Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 701 (12.11.1937)
- Date
- 1937-11-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DDG NEUE WELT Nr. 701 vom 12. November 1937 Hekäiscte Ukwmitöt iu jemsaim Das Laboratorium lür Bodenkunde Von Dr. Adolf Reifenberg (Jerusalem) Vorbemerkung. Dieser Artikel ist ein Vorabdruck aus dem demnächst erscheinenden „Mitteilungsblatt der Hebräischen Universität". Das Mitteilungsblatt enthält eine Reihe von Beiträgen von Professoren und Dozenten der Universität sowie eine Fülle informativer Mitteilungen über die Entwicklung dieser Anstalt. Die Bodenkunde und die mit ihr verbundenen Fragen der Pflanzenernährung und Düngung bieten in einem Lande wie Palästina eine Anzahl interessanter Probleme; ist doch durch den Verfall des Terrassenbaues und die Entwaldung, die zuletzt noch im Weltkrieg stattfand, der erst so fruchtbare Boden den Kräften der Erosion (Fortschwemmung usw.) ausgesetzt worden. Rein theoretisch kann man auf kleinstem Raum den Einfluß verschiedenster Klimata auf die Gesteinsverwitterung und die Bildung recht unterschiedlicher Bodenarten studieren. Diese Verschiedenheit der Bodentypen wiederum bedingt verschiedenartige Vegetationsformen, so daß fast das ganze Land einem riesigen Laboratorium gleicht. Es ist aus diesem Grunde selbstverständlich, daß das Studium solcher Bodenbildungen — und zwar in erster Linie der „terra rossa" — eines der Hauptarbeitsgebiete des bodenkundlichen Laboratoriums gebildet hat; die erhaltenen Resultate sind nicht nur speziell für Palästina interessant, sondern sie gestatten auch Rückschlüsse auf Bodenbildungprozesse in anderen Ländern. Andere theoretische Arbeiten haben sich mit einer neuartigen Bestimmungsmethode des Tons auf elektrischem (kataphoretischem) Wege beschäftigt; diese Methode wurde weiter ausgebaut, um Rückschlüsse auf den Fruchtbarkeitszustand des Bodens zu ermöglichen. In einer Gemeinschaftsarbeit mit der Internationalen Bodenkundlichen Gesellschaft wurde die Methode mit gutem Erfolg von einer großen Anzahl von Bodenproben der verschiedensten Länder demonstriert. Neben derartigen theoretischen Arbeiten nimmt aber selbstverständlich die Erforschung rein,prak' tischer Problem^ unserer Land^ir^ Schaft ,einen großen Raum ein. Hier sei in erster Linie erwähnt, daß das Laboratorium für Bodenkunde sich mit der Versalzungsgefahr unserer Böden beschäftigt hat, die bei fehlerhafter Bewässerung nur zu häufig akut ist. Eine große Anzahl vergleichender Untersuchungen hat gezeigt, welche Gewässer für die Irrigation' der Orangenkulturen geeignet sind und welche nicht. Das I^boratorium,, hat sj&h..aber nicht nur mit Wasser- und Bodenuntersuchungen begnügt, sondern hat gleichzeitig auch Pflanzenvegetationsversuche in Salzlösungen angestellt. Fernerhin wurde die obenerwähnte Untersuchungsmethode auch praktisch zur Bestimmung der Düngebedürftigkeit angewandt und viele Böden wurden nach dieser und nach anderen Methoden auf ihren Nährstoffgehalt hin untersucht. Wenn man bedenkt, daß jährlich für mehr als 100.000 Pfund Düngemittel nach Palästina importiert werden, ist es einleuchtend, daß Düngungsfragen hier von ganz besonderem Interesse sind. In einem ariden Land wie Palästina macht sich der Mangel an organischem Dünger ganz besonders fühlbar: unsere Böden sind fast ausnahmslos humusarm. Aus diesem Grunde widmet das Laboratorium einen großen Teil seiner Arbeit dem Problem, ob und inwieweit im Lande (im Huleh-Gebiet) auftretender Torf als organischer D ü n g e r in Frage kommen kann. Während in diesem Jahr noch die Hauptarbeit eine mehr oder weniger theoretische ist und sich mit 5 der Natur idea Torfes in, Palästina beschäftigt, sollen im nächsten Jahr, wenn möglich Topfversuche mit Torfdüngung ausgeführt werden. Ein anderes hierher gehörendes Problem bildet die mangelhafte Aufbewahrung des Stalldüngers in Palästina; es konnte nachgewiesen werden, daß bei den angewandten Methoden große Verluste an Stickstoff auftreten, der für die Pflanzenernährung so wichtig ist. Schließlich sei erwähnt, daß das Laboratorium sich auch mit der Verarbeitung zuckerhaltiger pflanzlicher Abfälle für die Hefe- und Alkoholfabrikation beschäftigt hat. Neben derartigen Forschungsarbeiten wird der Unterricht nicht vernachlässigt, zumal bei den Studenten der Chemie ein ganz besonderes Interesse für Bodenkunde und Agrikulturchemie besteht. Auch Studenten der Botanik und Geologie be-; suchen die Vorlesungen für Bodenkunde und Agri-/ kulturchemie. Nach Gründung des Agricultural College, \ dessen Schaffung geplant wird, werden die jetzt be*.-. stehenden Arbeitsmöglichkeiten für Studenten >be-, deutend erweitert werden müssen, denn das Labora-f torium leidet bereits jetzt an Platzmangel. Dem Mangel an hebräischen Lehrbüch e rn hat der Leiter des Laboratoriums dadurch ja begegnen versucht! daß er ein, Lehrbuch &g ajjge^ \ r meinen Bodenkunde verfaßt hat, dem bald ein zweiter Teil über die Böden Palästinas folgen wird. Demnächst wird auch ein Buch Über die Böden Palästinas und die Ergebnisse der jüdischen Kolonisation in englischer Sprache in London erscheinen. Zum Schluß sei erwähnt, daß das Laboratorium für Bodenkunde selbstverständlich jederzeit den landwirtschaftlichen Siedlungen, die seinen Rat öfters in Anspruch nehmen, zur Verfügung steht; ferner hält der Leiter des Laboratoriums häufig populäre Vorträge in den Kolonien. Auch mit der palästinensischen Regierung findet eine Zusammenarbeit in vielen Fragen teils praktischer, teils legislativer Natur statt. HesktSik üiit EUttukkßil yifWlFlFf^FVF WWW^Fwr ^rVW1rirwwWW*VwfWW Humoreske von Tunkeler Wir saßen an einem Tisch in einem Hotel des internationalen Kurortes beisammen. Man sprach über Ehrlichkeit. „Was wissen Sie, meine Herren", sagte ein eleganter vornehmer Mann mit Monokel, „was für ehrliches und ordentliches Volk wir Oesterreicher sind. Stellen Sie sich vor: Ich vergaß einmal in der Tramway meinen Stock mit einem Elfenbeingriff und einer Menge goldener,und süberner Verzierungen. Ich war außer mir. Am nächsten Tage lädt man mich in ein Büro für verlorene Gegenstände (Fundbüro)' ein und übergibt mir mit großer Freundlichkeit meinen wertvollen Stock. Ich mußte mich nicht legitimieren, ich mußte auch keine Erkennungszeichen geben und auch keine Bestätigung unterschreiben. Man schenkte mir Glauben; wir, wir Oesterreicher, wissen nichts von Betrug, unter uns gibt es keine Diebe und verworfenen Menschen. Wir sind die Ehrlichkeit selbst ... Allerdings, der Stock war nackt. Der elfenbeinerne Griff fehlte. Auch die Verzierungen waren abgenommen. Aber die Ehrlichkeit hat gesiegt." Da nahm ein Schweizer das Wort. „Sie, meine Herren, haben keine Vorstellung von Ehrlichkeit und von edlen Taten, deren die Schweizer fähig sind. Sie wissen, daß man bei uns in der Schweiz die Geschäfte immer offenläßt, auch bei Nacht. Der Kaufmann schläft ruhig zu Hause, und will ein Kunde etwas kaufen, geht er ins Geschäft hinein, sucht sich etwas aus, legt das Geld auf den Tisch und Schluß. .,. Einmal vergaß ich auf dem Postamt meine goldene Füllfeder, die mit Brillanten besetzt ist. Am nächsten Morgen suchte man mich in meinem schweizerischen Dorf auf. Der Finder ließ es sich 300 Franken kosten, bis er mich erwischte; Er Rollte von mir weder die Kosten noch den Finderlohn nehmen, der ihm laut Gesetz zukomrAt. Im'Gegenteil — er "drückte mir die Hand dafür, daß ich ihm Gelegenheit zu einer edlen - Tat gab. So sind wir Schweizer." „Wie könnt ihr euch vor mir, einem Finnländer, solcher Taten rühmen? Alle Länder sind gar nichts, verglichen mit Finnland. Ich wül Ihnen einen Fall erzählen. Einmal badete ich am Meeresufer und verlor meine Brieftasche mit tausend finnischen Mark. Drei Monate vergingen, ich hatte mich bereits mit meinem Verlust abgefunden, als ein Finnländer zu mir kam, mir mein Portefeuille und die tausend Mark brachte und dazu noch die Zinsen für die drei Monate, Während welcher das Geld in seinen Händen war. Ja mehr noch. Er wertete mir das Geld auf, auf den vollen Tageskurs, da die finnische Valuta damals sehr stark gefallen war. . . Wissen Sie nun, was Ehrlichkeit ist?" „Nach all den Erzählungen zu schließen, habt ihr Europäer keine Ahnung von Ehrlichkeit", sagte ein Mexikaner. „Ich werde Innren einen Fall erzählen, der unseren ehrlichen Charakter beweist. Ich verlor einmal meinen Hund Salvador. Ich wollte Plakate drucken lassen mit einem Büd des Hundes und allen seinen Kennzeichen und eine große Fundprämie aus- , setzen, als plötzlich das Telephon inmitten der Nacht läutete. Jeder versicherte mir, er habe den Hund nicht gefunden, man kam zu mir ins Haus, um mich von der Fruchtlosigkeit des Suchens zu verständigen, als auf einmal ein Mexikaner in meine Wohnung trat und mir den Hund brachte. Ich wollte ihm die ausgesetzte Prämie einhändigen, aber er zog den Revolver und legte ihn auf mich an. Ja, e r wollte mir ein schönes Geschenk geben. Und als ich versuchte, sein Geschenk abzulehnen, schlug er mir zwei Zähne aus. Das heißt Ehrlichkeit. Das heißt Noblesse." Endlich nahm ein Mann mit verbissenem Gesicht, mit roter Nase und stechenden Augen das Wort. „Unsinn", sagte er, „wenn Sie Ehrlichkeit sehen wollen, dann blicken sie auf uns Nationaldemokraten, auf uns „Endekes". Während der „Geschehnisse" haben wir die größte Ehrlichkeit an den Tag gelegt. Wir rauben nichts und nehmen nichts für uns. Zerstören, verbrennen, zusammstoßen, niederreißen — bitte sehr, aber etwas für sich nehmen? Keine Spur. Wenn man uns Gold hinhält — nicht zu machen. Die Juden dagegen, das sind Schwindler, Spekulanten, Auswurf. Denken Sie nur: Da unlängst komme ich aus Posen — ich bin nämlich ein Posener — nach Warschau, um für mein Geschäft Ware einzukaufen. Ich suchte jüdische Geschäfte auf, weü man bei Juden billiger kauft. Nur einen Artikel, den man bei Juden nicht bekommt, kaufte ich in einem endekischen (N. D. — nationaldemokratisch, antisemitisch) Geschäft, um unserem Losungswort „Boykottiert die Juden" nachzukommen. Als ich nach Hause kam, bemerkte ich, daß ich irgendwo meinen Schirm vergessen hatte. Und so ging ich zurück in alle Geschäfte, meinen Schirm suchen. In das jüdische Geschäft, wo ich Ware gekauft hatte: ob ich nicht hier meinen Schirm vergessen hätte? Der jüdische Schwindler antwortet: Nein. In das zweite jüdische Geschäft — dieselbe Antwort. Ins dritte jüdische Geschäft: Der Schirm ist nicht da. Und nun komme ich in das endekische Geschäft. Sofort heißt es: ,Ja. Der Schirm ist da.' Man bringt mir den Schirm. Verstehen Sie? In drei jüdischen Geschäften wollte man mir den Schirm nicht herausgeben und im ersten endekischen Geschäft ist man mir mit dem Schirm entgegengekommen. Da habt ihr ein Beispiel dafür, wie ein ordentlicher Endek handelt und wie sich die Juden, die Schwindler, aufführen. Ras§ssdte§ und KSassisdhes Wir haben den beiden Satirikern des jüdischen Lebens Vicky Schlesinger und Bobby Weiser schon viele heitere Stunden zu verdanken. Alles bisher Gebotene wird jedoch durch ihre neue Revue in den; Schatten gestellt.: Zwerchfellerschütternde Szenen werden uns vorgeführt, freilich fehlt nicht der bittere Tropfen- Wermut, die Erinnerung an den Ernst des jüdischen Schicksals. Es ist den Autoren nicht um büligen Wort¬ oder Situationswitz zu tun. Nach Scherz und Satire kommt immer wieder die tiefere Bedeutung hervor und die Hoffnung — das ist die Berechtigung für den überströmenden Humor —, daß unser Leben nicht immer so tragisch verlaufen wird. Alle Szenen zeugen von gründlicher Kenntnis des jüdischen Loses und von der großen Kunst der beiden Autoren. Besonders hervorzuheben sind die Stücke: „Doktor — ein jüdischer Vorname", „Quartett zu zweit", „Teilung Palästinas", „Leopoldstädter Symphonie" und ein dramatisiertes Kapitel aus einem in Kürze erscheinenden Roman Weisers, das seltene dichterische Kraft und Ausdrucksweise zeigt. Die Akteure — meist Dilettanten — gefielen gut, besonders geschmackvoll und in den Rahmen passend ist die Musik Leopold Dicksteins. Neuerliche Aufführungen der Revue > in Wien und der Provinz können mit größtem Erfolg rechnen. W. S. Das elegante Cafe am Opernring, Caf6 Prinz Eugen, ist der Treffpunkt der besten Gesellschaft. Täglich Abendkonzert bei normalen Tagespreisen. Aufmerksamste Bedienung. Aufliegen ' sämtlicher in- und ausländischen Zeitungen, i^yßP%eg& ft%S!& w^mmmm mm >$$W$Wßl^r