten Auflösung des ,Ha.schomer Hazair' hat der Zionistenverband vier Hachscharot unterhalten, deren Adressen der Polizei' mitgeteilt worden waren, so daß es sich schon aus diesem Grunde nicht um .geheime' Zusammenkünfte handeln konnte. Noch eine halbe Stunde vor der Verhaftung der 36 jungen Leute wurde in den Hachschara-Heiinen eine, polizeiliche Kontrolle vorgenommen, ohne daß die Polizei etwas Verdächtiges gefunden hätte. Die R egierung hat es ausdrücklich gebilligt, daß junge jüdische Menschen, die in Ungarn' keine Erwerbsmöglichkeiten haben, in .speziellen Vorbereitungskursen (Hachscharot) für die Auswanderung nach Palästina geschult werden. Razzien auch in der ungarischen Provinz Aus Budapest: Die von der Budapester Polizei in der Nacht auf Sonntag, 7. November, schlagartig durchgeführte Razaia ist nicht auf das Budapester Judenviertel allein beschränkt* geblieben. Auch in der Vorstadt Alt-Ofen fand eine Razzia statt, bei der 15 Personen verhaftet wurden. Aus der Provinz werden ähnliche Vorgänge gemeldet. In Bonyhad, wo sich eine große Jeschiwä befindet, und in Jänoshalma wurden mehrere Personen angehalten. . Die Blätter berichten über die nächtlichen Ereignisse an auffallender Stelle und betonen, daß die Razzien eine völlig ungewöhnliche Maßnahme darstellen. Aus HitIefffDeuf$diland Zehn Jahre Zuchthaus für „Rassenschande" Aus Prag (J. ,T. A.): In einer unscheinbaren Notiz des DNB. würde mitgeteilt, daß der 56jährige Rechtsanwalt Dr. Theodor Wohlfahrt von einem Hamburger Gericht zu zehn Jahren Zuchthaus wegen „Rasisenschande" verurteilt wurde. Jetzt erfährt man folgendes: Dr. Theodor Wohlfahrt wurde am' 10. Jänner 1881 in Breslau geboren; er ist evangelisch getauft. Von 1916 bis Kriegsende war er als Offizier an der Front, erteilte sogar „Vaterländischen Unterricht". Durch die Judengesetzgebuhg wurde er gezwungen, seine Praxis als Rechtsanwalt und Notar abzugeben. , Dr. Wohlfahrt erklärte in der Gerichtsverhandlung, daß er das „Gesetz zum Schutze der deutschen Ehre und des deutschen Blutes" „angesichts , seiner ganzen Einstellung und seines Lebenswandels als eine persönliche Beleidigung betrachte". Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich schuldig bekennen wolle, antwortete der Angeklagte; „Nein!" Vors.: „Sind Sie Voll ju.de?" AngekJ.: „Ich weiß es nicht. Urkundlich bestimmt. Das Gesetz zum Schutze des deutschen Bluter und der deutschen Ehre stellt mich U n t e r einen Zulukaffern. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ueber sexuelle Dinge lehne Ich jede Auskunft ab. Jede Frage in dieser Hinsicht empfinde ich als eine Beleidigung." Vor».: „Sie nehmen den Standpunkt ein: um die Nürnberger Gesetze kümmere ich mich nicht?" Angekl.: „Jawohl!" - Das Gericht fättte nach längerer ßfcratung das Urteil: Zehn Jahre Zuchthaus! Iri def 0qgrüridung «igte der Vorsitz«!«» fi. u,t Das ögfieht h äl* dt« tteber|eügttng, daß der Mann von du* Ii*ei Ida6 b&Sesseti sei, er empfinde deutsch, und daß eh 'jfldft durch die NUrtibertfef Gesetze beleidigt fühle. Ei stehe aber aüfte^ Zweifel, daß der Angeklagte als Jude nicht deutsch fühlen könne. 300.000 deutsche Halbjuden sollen sich „freiwillig" sterilisieren lassen, Aus Prag (J. T. A,): Aus Berlin wird gemeldet: In einem Vortrag des Reichsamtsieiters Groß vor der Hamburger Verwaltungsakademie erklärte dieser bei Erörterung des jüdischen Mischlingsproblems, „daß besondere Achtung denjenigen Frauen und Männern gebühre, die dureh Ihre freiwillige Ster ilisation dem deutsehen Volk ein Schweres persönliches Opfer, gebracht hätten!'. -Den 3ÖÖ.Ö0O fjalbjuden und Mischlingen, dle:es in Deutschland gibVwird »äml^ch der Entschluß nahegelegt, eioh freiwillig sterilisieren zu lassen. Eine Ablehnung hätte für die Betreffenden zur Folge, daß ihnen dte bisherige „Vorzugsbehandlung" gegenüber den Volljuden amtliöherselts nicht mehr eingeräumt würde, das heißt, daß sie selbst künftig als Volljuden behandelt würden. Die Folge dieses Druckes ist dann die gerühmte „freiwillige Sterilisierung". In Dachau „gestorbeil". Aus Paris (J. T. A.): Aus Deutschland wird telegraphiert, daß der frühere Ministerialrat Dr. Ascher im Konzentrationslager Dachau gestorben ist. Die „Pariser Tägcszeitüng" berichtet: ' „Der frühere Ministerialrat Dr. Ascher saß mit seinem Sohn Klaüs, der als .Halbarier' gilt, da seine Mutter .Arierin' ist, .hl einer Frankfurter Aepfölwelnwirtschaft. Der Junge nahm den dort ausliegenden .Angriff zur Hand, der Vater mißbilligte das mit den Worten: ,Laß doch das Dreckblatt liegen'. Dies hörte ein 20jähriger Nazi-Jüngling, der nichts Eiligeres zu tun hatte,, als den alten Herrn fcu denunzieren. , Der Schnellrichter sprach Dr. Archer „frei, er wurde aber schon am nächsten Tage von, der Gestapo erneut verhaftet und nach Dachau gebracht. Dort wurde eV so «unmenschlich mißhandelt, daß er nach sechswöchiger, Haft starb. .... . ■■ ■ .. .Mathilde Ascherwurde davon, benachrichtigt, daß ihr Mann „nach kurzer Krankheit" verstorben sei. Mit ihrem Sohn eilte sie nach. München, wo, ihr von den Beamten ein plombierter: Sarg ausgehändigt wurde, mit dem ausdrücklichen Vermerk: . ,D e.ff.nen bei Strafe verboten'. Er .mußte, noch,, am 18. .Oktober, ip München unter, Bewachung uniformierter Nazis eingeäschert Werden." Mit der Httkoah nach B*ntlBi»v«t. Der Scftwlmmklub Hakoah veranstaltet Sonntag, den 14; di; eine. Autabusfohrt nach B r a tl-;s lavat. woselbst ein Klubkampf gegen Bar-Koohba-durchgeführt wird. Die Relae -wird Sonntag früh angetreten und sind die HBlaeteilnehmer Sonntag abendä;-wieder in Wien. Der Fahrprei?s ist S 7.60, öder inklusive Eintritt zum Meetin g und N achtmahl iri einem Restaurant irtiP/atisläva'S 10.—. Gttate sirid-herzJ liehst willkommen und werden .Anmeldungen täglich im Sekretariat, L,, Wiesingerstraße II, entgegengenommen. Empfehlenswerte Firmen . ■ RESTAÜftANTS, CäMS etc. Cafe" Atlashof, I., Franz* Josefs-Kai .1; Tel. Rr28-2-28.. Caf6 Augartonhof, II.. Untere Aügartensträße 46, Telephon A-44-0-75. ■'■>,"■■■ ~ ,„ _„„ Caf6 Beethoven, I., Universitätsstraße 11, Tel. B-43-508. Erstrangiges Bendeasvous gutbürgerlicher Kreise. . 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Im .siebenten Himmel — 1918. der Friede brach aus ~ Der anonyme Kavalier — Goldrausch — Aua der WerJtbtatt der G-Men — Broadway Melddy 1Ö&8 — Das Sklavenschiff-— Der große Gambini — Cafe Metropole — Engel — Zigeunerprinzessin. filttie unter Arierparaqraph Austernlilll —* Die milde Helene — Patrioten —- Unternehmen Michael — Mysterium des Lebens — Lieb* kftn« lügen— I Ä in Oberbayern — Gapriolen — Unentschuldigte Stunde-—Land der Liebe — Liebesregiment — Zauber der Boheme — Das Schweigen im Walde — Die Stimme des Herzens ■— Zu neuen Ufern — Ein Volksfeind — Sherlock Holmes Die glücklichste Ehe von Wien — Peter im Schnoe — Dir zerbrochene Krug — Manege — Kein Wort von Liebe — Der letzte Wiener Fiaker — Florentme — Daphne Und der Diplomat. liijjUsdhe Kulfursfelle I., Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R-28-2-36 Der Vortrag „Die jüdische Sünde" (Sind die) Juden gescheit?) von Anton Kuh, der im Offenbach-Saal• stattfindet, wurde auf Donnerstag, den 18. November, verschoben. Beginn 20 ,Uhr. -— Karten bei der Jüdischen Kultur^telle, I., Franz-Josefs-Kai 3, R-28-2-36, bei der Konzertdirektion Hohenberg (im Operngebäude) und bei der Kartenzehtrale Gronher, I., Graben 28. > . . , * Allabendlich, 20 Uhr (sonn- und feiertags auott 1R Uhr 30 als Nachmittagsvorstellung bei kleinen Preisen)' wird die Komödie „Jakob und Christian", von S. Gronemann, bia einschließlich 18. November gegeben. Premiere* A wab oiff a tug Gastspiel .' Sevilla Pastor. In den „Jüdischen Künstlerspielen" gelangt ab heute, Freitag, die musikalische Komödie „A "wab 0if a tug" von Kalmanowitach zur Aufführung. Ih diesem lustigen Stück wirkt neben Sevilla Pastordas ganze Siegler-Ensemble mit. — Montag *,Der Pinbzewer Joiresch". — Dienstag, als Ehrenvotetelhatfgf für ' M. Herschkowitz, „Itikl" mit Sevilla Pastor und die nationale Reportage „Blau-Weiß". — Für sämtliche Vorstellungen hat der Vorverkauf begonnen. The'äter ä. d. Wien. „Paai-Pam" von Max Kolpe, Musik von Fritz, Spieiinann.' Eine Lustspieloperette, die sogar mit einem sehr originellen- Textbuch aufwartet. Drei Gangster — zwei davon naive Anfänger — logieren sich, in einem geschlossenen Theater ein, um ungestört Banknoten, zu fälschen. Das Auftreten der reizenden Soubrette „Pam-Pam" bringt.^die drei dazu, das Banknotenfälschen aufzugeben und^rientiges Theater zü bieten. Sie haben so entschieden mehr;. Erfolg zu erwarten. Für die Titelrolle hat sich.1 Direktor Hellmer eine entzückende' Interpretin. aus dem hohen Norden geholt (Ungarn scheint schon nichts mehr exportieren zu können): Kirsten H e i b e r g, die : ganz außerordentlich gefiel.'Die. drei Gangster, sind Franz Engel, nonchalant-witzig, Emil St Öhr, frisch und. jungenhaft, und Unterkirohner, elegant und humorvoll. In kleineren Rollen Armin. S j> r i n g e r. und Erich DÖrner, sehr gut. Ein hübscher Erfolg. Bonacher. Unter dem Titel „Gaukl e r sind da!", hat Direktor , Wilhelm Gy imes das Ronacher wieder eröffnet. Und es sind Artisten und Künstler a 11 e r e. r s t e n Ranges, die das Programm* des Abends bestreiten. Zuerst C h a r 1 y R i v e 1 s, der weltberühmte Akrobat, der in' zwei Piecen ausgezeichnetes Können zeigt. Szöke S zälea l.Veckt in einem Sketch Lachstürme, Gaston Pa-lra e r-ä Ist..nicht nur ein prächtiger Jongleur, er hat äuch Witz und" Charme und gewinnt ini Nu herzlichste Sympathien. ' Cilly. F e i n d t reitet vortreffliche „Hohe Schule".'' Das sliid die Hauptattraktionen, denen' sich noch eine garize Reihe weiterer guter Nummern an-' reihen. .Der Auftakt läßt eine gute Saison im Rortaoher erwarten.' '* e. kr. KINO^PROGRAMIVIE Der große I, Wollzeile 17 Telephon R-24-2-16 mit Akim Tarnaroff und Vorttellungen: *,ttdi'VM,V*io Marian "Marsh I chweden Broadway' Nelody Beginn: 3, 5, ft8 und VHlOUhr.TBl.A-«'0-60 O Eleanor Powel ISUO Robert Teylorl Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen 1 9. Woche prolongiert! Ur-und Allelnaufführung In Wien li^äHiciitt"Der ersteTonfiim in ^dd> sPracne Kino'jsdl mifn II, Untere Aügartensträße 28 . Telephon A-40-B-88 Beginn: •/»♦. V»8i */A V»t0ühr Fldl mit deutschen Fußtiteln Mit MALY PIC0N