Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 701 (12.11.1937)
- Date
- 1937-11-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 701 vom 12. November 1Ö37 Dis neue Welt Seite 5 Warum gab man uns die BalfouriDeklaratioiiT Von Dr. H. Rosenblum, Tel-Avtv. Zwanzig Jahre Balfour-Deklaration . . . Es gibt bei den 2ionisten drei traditionelleAnaichten über das Wesen der Deklaration und über die Gründe, welche die britische Regierung veranlaßt haben, die Deklaration zu geben, Die erste Ansicht geht dahin, die Balfour- Deklaration sei erlassen worden, um eine . führende zionistische Persönlichkeit, die im Kriege der britischen Wehrmacht wichtige Denste auf wssenschaftlichem Gebiete geleistet hatte, auf diese Weise zuentlohnen. Das wird von Zeit zu Zeit in verschiedenen Variationen wiederholt, ohne daß die betreffende Persönlichkeit sich darum bemüht hätte, diese Erzählung zu widerlegen. Der Eindruck, der in zionistischen Kreisen erweckt wurde, ist, daß etwas daran offenkundig stimme und daß die Balfour-Deklaration, wenn nicht ganz, so doch zum Teil auf Konto einer zufälligen wissenschaftlichen Erfindung einer Einzelperson zu buchen sei. Die zweite Ansicht geht dahin, die Balfour- Doklaration verdanke ihre Entstehung den Sentiments des englischen Volkes für die Bibel ühd das Volk der.Bibel. Zur Bekräftigung wurden Hunderte von Artikeln und auch Bücher geschrieben, unter denen das Buch des verstorbenen zionistischen Führers N. S O'k o 1 o w über den Zionismus in England besonders hervorzuheben ist. Sokolow hat nachzuweisen versucht, daß das zionistisch'-biblische Sentiment im Laufe der letzten Jahrzehnte in der englischen Literatur und Politik gewachsen ist und in der Herausgabe der Balfour-Deklaration seinen logischen Abschluß fand. Die sogenannte „biblische Version" der Balfour-Deklaration" ging schließlich so weit, das V o 1 k B a 1 £ o u r s als wahren Nachkommen der verschwundenen zehn Stämme anzusehen. Die dritte Ansicht ist die in oppositionellen zionistischen Kreisen verbreitete. Ihrzufolge ist die Balfour-Deklaration die Frucht des weiten strategischen Planes der britischen Regierung, ein freundlich gesinntes jüdisches Millionenvolk am Ufer des Suezkanals anzusiedeln, um sich dadurch für absehbare Zeit eine militärisch-wirtschaftliche Basis in diesem Weltteil zu schaffen. Davon ausgehend, hatte seinerzeit Jabotinsky ein politisches Programm verfaßt, in dem er die Forderung aufstellte, England t>er 30.000 Besucher waren begeistert von dem Mali-PiCon*FHm JicflmK'n FSdl Alleinaufführung nur im Augarten-Kino II, Untere Augartenstr. 28 Tel, A-40-5-98 möge in Palästina ein „Kolonisationsregime" schaffen, mit dessen Hilfe es das jüdische Volk systematisch und schleunigst im jüdischen Lande kolonisieren könnte. Das ,,Kolonisationsregime<4 sollte Begünstigungen für die jüdische Industrie und Landwirtschaft schaffen, eine jüdische bewaffnete Macht ins Leben rufen, die arabische Opposition durch eine „eiserne Wand" absperren und eine jüdische Massenkolonisation durch weitestgehendes Entgegenkommen an die Zionisten ermutigen. Ein derartiger Plan konnte nur in den Köpfen von Männern entstehen, die aufrichtig daran glaubten, daß England aus strategischen und politischen Gründen an einer jüdischen Massenansiedlung in Palästina interessiert und nur bemüht sei, den k ü i z esten Weg zur Verwirklichung seines Planes ausfindig zu machen. Die Schlußfolgerung, die der Zionismus unsere* Eraohtens aus seiner zwanzigjährigen Erfahrung ziehen kann und muß, ist, daß alle drei vorerwähnten Ansichten vollkommen verfehlt sind. -Es ist ganz und gar ausgeschlossen, daß das jüdische Volk die Balfour-Deklaration dem gelungenen Einfall eines glücklichen jüdischen Chemikers verdankt. Eine derartige Auffassung konnte nur in den Köpfen von Leuten entstehen, die jahrhundertelang gewöhnt sind, ihre „Stadl an im" (Gemeindeversorger) als einzige Quelle politischer Ereignisse zu betrachten. Die Weltgeschichte kennt keinen einzigen Fall, daß Staatswesen infolge politischer oder persönlicher „Dankbarkeit" begründet Wörden wären. Sollte man die Theorie der „politischen Dankbarkeit*' abzeptieren, würde es heißen, daß die Balfour-Deklaration nie das Licht der Welt erblickt hätte, werin Herrn Dr. Weizmann seine chemische Erfindung nicht gelungen wäre. Das Absurdum liegt auf der Hand. Auch die zweite Ansicht, welche die Balf öür- Deklaration durchehglisohe Bibelßentimemts erklären möchte, muß im Lichte unserer zwanzigjährigen Erfahrung als unberechtigt bezeichnet werden. Mag sein, daß die Bibel in vm&m englischen Kreisen Sympathien für das jüdische Volk erweckt hat. Es gibt aber keinen triftigen Grund zur Annahme, daß dies eine ausschlaggebende Rolle bei der Verfassung der Deklaration gespielt hätte. Die englische Politik ist seit je das Muster nüchterner Realpolitik im Chorus der europäischen Nationen, und es ist nur ein Beweis der sentimentalen Veranlagung der Juden selbst, wenn diese glauben, England würde sich wegen eines vor Jahrtausenden geschriebenen Buches schwerwiegende und weitgehende politische Verpflichtungen auferlegen. Wäre d a ö der Fall, so hätte die Mandatarmacht nach zwanzig Jahren keinen Versuch unternommen, trotz des Weiterbestehens der Bibel die Balfour- Deklaration loszuwerden. Auch die dritte Theorie, die der englischen StrategieimNahenOsten, muß (man möchte fast sagen: leider . . ,) als gescheitert angesehen werden. Unsere gesamte Erfahrung im Laufe dieser zwanzig Jahre legt ein Zeugnis dafür ab, daß etwas an dieser Theorie nicht stimmt. Um eine jüdische OPTIKER KARL SEIDNER i, Praitt»Jot«ls»Kal 33 ' II, Hollandttrafle f Fachmännischer Rat / Reiche Auswahl / Beate Qualität / Preiswert Millioneneinwanderung nach dem Suezkanal zu richten, brauchte England wahrlich nicht diese Einwanderung drakonischen Beschränkungen zu unterwerfen. Um den politischen Einfluß der jüdischen Einwanderer zu stärken, brauchte es nicht die Jewish Agericy zu untergraben und eine effektive arabische Führung auszubauen. Um das jüdische Aufbauwerk sicherzustellen, brauchte es nicht die jüdische Legion unmittelbar nach Kriegsende zu demobilisieren. Um die Juden als künftige Besitzer des Landes erscheinen zu lassen, brauchte es nicht die benachbarten arabischen Staaten zur Einmischung in , die palästinensischen Angelegenheiten zu ermutigen. Und um die „weitgehende zionistische Strategie England im Nahen Osten" der Verwirklichung näherzubringen, brauchte es in den Jahren 1915 und 1916 keine so hartnäckige Opposition der jüdischen Legionsidee entgegenzusetzen! Der Leser dürfte sich wohl erinnern, daß die Führer der jüdischen Legion nur nach einem harten Kampfe ihren Plan in englischen politischen und militärischen Kreisen durchsetzen konnten. Damals war uns diese Tatsache nicht genügend einleuchtend. Nach zwanzigjähriger Erfahrung ist sie viel verständlicher: weder im Kriege noch späterhin hatte England offenkundig seine Aspirationen im Nahen Osten in Verbindung mit dem Zionismus. Das ist auch der wichtigste Grund für die Weigerung Englands, den an sich sehr vernünftigen Plan des Kolonisationsregimes aufzugreifen. Wer keinen jüdischen Millionenstaat in Palästina anstrebte, brauchte auch kein besonderes Interesse für die W e g e zu bekunden, die zu seiner Verwirklichung führten. Die Lösung scheint viel einfacher zu sein: Der Zionismus war für England eines der Mittel zum erfolgreichen Abschluß des Krieges. Alles andere wurde jüdischerseits späterhin angehängt. Akzeptieren wir diese „Kriegstheorie", so wird uns auf einmal die gesamte spätere englische Politik in Palästina begreiflicher. Um die jüdischen Sympathien' in dejj. Kriegsländern zu mobilisieren; bedürfte es weder einer jüdischen Legion, noch einer jüdischen Einwanderung, die die Araber „reizen" könnte, noch einer politischen Stärkung,der jüdischen Position in Palästina. Zur MobiliBerung der jüdischen Kriegs- Sympathien genügte vollkommen das Versprechen der Regierung Seiner Majestät an das jüdißche Volk, um naoh Kriegsende das Versprechen im Ströme .der Interpretationen zu ertränken. Vor zehn Jahren schon hatte Dr. N. Feinberg, durch seine politischen Publikationen über das Palästina-Mandat bekannt, auf diese Tatsache hingewiesen, ohne allerdings die Aufmerksamkeit des zionistischen Auditoriums erweckt zu haben. Zu stark waren damals die vorerwähnten theoretischen Traditionen, als daß man einem Schriftsteller Glauben schenken würde, der sie zu widerlegen suchte. Wir glauben, daß Ür, Feinberg heutzutage ein dankbareres Auditorium haben würde . , . Er lenkte die Aufmerksamkeit der zionistischen Bewegung auf den sechsten Band der .„History of the Peace*Conferenoeu von H. W. Temperly, in welchem authentische Dokumente Uber die Motive, die zur Balfour-Deklaration und zum Palästina-Mandat geführt haben, gesammelt waren. Aus diesen Dokumenten geht klar hervor, daß England den Zionismus als k,Krleg0mittei für seine Ziele" betrachtete. Die projüdischen Sentiments, die in England wach waten, haben zwoc eine, gewisse Rollo bei der, Rest« [Diabciihcr, Stuljlucrftopfte' efktt mit SÖOtteil m feit Säumten Bcwdfjtte 6lltldttlftWt in bühtwn Stritten mit Suiter imb @d)(n!«n, 8<i<§t öetöäliltd), juglcid) belifät. Se^r btqium: €imö«e1)lDt*§djnUi<nüädM)ett in ©tnnniol. Ölt öfleti guten gelnfeft^nbl. «. Mdmitn $u $ftf>en. i@imtfn^tßtfobtif ^ten^6flronfe5. £äflt. MmU setzung der zionistischen Politik gespielt, ohne jedoch ausschlaggebend gewesen zu sein. Die projüdischen Sentiments allein hätten nie zur Balfour- Deklaration führen können. Den Ausschlag haben fol* gende vier Momente gegeben; 1. England war bestrebt, die Feindschaft des Weltjudentums gegenüber der Entente, welche durch die zaristische Politik in der Judenfrage verursacht waren, zu mildern; 2. es wollte ferner die pazifistische Propaganda in der russischen Armee, die teilweise durch die Juden getrieben worden war, dadurch paralysieren, daß es die Juden am Siege der Entente interessierte; 3. es bemühte sich, die jüdische Hochfinanz für die Entente zu gewinnen und 4. wollte es die amerikanischen Juden, die auf Präsident WÜson einen bestimmten Einfluß auszuüben vermochten, in den Kreis der britischen Politik hereinziehen. Dies alles sollte durch die Balfour-Deklaratio» erreicht werden. Die Dokumente, von denen hier die Rede ist, sind keine privaten. Es geht aus ihnen kla» hervor, daß Vertreter der Entente die hervorragende jüdische Kriegshilfe, die zum erfolgreichen Abschluß der Operationen verhalf, bei der Friedenskonferenz offenzugegeben haben. Das ist sehr viel, es ist aber andererseits —- alles. Die.zwanzig Jahre, die seitdem vergangen Sind, bestätigen es vollauf. Hätte sich der Zionismus in einer Weise realisieren lassen, daß er die anderen Pläne Großbritanniens im Orient nicht durchkreuz* hätte, so wäre wahrscheinlich in den englischen politischen Kreisen keine Gegnerschaft gegen die jüdischen Aspirationen in Palästina entstanden, Im vorliegenden Falle ist aber das geschehen, was wir zu sehen bekamen. Natürlich ist England kein Anhänger deutscher politischer Methoden. Bethmann Hollweg hat die belgische Neutralität öffentlich verletzt. Ormsby-Gore ist in Anlehnung an die britisch-politische Tradition bestrebt, die Verletzung der Balfour- Deklaration in ' wenig;er? demonstrativer Weise in Erscheinung treten zu lassen. Das eine SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUERE! Zentrale? iX„ Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-54 Lieferant ttir Heilanstalten Abteilungen für v^n-FSeisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der lsr Kultusgemeinde Wien , Aiitoxtittellung kostenlos >X. Berggasse 15 / XVIII., W&hringerstr. 97 scheint aber dem anderen auffallend ähnlich zu sein. . Der Zionismus ist jetzt in den Augen Englands der „Mohr, der seine Schuldigkeit getan" hat und gehen kann ... Ob dies eine weitsichtige Auffassung ist, wissen wir nicht. Die zionistische Politik und das jüdische Volk müssen aber in den Jubiläumstagen den Mut aufbringen, »diesen Tatsachen in die Augen zu schauen. Öle „Britischen Israeliten" gegen die Teilung Palästinas Aub London (J. T. A.): Der Weltverband „British I s r a e 1", der einige tausend Mitglieder zählt und die Ansicht vertritt, daß die Engländer Nachfahren der verlorenen zehn Stämme sind, hat soeben eine Broschüre, „D i e^S oüveränität Palästina s", veröffentlicht; in der entschieden gegen die Teilung Palästinas Stellung genommen und die Forderung nach Umwandlung Palästinas in eine Kronkolonie erhoben wird. Der britische Thron sei die moderne Fortsetzung des Thrones Davids. Als Eckstein des Friedens im Nahen Osten solle Palästina „das leuchtendste Diadem in der ■ britischen Krone" werden.- Die „Britischen Israeliten" wählen biblische Bezeichnungen für die modernen Staaten: England ist für sie Ephraim, die Vereinigten Staaten sind Manasse, die englischen Dominions bezeichnen sie als die „jugend Löwen", Sowjetrußland ist für sie Gog usw. Die Juden halten sie für die Nachfahren des alten Juda und gestehen ihnen einen Anteil an ihrem nationalen Erbe in Palästina nur für den Fall zu, daß sie sich mit dem „wahren" Volk Israel", den Engländern, vereinigen. Es geht um Ihr kostbarstes Out, „Ihre Augen«! Lassen Sie sich fachmännisch unverbindlich beraten von Optiker Karl Seidner, t, Franz-Josefs-Kai 33, und II., Hollandstraße 7. (Siehe Inserat!) Qesund, gut und leicht verdaulich ist das köstliche Wiener Simonsbrot. Unentbehrlich zur Behebung von ' Darmträgheit und. Magenleiden. Bestes Diätbrot, 21